John Sinclair 305 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3066-0 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Im Rattentempel.
Es war ein schriller, böser, ängstlicher und noch nie vernommener Schrei, der Hakim, den Wildhüter, erschreckte. Der Mann war auf seinem Hochsitz fast eingeschlafen und sprang jetzt, wie von der Tarantel gestochen, in die Höhe.
Sein Gesicht verlor von einem Augenblick zum anderen die Farbe. Die Augen starrten erschreckt in das seltsam grüne Licht der Dämmerung.
Eine trügerische Ruhe herrschte.
Hakim kannte das. Und er wusste auch, dass die Ruhe nicht lange anhalten würde. Sie war das letzte Atemholen vor der Katastrophe ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Im Rattentempel
Es war ein urwelthafter, schriller, böser, ängstlicher und noch nie vernommener Schrei, der Hakim, den Wildhüter, so erschreckte. Der Mann war auf seinem Hochsitz fast eingeschlafen und sprang jetzt, wie von der Tarantel gestochen, in die Höhe.
Sein Gesicht verlor von einem Augenblick zum anderen die Farbe. Die Augen schauten erschreckt nach vorn und starrten erschreckt in das seltsam grüne Dämmerlicht der Lichtung.
Nur das hohe Gras und die verwachsenen Büsche waren dort zu sehen. Und eine trügerische Ruhe herrschte. Hakim kannte das. Und er wusste auch, dass die Ruhe nicht lange anhalten würde. Sie war das letzte Atemholen, bevor der Sturm losbrach, der zumeist in einer Katastrophe endete …
So war es vor den mörderischen Gewittern, so war es vor Taifunen und anderen Katastrophen.
Diese trügerische Ruhe …
Auch Hakim hielt den Atem an. Die feuchte Dschungelluft kam ihm plötzlich wie Blei vor, und er hatte Mühe, überhaupt Luft zu holen. Die Gegend und Umgebung schienen erstarrt zu sein. Nichts bewegte sich mehr, kein Wind kämmte das Gras, und über ihm, in der gewaltigen Baumkrone, rührte sich ebenfalls kein Vogel.
Hakim dachte wieder an das furchtbare Geräusch. Er wusste genau, dass er das Trompeten eines Elefanten gehört hatte, aber so schrie nur ein Tier in höchster Not.
Zudem war es äußerst selten, dass Elefanten so sehr ihre Angst hinausschrien. Da mussten sie schon einer großen Gefahr ausgesetzt sein, nur konnte Hakim keine erkennen.
Es hatte hier in der Gegend einmal Tiger gegeben. Zu seinem Leidwesen waren sie längst ausgerottet worden, und dieses Gebiet gehörte eigentlich zu denen, die als normal galten.
Weshalb dieser Schrei?
Der Hochsitz war stabil gebaut. Ein Karree dicht unter der breiten Krone, durch eine Leiter zu erreichen. Ausgestattet mit einer Sitzbank und einem hohen Geländer aus festem Bambus. Wenn Hakim den Kopf in den Nacken legte, sah er den Himmel nicht, weil die Baumkrone einfach zu dicht war.
Etwa eine halbe Minute war seit dem Schrei vergangen. Sehr weit konnte der Elefant nicht entfernt sein. Leider konnte ihn der Wildhüter nicht sehen, weil am Rand der Lichtung die Pflanzenwelt wie ein Vorhang wirkte.
Früher hatte es dort mal einen Weg gegeben, der zum Tempel führte, doch der Pfad war längst zugewuchert.
Immer noch umgab ihn die Stille. Schwer, drückend, irgendwie beängstigend. Nur seine Schritte waren zu hören, wenn er auf der Plattform mit der Wanderschaft begann.
Dann wieder.
Obwohl Hakim damit gerechnet hatte, erschrak er bis ins Mark. Das wilde, kreischende, unheimliche Trompeten des Elefanten zerriss die lastende Stille.
Kaum war es aufgeklungen, als über Hakim die Baumkrone in Bewegung geriet. Durch das dichte Blattwerk waren die Vögel zuvor gedeckt gewesen. Nun aber flatterten sie in mehreren Schwärmen hoch, und sie fanden überall Lücken, um in den blauen Himmel zu stoßen und der gleißenden Sonne entgegenzufliegen.
Sie flohen …
Hakim hatte nach oben geschaut. Als er den Vogelschwarm wegfliegen sah, senkte er wieder den Kopf. Die Gefahr kam nicht aus der Luft, sie musste am Boden ihren Ursprung haben. Der Wildhüter packte sein modernes Repetiergewehr fester. Er schob den Lauf auf die Brüstung und zielte schräg der Lichtung entgegen. Dann kniete er sich hin, lugte durch die Zieloptik. Dabei nahm er ungefähr die Richtung aufs Korn, aus der er das angstvolle Trompeten vernommen hatte.
Und dort bewegte sich etwas.
Der Dschungel schien plötzlich aus seinem toten Leben zu erwachen. Die grüne Wand blieb nicht mehr ruhig. Sie warf Wellen, wurde durchbrochen, ein Krachen und Bersten ertönten, etwas Graues schlug hervor, und Hakim erkannte einen Rüssel.
Der Elefant kam!
Nichts Natürliches konnte diesen Dickhäuter aufhalten, wenn er einmal in Panik geraten war. Er walzte und trampelte alles nieder, was sich ihm in den Weg stellte. Erst einmal im Leben hatte Hakim eine Stampede von Elefanten erlebt. Das geschah, als der Dschungel brannte. Hätte ihn nicht ein Freund gerettet, wäre er von den tonnenschweren Tieren zermalmt worden.
Auch auf dem Hochsitz fühlte er sich nicht sicher. Wenn der Elefant die Richtung beibehielt, würde es ihm nichts ausmachen, den Sitz zu zerstören.
Der Dickhäuter brach durch.
Er bahnte sich mit unvorstellbarer Kraft seinen Weg. Sein Rüssel peitschte, und die hochwuchernde Dschungelflora wurde durch die gewaltigen Füße zertrampelt.
Die schweren Beine dröhnten auf der Lichtung. Hakim vernahm das harte Stampfen. Alles zitterte. Der Elefant schleuderte seinen Körper herum, hatte nun freie Bahn und hätte eigentlich quer über die Lichtung laufen müssen, doch das geschah nicht.
Er wankte.
Hakim schien es, als hätte ihn die Kraft verlassen. Der Dickhäuter wuchtete seinen schweren Oberkörper vor. Die Beine wollten ihm einfach nicht gehorchen. Er schlug mit dem Rüssel wie mit einer Peitsche. Widerstand fand er nicht. Der Kopf wurde in die Höhe gerissen, das Maul war geöffnet, und abermals drang ein Schrei aus der Öffnung.
Diesmal noch lauter, noch schriller und unheimlicher als zuvor. Es war der absolute Todesschrei, der sein Maul verließ, und der Wildhüter erkannte mit Erstaunen und Schrecken, dass dieses gewaltige Tier die Lichtung nicht mehr verlassen würde.
Dazu fehlte ihm die Kraft.
Noch stand er, noch schleppte er sich voran, doch Hakim wusste nicht, aus welchem Grund sich der Dickhäuter so schwertat. Eine Verletzung konnte Hakim nicht erkennen, und Elfenbeinjäger befanden sich ebenfalls nicht in der Nähe.
Die Angst musste einen anderen Grund haben.
Wieder dröhnte der Boden unter den schweren Tritten des Dickhäuters. Er riss sich wieder zusammen, sammelte Kräfte, aber es hatte keinen Sinn mehr.
Der Elefant kam nicht mehr weiter. Er wurde kopflastig, knickte in den Vorderbeinen ein und fiel schwer zu Boden. Für einen Moment hielt er sich noch, dann rollte der Körper auf die Seite.
War er schon tot?
Hakim hielt den Atem an. Seine Kehle kam ihm wie eine ausgedörrte Röhre vor. Er hörte sein eigenes Herz überlaut schlagen und hatte das Gefühl, Eiswasser über den Kopf gegossen zu bekommen, als er jetzt, wo der Elefant auf der Seite lag, entdeckte, was mit ihm geschehen war.
Jemand hatte den Dickhäuter angegriffen und ihm die gesamte Flanke aufgerissen.
Kein Fetzen Haut war mehr vorhanden. Scharfe Zähne hatten sie eingerissen und abgezogen. Nur das Fleisch quoll hervor und wirkte auf die Schmeißfliegen wie ein Magnet. Sie hatten sich bereits über der großen Wunde versammelt, schwirrten dort im Kreis oder setzten sich auf das blutige Fleisch.
Wer konnte so große Wunden reißen?
Hakim war lange genug in seinem Beruf tätig und hatte viel gesehen. Aber nicht solche Wunden. Selbst ein Tiger schaffte so etwas nicht. Diese Tiere rissen nur Stücke heraus, sodass der Körper des Opfers wie ein Krater wirkte.
Der Dickhäuter rührte sich nicht. Er lag auf der Seite. Ein Auge hatte er noch geöffnet. Wahrscheinlich war er in wenigen Minuten bereits tot.
Den Grund für die schreckliche Verletzung wusste Hakim noch immer nicht, aber er wollte ihn herausfinden. Da musste man einfach nachhaken, denn das ging nicht mit rechten Dingen zu.
Hakim drehte sich ab. Bevor er die Leiter hinabstieg, wandte er sich noch einmal um. Es war keine bewusste Bewegung. Er hatte sich nur angewöhnt, beim Weggehen noch einmal hinter sich zu schauen.
Hakim stoppte seinen Schritt.
Die Dschungelwand war zwar, nachdem der Elefant durchgestoßen war, wieder fast so geworden wie zuvor, doch nun geriet sie abermals in Bewegung.
Im ersten Augenblick rechnete Hakim mit dem Auftauchen eines zweiten Dickhäuters.
Selten in seinem Leben hatte er sich so geirrt. Denn das, was da aus dem Dschungel gerannt kam, war eine graubraune, sich bewegende Masse, und dafür gab es nur einen Begriff.
Ratten!
*
Hakim blieb so steif stehen, als wäre er mit der hölzernen Unterlage verwachsen. Durch seinen Kopf schossen zahlreiche Gedanken, wobei es ihm nicht gelang, sie zu ordnen. Dennoch dachte er nur an eines.
An Ratten!
Traten sie einzeln auf und waren hungrig, so konnten sie auch Menschen angreifen. Bei einer oder zwei Ratten war es nicht so tragisch, lebensgefährlich wurde es aber, wenn sie in Massen auftraten.
Und Hakim sah Massen von Ratten.
Sie kamen wie eine graue Walze aus dem Dschungel. Unheimlich war dieser lebende Teppich aus Tierkörpern anzusehen, der sich vorwuchtete und weiterrollte.
Das Ziel war der Elefant!
Hakim brauchte nicht mehr zu überlegen, wer dem sterbenden Dickhäuter diese schlimme Verletzung beigebracht hatte. Was selbst Tiger nicht erreichten, das schafften riesige Rattenrudel.
Sie waren gefräßig, grausam, blut-und beutegierig. Nichts ließen sie aus, und der Dickhäuter wurde von der wirbelnden und springenden Masse »überrollt«.
Es dauerte nur Sekunden, dann hatten ihn die ersten erreicht. Mit kraftvollen Sprüngen erreichten sie den Körper, warfen sich auf ihn und hatten kaum Kontakt, als die Zähne mit ihrer hackenden und reißenden »Arbeit« begannen.
Von dem Elefant war nichts mehr zu sehen. Die zahlreichen braungrauen Nager hatten ihn völlig zugedeckt.
Ihre Körper bewegten sich hektisch, wenn sie zubissen.
Sie holten das Fleisch, sie durchbissen Sehnen, und noch einmal bäumte sich der Kopf des großen Tieres auf.
Auch die auf ihm sitzenden Ratten gerieten...
| Erscheint lt. Verlag | 15.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3066-6 / 3838730666 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3066-0 / 9783838730660 |
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