John Sinclair 259 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3018-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Ich stürmte den rollenden Sarg.
Die Verwandlung begann!
Barbara krümmte sich vor Schmerzen. Sie stöhnte und Speichel lief aus ihrem Mund. Nur raus aus dem Zugabteil, dachte sie. Die Mitreisenden sollten nicht mit ansehen, wie sie sich innerhalb weniger Minuten von einer jungen Frau in eine reißende Bestie verwandelte. - Endlich hatte Barbara die Toilette erreicht. Sie konnte die Tür hinter sich schließen. Flaum wuchs auf ihrer Haut und wurde immer dichter: Das Fell bildete sich. Aus Händen wurden Pranken, aus einem menschlichen Gesicht das eines Wertigers. Und gleich würde Barbara Tod und Verderben über die Mitreisenden bringen. In einer waghalsigen Aufholjagd versuchten wir mit einem Hubschrauber, den Zug einzuholen.
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Ich stürmte den rollenden Sarg
Als der Penner sich im Schlaf herumwälzte und dabei seine Wermutflasche umkippte, wurde er durch das Geräusch wach. Seine Sinne waren in den langen Jahren geschärft worden, er richtete sich hastig auf und lauschte in die Dunkelheit hinein.
Sekunden saß er in dieser steifen Haltung. Sehen konnte er nichts, die Finsternis umgab ihn wie ein lichtundurchlässiger Sack, aber er fühlte und horchte.
Er war nicht mehr allein!
Diese Feststellung ließ ihn frösteln. Bisher war er bei einem verdächtigen Geräusch sofort erwacht. Wie konnte es dann möglich sein, dass er nichts vernommen hatte, als der oder die andere in den Waggon gestiegen war? Und das hörte man, wenn die schwere Schiebetür zur Seite gezogen wurde. Sami Sorge atmete tief ein. Jetzt war er über zenn Janre auf der tour, kannte halb Europa, hatte sich sogar bis zur albanischen Grenze durchgeschlagen, um einen Blick in das Land der Skipetaren werfen zu können, und selbst die schärfsten Wachtposten hatten ihn nicht so erwischt wie die Person in dem stockdunklen Waggon.
Der Penner fror.
Das lag nicht an der Temperatur, sondern allein an dem Wissen, nicht mehr allein zu sein.
Das quälte ihn.
Vorsichtig verlagerte er sein Gewicht. Unter sich spürte er die alte Decke. Er hatte seinen langen grauen Mantel angelassen. Die Nächte im März waren noch sehr kalt, zudem besaßen Güterwaggons keine Heizung, und er fuhr mit seiner rechten Hand an der Mantelseite entlang, damit die Finger in der klappenlosen Tasche verschwinden konnten. Dort bewahrte er einen seiner Schätze auf. Es war ein altes Sturmfeuerzeug aus dem Zweiten Weltkrieg. Er wollte und würde es nie wegwerfen, denn im Gegensatz zu vielen modernen Feuerzeugen funktionierte es immer.
Sami Sorge streckte seinen rechten Arm aus. Das Feuerzeug hielt er zwischen Daumen und Handballen eingeklemmt und drückte mit der Daumenspitze auf den Auslöser.
Ein paar Funken wirbelten über dem nassen Docht, und einen Augenblick später fing er Feuer.
Eine zuckende blassrote Flamme mit einem gelblichen Rand tanzte über der kleinen Öffnung und verbreitete einen hellen Kreis. So klein die Flamme auch war, so groß zeigten sich die Schatten, die von ihr geschaffen wurden und über die Innenwände des Waggons tanzten.
Sie sahen aus wie gestaltlose Ungeheuer, aber Sami hatte sich vor Schatten noch nie gefürchtet. Menschenwaren da gefährlicher. Er ließ seinen Arm nicht in der Stellung, sondern schwenkte ihn und beschrieb einen Halbkreis.
Ein Teil des Waggons wurde so weit ausgeleuchtet, dass er Dinge erkennen konnte, die sich außer ihm noch darin befanden. Zwei alte Fässer, ein zusammengelegtes Tau und die zerbrochenen Holzstücke einer Kiste. Einen Menschen sah er nicht.
Noch nicht, wie Sami zugeben musste, denn es gelang ihm nicht, mit der kleinen Flamme auch die ihm gegenüberliegende Seite des Waggons anzuleuchten. Sie blieb im Dunkeln.
Mit der linken Hand stützte der Penner sich ab. Er tat selten etwas, wenn, dann jedoch gründlich. Und er würde nicht eher Ruhe haben, bis er sich von seinem Verdacht überzeugt hatte und ihn auch bestätigt bekam.
Sami stand auf, ging ein paar Schritte, und nach dem Dritten fiel die Dunkelheit wieder über ihm zusammen, denn sein Daumen war abgerutscht.
»Mist!«, schimpfte er, wollte sich wieder seinem Feuerzeug widmen, als er in der Bewegung innehielt.
Etwas hatte er gehört.
Ein seltsames Geräusch. Mit einem Knurren oder Atmen zu vergleichen. So genau war das nicht herauszubekommen, aber da musste sich etwas anbahnen, und er war sicher, sich nicht getäuscht zu haben.
Plötzlich bekam er eine Gänsehaut. Von oben nach unten rann sie über seinen Rücken. Fast witternd schob er den Kopf vor und fragte flüsternd in die Dunkelheit: »Ist da jemand?«
Vor ihm blieb es still.
»He, Partner, melde dich! Sag doch etwas, wenn du da bist! Los, mach keinen Quatsch!«
Jetzt würde der andere sicherlich etwas erwidern, doch abermals wurde Sami enttäuscht.
Es blieb still.
Unsicherheit breitete sich in Sami Sorge aus. Sollte er sich tatsächlich so getäuscht haben? Hatte ihn sein Gefühl, auf das er immer gebaut hatte, verlassen?
Er wollte es einfach nicht glauben. Und er wollte sich auch nicht mehr auf sein Feuerzeug verlassen. Wenn der andere gewalttätig wurde, kam er sich in dem Waggon vor wie in einer Rattenfalle. Deshalb gab es für ihn nur eine Möglichkeit.
Auf mit der Tür!
Auf Zehenspitzen schlich er dorthin. Sami kannte Waggons wie diesen wie seinen alten Wintermantel. Er wusste genau, wie er sich auch im Stockdunklen zu bewegen hatte, denn gut abgedichtet war der Waggon. Kein Lichtstrahl drang durch irgendwelche Ritzen.
Der Penner brauchte nicht lange zu suchen. Zudem war die Tür nicht verriegelt. Er tastete nach dem Griff, bekam das Metall zwischen seine Finger und stemmte sich gegen die Tür, um sie aufzuschieben.
Sie hakte ein wenig und rappelte auch. Dieses Geräusch übertönte ein anderes, denn der Stromer merkte nicht, dass sich aus dem düsteren Hintergrund des Waggons eine Gestalt löste, die direkt auf ihn zukam.
Er konnte sie nicht sehen, ahnte sie nicht einmal, aber sie kam immer näher, und dann schaffte er es durch einen heftigen Ruck, die Tür weiter aufzuziehen.
Jetzt endlich sah er besser. Durch den Spalt schaute er nach draußen, sah die Lichter des Abstellbahnhofs, die sich auch auf dem Schienenpaar vor ihm spiegelten, und er wollte die Tür weiter aufziehen, um nach draußen zu schlüpfen.
Dazu kam er nicht mehr.
Der andere war schneller.
In dem Augenblick, als Sami Sorge die Tür so weit offen hatte wie nötig, griff sein Gegner zu.
Der Penner ahnte in diesem Moment die Gefahr, die zu einer Lebensbedrohung für ihn anwuchs, aber er konnte nichts mehr dagegen unternehmen, weil sein Gegner zu schnell und brutal war.
Der Hieb riss Sami fast das Gesicht auf. Er konnte nur noch dumpf gurgeln, flog zurück und krachte zu Boden. Mit dem Hinterkopf schlug er noch auf. Es dröhnte dumpf, aber Sami war zäh und überwand seine Schmerzen.
Er kam hoch.
Jetzt saß er, starrte nach vorn und glaubte, verrückt zu werden. Was er sah, das war ein Albtraum, ein Ding der Unmöglichkeit, und er konnte es einfach nicht fassen.
Vor ihm, und dies konnte er genau erkennen, stand ein Monster. Eine Bestie. Eine Mischung aus Mensch und Tiger. Sehr deutlich zu sehen, denn das durch die offene Tür fallende Streulicht zeichnete die Konturen ziemlich genau nach.
Kalt waren die Augen. Kalt und grausam. Sie strahlten in einem sehr hellen gelben Licht, und anstelle der Haut wuchs ein gelbweißes Fell, dessen einzelne Haare gesträubt waren.
Seltsam für den Penner, dass er dies noch alles wahrnahm, obwohl er in einer so großen Gefahr schwebte. Noch überraschender, fast schlimmer jedoch war die Kleidung, die der Mann trug.
Eine grüne Uniform.
Die eines Polizisten!
»Ein … Ein Bulle …«, stieß Sami Sorge hervor. »Verdammt, ein Bulle!«
Es waren die letzten Worte in seinem Leben, denn das Raubtier mit dem Tigerkopf und der menschlichen Gestalt stieß sich plötzlich ab. Es sprang hoch, streckte die Arme dabei vor, und der Mann sah die Krallen dicht vor seinem Gesicht erscheinen.
Sein Mund öffnete sich. Eine Wolke aus Fuselatem strömte dem Wertiger entgegen, der sich davon nicht stören ließ, sondern seine Mordabsicht verwirklichte.
Er schlug zu.
Gnadenlos waren die Prankenhiebe. Aus dem Maul drang ein furchtbares Fauchen. Der Tiger zitterte und bebte, und im Halbdunkel des Waggons geschah ein grässliches Verbrechen.
Der Penner war wehrlos. Er hauchte unter den Prankenhieben sein Leben allmählich aus …
*
Der Wertiger richtete sich auf. Aus seinen gefühllosen Raubtieraugen starrte er auf den Toten. Sein Maul hatte er geöffnet, und aus ihm drang ein heißer Atem hervor. Der gesamte Körper zitterte und bebte. Er konnte seine Pranken nicht mehr ruhig halten. Nach dem unseligen Fluch damals hatte es Stefan Franke, den Polizisten, erwischt. Lange, über ein Jahr fast, hatte der Keim in ihm geschlummert und war schließlich aufgebrochen wie die Blüte einer Blume.
Jetzt war es soweit. Er konnte dem Fluch nicht mehr entkommen. Er musste töten.
So befahl es die schwarze Magie.
Noch kniete er. Blutbefleckt war seine grüne Uniform. Polizist war er gewesen, menschliches Leben hatte er schützen sollen, nun war es von ihm vernichtet worden.
Halb Raubtier, halb Mensch. Einen normalen Oberkörper besaß er, aber die Pranken eines Tigers und einen Kopf wie dieses Raubtier. Die Beine waren die eines Menschen.
Das war Stefan Franke.
Er hätte es sich nie träumen lassen, einmal solch einen Horror mitzumachen. Und das Schlimmste daran war, dass er dabei noch menschlich fühlte und dachte.
Er handelte wie ein Tier, doch sein Denken glich dem eines Menschen, auch wenn es in bestimmten Situationen einfach ausgeschaltet war. Und so eine Situation hatte er hinter sich.
In diesem Waggon hatte er ein Versteck gefunden. In Sicherheit wollte er sein, nur in Sicherheit, denn sie waren ihm auf den Fersen. Seine ehemaligen Kollegen jagten ihn wie ein wildes Tier.
Der Vergleich trieb einen lautlosen Lachanfall in ihm hoch. Ein wildes Tier war er geworden. Mit einem Menschen ließ er sich nicht vergleichen, und er litt ungeheuer unter dieser Doppelexistenz.
Hastig drehte er sich um.
Plötzlich war ihm klar geworden, dass er hier nicht mehr bleiben konnte. Man würde den Mord in einigen Stunden, wenn es hell...
| Erscheint lt. Verlag | 1.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3018-6 / 3838730186 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3018-9 / 9783838730189 |
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