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John Sinclair 295 (eBook)

Tal der vergessenen Toten

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3056-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 295 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!

Tal der vergessenen Toten.

Seit über 100 Jahren lagen sie verschüttet in der Erde. Niemand dachte mehr an sie. Die fünf Bergleute waren aus dem Gedächtnis der meisten Menschen gestrichen worden.

Doch die Kumpel waren nicht tot. Irgendwann bekamen es diejenigen, die sie vergessen hatten, deutlich zu spüren.

Wo sich die größte Abbaugrube Europas befand, verbreiteten die lebenden Leichen Angst und Schrecken ...

John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!

Tal der vergessenen Toten


»Komm mal rüber, Gerd!«, rief Karl Wiesner seinem siebzehnjährigen Sohn zu.

»Was soll ich denn?«, fragte Gerd, während er neben seinem Moped hockte und die Speichen des Hinterrades putzte.

»Mir eben helfen, die Briketts zu stapeln.«

»Ach du Scheiße.«

Karl Wiesner lief rot an. »Wieder keinen Bock, wie?«

»Genau.«

Wiesner stemmte die Arme in die Hüften. Allmählich wurde er wütend. Wenn er einmal den Punkt erreicht hatte, wo er sich nicht mehr ärgern ließ, dann drehte er bald durch. Und das wusste Gerd. Er war zwar selbst kräftig, doch gegen seinen Vater kam er nicht an. Der arbeitete lange genug im Bergbau, da wurden die Kräfte konserviert und noch gestärkt. Wenn der Alte einmal zulangte, flog Gerd bis in die Eifel.

Karl Wiesner war 43, hatte dunkles Haar, breite Schultern und einen buschigen Schnauzbart. Die Arme waren kräftig, die Hände, mit denen er zupacken konnte wie nur wenige, groß wie Bratpfannen.

Gerd hatte keine Lust, sich mit seinem Alten zu streiten. Zudem war Samstag, da wollte er noch in die Disco, und mit seinem Geld sah es ziemlich mager aus. Er hatte vor, dem Vater noch einen Zwanziger abzuknöpfen, deshalb tat er lieber das, was der alte Herr von ihm wünschte.

»Soll ich sofort kommen?«

»Denkste erst morgen?«

»Ich wollte meine Maschine …«

»Die hat Zeit, die Kohlen nicht. Ich muss nachher noch im Keller eine Leitung reparieren.«

»Weil du es bist.« Gerd schlenderte näher. Er war ein schlaksiger Bursche. Das dunkelbraune Haar trug er im Nacken lang, aber hinter die Ohren gekämmt. Im Gesicht ähnelte er sehr seiner Mutter. Manche Mädchen sagten, dass sein Gesicht zu weich wäre. Andere wiederum mochten es.

Die Wiesners wohnten in einem alten Bergarbeiterhaus. Es stand schon über dreißig Jahre und besaß einen Anbau, der früher mal als Stall gedient hatte. Die Wiesners hatten ihn umgebaut. Jetzt gab es dort ein Bad und einen Kohlenkeller. Eine Tür führte vom Kohlenkeller nach draußen. Die Briketts sollten an der Rückwand des Anbaus aufgestapelt werden. Regelmäßig musste Gerd raus und Briketts holen. Das gehörte zu seinen Aufgaben.

»Fang an«, sagte Karl Wiesner und bückte sich. Er spie in seine kräftigen Hände und nahm die ersten beiden Briketts auf. »Du beginnst an der linken Seite.«

»Okay.«

Es war Samstag. Ein herrlicher Tag im November. Schon seit Tagen lag Sonnenschein über Deutschland. Wenn sich die Morgennebel aufgelöst hatten, war wunderbares Herbstwetter. Ruhig und ohne Sturm. Die Bäume zeigten ein buntes Blattwerk. Und im Schein der Sonne glänzten besonders die Blätter der hohen, schlanken Birken wie goldene Taler. So ein Baum stand vor dem Haus der Wiesners. Er überragte das Dach des einstöckigen Gebäudes bei Weitem.

»Beeil dich mal!«, maulte Karl, als er sah, dass sein Sohn nicht gerade schnell war.

»Das ist auch eine blöde Arbeit.«

»Arbeit ist gut.« Karl lachte. »Sei froh, dass du arbeiten kannst. Viele in deinem Alter hängen auf der Straße.«

»Die Schufterei im Bergbau ist auch nicht gerade das Wahre.«

»Aber sicher.«

»Was ist denn heute schon sicher? Elektriker in der Grube. Irgendwann entlassen sie mich.«

»Erstens bist du Lehrling, und wenn sie dich wirklich entlassen sollen, musst du schon silberne Löffel klauen oder so schlecht sein, dass du nicht tragbar bist.«

»Am Wochenende habe ich keinen Bock auf Arbeit. Sie wird ja nicht bezahlt.«

Karl Wiesner hielt für einen Moment inne. »Was soll das denn heißen, willst du etwa Geld?«

Der siebzehnjährige Junge nickte. »Wenn du so direkt fragst, dann kann ich es nicht abstreiten. Ein Zwanziger würde mir am heutigen Abend schon reichen.«

»Verdienst du nicht selbst?«

»Das st doch nichts. Außerdem gibt es erst in der nächsten Woche wieder Scheine. Bis dahin ist es noch lang. In der Disco ist heute wieder der Bär los. Da will ich mitmischen. Ich habe es den anderen versprochen.«

Karl Wiesner schüttelte den Kopf. »Nein«, sagte er. »Du bekommst von mir nichts.«

»Und weshalb nicht?«

»Weil du lernen sollst, mit deinem Geld umzugehen. Wir hatten früher viel weniger und mussten auch auskommen. Ich hatte keinen Vater, der mir Geld gab.«

»Ja, früher. Da war eben alles anders.«

»Warte noch eine Woche, dann bekommst du deinen Lohn.« Wiesner lachte und machte weiter. Er nahm die gepressten Kohlestücke in beide Hände und legte sie hin.

Gerd war sauer. Er stand gebückt da und dachte darüber nach, ob alles noch Sinn hatte. Wahrscheinlich nicht. Am Samstagnachmittag musste er noch arbeiten. Das gefiel ihm überhaupt nicht, und er hätte am liebsten alles fortgeworfen.

»Was ist? Mach weiter!«

»Keine Lust mehr!«, murmelte Gerd.

»Wegen der zwanzig Mark, wie?«

»Auch:«

»Mensch, ich hätte nicht gedacht, dass du dich so anstellst. Ich bin dein Vater, habe für dich gesorgt, und deine Mutter ebenfalls. Aber Hilfsbereitschaft kann man von euch ja nicht verlangen.«

»Das ist auch Mist. Warum haben wir uns keine Ölheizung anlegen lassen?«

»Du vergisst, dass wir auf der Braunkohle sitzen. Damit heizen wir auch wesentlich billiger. Mach weiter!«

Plötzlich drehte Gerd durch. Er nahm ein Kohlestück, schaute darauf, seine Mundwinkel verzogen sich, und im nächsten Augenblick schleuderte er das Stück wütend gegen die Wand.

Mit einem satten Geräusch brach das Stück auseinander.

Gerd war sicherheitshalber zurückgetreten. Er wollte sich keinen Schwinger einfangen, doch sein Vater dachte überhaupt nicht daran, ihn für diese Dummheit zu strafen. Wiesner sah das Kohlestück, das Gerd gegen die Wand geschleudert hatte. Zerbrochen in zwei Hälften lag es am Boden.

Zwei Hälften, an sich nichts Besonderes, wenn da nicht etwas gewesen wäre, das ihn nicht nur überrascht, sondern regelrecht entsetzt hätte.

Aus der größeren Hälfte ragten die bleichen Finger einer Hand!

*

Karl Wiesner hielt die Luft an. Er hatte sich nicht voll aufgerichtet und blieb in einer gebückten Haltung stehen, wobei er auf das Kohlestück starrte und den Kopf schüttelte.

Bleiche Finger stachen aus dem Brikett. Es gab keine andere Möglichkeit, das war eine Hand.

»Gerd?« Karl Wiesner hatte den Streit mit seinem Sohn vergessen, als er den Namen flüsterte.

»Ja …«

»Leide ich an Halluzinationen?«

»Nein, Vater.«

»Dann siehst du auch, was ich sehe?«

Gerd nickte.

»Sag es.«

»Eine Hand. Aus dem Brikett ragt eine Hand! Ich sehe sie ebenfalls. Verdammt auch!«

Die Wiesners waren beide totenblass geworden. In den nächsten Sekunden standen sie nur da, starrten auf die Finger und konnten kein Wort sagen.

Gerd fühlte sich sogar noch mieser als sein Vater. Der Siebzehnjährige konnte es nicht fassen, und er merkte, dass seine Beine anfingen zu zittern.

Angst umkrallte sein Herz. Es war ein schreckliches Gefühl, und am liebsten wäre er fortgelaufen.

»Da müssen wir wohl die Polizei rufen«, sagte Karl Wiesner und atmete tief durch.

»Und dann?«

»Sollen die sich darum kümmern. Komm ins Haus!« Karl Wiesner warf noch einen letzten Blick auf das Kohlestück. Er traute sich nicht, es anzufassen. Zu makaber war dieser Fund.

Und auch außergewöhnlich. Bei den Abbauarbeiten wurde zwar viel gefunden, doch das waren Funde aus der Vergangenheit. Sie stammten aus den frühen Jahren der Erdgeschichte, Versteinerungen von Pflanzen und manchmal von Tierskleletten. Aber die Hand zeigte keinerlei Anzeichen von Verwesung.

Eine schaurige Sache.

Sie gingen durch den schmalen Gartenstreifen an der Seite und betraten das Haus von vorn. Lisa Wiesner war nicht anwesend. Mit zwei anderen Frauen war sie an diesem Samstag nach Köln gefahren, um einzukaufen. Der Zug kam erst am späten Nachmittag zurück, sodass die beiden Männer allein zu Hause waren.

Das Haus war nicht sehr groß. In der schmalen Diele stand das Telefon auf einem kleinen Tisch, dicht neben der Treppe.

Karl Wiesner legte seine schmutzige Hand auf den Hörer und zögerte.

»Willst du nicht anrufen, Vater?«

»Ich weiß nicht so recht.«

»Du musst die Polizei verständigen, wirklich. Nachher geraten wir noch in den Verdacht.«

»Wieso? Was sollten wir denn getan haben?«

»Lehre du mich die Bullen kennen. Die habe ich bei einer Demonstration erlebt. Das war verdammt heiß, kann ich dir sagen. Nein, ruf sie an, dann ist alles erledigt.«

»Und wen?« Wiesner war durcheinander.

»Ich kenne keinen. Aber den Dorf-Sheriff kannst du dir sparen. Heute ist Samstag, da hockt er in der Kneipe, spielt Karten und ist vielleicht schon breit.«

»Hör auf, Junge! Mehr Respekt!«

»Vor den Bullen?« Gerd lachte kieksend. »Nee, das kannst du von mir nicht verlangen.«

Normalerweise hätte Karl Wiesner härter reagiert, denn unter den Polizisten befanden sich einige Freunde von ihm. Doch der Schock des makabren Fundes saß einfach noch zu tief in ihm. »Gib mir mal das dicke Telefonbuch!«

Gerd musste es aus dem Wohnzimmer holen. Seine schmutzigen Sohlen hinterließen auf den rehbraunen Teppichboden dunkle Spuren. Wenn die Mutter das sah, gab es Ärger.

Als der Junge zurückkam, meinte Karl Wiesner: »Es wäre wohl besser, die Kripo anzurufen. Was meinst du?«

»Einverstanden.«

Die Nummer hatten sie schnell gefunden. Karl Wiesner tippte sie höchstpersönlich ein, wartete und erstattete...

Erscheint lt. Verlag 1.7.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-3056-9 / 3838730569
ISBN-13 978-3-8387-3056-1 / 9783838730561
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