John Sinclair 286 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3047-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Briefe aus der Hölle.
Stellen Sie sich bitte Folgendes vor: Sie wachen nachts auf, gehen zum Schreibtisch und schreiben einen Brief. Nicht aus Lust oder weil Sie vielleicht vergessen haben, jemandem zu schreiben, sondern weil Sie einem inneren Drang folgen. Stellen Sie sich weiter vor, dass Ihnen Ihre Handschrift fremd vorkommt. Sie kennen auch den Inhalt des Briefes nicht. Wie reagieren Sie?
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Briefe aus der Hölle
Das Licht der Schreibtischlampe warf einen hellen Kreisauf das Papier und beleuchtete auch die Hand, die den Federhalter hielt. Es war eine kräftige, leicht gebräunte Hand, dieeinige Altersflecken zeigte. Der Schreiber des Briefes hattedie Fünfzig bereits überschritten.
Er hockte leicht gebückt und etwas verdreht vor seinem Schreibtisch, konzentrierte sich auf seine Arbeit und störte sich ansonsten um nichts. Die Worte – zu einzelnen Sätzen zusammengefügt – flossen glatt und sicher aus seiner Feder. Er unterbrach seine Tätigkeit kaum, und als einziges Geräusch war das Schleifen der Feder über das glatte Papier zu vernehmen.
Ansonsten herrschte eine nahezu bedrückende Stille in dem kleinen Raum, der auch nur diese eine Lichtquelle besaß. Die alten Möbel verschwammen im Schatten der Wände, und nur die Fensterscheibe blinkte matt wie poliertes Gusseisen.
Der Mann sah aus, als wollte er sich nicht stören lassen. Er hatte bereits drei Blätter vollgeschrieben, legte jetzt auch das Vierte zur Seite und nahm ein nächstes in Angriff.
Sorgfältig malte er die Zahl 5, nickte zufrieden und fuhr in dem Satz fort.
Nichts brachte ihn aus der Ruhe. Er wunderte sich nicht einmal darüber, mit welch einer gestochen scharfen Schrift er die einzelnen Worte zu Papier brachte.
Es war später Abend. Die meisten Menschen in dem alten Wohnblock lagen bereits in den Betten. Nur hinter wenigen Fenstern brannte noch Licht.
Niemand störte den Mann, er schrieb weiter und hatte fast die fünfte Seite vollgeschrieben, als hinter der Zimmertür Schritte aufklangen. Für einen Moment hob der Schreiber den Kopf, in seinen Augen zuckte es, dann senkte er seinen mit grauen Haaren bedeckten Schädel und schrieb weiter.
Die Zimmertür lag in seinem Rücken. Er schaute nicht nach hinten und sah deshalb auch nicht, dass sich die Klinke sehr behutsam nach unten bewegte.
Jemand wollte das Zimmer betreten, doch diese Person zögerte noch. Wahrscheinlich deshalb, weil sie den Schreiber bei seiner Arbeit nicht stören wollte.
Spaltbreit wurde die Tür aufgedrückt, und sie schwang lautlos in das Innere des Zimmers.
Mit der Öffnung drang etwas sehr Seltsames in den Raum.
Ein beißender scharfer Geruch, der aus allen möglichen Düften widerlichster Art zusammengesetzt war, aber von einem Stoff überlagert wurde.
Es stank nach Schwefel!
Noch war nichts zu sehen, doch schon bald änderte sich dies. Erste Wolken drangen in den Raum. Sie schimmerten leicht gelblich, verteilten sich wie ätzender Brodem und bekamen, je mehr Wolken nachfolgten, eine grünlichere Färbung.
Es folgte eine Hand.
Nein, eine Klaue. Schwarz wie die eines Tieres. Mit Nägeln versehen, die ein wenig heller schimmerten und eine gekrümmte Form zeigten. Eine schreckliche Kralle, die eigentlich keinem Menschen gehören konnte, sondern einem Tier.
Die Kralle mündete in einen Arm, der ebenso dunkel aussah, mit Fell bedeckt war und in der oberen Hälfte in einem dunkelroten Vorhang verschwand.
Wer trug ein solches Gewand? Es gab nur einen, der so auftrat: Jemand den die Menschen von Anbeginn der Zeiten hassten und fürchteten. Der sich verwandeln konnte in einen schönen Jüngling oder ein hässliches Monstrum. Der sich den Menschen hin und wieder in einer bockfüßigen, ziegenköpfigen Gestalt gezeigt hatte und der einen Namen besaß, der Angst und Panik verbreitete.
Es war der Teufel!
Und genau er war es, der die Tür so vorsichtig geöffnet hatte und das Zimmer betrat.
Sein breites, hässliches Maul verzog sich zu einem Grinsen, doch es drang kein Laut über die widerlichen Lippen. Das Gesicht lief unten am Kinn in einem Dreieck zu. An der Stirn wurde es breiter, wobei die Nase kaum zu sehen war, sehr genau aber die hochstehenden Nüstern, aus denen feine Rauchschwaden krochen und vor der hässlichen Teufelsfratze allmählich zerflatterten.
Eigentlich besaß der Teufel pechschwarze Haare, doch er hatte sich eine dunkelrote Kappe übergestreift, die sehr eng an seinem Schädel auflag, die Stirn noch mehr zum Vorschein kommen ließ, sodass die beiden Hörner doppelt so groß wirkten, wie sie tatsächlich waren.
So sah der Satan in all seiner Scheußlichkeit aus. Er stand im Zimmer, hatte eine Klaue auf die Klinke gelegt, drückte die Tür allmählich wieder zu, wobei sie kein Geräusch verursachte, als sie ins Schloss fiel.
Falls der Mann am Schreibtisch dennoch etwas bemerkt hatte, so ließ er es sich nicht anmerken. Er blieb in seiner gebückten Haltung hocken und schrieb weiter.
Der Teufel wartete einen Moment. Der Blick seiner stechenden dunklen Augen glitt zum Fenster. Er nickte, als er sah, dass auch von draußen her kein Licht in das Zimmer fiel.
Dann ging er langsam vor.
Er schlich, er schwebte, kein Geräusch begleitete ihn, nur die nach Schwefel stinkende Wolke hielt sich immer in seiner Nähe, denn sie war für ihn eine Art Markenzeichen.
Einen halben Schritt hinter dem schreibenden Mann blieb er stehen. Durch seine hässliche Gestalt lief ein Zucken, als er auf den gebeugten Nacken des Mannes schaute, seine Arme ausstreckte und die widerlichen Krallen um den Hals des Menschen legte.
Er drückte nicht zu, doch der Mann zuckte zusammen, als er die Berührung verspürte, und seine rechte Hand glitt zur Seite. Die Feder verließ das Papier, ein zittriger Streifen blieb auf der weißen Fläche zurück und wurde auf der Schreibtischplatte verlängert.
»Ich bin da, Henry!«, sagte der Satan. Er sprach mit einer seltsam zischenden Stimme, und diesmal drang nicht nur der Qualm aus seinen Nasenlöchern, sondern auch aus dem Maul.
Der Schreiber blieb ruhig sitzen. Wenigstens so lange, bis der Teufel seine Klauen zurücknahm. Dann drehte der andere sich gemächlich um, wobei er auch die Beine herumschwang, damit er seinen Nacken nicht verdrehte.
Henry legte den Kopf zurück.
Er und der Teufel starrten sich an.
Der Satan grinste. Es war in der Tat ein diabolisches Grinsen, wie man es eben von ihm erwartete. »Du weißt, wer ich bin, mein lieber Henry?«, fragte er mit falscher Freundlichkeit.
»Der Teufel!«
Satan lachte, und aus seinem Mund drang eine giftgrüne Schwefelwolke, vermischt mit Schleim. »Herrlich geraten, mein Bester. Fantastisch, kann ich nur sagen. Wirklich excellent.«
Der Schreiber saß stumm da und schaute den Satan nur an. Er fürchtete sich nicht, besaß keine Angst, und in seine kühl blickenden Augen trat kein Funken Gefühl. Der Mann hatte ein zerfurchtes Gesicht. Die Unterlippe war ein wenig vorgeschoben. Seine Nase zeigte einige rote Flecken, die Haut wirkte trotz der Bräune alt und lappig.
»Du hast geschrieben, nicht wahr?«
»Ja.«
»Und sogar sehr schön!«, kicherte der Teufel. »Weißt du eigentlich, dass es nicht deine Handschrift ist?«
Henry nickte.
»Wie kommt es wohl, dass du dennoch so glatt und sicher die Buchstaben auf das Papier bringen kannst, wobei du doch ansonsten keine Geistesleuchte bist.«
»Jemand hat mir geholfen und mich geführt.«
Da schüttelte der Satan den Kopf, und die Schwefelwolke breitete sich noch stärker aus. »Nicht nur einer hat dir geholfen. Es waren zwei. Einmal er und einmal ich. Mich kennst du jetzt. Aber weißt du, mein Freund, wer er war?«
»Ich glaube mich zu erinnern.«
»Dann sag es, schnell.«
»Gideon Torry!«
»Ja«, schrie der Satan und rieb sich seine Klauenhände. »Du hast recht, er war es tatsächlich. Gideon Torry, der Henker, der Massenmörder. Und du bist Henry Torry, einer seiner vielen Nachkommen, die er aus dem Jenseits und mit meiner Hilfe beglückt …« Der Teufel brach in ein rasendes raues Gelächter aus, das durch den Raum hallte. So heftig, wie es aufgeflammt war, so schnell brach es auch wieder zusammen. »Und jetzt lies mir vor, was Gideon diktiert hat.«
Henry Torry nickte, drehte sich wieder um und begann mit leiser Stimme zu lesen.
Es war ein langer Brief, und er enthielt nur Grausamkeiten und finstere Drohungen, die der längst verstorbene Henker ausstieß. »Doch der Teufel hat mir geholfen«, sagte Henry zum Schluss. »Er leitete alles in die Wege. Ich bin noch da, die Menschen werden es merken …«
»Gut hast du das gemacht«, lobte Asmodis seinen Schüler. »Sogar vorzüglich. Ich gratuliere.«
»Das war nicht ich.«
»Klar, ich weiß, mein Bester. Aber Gideon steckt in dir, wie du gemerkt hast. Er hat wieder Kontakt mit der Erde. Mit den Lebenden. Ich habe ihm Hilfe gegeben, und er will weitermachen. Sein Geist in deinem Körper oder auch beschützend über dir schwebend. Du, Henry Torry, wirst seinen Namen in Ehre halten, und du musst es mir und ihm gleich beweisen.«
Henry nickte. »Was soll ich tun?«
Der Satan winkte ab und drehte seinem Günstling gleichzeitig den Rücken zu. »Es ist nicht viel«, erklärte er. »Eine Kleinigkeit. Lappalie sagt man bei euch …«
»Sag es!«
»Ich zeige es dir!«, rief Asmodis, machte so heftig kehrt, dass sein Umhang flog. Unter ihm zog er etwas hervor, dass er triumphierend in der Hand hielt.
Es war das, was Gideon Torry in seinem Leben so ausgezeichnet hatte.
Eine Schlinge!
Sorgfältig geknüpft, mit einem Zugknoten versehen, damit sie um jeden Hals passte.
Der Satan hielt sie in der Hand, hob seinen Arm etwas in die Höhe, sodass er genau durch die Schlinge schauen konnte, wobei sich sein hässliches Gesicht zu einem noch hässlicheren Grinsen verzog.
Ein wenig bewegte er die Hand. Gerade so viel, damit die Schlinge pendeln konnte....
| Erscheint lt. Verlag | 1.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3047-X / 383873047X |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3047-9 / 9783838730479 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich