John Sinclair 277 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3038-7 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Im Penthouse der Angst.
Im Penthouse der Angst ist der Teufel los! - Arme dringen aus den Wänden, Leichen schweben durch die Zimmer, ein Toter ist im Schrank versteckt. Die Mauern hauchen den Geist des Bösen, das Haus atmet und lebt. Unvorstellbar!
Suko sorgt dafür, dass die überlebenden Bewohner evakuiert werden, bevor auch sie sterben müssen, denn auf dem Gebäude lastet ein Fluch, der als magische Seuche ein Chaos verursacht ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Im Penthouse der Angst
Aus der linken Faust ragte der Stahl eines Stiletts. In der rechten Hand hielt der Mann ein Messer mit leicht gekrümmter Klinge. Die Augen in dem dunklen Gesicht wirkten wie weiß angestrichene Glaskugeln. Zwischen ihm und Suko befand sich ein offener Gully.
Eines war sicher. Der Schwarze stand unter Strom. Er war high, fertig. Die Grenze, wo einem Menschen alles egal ist, hatte er fast erreicht. Es fehlte nur der zündende Funke, um das menschliche Pulverfass in die Luft zu jagen.
Und diesen Funken wollte Suko vermeiden. Er wollte keine Eskalation der Gewalt.
Beide Klingen blitzten. Hin und wieder wurden sie von einem verirrten Lichtstrahl getroffen, der aus den Leuchtstoffröhren eines Reklamespruchs fiel und auf den Klingen diese Reflexe hinterließ. Ansonsten war die Umgebung dunkel. Suko und der Schwarze wurden von düsteren Brandmauern eingerahmt. Eine reine Hinterhof-Kulisse.
Der Inspektor lächelte. »Komm«, sagte er leise. »Gib die beiden Messer her. Es ist in deinem Interesse.«
Der Schwarze schüttelte den Kopf. Dann hob er seine Schultern, und Suko machte sich schon auf einen Angriff gefasst, doch der Mann sackte wieder zusammen und nahm eine völlig normale Haltung an. Normal für ihn, denn die Spitzen der Klingen wiesen auf den Chinesen.
»Weshalb machst du es uns so schwer, Freund?«, fragte Suko.
»Geh! Geh weg!«, flüsterte der Neger. »Verschwinde endlich, du verdammter Hurensohn.«
»Sicher gehe ich, aber mit dir!«
»Ich bleibe.«
»Und weshalb hast du das Mädchen angegriffen?«
»Habe ich nicht!«, zischte er.
»Ich hörte die Schreie. Jetzt ist die Kleine verschwunden. Aber ich bin mir sicher, dass du es gewesen bist, der sie …«
Der Schwarze trat mit dem Fuß auf. »Geh zum Teufel, du verfluchter Chinese!«
»Nach dir, mein Junge.« Suko blieb äußerlich gelassen, war innerlich jedoch sehr gespannt. Er ging auch einen Schritt vor und musste sofort wieder zurück, denn der rechte Arm des Schwarzen zuckte vor, und die gekrümmte Klinge wischte ziemlich nahe an Sukos Gesicht vorbei.
Er hob die Arme. »Ich will nichts von dir. Ehrlich nicht. Ich will dir nur erklären und …«
»Hau ab, Mann!«
»Aber nicht doch …«
Der Schwarze schüttelte sich. Suko rechnete mit einer Antwort oder einem Angriff. Eine Antwort bekam er. Allerdings auf eine Weise, mit der er nicht gerechnet hätte. Der Schwarze vor ihm begann leise zu singen.
»Zehn kleine Negerlein, die waren gute Freunde, doch einen holte schnell der Teufel, da waren es nur noch neune …«
Vielleicht hätte ein anderer gelacht, diesen Text aus dem Mund eines waffenstarrenden Mannes zu hören. Suko jedoch war nicht danach zumute, sein Gesicht verschloss sich für einen Moment und nahm einen nachdenklichen Ausdruck an.
Zehn kleine Negerlein, hatte der Mann vor ihm gesungen. Und er hatte es sicherlich nicht aus Vergnügen getan. Da steckte etwas dahinter. Aber was konnte das sein?«
Doch einen holte schnell der Teufel, da waren es nur noch neune! So hatte der Mann gesungen und den eigentlichen Text des Liedes abgeändert. Was Suko dabei so störte, war das Wort Teufel! Es machte ihn stutzig und alarmierte ihn.
»Warum singst du das Lied?«, fragte er.
»Es gefällt mir, Chinese.«
»Wirklich?«
»Ja, sonst würde ich es nicht singen.« Der Schwarze ging einen halben Schritt vor und blieb nun so dicht am Rand des offenen Gullys stehen, dass seine Fußspitzen mit dem Rand bündig abschlossen.
»Willst du zum Teufel?«, fragte Suko.
Der Schwarze bog für einen Moment den Kopf zurück. Jetzt hätte Suko ihn angreifen können, aber er unterließ es. Vielleicht änderte er das Vorhaben des Mannes doch noch mit einigen vernünftigen Worten. Man musste nur alles versuchen.
Blitzschnell richtete der Schwarze wieder seine Klingen auf den Inspektor. »Der Teufel«, hauchte er dabei. »Der Teufel lebt. Ich weiß es. Er holt uns. Wie die zehn kleinen Negerlein. Ich bin das zehnte. Er wird …« Dann sprach er nicht mehr weiter und kicherte nur noch.
»Was wird er?«
»Nichts, Chinese, gar nichts. Er wird kommen. Er kann auch dich holen, aber ich will dich ihm nicht so einfach geben. Ich habe etwas anderes mit dir vor.«
Suko blickte dem Mann ins Gesicht. Der Bursche war vom Alter her schwer einzustufen. Er konnte 30, aber auch 20 Jahre alt sein. Eine helle Sommerhose trug er. Dazu ein Hemd, das bis über den Gürtel fiel. Und natürlich diese beiden verfluchten Messer.
»Was hast du mit mir vor?«
»Ich schlitze dir die Kehle auf!«, versprach der Schwarze. »Einmal von rechts, dann von links.« Plötzlich lachte er. »Auch dich soll der Teufel haben, und vielleicht treffen wir uns in der Hölle wieder. Hast du gehört? In der Hölle!«
»Bin ja nicht taub«, erklärte der Inspektor. »Nur habe ich keine Lust, dir zu folgen. Ich will nicht dem Teufel die Hand schütteln. So etwas habe ich noch nie gemocht.«
»Du musst aber!«
»Wirklich?«
»Klar!«
Nach dieser Antwort griff er an. Allerdings war Suko darauf vorbereitet, er glitt zur Seite und auch gleichzeitig zurück, als der andere mit einem geschmeidigen Sprung über den offenen Gully hinwegsetzte. Seine Arme bewegten sich gedankenschnell. Gleichzeitig blitzten auch die Messer. Sie waren wie vorzuckende Schlangen und beschrieben kreisende Bewegungen, während der Schwarze ein hohes, schrill klingendes Kichern ausstieß.
Suko drehte und wand sich. Wenn er nicht achtgab, würde der andere ihn irgendwann erwischen, denn dieser Mann fightete mit einer nahezu tänzerischen Leichtigkeit. Er kam wie eine Schlange um den Gully herum, und da Suko an der anderen Seite dieses Schachts stand, blieb die Öffnung immer zwischen ihnen.
Der Inspektor hoffte, dass sein Gegner sich mal einen Fehltritt leisten würde, das allerdings geschah nicht. Der Schwarze gab genau acht, wo er seinen Fuß hinsetzte, und er konzentrierte sich gleichzeitig noch auf die beiden Messer, die er ohne Unterbrechung auf Sukos Körper gerichtet hielt.
Dann sang er wieder. »Zehn kleine Negerlein, die …«
Plötzlich unterbrach er sein Lied, sprang vor und über den Gully hinweg.
Suko musste zurück, denn der Schwarze hatte zu einem wahrhaft raubtierartigen Sprung angesetzt. Was Suko in den nächsten Sekunden erlebte, damit hatte er nicht gerechnet. Er wurde völlig überrascht, war perplex und konnte es kaum fassen, wobei er zusätzlich das Gefühl hatte, die Zeit würde langsamer ablaufen.
Er kam sich vor wie in einem Film. Das rechte Bein des Schwarzen war vorgestreckt, das linke dafür zurückgezogen und leicht angewinkelt. So setzte er über den Gully hinweg und befand sich noch einen halben Yard über der Öffnung, als es geschah.
Aus dem Loch ragte ein Arm.
Dunkel, pechschwarz, wenigstens sah dies in der Finsternis so aus. Die Hand war zur Greifklaue gekrümmt, und sie fasste tatsächlich im richtigen Augenblick zu.
So schnell wie ein Schnappschloss umklammerte sie den linken Knöchel des springenden Negers und hielt ihn eisern fest. Der Mann hatte keine Chance, dem Griff zu entrinnen. Seine Bewegung geriet außer Kontrolle. Er warf noch die Arme in die Luft, und beide Messerspitzen zeigten gegen den Himmel. Die weißen Augäpfel schienen zu rollenden Rädern zu werden. Er öffnete den Mund, und brüllte: »Der Teufel!«
Im nächsten Moment fiel er. Suko hörte ein grollendes Gelächter aus der Tiefe des Schachts, dann wölkte Qualm hervor, der widerlich ätzend nach Schwefel stank, und im nächsten Augenblick war der Schwarze verschwunden.
Ihn hatte der Gully geschluckt.
Oder die Hölle geholt, wie Suko auch annehmen konnte. Der Neger verschwand innerhalb des Schachts und stieß einen markerschütternden Schrei aus, der leiser wurde, je tiefer der Schwarze rutschte.
Danach war es still …
So leicht konnte den Chinesen nichts erschüttern. Diesmal jedoch war er voll überrascht worden, denn damit hatte er nicht gerechnet. Vor seinen Augen war der Gegner buchstäblich vom Teufel geholt worden. Mit einem Zug in die Hölle.
Zwei, drei Sekunden rührte Suko sich nicht. Er starrte nur auf die Öffnung, aus der dieser nach Schwefel stinkende Rauch quoll und in trägen Schwaden auf ihn zugeweht wurde.
Von dem Schwarzen sah er keine Spur mehr. Auch nicht, als sich Suko neben den Gully kniete und in die Tiefe schaute. Sein Gegner war und blieb verschwunden.
Ihn hatte tatsächlich der Teufel geholt. Oder war er umgebracht worden?
Suko wollte es genau wissen. Obwohl es gefährlich war, zögerte er keinen Augenblick, tastete mit den Händen den Innenrand des Schachts ab, fand die Sprosse einer Leiter und kletterte in die Tiefe.
Er wusste genau, dass ihm das gleiche Schicksal widerfahren konnte wie dem Schwarzen, aber dieses Risiko ging er ein. Keine Kompromisse mehr. Wenn er dem anderen jetzt nicht auf den Fersen blieb, war alles verloren, und er würde es wohl niemals mehr schaffen.
Also in die Tiefe!
Der Inspektor kannte sich aus. Nicht zum ersten Mal kletterte er in einen Gully, um sich auf den Weg in die Unterwelt zu machen. Er wusste, wie schmal und gefährlich die schmalen Trittflächen waren, deshalb wollte er aufpassen.
Schritt für Schritt gelangte er in die Tiefe. Noch immer nahm er den Höllengeruch wahr. Ein leichter Hauch von Schwefel schwängerte die Luft, wobei er allerdings stark an Intensität verloren hatte und von den anderen Gerüchen überlagert wurde.
Gerade bei diesem schwülen Wetter, das über London lag, drückte die Luft ungemein...
| Erscheint lt. Verlag | 1.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3038-0 / 3838730380 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3038-7 / 9783838730387 |
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