John Sinclair 1930 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7325-1489-2 (ISBN)
Drei Paare waren es, die von Texas aus zu einer Europareise starteten. Alle waren im Rentenalter. Man freute sich auf die Zukunft und hatte die Vergangenheit vergessen.
Nicht aber ein gewisser Fänger. Der hatte noch mit den drei Männern eine Rechnung offen, denn sie waren damals seine Henker gewesen ...
Seiner Frau hatte Wayne von diesen Angriffen nichts gesagt. Wenn sie in der Nacht plötzlich da waren, dann war er aufgestanden, in ein anderes Zimmer gegangen und hatte versucht, sich abzulenken.
Aber die Stimme war unerbittlich, und Wayne Coburn wusste nicht, wem sie gehörte. Er dachte jedoch an eine Rache, die ihn irgendwann treffen würde.
Bisher hatte er sie fast nur in seinen Träumen erlebt. Aber sie konnten leicht zur Realität werden, und was das bedeutete, darüber wollte er erst mal nicht nachdenken …
***
Und nun stand die Europatour an. Eine Ansammlung von Rentnern, die endlich Zeit fanden, mal das durchzuziehen, von dem sie die langen Jahre geträumt hatten. Mal weg aus der Neuen und zurück in die Alte Welt.
Es wurde geflogen. Zuerst waren die Britischen Inseln an der Reihe. London natürlich eingeschlossen. Dann ging es weiter aufs Festland. Frankreich, Deutschland, aber auch Österreich und Italien.
In London waren sie gelandet. Dort stand dann der Bus für sie bereit, der sie auch auf dem Festland fahren würde. Am Flughafen wartete er, um die Reisenden einsteigen zu lassen.
Fünfzehn Paare, dreißig Personen, hatten die Reise gebucht. Sie alle konnten es sich in dem Fahrzeug bequem machen. Aus allen Ecken der Staaten kamen sie, drei Paare allerdings stammten aus Texas, und dazu gehörten auch Edda und Wayne Coburn.
Die anderen beiden Paare waren Murray und Doris Kane sowie Emmet und Jenny Hart.
Sie waren das Trio, das zusammenhielt, und auch die Plätze im Bus lagen zusammen, sodass man sich ohne Anstrengung unterhalten konnte.
Den Flug hatten alle gut überstanden. In London würde ihr Aufenthalt sich über drei Tage hinziehen, wobei der erste dazu da war, um sich zu erholen. Der Jetlag hatte doch einige der Reisenden getroffen, sie waren zudem nicht die Jüngsten.
Die Coburns saßen recht weit vorn und nebeneinander. Edda hatte ihren Platz am Fenster bekommen, schaute nach draußen, gab immer wieder mal Antworten auf die Fragen der in der Nähe sitzenden Freunde, und achtete nicht auf ihren Mann, der neben ihr saß und keine Miene verzog. Zudem hielt er die Augen halb geschlossen.
Das fiel Edda schließlich auf. Sie klopfte gegen den haarlosen Kopf ihres Mannes.
Sofort zuckte Wayne zusammen.
»He, was ist mit dir?«
»Was soll denn sein?«
»Du sagst nichts. Du schaust dir nicht die Gegend an. Man hat das Gefühl, als wärst du mit den Gedanken woanders.«
»Nein.«
»Kam mir aber so vor.«
Wayne musste seiner Frau zustimmen, die Wahrheit hatte er ihr nicht sagen wollen, denn es war der eine Satz gewesen, der ihm die Laune verdorben hatte.
»Ich habe dich nicht vergessen!«
Er war also wieder da. Oder sie, die andere Seite. Der große Rächer hatte sich gemeldet und bewiesen, dass man ihm nicht entkommen konnte. Dabei hatte Coburn darauf gesetzt, dass er seine Ruhe auf der Reise haben würde, aber er war jetzt eines Besseren belehrt worden und würde sich darauf einrichten müssen.
Er wusste, dass es irgendwann mal ein Ende geben würde, aber wie weit das noch in der Ferne lag, das war ihm nicht bekannt. Da hatte er auch keinen Hinweis bekommen.
Gern hätte er sich mit den anderen beiden Männern unterhalten, denn mit ihnen verstand er sich gut. Sie hatten sehr lange zusammengearbeitet, waren auf der Firma zu Freunden geworden und waren alle dem gleichen Job nachgegangen.
Jetzt waren sie in Rente. Aber Ruhe hatte Coburn nicht. Er fragte sich, ob es nur ihn erwischt hatte, oder waren auch die anderen Männer involviert? Es wäre wohl kein Wunder gewesen, aber so gut sich die Männer auch verstanden, Coburn traute sich nicht, die entsprechenden Fragen zu stellen.
Edda stieß ihren Mann an. »He, schläfst du?«
»Nein, ich denke nach.«
»Das ist gut. Ich habe auch nachgedacht.«
»Dann rück mal raus mit der Sprache.«
Edda nickte. »Hast du dir schon Gedanken darüber gemacht, was wir noch unternehmen?«
»Das überlasse ich dir.«
»Aha. Sehr gut.«
Wayne grinste schief. »Du bist doch diejenige, die bei uns die Pläne macht.«
»Ja, schon, aber diesmal sind wir nicht allein unterwegs. Wir sollten uns mit den Freunden absprechen.«
»Dafür bin ich auch.«
»Gut. Dann können wir im Hotel mal überlegen. Ich denke, dass wir nicht mehr zu lange fahren müssen. Trotz des Verkehrs.«
»Das glaube ich auch.«
Edda Coburn erhob sich und drehte sich, sodass sie zu den anderen Sitzen hinschaute, wo ihre Freunde saßen. Sie war überrascht, dass alle vier die Augen geschlossen hielten und schliefen. Der Flug war doch etwas hart gewesen. Egal, wenn sie im Hotel waren, konnte man miteinander sprechen.
Edda setzte sich wieder. Sie blies eine Strähne ihres Blondhaars aus der Stirn, dann schaute sie kurz auf ihren Mann, und sie schüttelte den Kopf. Wayne gefiel ihr nicht. Er machte zwar keinen müden Eindruck, aber einen abwesenden.
Sie wusste nicht, was ihn quälte. Was er hatte. Er war jetzt ein Jahr pensioniert. Am Beginn war er recht locker gewesen, auch fröhlich, doch in den letzten zwei Wochen hatte sich das geändert. Da war er sehr ruhig geworden, fast in sich gekehrt, und wenn er angesprochen wurde, dann hatte er stets den Eindruck gemacht, als wäre er aus einem tiefen Schlaf erwacht.
Edda kannte den Grund nicht. Sie hoffte nur, dass dieser Zustand vorbeiging. Durchaus möglich, dass es im Urlaub besser wurde. Auch jetzt war Wayne ruhig und machte den Eindruck, als würde er schlafen, aber das traf nicht zu. Ihr Mann wollte nur seine Ruhe haben, und die gönnte sie ihm.
Wayne Coburn war nicht ruhig. Innerlich beschäftigte er sich permanent mit der Warnung. Er hatte nicht damit gerechnet, dass er sie aus der Heimat mit in die Ferien nehmen würde, aber er hoffte, dass es bei dieser einen Warnung blieb.
Das war ein Irrtum.
Die Menschen saßen noch im Bus, als ihn die zweite traf. Ein Satz nur, doch er hatte es in sich.
»Keine Sorge, ich bin noch da!«
Wayne Coburn zuckte zusammen, als hätte er einen Schlag bekommen. Das hatte auch seine Frau bemerkt, die sofort ihre Frage stellte.
»Was ist denn mit dir?«
»Ach, nichts Besonderes. Nur ein Nervenzucken. Das habe ich öfter kurz vor dem Einschlafen.«
Edda winkte ab. »Das Schlafen lohnt sich nicht mehr. Wir gehen heute Abend früh ins Bett.«
»Okay, dagegen habe ich nichts.«
Es war nicht mehr weit bis zu ihrem Hotel, das recht zentral lag. Zumindest hatten sie einen Blick auf den Hyde Park. Ob das auch aus allen Zimmern möglich war, wussten sie nicht.
Minuten später begann das große Ausladen der Koffer. Alles war organisiert worden, die neuen Gäste brauchten sich um nichts zu kümmern. Sie hatten sich in der Halle versammelt und warteten darauf, ihre Zimmerkarten zu bekommen.
Wayne Coburn hatte sich etwas abseits hingestellt. Der Stimmenwirrwarr ging ihm auf die Nerven. Er wollte ihn nicht so direkt hören, und das Lachen mancher Frau störte ihn ebenfalls, weil es so schrill durch die Halle klang.
Er stand neben dem Gepäck und wartete auf seine Frau, die ihre Schlüsselkarte abholen wollte.
Coburn fing an zu schwitzen. Das kam bei ihm so oft nicht vor, nur wenn er einen inneren Druck bekam. Den Druck erhielt er. Plötzlich ging sein Atem schwer, und als er nach vorn schaute, sah er ein anderes Bild innerhalb des normalen.
Es war eine Gestalt, die sich zu dem Pulk gesellt hatte. Aber es war kein Mensch. Was er sah, dass wirkte wie eine alte Vogelscheuche. Es war nicht zu fassen. Eigentlich hätte er davor keine Angst haben müssen, er hatte sie trotzdem.
Die Gestalt war bewaffnet!
Nicht mit einem Messer und auch nicht mit einer Pistole, sondern mit einem schon für Coburn archaischen Gegenstand. Die Gestalt hielt mit beiden Händen den Stiel einer blitzenden Sense fest …
***
Wayne Coburn sagte nichts. Er war auch nicht in der Lage dazu. Er konnte nur auf die Gestalt schauen, die inmitten des Pulks aus Menschen stand, die aber nichts sagten. Sie nahmen es hin. Sie kümmerten sich nicht mal um die Gestalt, die sich jetzt in unmittelbarer Nähe von Edda Coburn bewegte.
Bei ihrem Mann krampfte sich einiges zusammen. Er rechnete mit dem Schlimmsten, als er seine Frau so nahe an dieser Erscheinung sah. Edda hätte die Sense greifen können, was sie nicht tat, denn sie spürte sie nicht. Sah sie vielleicht auch nicht. Sie war da und für Edda Coburn doch nicht vorhanden.
»Na, was siehst du?«
Schon wieder war sie da, die verdammte Stimme. Wayne hätte sich am liebsten die Ohren zugehalten, das tat er nicht. Er bekam seine Hände nicht hoch. Er fühlte sich durch den Anblick wie gelähmt. Reden konnte er auch nicht.
Das tat die andere Seite.
»Jetzt weißt du, wie ich aussehe. Freue dich schon mal auf mich, Freund!«
Wayne Coburn sagte nichts. Was hätte er auch sagen sollen? Er wusste es nicht. Er war einfach fertig. Er fühlte sich schwach und wunderte sich darüber, dass er nicht anfing zu schreien. Dafür wurde sein Atmen zum Keuchen, das abrupt stoppte, als ihn eine Hand an der Schulter rüttelte.
Da kam er wieder zu sich, schaute nach vorn – und blickte direkt in das Gesicht seiner Frau.
Er stotterte ihren Namen. Dabei klang er überrascht, als hätte er sie gar nicht erwartet.
»Wayne, bitte …«
»Ja?«
»Was ist denn los?«
»Was soll denn sein?«
»Du machst den Eindruck...
| Erscheint lt. Verlag | 7.7.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-7325-1489-7 / 3732514897 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-1489-2 / 9783732514892 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopierschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persönlichen Nutzung erwerben.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich