Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

John Sinclair 231 (eBook)

Meer der weißen Särge

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2991-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 231 - Jason Dark
Systemvoraussetzungen
1,99 inkl. MwSt
(CHF 1,90)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen

Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!

Meer der weißen Särge.

In Venedig hatte es eine Panik gegeben. Drei Särge trieben zwischen den fahrenden Gondeln auf dem Canale Grande, erschreckten nicht nur Touristen, sondern auch die Gondolieri - Niemand wusste so recht, was er tun sollte. Es kam zu Kollisionen. Zahlreiche Gondeln wurden von den Totenkisten gerammt. - Dann griff die Polizei ein. Mit schnellen Motorbooten kreisten sie die Särge ein und nahmen sie in Schlepp. Traute sich jemand, an Land die geisterhaften Totenkisten zu öffnen?

John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!

Meer der weißen Särge


Zwischen den alten, verfallenen Gemäuern nistete das Unheil. Gespenstisch hörte es sich an, wenn das Wasser gegen die porösen Hauswände klatschte, als wären seltsam glucksende Stimmen dabei, von einem anderen, geisterhaften Leben zu erzählen.

Die Nacht war fast schwarz. Der Mond, sonst Bote der Verliebten und gerade in Venedig zu diesem Symbol hochstilisiert, hielt sich vornehm zurück, denn die gewaltigen Wolken konnte auch er mit seinem fahlen Licht nicht durchdringen.

Venedig schlief.

Doch es war eine trügerische Ruhe. Irgendetwas lebte in dieser geheimnisvollen Stadt, in dem der Atem der Geschichte fast körperlich spürbar war. Etwas lauerte im Verborgenen, schien eins geworden zu sein mit dem brackigen Wasser und den alten Palästen der großen Vergangenheit dieser Metropole.

 

Um diese Zeit fuhr kein Tourist mehr auf den Kanälen. Es war drei Uhr morgens, eine Zeit, in der sogar die meisten Wasserratten schliefen. Man wartete auf den neuen Tag, holte Atem, der die Stadt dann mit einem quirligen Leben erfüllte.

Von weit her ertönte ein klagendes Lied. Ein einsamer Gondoliere sang es. Sein Lied erzählte von einer unendlichen Traurigkeit, von Depressionen und Vergänglichkeit. Die klagende Melodie fing sich über dem Wasser und huschte geisterhaft als Echo durch die engen Kanäle, bevor sie irgendwo verklang wie das Säuseln eines Sommerwindes.

Aus den schmalen Wasserstraßen stieg ein seltsamer Geruch an den Fassaden empor. Moder, Verwesung, fauliges Wasser – all dies vereinigte sich zu einem atemnehmenden Gestank, der träge wie Blei über der Perle an der Adria lag.

Das Lied des Gondoliere verstummte. In den engen Wassergassen wurde es wieder still. Hier und da brannte in den Häusern ein vereinzeltes Licht. Meist schimmerten nur gelbe Streifen durch die Lücken in den Fensterläden und malten ein verschwommenes, zuckendes Muster auf die Wellenkämme.

»Venedig wird sterben!«, hauchte auch das junge Mädchen und schmiegte sich enger an seinem Begleiter, mit dem es in dem düsteren Flur stand, wobei es das graue Rechteck der Tür nicht aus den Augen ließ.

Der Mann zuckte zusammen. Für Sekunden verkrampften sich seine Hände, bevor er antwortete: »Wir schaffen es, Franca, wir schaffen es ganz bestimmt.«

»Nein, Marco, ich glaube nicht daran.« Sie atmete tief ein und schüttelte sich dann, als wollte sie den Gestank los werden, der sich auch in ihrer Kleidung festgesetzt hatte. »Du hast den Frevel begangen, und dafür werden wir büßen.«

»Ich kann mich wehren!« Die Stimme des Mannes klang laut, und Franca legte erschrocken einen Finger auf seine Lippen.

»Willst du, dass man uns hört?«

»Es ist mir egal.«

»Sei nicht verrückt. Du hast das Grab gefunden. Und jetzt ist die Sache für uns erledigt, denk immer daran!«

»Ich will aber nicht.« Seine Hand legte sich auf die Hüfte des Mädchen und fuhr daran herunter, bis sie die Oberschenkel erreicht hatte. Dort verharrte sie.

»Der Gondoliere hat aufgehört zu singen, Marco. Auch er gab auf. Denk daran. Es war eine letzte Warnung. Sie werden kommen, das verspreche ich dir.«

»Dann sind wir weg.«

»Und wohin? Du bist nirgends sicher. Auch mich werden sie fangen.« Franca schüttelte sich. »Diese Stadt steckt voller Grauen. Ich spüre es. Da sind viele Gräber, von denen wir nichts wissen. Auch in den alten Bleikammern leben sie noch. Ich … ich glaube …«

»Wir werden gehen.«

»Und dann?«

»Nichts. Bei der Polizei sind wir sicher.«

»Falls man uns glaubt.«

Marco hob die Schultern. Er konnte Francas Angst verstehen. Auch er hatte es nicht für möglich gehalten, was sich hier im geheimen abspielte, aber sie hatten den Beweis bekommen, und der war schrecklich genug.

»Ich schaue mal nach«, flüsterte Marco. Ohne eine Antwort des Mädchens abzuwarten, schritt er zur Tür. Unter seinen Sohlen knirschte der Dreck. Kleinere Steine wurden zertreten. Von den Wänden war der Putz gerieselt. An vielen Stellen waren Löcher zu sehen, als hätte jemand mit einem Hammer gegen die Mauern geschlagen.

Vor der Tür holte Marco noch einmal tief Atem. Sein schmaler Körper spannte sich. Die Tür selbst war so alt wie das Haus. Es grenzte an ein Wunder, dass sie sich überhaupt noch öffnen ließ. Die gebogene Klinke zeigte die Form einer Löwenpranke. Im Laufe der Zeit hatte das Metall Rost angesetzt, und sie ließ sich nur stockend bewegen, bevor sie so weit war, dass Marco die Tür aufziehen konnte.

Durch den Spalt schaute er nach draußen.

Die Häuserwände gegenüber schienen so nah zu sein, dass er sie mit der Hand hätte greifen können. Davor schimmerte das Wasser. Eine schwarze träge Flüssigkeit, die kleine Wellen warf, an den Wänden entlangleckte und das sowieso schon poröse Gestein noch immer weiter aushöhlte.

Dafür jedoch hatte der junge Mann keinen Blick. Er verschwendete nicht einmal einen Gedanken daran, für ihn war wichtig, dem Unheil zu entkommen.

Ein Blick nach rechts und links.

Die Luft war rein!

Kein Verfolger befand sich auf dem Wasser. Die Boote, die auf den Wellen dümpelten, waren alle festgetäut. Links sah er den Schatten einer schmalen Brücke. Sie führte über das Wasser von einer Seite zur anderen, und Marco war schon oft über die alten Steine gegangen.

Bevor er das Haus verließ, drehte er sich um und winkte seiner Freundin.

Franca kam zögernd.

»Mach schon«, drängte Marco. »Los, beeile dich. Sie wissen nicht, wo wir sind.«

»Ja, ja …« Das Mädchen ging jetzt schneller. Es klammerte sich an Marco fest, als es ihn erreicht hatte. Einfach war es nicht, sich neben dem Kanal herzubewegen. Dort gab es nur einen schmalen Steg. Er schien an der Hauswand zu kleben. In der Breite konnte man ihn mit einem Sims vergleichen.

Da mussten sie rüber!

Franca hatte schreckliche Angst, dass sie abrutschen und in der schmutzigen Brühe landeten, aber es gab keinen anderen Weg für sie. Ewig konnten sie sich in dem verlassenen Haus nicht versteckt halten. Einmal schon waren sie gejagt worden und nur knapp entkommen, ein zweites Mal würden sie sicherlich nicht mehr so viel Glück entwickeln.

Über Francas Rücken rieselte es kalt, wenn sie an die unermeßliche Gefahr dachte, in der sie schwebten. Was sie gesehen und entdeckt hatten, war unbeschreiblich, unglaublich, und es gehörte in das Reich der Fabel und nicht in die Realität.

Aber was war schon in Venedig Realität? In der Stadt, wo jeder nur mit der Vergangenheit lebte und irgendwie darauf zu warten schien, dass die Stadt endgültig versank.

Von der Adria her blies ein landiger Wind. Er drang auch in die engen Gassen und kühlte die Gesichter der beiden jungen Menschen. Sie bewegten sich eng an der Hauswand entlang. Marco hatte die Spitze übernommen. Eigentlich hätte er zwei Hände gebraucht, um sich an der Wand entlangzutasten, aber er stützte sich nur mit einer ab. Die andere hatte er nach hinten gestreckt, sodass Franca seinen Arm umfassen konnte und ihr dieser Kontakt Sicherheit gab.

Der Sims war ebenso bröcklig wie das gesamte Mauerwerk. An manchen Stellen waren Steine abgebrochen, und die beiden Flüchtlinge mussten ihre Schritte vergrößern, um die Lücken zu überqueren. Oft brach dicht vor Marco das Gestein weg. Mit einem dumpfen »Blupp« klatschten die Brocken jedes Mal ins Wasser. Dieses Geräusch erzeugte bei Franca eine Gänsehaut. Es erinnerte sie daran, wie leicht auch sie abrutschen und nach unten fallen konnten.

»Bitte … sei vorsichtig«, hauchte sie immer wieder.

Marco hörte die Worte zwar, er kümmerte sich aber nicht darum. Er hatte genug mit sich selbst zu tun, presste hart die Lippen aufeinander und konzentrierte sich auf den Weg. Er war nur froh, dass sie nicht wieder angegriffen wurden, denn das war das schlimmste überhaupt.

Marco wollte die Brücke erreichen. Sie war sein Ziel. Wenn sie dort ihren Fuß hingesetzt hatten, dann konnten sie zum ersten Mal aufatmen, obwohl sie sich noch längst nicht in Sicherheit befanden, wie beide wussten.

»Kannst du noch?«, fragte Marco.

»Geh weiter!« Die Stimme des Mädchens klang gepresst. Sie zeigte ein wenig von der Angst, die Franca empfand.

Der Weg zog sich in die Länge. Jeder Schritt kostete Nerven und Konzentration. Stoßweise ging der Atem des Mannes. Er spürte den Schweiß, der sich zu Tropfen sammelte und dann in langen Bahnen über sein Gesicht lief. Die Haare klebten auf der Haut. Manchmal verschwamm die Brücke auch vor seinen Augen, dann hielt er inne, konzentrierte sich aufs Neue, und weiter ging es.

Die beiden schafften es. Vom Sims aus konnten sie sich, wenn sie die Arme hoben, an das Steingeländer festklammern und sich dann in die Höhe ziehen. Die Brücke verband zwei schmale Durchlässe, handtuchbreite Einfahrten, die ein kompakter Mensch kaum durchgehen konnte, weil er mit den Schultern an den Mauern schleifte.

»Warte du!«, sagte Marco und zog sich als Erster in die Höhe.

»Okay.«

Marco streckte seinen Körper noch einmal, bekam die steinerne Umrandung zu fassen und zog sich in die Höhe. Mit den Knien und Füßen musste er etwas nachhelfen, hatte es dann geschafft und stand auf der gebogenen Brücke.

Er ruhte sich nicht erst aus, sondern beugte sich vor und streckte abermals seinen Arm aus, um seiner Freundin in die Höhe zu helfen.

Obwohl Franca ein Leichtgewicht war, hatte Marco alle Mühe, sie auf die...

Erscheint lt. Verlag 24.6.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-2991-9 / 3838729919
ISBN-13 978-3-8387-2991-6 / 9783838729916
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
HORROR | Die Vorgeschichte des Katz-und-Maus-Duetts

von H. D. Carlton

eBook Download (2025)
VAJONA (Verlag)
CHF 11,70