John Sinclair 245 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-3005-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Verdammt und begraben.
Kapitän Romanescu taumelte zurück, als ihn die Kante des schweren Sargdeckels an der Hüfte traf. Er spürte den stechenden Schmerz am Knochen, ignorierte ihn jedoch, denn er musste sich auf das konzentrieren, was vor ihm geschah. Das war schrecklich genug. Aus dem offenen Sarg stieg eine Gestalt. Eine Frau, fast noch ein Mädchen, dazu unbekleidet. Sie hatte dunkelblondes Haar, das Anfänge einer Verfilzung zeigte und in mehreren langen Strähnen zu beiden Seiten des Gesichts herabhing. Eine Nackte in einem Sarg!
Allein das war schon ungewöhnlich und hätte auch den abgebrühtesten Casanova und Herzensbrecher erschreckt. Noch schlimmer war das Gesicht der jungen Frau, besonders der Mund, denn als sie ihn öffnete, sah der Kapitän die beiden langen, spitzen Zähne, die aus dem Oberkiefer des Mädchens stachen ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Verdammt und begraben
Kapitän Romanescu taumelte zurück, als die Kante des schweren Sargdeckels ihn an der Hüfte traf. Er spürte den stechenden Schmerz am Knochen, ignorierte ihn jedoch, denn er musste sich auf das konzentrieren, was vor ihm geschah.
Das war schrecklich genug.
Aus dem offenen Sarg stieg eine Gestalt. Eine Frau, fast noch ein Mädchen, dazu unbekleidet. Sie hatte dunkelblondes Haar, das Anfänge einer Verfilzung zeigte und in mehreren langen Strähnen zu beiden Seiten ihres Gesichts herabhing.
Eine Nackte in einem Sarg!
Allein das war schon ungewöhnlich und hätte auch den abgebrühtesten Casanova und Herzensbrecher erschreckt. Noch schlimmer war das Gesicht der jungen Frau, besonders der Mund, denn als sie ihn öffnete, sah der Kapitän die beiden langen, spitzen Zähne, die aus dem Oberkiefer des Mädchens stachen …
Er hatte keine Lebende vor sich, sondern eine lebende Tote, eine Vampirin, die sich vom Blut der Menschen ernährte.
Und er war gekommen, um sie zu vernichten!
Zunächst einmal musste er sich von dem Schreck erholen, denn er hätte nie gedacht, dass ihm ein unbekleidetes Wesen gegenübertreten würde. Es stieg aus dem Sarg. Dabei beeilte es sich nicht einmal sehr, denn es hatte Zeit genug.
Die Bewegungen der Wiedergängerin konnte man mit dem Wort gemessen umschreiben, sie war sich ihrer Beute sicher und fixierte sie aus gierigen Augen.
Der Kapitän hatte seine Taschenlampe so gelegt, dass der breite Strahl die Gestalt auch noch erfasste, als sie aus dem Sarg stieg und sich dann nach rechts abwandte, um im Halbdämmer des Lagerraums eine bessere Angriffsposition einzunehmen.
Die Frau gehörte noch nicht lange zu den Blutsaugern. Nach dem roten Lebenssaft gierte sie jedoch. Der Trieb war über sie gekommen, als sie aus dem langen Schlaf erwachte und feststellen musste, dass sich bei ihr einiges verändert hatte.
Die menschliche Existenz lag für sie meilenweit zurück. Jetzt gab es nur noch die dämonische.
Allein sie zählte!
Vor ihr stand ein Mensch. Sie sah ihn, sie hörte ihn, sie roch ihn. Jeder Mensch roch. Vielleicht war es der feine Blutgeruch, den er ausströmte und den nur Vampire wahrnehmen können.
Sie bewegte sich.
Noch immer geschah dies langsam, denn sie war sich ihrer Sache sicher. Aber sie hatte etwas vergessen.
Kapitän Romanescu war nicht unbewaffnet in den Lagerraum gegangen. Er besaß zwar kein Kreuz, auch keinen angespitzten Eichenpfahl, dafür jedoch ein Mittel, das auch Vampire stark abschreckte.
Knoblauch!
Eine Knoblauchstaude hatte er sich aus der Küche geholt, und damit wollte er die Untote vernichten.
Bisher hatte sie nur den Menschen gerochen, doch als sie weiter vorschritt, da nahm sie einen anderen Duft wahr.
Einen für sie ekligen, widerlichen, abstoßenden Geruch.
Knoblauch!
Sie blieb stehen und ihr Gesicht verzerrte sich zu einer hässlichen Grimasse.
Zum ersten Mal in seinem Leben vernahm der Mann das Fauchen einer Blutsaugerin. Das Geräusch hätte auch ein Tier ausstoßen können, so ähnlich hörte es sich an.
Aber es war die Vampirin!
Romanescu atmete schneller. Stoßweise drang die Luft aus seinem Mund. Er begann zu zittern, denn er ahnte, dass jetzt etwas Entscheidendes auf ihn zukam.
Er hatte die Untote freigelassen, und er musste für ihre Vernichtung sorgen.
Obwohl er so sehr unter Stress stand und er auch Angst hatte, war ihm das Zögern seiner Gegnerin nicht entgangen. Er interpretierte es als Furcht, und diese Deutung gab ihm Mut.
Er musste es schaffen!
Gleitend bewegte er sich voran. Selten in seinem Leben hatte das Herz so heftig geschlagen. Der Mann schälte sich aus dem fahlen Zwielicht, und ein heller Schein traf sein Gesicht, als er in den Streubereich der Lampe geriet.
Er durchquerte ihn mit einem Schritt. Plötzlich fühlte er sich besser, er hatte die Angst überwunden, und er wusste plötzlich, dass er es schaffen konnte.
Zuerst hob er seinen rechten Arm. In der Hand hielt er die Knoblauchstaude. Die einzelnen Knollen befanden sich dicht beieinander, sie schienen zusammenzukleben, bildeten aber keine Kette, sondern nur eine etwa armlange Schnur.
Sie musste reichen!
Romanescu stammte aus Rumänien. Er hatte natürlich schon von Vampiren gehört. Fast alle seiner Landsleute schworen darauf, dass es sie auch gab, nur gesehen hatte sie kaum jemand, und wenn, dann war dieser Zeuge ebenfalls in den meisten Fällen zum Blutsauger geworden.
Und das wollte Romanescu nicht!
Er schlug zu.
Es war eine Bewegung, die er nicht einmal mit einem Zucken der Augenlider signalisiert hatte. Die Kette war ziemlich lang, und die Untote befand sich nicht allzu weit von ihm entfernt, sodass eine gute Chance bestand, sie zu treffen.
Die Staude wirbelte auf die Vampirin zu.
Beide Hände riss sie in die Höhe, schützte somit ihr Gesicht, aber nicht Unterarme. Da klatschte die Staude gegen.
Das Wesen zuckte zurück, als hätte man es mit einem feurigen Strahl bestrichen.
Sie schüttelte den Kopf, das Gesicht verfärbte sich, sie starrte auf ihre Hände und wankte nach hinten.
Romanescu setzte nach. Er hatte plötzlich die Oberhand bekommen, und er merkte, dass er es schaffen konnte. Der Knoblauch vernichtete diese verfluchten Blutsauger.
Die Vampirin war zwar getroffen worden, sie spürte auch heiße Schmerzen, aber sie war nicht kampfunfähig. Und sie setzte alles daran, ihr untotes Leben zu verteidigen.
Plötzlich konnte sie schnell reagieren. Bei ihren Bewegungen war von Behäbigkeit nichts mehr zu spüren. Sie sprang über den Sarg hinweg, in dem sie einmal gelegen hatte, sie spurtete dorthin, wo der schwere Deckel lag. Wenn sie ihn zu packen bekam, konnte sie ihn ihrem Gegner über den Schädel dreschen und ihn zumindest bewusstlos schlagen.
Die Kapitän hatte sich von dieser Reaktion überraschen lassen und reagierte zu spät. Er fuhr erst herum, als die Blutsaugerin den Deckel bereits gepackt hielt.
Sie wollte ihn hochwuchten.
Es blieb beim Vorsatz. Etwas Furchtbares geschah mit der rechten Hand des untoten Mädchens.
In ihr steckte keine Kraft mehr, denn sie war von der Knoblauchstaude getroffen worden und faulte.
Als sie den Deckel hochstemmen wollte, hatte die Hand bereits eine bräunliche Farbe angenommen und hing im rechten Winkel vom Arm herunter.
Das schockte die Untote!
Romanescu aber sah seine große Chance. Wenn er es jetzt nicht schaffte, dann nie mehr.
Und er wagte es.
Ein kräftiger Sprung brachte ihn in die Nähe des gebückt dastehenden Mädchens. Er prallte dagegen und riss die Nackte einfach um. Gemeinsam schlugen sie zu Boden.
Romanescu fiel auf sie. Er rammte ihr den Ellbogen gegen den Hals, hörte ein Röcheln und sah das verzerrte Gesicht dicht vor seinen Augen. Zum ersten Mal schaute er in den Schlund dieser Blutsaugerin hinein, aus seiner Kehle drang ein tiefes Knurren, Speichel tropfte über die Unterlippen, und es gelang ihm, den linken Arm so anzuwinkeln, dass er die Hand mit dem Knoblauch nach unten drücken konnte.
Genau in das Maul!
Das war der entscheidende Treffer!
Drei, vier Knoblauchkugeln verschwanden im weit aufgerissenen Mund der Blutsaugerin. Sie hatte noch schreien wollen, doch dieser Laut wurde nur zu einem Röcheln.
Der Kapitän war wie von Sinnen. Er fluchte, er schrie, und er stopfte die Knoblauchknollen tiefer in das Maul des seelenlosen Geschöpfes.
»Friss sie, du Bestie!«, brüllte er in rasender Wut und presste weiter. Er lachte dabei, drückte gegen den Körper und stellte fest, dass dieser ihm keine Widerstandskraft mehr entgegensetzte.
Romanescu befand sich auf der Siegerstraße. Er würde den höllischen Kampf für sich entscheiden, das stand fest.
Noch immer schaute er in das Gesicht seiner Gegnerin. Bei ihr schienen die Augen aus den Höhlen zu quellen. Der Druck wurde noch stärker, und der Knoblauchgeruch sowie die Berührung mit diesem Gewürz vernichteten den weiblichen Vampir.
Als er die Finger gegen die linke Wange des Wesens stieß und sie eindrücken konnte, da wusste er Bescheid.
Innerhalb von Sekundenschnelle verflog sein Rausch. Er stemmte sich hoch, blieb schwer atmend und schweißüberströmt stehen und schaute dem Todeskampf der Bestie zu.
Sie verging auf eine schreckliche Art und Weise. Das Knoblauch zerstörte sie, vernichtete und tötete.
Romanescu hatte gewonnen!
Er fühlte ein gutes Gefühl in sich hochsteigen, das jedoch radikal zerstört wurde, als er plötzlich von der Tür her die kalte und spöttisch klingende Frauenstimme vernahm.
»Bravo, du wirst mal ein richtiger kleiner Vampirjäger.«
Romanescu fuhr herum. Er warf sich nach rechts, bekam seine Lampe zu fassen und richtete den hellen Strahl auf die Tür.
Dort standen sie.
Lady X und Vampiro-del-mar.
Und sie hatten alles mit angesehen …
*
In South Trebone, dem kleinen Ort an der sturmgepeitschten Küste Cornwalls, hatten wir mit dem Bürgermeister gesprochen und ihm alles berichtet. Er schaute uns fassungslos an, konnte nicht begreifen, dass der grässliche Spuk des Seelensaugers vorbei sein sollte, und hob immer wieder die Schultern.
Als wir davon erzählten, dass Lilian Lancaster nicht mehr zu retten gewesen war, da senkte er den Kopf und begann zu schluchzen. »Es war sein letztes Opfer«, sagte ich.
Er fragte nach den anderen Leichen. Da mussten wir passen. Wir...
| Erscheint lt. Verlag | 24.6.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-3005-4 / 3838730054 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-3005-9 / 9783838730059 |
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