John Sinclair 229 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2988-6 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Herrin der Dunkelwelt.
Alassia war eine hinreißend hübsche Frau, ein Rasseweib, von dem Männer nur träumen. Und sie geizte nicht mit ihrer Schönheit. Von den überlangen Haaren nur notdürftig bekleidet, schritt sie durch den Regent's Park.
Dem kleinen, hässlichen Bandenboß Jerry Shayne fielen fast die Augen aus dem Kopf. »Die mache ich an, die mache ich an«, flüsterte er vor sich hin, während er sich dem Naturwunder näherte. Für seine Aufdringlichkeit musste er teuer bezahlen, denn Alassia war die Herrin der Dunkelwelt.
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Herrin der Dunkelwelt
Sein erstaunter Ausruf war lauter als das Klirren der neuen Fahrradkette, die er lässig um seine rechte Hand schwang. Das gab es doch nicht, das durfte nicht wahr sein.
Eine nackte Frau am hellichten Tag! Und das mitten im Regent’s Park.
Jerry Shayne bekam vor Staunen den Mund nicht mehr zu. Der Baumstamm, an dem er lehnte, kam ihm weich wie Gummi vor, seine Mundwinkel zuckten nervös, und plötzlich flackerte Gier in seinen Augen.
Sollte er allein bleiben oder die anderen rufen, die hinter den Büschen saßen, picknickten und dabei die Beute vom letzten Einbruch brüderlich aufteilten?
Jerry Shayne hatte sich zurückgezogen. Er war der Boss. Seinen Anteil hatte er bereits, um den anderen sollten sich die Mitglieder streiten. Ihre aggressiv klingenden Stimmen blieben zurück, als hätte jemand einen großen Filter davorgestellt. Jerry Shayne kam sich plötzlich allein vor, aber mit der Frau.
Teufel, war das ein Bild!
Vielleicht kam sie vom Bedford College, aber die hatten Ferien. Oder wollte sie im See baden? Auch möglich. Da war eigentlich alles drin, doch Jerry hatte sich längst entschlossen, die Nackte mit den herrlich langen Haaren gehörte ihm allein.
Sie besaß tatsächlich Haare, wie er sie noch nie gesehen hatte. Das Wort Flut konnte man schon dafür benutzen. Sie reichten nicht nur bis zum Rücken, nein, noch tiefer. Die letzten Spitzen kitzelten die Kniekehlen und vorn, wo die kleinen, spitz aufragenden Brüste durchschimmerten, da fielen sie ebenfalls an den Knien zusammen, sodass sie fast wie ein langes schwarzes Kleid wirkten.
Ein Phänomen – in der Tat.
Shayne leckte sich die Lippen. Dann senkte er seinen Blick und starrte auf die Fahrradkette. Brauchte er sie, brauchte er sie nicht? Nein, die Kleine schaffte er auch ohne Drohung, und sein Messer konnte er auch steckenlassen.
Noch einmal reckte er sich. Dabei streckte er die Schultern vor und bewegte die Hände. Verflucht, die Kleine hätte ihn längst sehen müssen, aber sie reagierte nicht. Sie tat, als wäre er Luft. Einfach nicht vorhanden.
Und das ärgerte ihn.
Langsam ging er vor. Er konnte sich Zeit lassen, die Braut lief ihm schon nicht weg, und Zuschauer hatte er auch nicht.
Sie waren ganz allein, wie auf einer Insel.
Der Rocker ging näher. Drei Schritte höchstens betrug die Distanz, eine lächerliche Entfernung, und als er nur noch einen Schritt von der Frau entfernt war, drehte diese sich um.
Beide starrten sich an.
Shayne, der sonst nicht auf den Mund gefallen war, schluckte. Er konnte einfach nichts sagen, denn der Blick dieser Augen bannte ihn. Es waren die seltsamsten Augen, die er je in seinem Leben gesehen hatte. Sie besaßen nicht einmal Pupillen, sondern waren jeweils in der Mitte geteilt.
Beide Hälften wiesen eine andere Farbe auf. Schockgrün, die rechten, die linken dagegen pechschwarz. Das Gesicht kam ihm ein wenig asiatisch vor, auch die Haut, die einen Farbton aufwies, wie man ihn bei Mädchen aus Indonesien fand. Durch die Haarsträhnen schimmerte sie, und abermals starrte Shayne auf die kleinen Brustspitzen, die zwischen zwei langen Strähen hervorlugten.
Gerade dieser Anblick war es, der das Blut in seinen Adern aufwallen ließ. Er bewegte seinen Mund, ohne etwas zu sagen, grinste dann und streckte seinen rechten Arm aus, wobei er das Haar dort berührte, wo sich die linke Brust befand.
»Ist deine Wolle echt?«, fragte er dabei, während er eine Strähne anhob und sie durch seine Finger gleiten ließ.
Sie blieb stumm.
Ohne das Haar loszulassen, fragte Shayne: »Kannst du nicht reden, Puppe?«
»Geh!«
Das eine Wort nur erwiderte sie. Es war nicht einmal laut gesprochen, aber es lag so viel Entschlossenheit darin, dass Jerry zusammenzuckte.
»He, Süße, das meinst du doch nicht im Ernst, oder?«
»Geh!«
Der Rocker lachte. Allerdings klang es unsicher, nicht so herausfordernd wie sonst. Er war sich selbst nicht darüber im klaren, wie er es anstellen sollte.
Die Kleine faszinierte ihn. Sie hatte alles, was ein Typ wie er verlangte. Ein Rasseweib, wirklich, und so einfach ließ er sich nicht abschmettern.
»Nein, Süße ich bleibe. Und ich schwöre dir, dass wir noch sehr viel Spaß miteinander haben werden.«
»Es ist nicht gut, wenn du bleibst.«
»Doch, ich zeige dir, wie gut es ist, wenn wir beide jetzt zwischen die Büsche gehen. Ich kenne da einen Platz, wo das Gras besonders weich ist. Und zu Jerry Shayne hat noch nie jemand nein gesagt, das kann ich dir flüstern.« Er stieß dem Mädchen eine Fuselatemwolke ins Gesicht, doch es zuckte nicht zurück.
Die Unbekannte richtete ihren Blick auf den jungen Mann. Sie schien ihn zu sezieren, bis auf den Grund seiner Seele auszuleuchten, und davor fürchtete sich Jerry ein wenig, obwohl er es nicht zugeben wollte. Eine männliche Schönheit sah das Mädchen nicht vor sich. Jerry Shayne war zwar ein kleiner Rockerboß, aber er hatte nicht das Flair jener legendären Typen, die sich als Nachfolger der Easy Rider bezeichneten. Für ihn zählte nur die reine Brutalität. Was er so nicht bekam, holte er sich mit Gewalt.
Seine Haare bildeten auf dem Kopf ein Knäuel. Das breitflächige Gesicht zeigte eine gehörige Portion Verschlagenheit und auch Rohheit. Die Augen wirkten wie leblose Knöpfe, die dicke Unterlippe war vorgeschoben. Er trug die übliche Kleidung. Weste und Hemd waren vor lauter Abzeichen und Stickers kaum zu erkennen. Der breite Gürtel glänzte wegen seiner zahlreichen Nieten, und er bot auch Platz für das Messer und einen gefährlichen Schlagring.
»Du willst nicht, wie?«, zischelte er. »Kann ich mir vorstellen. Aber ich will. Und wenn ich will, dann hast du auch zu wollen. Ist dir das klar geworden?«
»Nein!«
»Dann zeige ich es dir!« Jerry Shayne sprang plötzlich vor. Er packte mit beiden Händen zu und bekam die Schultern des Mädchens zu fassen. Dabei war er überrascht, dass die Kleine sich nicht einmal wehrte, und sie stemmte sich auch nicht gegen ihn, als er sie zurückdrängte in Richtung Ufer, wo ein besonders dichtes Gebüsch wuchs, hinter dem eine kleine Mulde lag.
Ideal für Jerrys Vorhaben.
Zum Ufer hin fiel das Gelände ein wenig ab. Dann kam der Gebüschgürtel, in den Jerry die Unbekannte hineindrängte. Er lachte dabei, und als die Zweige sich in den langen Haaren verfingen, da sah Jerry zum ersten Mal den Körper.
Er zuckte regelrecht zusammen, in seinem Körper gab es eine kleine Explosion, und es schüttelte ihn durch.
Himmel, war das ein Weib.
Da stimmte alles. Der Schwung der Hüften, die Beine, die Brust, die Schultern …
»Mann, o Mann …«
»Wenn du mich nicht loslässt, dann töte ich dich!«, erklärte das Mädchen plötzlich mit fester Stimme.
Jerry brauchte einen Augenblick, um die Worte zu begreifen. »Was sagst du da?«, flüsterte er.
Sie wiederholte die Antwort nicht. Statt dessen löste sie ihre Haare von den Zweigen und legte die Strähnen wieder vor ihren Körper. »Du hast es genau verstanden!«
»Ja, das habe ich …«
»Also geh!«
»Nein, Süße. Jetzt erst recht nicht. Verdammt, ich habe dich gesehen, und ich will dich haben, darauf kannst du dich verlassen. Ich kriege dich auch, ich mache dich fertig …« Er schluckte und griff zu seinem Messer.
Was Shayne in seinem Leben haben wollte, das hatte er sich immer genommen. Meist mit Gewalt. Hier hatte es ausgesehen, als brauchte er die Gewalt nicht einzusetzen, aber nun gab es keine andere Möglichkeit, er wollte sie mit Brutalität in die Knie zwingen und sich das holen, was ihm seiner Ansicht nach zustand.
Die Unbekannte starrte auf das Messer. In ihren seltsamen Augen bewegte sich nichts, aber dann, als Jerry Shayne zu einem Scheinangriff startete, da reagierte die Unbekannte. Und sie tat es auf eine Art und Weise, wie Shayne es noch nie erlebt hatte.
Die Augen waren plötzlich dunkel. Aber nicht nur sie, auch die Umgebung um Shayne herum verdunkelte sich. Er sah nur noch die Augen, die ihn grün aus der Schwärze anstarrten und spürte plötzlich die Kräfte, die an seinem Körper zerrten und ihn hochhoben. Jerry schrie, als er durch die Luft flog, sich überschlug, auf die rechte Seite prallte, sich herumdrehte und rücklings liegen blieb.
Die Knochen schmerzten. Ein paarmal atmete er heftig durch, schüttelte den Kopf, öffnete die Augen und sah wieder alles völlig normal vor sich.
Da waren die Bäume, da war der Rasen, und da erkannte er auch das Gebüsch am Seeufer, aus dem soeben die nackte Frau schritt. Jerry Shayne verzog das Gesicht. Er kam sich plötzlich unheimlich blamiert vor, winkelte die Arme an und stützte sich mit den Ellbogen auf.
Shayne wollte es einfach nicht wahrhaben, dass die Frau ihn besiegt hatte. Er schüttelte den Kopf und sah zu, wie die nackte Unbekannte an ihm vorbeiging, ohne ein Wort zu verlieren. Sie würdigte ihn auch keines Blickes, sondern schlug den Weg ein, den Shayne gekommen war.
Wenn sie so weiterging, dann musste sie genau auf das Lager zugehen, wo seine Kumpane hockten.
Drei waren es, und Jerrys Gesicht verzog sich zu einem bösen Grinsen. Gegen vier harte Typen würde auch sie nicht ankommen. Deshalb ließ Shayne sie gehen und stieß nur einen Warnpfiff aus, damit seine Kumpane Bescheid wussten.
Schwerfällig stemmte er sich hoch. Einige Stellen an seinem Körper schmerzten, aber das würde er der Nackten zurückzahlen, mit Zins und Zinseszins.
Gelassen streifte er seinen...
| Erscheint lt. Verlag | 24.6.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-2988-9 / 3838729889 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-2988-6 / 9783838729886 |
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