John Sinclair 216 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2975-6 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Der Ripper kehrt zurück.
Ein cleverer Geschäftsmann hatte die Idee! Abseits des großen Verkehrstrubels, aber noch nahe genug an der City, schuf er einen Freizeitpark:
HORRORLAND.
Gruseln ist modern, hieß es. Danach richtete sich der Mann und holte alles in seinen Park, was Angst und Schrecken verbreitete. Vampire, Werwölfe, Monster, Dämonen. Natürlich keine echten, nur nachgemachte. Bis ein echter Dämon auftauchte: Jack the Ripper!
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Der Ripper kehrt zurück
Ein cleverer Geschäftsmann hatte die Idee!
Abseits des großen Verkehrstrubels, aber noch nahe genug an der City, schuf er einen Freizeitpark.
HORRORLAND
Gruseln ist »in«, hieß es immer. Danach richtete sich der Mann und holte alles in seinen Park, was Angst und Schrecken verbreitete. Vampire, Werwölfe, Monster, Dämonen. Natürlich keine echten, nur nachgemachte.
Bis ein echter Dämon auftauchte: Jack the Ripper!
Da kam es zur Katastrophe …
»Ich – werde – dich – töten!« Die Stimme klang blechern und künstlich, als würde ein Roboter sprechen.
Trotzdem erschrak Eveline Dupres bis ins Mark. Sie wirbelte herum, legte ihren Kopf in den Nacken, und das lange schwarzbraune Haar wischte wie eine leichte Gardine durch ihr Gesicht, bevor es zurückschwang und die junge Französin wieder klar sehen konnte.
Ein Aufschrei drang aus ihrer Kehle.
Über ihr spielte sich Schrecklisches ab. Eine Öffnung war in der Mauer zu sehen. Schräg fuhr aus der Öffnung eine Ritterrüstung. Deutlich waren Helm, Brustpanzer und Beinkleider zu sehen. Aber unter dem Helm schimmerte gelblich ein Totenschädel, und in der rechten Hand hielt das Skelett ein Schwert.
Das Schwert sauste nach unten. Dabei bewegte sich der Mund, und abermals drangen die vorhin gesprochenen Worte hervor.
Eveline Dupres sah die Klinge dicht vor ihren Augen, glaubte sie zu spüren und duckte sich unwillkürlich, während das Skelett ein schauriges Gelächter ausstieß. Das Schwert beschrieb einen Halbkreis, der Knochenritter bewegte sich und verschwand von einem Augenblick zum anderen wieder in dem Loch in der Wand.
Die junge Französin atmete auf. Ihr Herz klopfte doppelt so schnell. Sie presste die Hand gegen ihre Brust, lehnte sich an die Mauer der alten Burg und sorgte dafür, dass sie erst einmal zu Atem kam.
Ein Mann ging an ihr vorbei. Er drehte sich um, lächelte schmal und fragte: »Erschrocken?«
»Ja, Mister.«
Der Mann lachte und wartete auf seine beiden Kinder, die mit hochroten Köpfen auf ihn zugelaufen kamen. »Daddy, Daddy, ich habe Dracula gesehen …«
»Und ich Frankenstein«, rief das zweite Kind.
»Sie sehen«, meinte der Mann zu Eveline gewandt, »den Kleinen macht es nichts aus. Die verkraften das leichter als wir Erwachsenen. Glauben Sie mir.«
»Sicher, Mister, sicher …«
»Na dann, einen schönen Tag noch«, wünschte der Familienvater und zog seine Sprößlinge weiter.
Eveline Dupres schalt sich selbst eine Närrin. Sie hatte selbst schuld an diesem Dilemma. Schließlich hätte sie den Fantasiepark HORRORLAND ja nicht zu besuchen brauchen. Aber sie hatte Abwechslung nötig. Paul, ihr Verlobter, hatte ihr die Lösung der Verbindung mitgeteilt. Er wohnte in Paris, sie in London bei einer englischen Familie, um deren Muttersprache zu lernen.
Als der Brief kam und sie ihn gelesen hatte, war alles aus. Zumindest glaubte sie das. Bis sie sich schließlich ausgeheult und zusammengerissen hatte, verging einige Zeit, und sie wollte zudem irgendwie auf andere Gedanken kommen.
Ein Besuch im HORRORLAND ist spannend und entspannt!
So lautete der Werbespruch im Radio. Oft genug hatte sie ihn gehört, und sie beschloss, den Tatsachen auf den Grund zu gehen. Ob es wirklich so spannend und entspannend war?
Spannend war es. Sie hatte sich mehr als einmal gefürchtet. Mit Hilfe der modernen Technik hatten es die Verantwortlichen tatsächlich verstanden, eine schaurige Welt aufzubauen. Eine regelrechte Monsterwelt, in der man die klassischen Gruselfiguren bestaunen konnte. Dracula, Frankenstein, das Phantom der Oper, ein Werwolf waren ebenso vertreten wie die Weiße Frau oder das Gespenst ohne Kopf. Skelette in Ritterrüstungen, Särge die sich knarrend öffneten, abgehackte und schrill klingende Schreie, viel künstliches Blut, dies alles konnte für einen Menschen mit schwachen Nerven schon zu einem Albtraum werden. Auch Eveline Dupres hatte sich gefürchtet. Sie war durch die Schlösser und Burgen geschlichen, hatte Höhlen und Tunnels passiert und war mehr als einmal von irgendwelchen gierigen Händen abgetastet und von einem Werwolf attackiert worden. Aus einem Teich war eine Seeschlange getaucht und hatte drohend ihren mächtigen Kopf bewegt.
Entspannt war Eveline nicht. Eher das Gegenteil. Sie stand unter Stress oder Anspannung und wollte so rasch wie möglich das Gelände verlassen.
Vorher musste sie noch durch Soho.
Natürlich nicht durch das echte, aber man hatte es nachgebaut. Soho im letzten Jahrhundert. Das war schon was, denn wer davon sprach, der dachte automatisch an einen Massenmörder, der in diesem Stadtteil sein Unwesen getrieben hatte.
»Jack the Ripper«.
Der Aufschlitzer, der gnadenlose Frauenjäger, die Bestie mit den Bluthänden, er hatte viele Namen bekommen. Die meisten waren ihm von der damals schon existierenden Sensationspresse gegeben worden, und das Geheimnis um seine Existenz und um seinen Tod war an sich nie richtig geklärt worden.
Darüber dachte Eveline Dupres allerdings nicht nach. Sie hatte andere Sorgen, denn sie wollte HORRORLAND so rasch wie möglich verlassen. Obwohl sie sich selbst als einen nicht ängstlichen Menschen bezeichnete, war ihr dieser großzügig angelegte Park doch auf die Nerven gefallen. Zudem hatten sich wenige Menschen hierher verlaufen. Normalerweise war HORRORLAND überfüllt, aber das Wetter spielte nicht so mit.
Mittlerweile war zwar der Wonnemonat Mai angebrochen, doch Regen empfanden die meisten Menschen nicht als sehr wonnig. Zudem wehte ein steifer Wind, der im Norden von Schottland Schnee gebracht hatte und bis in den Süden der Insel fuhr. So manche Gegenstände an den künstlichen Fassaden klapperten und bewegten sich. Die entstehenden Geräusche gaben der Kulisse einen zusätzlichen Gänsehauterzeugenden Touch.
Noch eine gute Viertelstunde, dann wurde der Park geschlossen. Schon einmal war die Sirene ertönt. Als Eveline sich in Bewegung setzte, heulte sie ein zweites Mal auf.
Fünf Minuten vor der endgültigen Schließung würde sie sich ein drittes Mal melden.
Die junge Französin ließ das Gebiet der Gruselschlösser hinter sich, ging durch eine schmale Gasse und passierte eine Andenkenbude, wo ein Mann dabei war, seinen Stand zuzuklappen. An der Bude wurden Aufkleber verkauft. Sie zeigten natürlich Motive, die mit HORRORLAND in einem ursächlichen Zusammenhang standen.
Frankenstein, Dracula und der Werwolf gingen als Aufkleber weg wie warme Brötchen. Ebenso fand man ihre fratzenhaften Gesichter und schrecklichen Gestalten auf Luftballons und Popcorntüten.
Der Verkäufer schaute der einsamen Gestalt nach. Er grinste, hob die Schultern und schloss seine Läden endgültig.
Schon nach wenigen Schritten wich die Asphaltdecke altem, rissigen Kopfsteinpflaster, so wie es im Soho der Jahrhundertwende üblich gewesen war. Man hatte diesen Ortsteil von London in der Tat gut nachgebaut. Ein Wirrwarr von kleinen Gassen und eng beieinanderstehenden Häusern, alten Laternen und baufällig wirkenden Pubs.
Auch Menschen gab es. Hinter manchen Fensterscheiben waren Gesichter zu sehen.
Bleiche, blasse Haut schimmerte. Alle Gesichter zeigten den gleichen Ausdruck.
Angst!
Im alten Soho hatte man Angst, denn dort ging der Ripper um. Und dieses Gefühl der Bedrohung hatten die Erbauer des Parks eingefangen. Täuschend echt sogar, dass Menschen, die Soho durchschritten und in den Schlössern oder Burgen noch gelacht hatten, ziemlich wortkarg wurden, wenn sie über das Kopfsteinpflaster gingen.
Exit – Ausgang!
Dieses Wort stand überall an den falschen Fassaden, und Eveline brauchte sich nur danach zu richten, um den Park verlassen zu können. Sie schien die einzige Besucherin im HORRORLAND zu sein, denn ihr begegnete niemand mehr.
Es war doch kälter geworden, und sie zog die lange Strickjacke enger um ihren Körper. Unter der Jacke trug sie eine grüne Bluse. Der Rock zeigte eine blaue Farbe, ebenso die Strümpfe. Ihre Handtasche hatte sie über die Schulter gehängt und musste sich nun nach rechts wenden, um den Ausgang zu erreichen.
Diese Gasse war noch schmaler. Und Eveline erschrak, als sie die alte Kutsche am Rand stehen sah.
Eine Leichenkutsche.
Schwarz war sie angestrichen. Aus dem Haus daneben trugen sie einen Toten. Alles Wachsfiguren, aber täuschend echt nachgebildet. Der Kutscher stand neben der Tür und leuchtete mit der Laterne. Hinter ihren Glasscheiben glomm eine Lampe, aber so schwach, dass das bleiche Gesicht des Kutschers im Dunkeln blieb.
Der Tote war ermordet worden. Aus seinem Hals rann ein Blutstreifen, der sich auf dem bleichen Wachs verteilt hatte. Kinder hatten dem »Toten« eine Pappnase aufgesetzt und dem Kutscher einen blühenden Kirschbaumzweig an den Hut gesteckt.
Eveline musste lachen, als sie das sah. Irgendwie gefiel es ihr. So etwas machte die Atmosphäre nicht mehr bedrohlich. Im Gegenteil, es lockerte sie auf.
Nach einigen Yards gelangte sie an eine Laterne. An ihr lehnte eine Frau. Wie sie da stand, die Hände in die vorgeschobenen Hüften gestemmt, erinnerte sie an eine Prostituierte. Ihr bleiches Wachsgesicht war zu einem Lächeln verzogen, der lange Rock reichte bis zum Boden, war jedoch leicht durchsichtig, und der Ausschnitt der Bluse hätte nicht nur im alten victorianischen England Aufsehen erregt.
Hinter der Hure befand sich eine spaltbreit geöffnete Tür. Viel konnte man als Besucher nicht erkennen, doch es reichte, um die Faust und das Messer...
| Erscheint lt. Verlag | 24.6.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-2975-7 / 3838729757 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-2975-6 / 9783838729756 |
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