John Sinclair 209 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2968-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Die Gruft mit dem Höllenauge.
Jeder Mensch hat Träume. Mal sind es gute, mal schlechte. Die guten Träume können ihn positiv reagieren lassen, die bösen hingegen verärgern ihn und steigern seine Angst.
Seit Jahrhunderten machen die Menschen für die schrecklichen Träume ein Wesen verantwortlich: Den Alp! Gibt es ihn wirklich? fragte ich mich, denn ich hatte ihn noch nie gesehen, bis ich eines Besseren belehrt wurde.
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Die Gruft mit dem Höllenauge
Eine plötzlich auftretende Windbö schüttelte das Segelflugzeug so durch, dass der Pilot nicht mehr dazu kam, gegenzusteuern. Über den linken Tragflügel schmierte das Flugzeug ab.
Frank Evans rutschte fast das Herz in die Hose. Seine Blicke glitten über die Instrumentenanzeige. Rapide verlor er an Höhe. Der Wind fiel gegen die Flugmaschine und packte sie wie gierige Hände.
»Verdammt, verdammt!«, fluchte Evans, »die Mühle kriege ich nicht mehr hoch!«
Und in Gedanken fluchte er weiter. Es war eine Schnapsidee gewesen, sich in die Maschine zu setzen und zu starten. Das nur wegen dieser blöden Wette, die er und seine Kumpane am Abend zuvor geschlossen hatten. Er hörte sich jetzt noch reden, wie er angegeben hatte, welch ein guter Flieger er doch war. Heimlich war er gestartet, nur seine Kollegen waren mitgekommen. Zu Beginn ging alles glatt, dann war er in den verfluchten Frühjahrssturm geraten, der seine fliegerischen Pläne zunichte machte.
Jetzt musste er zusehen, dass er mit heilen Knochen die Notlandung überstand, denn eine normale würde es nicht geben, und zum Flugplatz konnte er auch nicht mehr.
Er schaute in die Tiefe.
Dunkelheit im Norden. Dort lagen die Hügel, da wuchs der Wald, und die Bäume standen dicht an dicht. Dort konnte er nicht landen, es sei denn, er war lebensmüde.
Also nach Westen.
Als er den Kopf drehte, sah er die Lichter. Sie funkelten unter ihm wie winzige Sterne. Der Name des Ortes hieß Maghel und lag nicht weit von einem kleinen See weg. Natürlich konnte Evans nicht auf dem Wasser landen, aber gleich in der Nähe des Sees befanden sich große Schafsweiden, dort musste er die Mühle runterkriegen.
Im Westen braute sich etwas zusammen. Trotz der Dunkelheit sah er die gewaltigen Wolkenberge. Düster und drohend lagen sie dicht unter dem Himmel, eine geballte Masse an Gefahr, ihm vorkommend wie das Maul eines riesigen Ungeheuers, das bereit war, ihn mit Haut und Haaren zu verschlingen.
Er musste hinein. Wenn er die Wiesen erreichen wollte, gab es keinen anderen Weg.
Ein wenig hatte sich das Flugzeug wieder gefangen.
Der erste Schrecken war vorbei. Frank klopfte gegen das Armaturenbrett. »Halt dich tapfer, alte Lilly«, murmelte er. »Wir wollen beide heil unten ankommen.«
Als hätte das Flugzeug seine Worte verstanden, so neigte es die Schnauze nach vorn und gehorchte plötzlich wieder dem Ruder. Evans fiel ein Stein vom Herzen. Er achtete auf den Wind und den Höhenmesser. Die Geräusche des Flugwindes kannte er, sie waren ihm nicht neu, und allmählich trocknete auch der Schweiß auf den Innenflächen seiner verkrampften Hände.
Er wollte auch nicht mehr steigen, obwohl das sicherlich geklappt hätte. Je höher er vom Boden entfernt war, umso unsicherer verhielt es sich mit der Landung.
Behutsam jonglierte er mit dem Höhenruder. Ja, es klappte, die Maschine gehorchte ihm. Gute, alte Lilly. Obwohl sie bereits mehr als fünfzehn Jahre auf dem Buckel hatte, war sie noch ausgezeichnet in Schuss, und Evans atmete tief durch.
Die Lichter wurden größer. Er flog in direktem Kurs nach Westen, musste allerdings bald nach Süden hin ausweichen, um den Landeplatz zu finden.
Auch die Wolkenbank näherte sich. Sie war wirklich dunkler als der Himmel, der ein seltsames Grau zeigte, nicht zu hell und nicht zu düster und bei dem Frank das Gefühl hatte, als wäre es von schweflig gelben Schlieren durchzogen.
Frühjahrsgewitter waren gefährlich. Die stellten oft die gesamte Natur auf den Kopf, da musste man höllisch achtgeben.
Da war schon die nächste Bö. Sie griff unter das Segelflugzeug, hob es regelrecht an und stellte es fast waagerecht hin, sodass Evans in Gefahr geriet, einen unfreiwilligen Looping zu vollführen.
Dazu allerdings kam es zum Glück nicht mehr. Eine Gegenbö drückte das Flugzeug wieder zurück, schüttelte es dabei aber so durch, dass der Pilot fast die Orientierung verlor.
In diesen schrecklich langen Sekunden wusste er, dass er es nicht schaffen konnte. Nein, das war einfach nicht drin, er bekam die Maschine nicht mehr in den Griff, denn der Wind hatte sie voll in diese Regen- und Gewitterfront hineingetrieben.
Zuerst kam der Regen.
Als hätte man Erbsen über dem Flugzeug ausgegossen, so sehr klatschten die dicken Tropfen auf die Außenhaut. Es war ein monotones Hämmern und Prasseln, das in den Ohren des von Panik geschüttelten Piloten dröhnte.
Er saß wie auf einer Rüttelschiene Den Kopf eingezogen, den Körper angespannt, und er lauerte darauf, dass etwas geschah. Vielleicht ein Wunder.
Der Wind heulte wie ein waidwundes Tier. Er jaulte über die Tragflächen und die wie geduckt wirkende Kanzel. Er spielte auch mit dem Leitwerk.
Als der erste Donnerschlag erklang, hatte das Segelflugzeug schon bedrohlich an Höhe verloren. Wie durch ein Wunder hielt es noch den Kurs mit nur geringen Abweichungen.
Frank Evans begann zu beten. Er fühlte sich so hilflos in dieser Hölle aus Regen, Blitzen und Donner.
Vor allen Dingen waren es die Blitze, die so schnell aus den Wolken fuhren, als wollte einer den anderen einholen. Sekundenlang war der Himmel um das Flugzeug herum von einem geisterhaft fahlen Leuchten erhellt, das die Wolken seltsam bleich erscheinen ließ und in Frank Evans die Erinnerung an urwelthafte Monstren hervorriefen.
Es war die Hölle, und er befand sich mitten drin.
Über Maghel musste er hinwegkommen. Die Maschine trudelte schon wie ein loses Blatt Papier über die Dächer. Evans wurde es schlecht. Nie zuvor hatte er dieses Gefühl gespürt, nun aber hing ihm der Magen bereits in der Kehle.
Als er plötzlich den Schornstein der alten Fabrik sah, dachte er, sein letztes Stündlein habe geschlagen. Vom Boden aus hatte er immer so schmal und lang ausgesehen, nun aber tauchte er in seinem gesamten Umfang vor ihm auf, und er kam ihm vor wie eine höhnisch grinsende Wand. Das Ruder zu halten, hatte keinen Sinn mehr, es gehorchte ihm sowieso nicht, und Evans konnte das Verderben einfach nicht mit ansehen. Er schlug beide Hände vor sein Gesicht und wartete auf den alles zerschmetternden Aufprall.
Das Schicksal meinte es gnädig und gewährte ihm eine Frist. Eine Fallbö schleuderte das Flugzeug herum. Es schmierte zur rechten Tragfläche hin ab und fegte um Haaresbreite an dem gewaltigen Wulst des Schornsteins vorbei.
Das ging noch einmal glatt.
Als Frank Evans die Augen öffnete, sah er nicht mehr den Schornstein vor sich, sondern wieder den schwarzen, von Blitzen hin und wieder aufgerissenen Gewitterhimmel, und der von hinten drückende Wind schob das Flugzeug in die Wand hinein.
Ein gewaltiger Donner rollte über das Land. Er kam Evans vor wie das Lachen des Teufels, und in einer Hölle steckte er auch, die noch einmal sämtliche Pforten öffnete. Der Regen wurde zur Sintflut. Dicht wie ein Vorhang kippten die Wassermassen vom Himmel. Zu sehen war nichts mehr, alles verschwamm in einem tristen Grau, selbst die Lichter konnte Frank nicht mehr erkennen, als er nach unten schaute. Oder war er schon hinter der Stadt?
Sein Segelflugzeug wurde zum Spielball der Gewalten, die er nicht kontrollieren konnte. Und sie sorgten auch für das Ende der guten alten Lilly.
Als ein regelrechter Sturmstoß den Regenschleier etwas lichtete und Evans wieder einigermaßen freie Sicht bekam, sah er die dunklen Schatten unter sich.
Bäume! schrie es in ihm.
Da geschah es.
Das Leitwerk des Flugzeugs bekam zuerst Kontakt. Es jagte in die blattlosen Kronen hinein und zerfetzte Äste sowie Zweige, als wären es Zündhölzer.
Allerdings bekam auch das Leitwerk sein Fett mit. Ein Rad verlor plötzlich Kontakt und wirbelte irgendwie in die Dunkelheit. Stützen brachen. Ein hochwachsender, ziemlich starker Astwirrwarr reagierte wie ein gespanntes Netz. Die alte Lilly wurde förmlich von ihm aufgefangen.
Die Kräfte der Physik reagierten. Aktion gleich Reaktion. Wirkung entspricht Gegenwirkung.
Die Gegenwirkung bekam Frank Evans voll zu spüren. Wurde das Segelflugzeug wie von einem Netz fast gehalten, so schüttelte die Rückwirkung den Piloten durch.
Sein Körper gehorchte ihm plötzlich nicht mehr. Andere Kräfte spielten mit ihm, drückten ihn herum, schleuderten ihn, rissen ihn nach vorn, warfen ihn wieder zurück, und wäre der Gurt nicht gewesen, hätte es schlecht für ihn ausgesehen.
Er hörte sich selbst schreien und dachte, es wäre ein Fremder. Splittern von Glas, ein widerliches Kreischen, dazwischen der Donner, die hellen Blitze, ein Inferno wie es im Buche stand, und Frank Evans kam sich als Mittelpunkt vor.
Die Maschine fing sich nicht mehr. Der starke Baum hatte ihr den Rest gegeben. Die Eigengeschwindigkeit schleuderte sie dennoch nach vorn und über eine Mauer hinweg.
Sie fiel dabei schräg, berührte mit der rechten Tragfläche zuerst den Boden, schlug dann in ihrer gesamten Länge auf, drehte sich ein paar Mal wie ein Kreisel um die eigene Achse und rasierte voll über das alte Gräberfeld eines Friedhofs hinweg, wo sie Sträucher, Büsche, Blumenbeete und auch Grabkreuze zerstörte.
Mit der deformierten Nase hieb sie gegen einen sehr hohen Grabstein. Er stoppte sie endgültig. Ein letztes Mal ging ein schweres Beben und Ächzen durch das Segelflugzeug, als würde es noch einmal tief Luft holen, aber das nutzte alles nichts.
Die gute, alte Lilly war nur noch Schrott. Über die gläserne Haube der Kanzel liefen Sprünge. Hätte jemand in das Cockpit geschaut, so hätte er den blutüberströmten Piloten sehen können.
Frank Evans hatte von dem endgültigen Aus seiner...
| Erscheint lt. Verlag | 24.6.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-2968-4 / 3838729684 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-2968-8 / 9783838729688 |
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