John Sinclair 207 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2966-4 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Der Mann, der nicht sterben konnte.
Als der höllische Gruß aus dem Weltall der Erde entgegenraste und in der Weite Sibiriens einschlug, registrierten die Messgeräte entsprechender wissenschaftlicher Institute das Ereignis zwar, aber die Menschen kümmerten sich kaum darum.
Nur ein Mann geriet in den unmittelbaren Dunstkreis des abgestürzten Meteors. Und er veränderte sich. Für uns wurde er zu einem Fall, an dem wir fast verzweifelten. Denn er wurde zu einem Mann, der nicht sterben konnte ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Der Mann, der nicht sterben konnte
Als der höllische Gruß aus dem Weltall der Erde entgegenraste und in der Weite Sibiriens einschlug, registrierten die Messgeräte entsprechender wissenschaftlicher Institute das Ereignis wohl, aber Menschen kümmerten sich kaum darum.
Nur einer geriet in den unmittelbaren Dunstkreis des abgestürzten Meteors. Und er veränderte sich. Er wurde zu einem Menschen, der nicht sterben konnte.
Für uns wurde er zu einem Fall, an dem wir fast verzweifelten …
Der Mann saß breitbeinig auf einem Stuhl. An sich war an ihm nichts Besonderes, er sah aus, wie tausend andere Menschen auch aussahen. Sein weißes Haar, das rechts und links des Kopfes wuchs und ansonsten stark gelichtet war, bewies, dass der Mann zur älteren Generation zählte. Sechzig Jahre hatte er sicherlich erreicht. Das Gesicht lag eingehüllt in einen gelblichen Schein, der von einer Lampe produziert wurde, die über dem sitzenden Mann hing.
Auch das Gesicht zeigte keine außergewöhnlichen Merkmale. Vielleicht lagen die Augen etwas tiefer in den Höhlen, auch war die hohe Stirn nachdenklich verzogen und der Mund ein wenig zu klein, wobei scharfe Falten von der Nase zu seinen Winkeln zogen, das alles gehörte auch zu einem Dutzendgesicht.
Der Mann trug ein grauweißes Hemd, darüber eine hellgraue Weste und eine alte Hose von undefinierbarer Farbe. Sie schimmerte braunviolett.
Neben dem Mann stand ein runder Tisch. Eine Decke lag auf der Platte. Darauf stand ein halb volles Glas Wasser.
Es war wirklich nichts Besonderes an dem Mann, womit er hätte Aufsehen erregen können, bis er hinter sich griff und plötzlich ein Messer in der Hand hielt.
Jetzt wurde er schon interessanter.
Es war ein Küchenmesser. Der Mann senkte den Blick, schaute auf den Griff und nickte wie geistesabwesend. Er umklammerte mit der rechten Hand den Griff und drehte die Waffe, sodass die Spitze auf seine Brust zeigte.
Dann stieß er sich das Messer in die Brust, und die Klinge drang bis zum Heft ein!
*
Sekundenlang geschah nichts. Der Mann saß unbeweglich auf seinem Stuhl. Normalerweise hätte er tot umkippen müssen, aber das geschah nicht.
Wie eine Statue hockte er da, das Messer in der Brust und die Hand um den Griff geklammert.
Langsam öffnete er die Finger, wobei er auch seinen Blick hob und in das Halbdunkel des Raumes schaute.
»Edwina!«, flüsterte er. »Edwina!«
Schritte aus dem Hintergrund. Zögernd, als wollten sie nicht so recht. An diesen Schritten war zu merken, dass die Person Angst hatte, sich dem Mann zu nähern.
»Edwina! Diesmal klang die Stimme noch härter. »Komm endlich zu mir, zum Henker!«
»Ja, Fjodor!« Die Schritte wurden schlurfend, Sohlen schleiften über den Boden, dann fiel ein länglicher Schatten in das Licht der Lampe, und die Frau blieb vor dem Stuhl stehen.
Der Mann hob den Blick. Er sah in ein verhärmtes Gesicht, in dem das Leben seine Spuren in Form zahlreicher Falten hinterlassen hatte. Der Mund war schmal, hatte auch einen verbissenen Ausdruck angenommen, als hätte die Frau mehr Negatives als Positives in ihrem Leben hinter sich gehabt. Sie trug einen langen dunklen Rock und eine graue Bluse aus festem Stoff. Über den Rock hatte sie eine Schürze gebunden.
Der Mann reckte sich. Er hob seine Arme an und grinste schief. »Edwina, es stimmt.«
»Ich … ich habe es gesehen.«
»Ja, ich bin der Mann, der nicht sterben kann. Ich, Fjodor Rankin. Das wird ein Spaß.«
»Fjodor, bitte, versündige dich nicht«, flüsterte Edwina. »Wirklich, du machst dir den Herrgott …«
»Ach, hör damit auf! Ich bin mein eigener Herrgott.« Er umfasste den Messergriff und drehte die Waffe in der Wunde. »Da, es passiert nichts. Man kann mich nicht töten.«
»Hast du jetzt das ewige Leben, Fjodor?«, fragte Edwina vorsichtig.
»Sagen wir mal, ich kann nicht sterben.«
»Das ist schlimm, Fjodor.«
»Wieso?«
»Ein Mensch muss sterben können. Er muss hineingehen in den großen Kreislauf der Natur. Wenn er nicht zu Asche wird, dann wird sein Leben zu einem Fluch.«
»Ach, was redest du da, Alte?«
»Es stimmt, Fjodor. Die alten Gesetze kannst du nicht übergehen, wirklich nicht. Reiß dich zusammen, lösche diesen unseligen Fluch. Ich bitte dich darum, um das Leben deiner Mutter, die dich in ihrem Schoß getragen hat …«
»Alte, sei ruhig!«
Edwina hörte nicht auf. Fjodor Rankin verzog die Lippen. Seine Augen nahmen einen hinterlistigen Ausdruck an. Er beugte sich vor und umfasste das Handgelenk seiner Frau. »Damit«, sagte er, »damit sollst du das Messer greifen und es mir aus der Brust ziehen. Los, zieh es raus! Zieh es aus meiner Brust!«
»Nein, Fjodor, nein. Ich kann nicht …«
»Verdammt, stell dich nicht so an! Zieh es raus!«
»Fjodor, ich …«
»Wenn du es nicht machst, dann töte ich dich!«, flüsterte Rankin. »Dann werde ich dich umbringen, Edwina, denn du kannst im Gegensatz zu mir sterben.«
Edwina schluchzte auf. »Dein wievielter Tod ist das, Fjodor?«
»Mein vierter.«
»Ich bitte dich, hör auf …«
»Nein, Edwina. Ich werde mit jedem Tod stärker. Denn wenn ich gestorben bin und dann wieder lebe, kann ich mit meiner Umwelt spielen, verstehst du das? Ich, Fjodor Rankin, bin ein Mann, den niemand besiegen kann, denn ich bin unsterblich, Edwina!«
»Ich kann es nicht.«
»Los, zieh mir das Messer aus der Brust!« Die Stimme ließ keinen Widerspruch zu, das wusste Edwina. Wenn sie jetzt nicht gehorchte, dann würde ihr Mann sie töten, denn er war der letzte Rankin und mit einem Fluch beladen, den er als Segen empfand.
Der Mann drückte seine Hände gegen die Sitzfläche und beugte sich nach vorn. Er streckte seinen Brustkorb der Frau entgegen, damit sie das Messer hervorziehen konnte.
»Edwina!« Den Namen seiner Frau sprach er zischend aus, und Edwina gehorchte. Ihre rechte Hand umfasste den Griff. Sie schloss die Augen, betete innerlich und riss das Messer aus der Wunde.
Da der Mann es sich tief in den Körper gestoßen hatte, klaffte die Wunde weit auseinander. Sie hatte einen Spalt hinterlassen, man konnte in sie hineinschauen, was Edwina auch tat. Dabei sah sie kaum Blut, nur eine rosafarbene Flüssigkeit, als wäre normales Blut mit Wasser vermischt worden.
Sie schaute ihrem Mann nicht ins Gesicht, sondern nur auf die Klinge. Auch sie war nicht mehr so blank, wie zuvor, als sie sich ihr Mann in die Brust gestoßen hatte. Das Metall zeigte einen schlierigen Überzug, und Edwina warf das Messer angeekelt fort.
Fjodor aber stand auf. Er lachte lautlos. Es war mehr ein Grinsen, und es sah sehr siegessicher aus. »Mir kann niemand etwas!«, flüsterte er heiser. »Niemand wird oder kann mich töten. Ich werde es ihnen allen beweisen. Ich, Fjodor Rankin, denn ich bin der Mann, der den Tod überlistet hat.«
Edwina schlug die Hände vor ihr Gesicht. »Bitte«, schluchzte sie. »Ich bitte dich. Du versündigst dich.«
»Gegen wen?«
»Gegen alles.«
»Ach, hör auf, Alte.«
»Der Herrgott wird dich strafen. Sein Gericht wird über dich kommen wie ein Unwetter.«
»Hör auf zu jammern, du altes Weib. Nichts wird geschehen, aber auch gar nichts. Denn ich bin mir selbst Gott genug. Hast du das nicht gemerkt?«
»Nein, Fjodor, sprich nicht so. Ich bitte dich …«
Der Mann gab keine Antwort. Er senkte den Blick und schaute an sich hinab, wo sich die Wunde, wie von Geisterhänden versorgt, langsam verschloss.
»Bring mir was zu trinken!«, forderte Fjodor.
»Ich kann nicht, Fjodor. Ich kann das nicht mehr mitmachen. Ich will auch nicht. Es ist so schrecklich.«
Rankins Mund bewegte sich, ohne dass er etwas sagte. »Hast du dir die Worte genau überlegt, Alte?«
»Ja, das habe ich.«
»Und du willst weg?«
Edwina nickte.
»Das geht nicht mehr. Du musst bei mir bleiben. Du kennst mein Geheimnis. Du und ein paar andere. Ich kann dich nicht gehen lassen, verstehst du?«
»Wie willst du mich daran hindern?«, fragte die Frau erstaunt.
»Muss ich dir das sagen?«
»Ja, das musst du!«
Da verzog Rankin den Mund. »Ich bin unsterblich, du bist es nicht.« Er lachte leise.
Im ersten Augenblick begriff die Frau nicht, was er damit gemeint hatte. Sie dachte nach, und die Gedanken spiegelten sich auf ihrem Gesicht wider. Entsetzen und Angst, Unbegreifen und Ungläubigkeit vereinigten sich zu einer Mischung. »Nein, Fjodor, das wirst du doch nicht tun. Du kannst mich nicht …«
»Ich müsste es.«
»Aber ich bin deine Frau!«
»Kann ich da noch Rücksicht nehmen. Wir sind nicht allein gewesen. Man hat uns beobachtet und belauscht. Meine Freunde wollten wissen, ob ich lüge.«
»Man hat dich gesehen?«
»Ja, mich und dich. Man weiß über dich Bescheid. Er drehte sich und schaute auf das kleine Fenster. »Da, sieh! Vielleicht kannst du hinter der beschlagenen Scheibe ein Gesicht erkennen. Dort stehen sie und warten.«
»Wer wartet?«
»Meine Freunde. Noch hast du Zeit, dich zu entscheiden, Edwina. Entweder stehst du voll auf meiner Seite oder du musst die unausweichlichen Folgen tragen.«
Das wollte Edwina nicht. Sie war völlig durcheinander. Bisher hatte sie es mit Fjodor ausgehalten, nun war ihr bewusst geworden, dass es nicht mehr so weiter ging.
Sie lief zum Fenster.
Die Scheibe war beschlagen. Mit dem Handballen wischte sie das Glas klar. Draußen war nichts zu sehen. Nur der hohe Schnee, der bereits Monate lag und einen...
| Erscheint lt. Verlag | 24.6.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-2966-8 / 3838729668 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-2966-4 / 9783838729664 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasserzeichen und ist damit für Sie personalisiert. Bei einer missbräuchlichen Weitergabe des eBooks an Dritte ist eine Rückverfolgung an die Quelle möglich.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich