Adrians Untote (eBook)
300 Seiten
Voodoo Press e.U. (Verlag)
978-99957-56-20-8 (ISBN)
Chris Philbrook ist der Autor der post-apokalyptischen Serie Adrians Untote. Chris ist der Eigentu?mer der Tier One Games LLC, seiner Spielentwicklerfi rma, wohnt in New Hampshire und ist seit April 2016 Vater.
4. Oktober 2010
Hallo noch mal, Mr. Tagebuch. Weißt du, die ganze Woche über habe ich mich gefragt, warum ich spontan entschieden habe, dass du Mr. Tagebuch bist, und nicht Ms. Tagebuch oder Mrs. Tagebuch oder auch Miss Tagebuch. Vielleicht bin ich unterbewusst nur einem künstlichen männlichen Gegenüber in der Lage, mein Herz auszuschütten? Keine Ahnung. Vielleicht werde ich zu einem späteren Zeitpunkt beschließen, meine Gefühle einer neuen Hörerschaft zu offenbaren und es (dich) in Miss Tagebuch umbenennen. Vielleicht steht Miss Tagebuch auf mein Zeug, und ich werde wieder flachgelegt. Wahrscheinlich sollte ich meine Geschichten dann gut schreiben, hm? Allerdings kommt mir da ein anderer Gedanke; wenn ich Mr. Tagebuch in Miss Tagebuch ändere und ich hoffe, dass Miss Tagebuch auf mich steht, heißt das dann, dass ich auf Transen stehe? Es gibt also einiges zum Überlegen für dich.
Eine ziemlich gute Woche ist seit meinem letzten Eintrag vergangen. Hier auf dem Campus ist nichts Besonderes passiert. Den Großteil meiner Zeit habe ich in der Holzwerkstatt des Berufsschulgebäudes verbracht. Wir hatten hier haufenweise Holz gelagert, und ich arbeitete daran, mir ein paar Barrikaden zu bauen. Die Wohnheime hier sind nicht so, wie man sich das in einem normalen Internat vorstellt. Sie sind nicht wie in Hogwarts oder wie in einem Mehrfamilienhaus. Es gibt fünf Schlafsäle, jeder unterteilt nach Alter und Klasse. Jedes Gebäude ist mehr oder weniger ein gigantisches Haus. Drei der Wohnheime sind zweistöckig, eines dreistöckig, und eines hat nur eine Etage. Stilistisch sind sie Häusern ziemlich ähnlich, nur aufgemotzt und industrialisiert.
Alle Außentüren der Wohnheime sind Feuerschutztüren mit schweren Sicherheitsschlössern. Das bedeutet, sie sind aus Stahl, verriegelt, wenn sie geschlossen sind, und in massive Sicherheitsrahmen eingelassen. Im Grunde perfekt, um Zombieangriffe abzuwehren. Nun hat jeder Schlafsaal noch seine speziellen Eigenheiten. Halle A ist gut, weil sie sich genau in der Mitte des Campus befindet. Die Fenster im Schlafsaal zeigen in alle Richtungen, und man hat eine gute Sicht auf die Brücke, die Menschen (oder Untote) überqueren müssen, um hierher zu gelangen. Halle A ist beschissen, weil das erste Obergeschoss sehr niedrig gelegen ist. Die Fenster können leicht eingeschlagen werden, und es gibt dort eine Menge Fenster zum Einschlagen. Der zweite Stock ist gut, weil die beiden Treppenhäuser vom ersten Stock getrennt sind, sich beide hinter Feuerschutztüren befinden und sich an gesonderten Enden des Gebäudes befinden. Hinzu kommt, dass es auf der zweiten Etage einen kleinen Balkon vom Mitarbeiter-Apartment gibt, welches Mr. Trendwell, dem Physiklehrer, gehört hatte.
Halle E ist ungefähr 60 Meter den Gehweg entlang von Halle A entfernt. Die Hallen A und E liegen beide nah beim Fluss, der den Campus umfließt, was günstig ist, wenn man ein Fenster öffnet. Man kann das Rauschen des Wassers hören, und das ist sehr entspannend. Halle E hat einiges, was für sie spricht. Sie liegt am Rande eines Hügels und hat keine Fenster im Erdgeschoss. Die Unterseite der Fenster beginnt bei etwa eineinhalb Metern über dem Boden, sodass es für die Zombies schwierig werden würde, ein Fenster einzuschlagen. Diese Fenster habe ich bereits mit Holzlatten und Sperrholz so verbarrikadiert, dass sie abgedeckt sind. Ich war clever und versperrte nur die unteren zwei Drittel der Fenster, sodass ich noch durch sie hindurchsehen oder, wenn nötig, durch sie schießen konnte. Weitere Vorteile von Halle E sind: volle Küche, drei Etagen, zwei Wohnzimmer, Doppelfeuerschutztüren an beiden Eingängen und 18 Schlafzimmer. Halle E hat die wenigsten Nachteile, daher habe ich mich auch hier niedergelassen.
Ich werde später mehr über den Campus und die anderen Gebäude hier erzählen. Jedes Haus hier hat seine eigene kleine kaputte Geschichte, und ich möchte kein schmutziges Detail vergessen. Ich muss schließlich Miss Tagebuch beeindrucken, wenn sie auftaucht, nicht wahr?
Die Barrikaden, an denen ich diese Woche gearbeitet habe, waren für einige der niedriger gelegenen Gebäude hier. Im Besonderen will ich die Terrasse am Ende von Halle E sicherer machen. Sie befindet sich am Rand des Gebäudes, das über den Hügel ragt, ist also ungefähr zweieinhalb Meter über dem Boden, aber ich möchte wirklich die Brüstung abstützen für den Fall, dass ich überrannt werde und hier gefangen bin. Das war also mein Projekt für diese Woche. Ich hatte genug Bauholz, Fähigkeiten und Willen, dieses Vorhaben umzusetzen. Yeehaa, ich bin’s. Die ganze Zeit über, während ich in der Werkstatt arbeitete, hielt ich meine Schrotflinte griffbereit und benutzte keines der elektrischen Werkzeuge. Lärm ist schlecht, außerdem ergibt es keinen Sinn, mein Benzin zu verschwenden. Mein Vorrat ist sichtlich begrenzt, und es ist auch nicht so, dass ich Wichtigeres zu tun hätte. Ein Hoch auf die Handsägen.
Ich denke, ich sollte wahrscheinlich mehr Einzelheiten über meine Reise hierher einfügen. Allein über den Tag, an dem die Erde den Bach runterging, ist noch so viel zu sagen. Ich werde mich liebend gern bis Thanksgiving in den Tagebucheinträgen darüber auslassen.
Ich glaube, ich habe weiter oben gesagt, dass alles so schnell ging, dass ein Plan eigentlich unmöglich auszuführen war. Bis zu der Schießerei bei Moore’s lief alles ziemlich genau so ab, wie ich es mir vorgenommen hatte. Und um ehrlich zu sein, dieser Zwischenfall änderte auch nichts an meinem Plan. Das war die erste wirklich schlimme Sache gewesen, in die ich an diesem Tag geraten war, sodass ich sie im Nachhinein als den Zeitpunkt betrachte, an dem die Dinge richtig ernst für mich wurden.
Ich verließ den Waffenladen und begann, meinen Plan durchzugehen. Ich hatte nun Waffen und Munition. Die wichtigsten und nützlichsten Dinge aus meiner Wohnung waren im Kofferraum und auf dem Rücksitz, also war alles, was noch zu tun blieb, nach meinen Freunden zu sehen und Nahrungsmittel aufzutreiben. Haltbare Sachen natürlich. Als ich die Nebenstraße, an welcher Moore’s lag, verließ, sah ich das örtliche Gartencenter, und plötzlich dämmerte es mir, dass ich vielleicht Nahrung würde anpflanzen müssen. Ich bemerkte außerdem, dass der Parkplatz fast leer war, und so machte ich meinen ersten Umweg. Jeder im Laden drängte sich um den Schalter und lauschte dem Radio, aus welchem die Nachrichten von NPR ertönten. Ich wollte keine Zeit verschwenden, da es bereits langsam spät wurde, und ging direkt zur Saatauslage. Ich griff im wahrsten Sinne des Wortes einen kleinen Beutel von allem, was sie hatten, und schnappte mir noch einen dieser halbautomatischen Hacken. Ich wusste, dass der Bestand an Ackergeräten in der Schule wahrscheinlich alles bereithielt, was ich darüber hinaus benötigen würde. Ich erinnere mich, dass ich ungefähr zehnmal fragen musste, ehe die Kleine an der Kasse überhaupt bemerkte, dass ich zahlen wollte. Sie bediente mich völlig falsch und berechnete mir nur um die 15 Mäuse für alles. Ich hatte genug Bares dabei, bezahlte also, nahm meine Tasche und das erdefressende Hackendings und ging völlig unbemerkt hinaus.
Der ganze Mist landete auf dem Rücksitz, und ich brach erneut auf. Als ich dabei war, den Parkplatz zu verlassen, raste einer der städtischen Krankenwagen heran und bog in die Straße, in der Moore’s lag. Ich vermutete, dass sie wegen der Schießerei gerufen wurden. Zudem hing ein anderer von den Besten unserer Stadt dem Krankenwagen am Arsch. Dies war eigentlich das letzte Mal, dass ich einen Polizisten gesehen habe. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, daran zu denken, dass es jetzt Monate her ist, dass ich einen Polizisten gesehen habe. Es ist auch bizarr, daran zu denken, dass die Toten zum Leben erwacht sind und sich am Fleisch der Lebenden gütlich tun. Lol’s und was auch immer.
Alsooo … Unser örtlicher Lebensmitteldiscounter befindet sich auf der anderen Seite des Stadtzentrums, knapp fünf Kilometer oder so von der Stelle entfernt, an der ich mich befand. Ich wusste, dass es ein Irrenhaus sein würde, aber ich brauchte Nahrung. Ich fuhr weniger als die erlaubte Höchstgeschwindigkeit, vor allem, um meine Umgebung nach Unheimlichem abzusuchen. Seltsam genug, dass ich nur wenig sah. Es gab viele Menschen, die ihre Autos beluden, und ich sah viele Väter und Söhne draußen in den Gärten, die Nägel in Sperrholzplatten schlugen, um die Fenster zu verriegeln. Ich sah einen verzweifelten Typen, der eine Tür über ein Fenster nagelte, und musste lachen. Ich frage mich nach wie vor, wie viele von diesen Leuten sich noch immer in ihren Häusern verbergen. Ich habe es nicht überprüft, aber ich kann mir vorstellen, dass eine Sperrholzplatte nicht sehr lange hält, wenn eine Horde Untoter wieder und wieder darauf einschlägt. Zugegeben, sie sind schwächer als Menschen, aber sie werden verdammt nochmal nicht müde. Die einzige »Pause«, die sie sich gönnen, findet statt, wenn sie dir das Fleisch von deinen Knochen nagen. Ansonsten machen sie immer weiter, was immer sie auch gerade tun.
Wie auch immer, im Zentrum war alles ziemlich harmlos. Der Strom war noch da, und ich überfuhr die roten Ampeln im Stadtkern sehr umsichtig. Die Straßen waren frei, und ich wollte zu dem Laden und Nahrung kaufen, bevor er sprichwörtlich geschluckt würde. Die letzten drei Kilometer bis zum Laden verliefen mehr oder weniger ereignislos. Ich wurde auf der Straße zweimal von Idioten in riesigen Pick-ups überholt. Einer zeigte mir den Mittelfinger, als er mich bei dunkelgelb überholte, und ich musste lachen. Die Welt geht unter, und dieser Kerl ist so ein Idiot, dass er mir den Finger zeigt, weil ich in der 30er-Zone nicht...
| Erscheint lt. Verlag | 30.6.2015 |
|---|---|
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 900 Meilen • Apokalypse • apokalypse z • Bestseller • Endzeit • tagebuch der apokalypse • The End • Überleben • Zombies |
| ISBN-10 | 99957-56-20-X / 999575620X |
| ISBN-13 | 978-99957-56-20-8 / 9789995756208 |
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