John Sinclair 194 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2953-4 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Wenn Hexenhände töten.
John Sinclair machte einen grausigen Fund. In einer Kiste entdeckte er sechs Hände. Er hatte sich noch nicht von dem Schock erholt, da griffen ihn drei geisterhafte Wesen an. Flirrende Wesen, die keine Hände besaßen.
Der Geisterjäger wollte kein Risiko eingehen und dem Teufelswerk deshalb so schnell wie möglich ein Ende bereiten. Seine Rechte zuckte zur Beretta. Auf halbem Wege jedoch riss ein magischer Wirbelsturm sie zur Seite.
John Sinclair wurde gegen einen Baum geschleudert.
Dann griffen ihn die sechs Geisterhände an ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Der alte grauhaarige Küster blickte mich an. In seinen Augen nistete die Furcht. Die dünne Haut auf seinen Wangen zuckte. Er hob die mageren Schultern und legte einen Finger auf die Lippen.
Es war sowieso still in dem alten Glockenturm. Selbst der Wind war eingeschlafen, der ansonsten so gern durch das historische Gemäuer pfiff und mit den Wellen der Themse spielte. Er schien es den meisten Menschen nachzumachen, die um diese Zeit längst im Bett lagen.
Ich schaute auf meine Uhr.
Noch zwei Minuten bis Mitternacht!
»Bald«, wisperte der Küster und hauchte mir seinen Rotweinatem ins Gesicht, »bald ist es soweit.«
»Hoffentlich.«
»Aber jetzt ruhig.«
Der Knabe amüsierte mich. Schließlich war er es, der angefangen hatte zu reden.
Ich schaute mich um. Der Glockenturm war eng, sogar mehr als eng. Elektrisches Licht gab es hier überhaupt nicht. Damit wir etwas sehen konnten, hatte der Küster eine alte Laterne die Stiege mit hochgeschleppt.
Der Turm selbst war stabil. Er hatte die Jahrhunderte überdauert. Seinen grauen Stein bekamen höchstens die aggressiven Autoabgase kaputt. Das obere Drittel des Turms blieb dem Geläut vorbehalten.
Und gerade das Geläut hatte es in sich. Es sollte um Mitternacht anfangen zu läuten. Genauer gesagt, die Glocken läuteten, obwohl niemand in der Nähe war, der an einem Seil zog oder sie irgendwie anders in Bewegung setzte.
Sie meldeten sich einfach so.
Und das schon seit Tagen.
Geisterglocken, hatte man sie genannt. Ich war von Sir James, meinem Chef, losgeschickt worden, um das Rätsel zu lösen. Eigentlich war ich sauer über so einen Fall. Glocken, die plötzlich anfingen zu läuten, fielen nicht in mein Aufgabengebiet, aber da gab es ein gewaltiges Hindernis.
Und das waren die Windsors!
Sie kennen den Namen sicherlich. Das wohl berühmteste englische Adelsgeschlecht, aus dem Könige und Herrscher hervorgegangen sind. Wenn jemand in unserem Land Einfluss hatte, dann die Windsors. Und ihren Einfluss hatten sie spielen lassen, denn ihnen war auch zu Ohren gekommen, dass die Glocken läuteten.
Dies immer um Mitternacht!
Klar, dass sich der Hochadel, falls er sich auf seinem Schloss aufhielt und nicht irgendwo in der Welt herumreiste, gestört fühlte. Man bemühte keinen Gendarmen oder Konstabler, sondern ging direkt in die Vollen. Scotland Yard. Und da saß Sir James Powell, seineszeichens Superintendent, königinnentreu und was weiß ich nicht alles. Natürlich war es für den Alten eine Ehrensache, sich des Falles anzunehmen. Einen Tag später hatte ich den Job dann am Hals. Gern hätte ich Suko ebenfalls die Nacht »gegönnt« und ihn mitgenommen, Sir James hatte jedoch darauf bestanden, dass ich den Fall allein übernahm.
Und so befand ich mich innerhalb des Glockenturms, stand mit dem Küster unter den beiden Glocken, die an Seilen befestigt waren und an einem Querbalken hingen.
Wir warteten auf das Läuten.
Zehn Sekunden noch!
Selbst im Licht der Laterne konnte ich erkennen, dass der Küster leicht grau im Gesicht wurde. Seine Haut sah auf einmal aus wie Asche. Er zitterte jetzt noch mehr, seine Zähne klapperten aufeinander, und die Augenlider bewegten sich hektisch.
Noch fünf Sekunden.
»Gleich, gleich«, wisperte der alte Küster. »Dann ist es soweit.« Er schüttelte sich, als hätte jemand kaltes Wasser über ihn gegossen. »Dann läuten sie.«
»Hoffentlich«, knurrte ich.
Mitternacht!
Jetzt musste es geschehen. Oder? Auch ich war von dem Fieber angesteckt worden und warf einen Blick hoch. Schon ein paar Sekunden über die Zeit. War wohl doch nichts.
Ich hatte mich getäuscht. Der Gedanke schwebte noch in meinem Kopf, als sich die erste Glocke bewegte. Sie schwang nach rechts, und dann nach links. Der Klöppel stieß gegen die Wandung. Im nächsten Moment dröhnte mir der dumpfe Klang dieser Mitternachtsglocke buchstäblich in den Ohren.
Dong – dong, ging es. Die Glocken hörten überhaupt nicht auf. Mir schien es, als würden sie von unsichtbaren Händen geführt und geleitet. Das war wirklich eine Sache für sich.
Der Küster stieß mich an. Noch grauer im Gesicht. Mit seinem mageren Zeigefinger deutete er in die Höhe, wo die Glocken schwangen. Ich nickte. Gesehen hatte ich es ja, das brauchte er mir gar nicht erst noch zu zeigen.
Mir kam der Gedanke, dass sich dort oben jemand versteckt haben könnte. Das Gebälk war gar nicht mal klein. Ein Wirrwarr aus Latten, Balken und Streben.
Da musste man hochkönnen.
Ich deutete in die Höhe und schrie dem Küster ins Ohr, was ich vorhatte.
Er machte ein noch entsetzteres Gesicht. »Nein!«, brüllte er zurück. »Das können Sie nicht machen.«
»Warum nicht?«
»Weil … also weil …«
Ich winkte ab und hatte ihn damit schon unterbrochen. Dann drückte ich mich an ihm vorbei und ging dorthin, wo die Stiege begann und auch die kleine Lampe stand. Bevor der Küster es sich überlegen konnte, hatte ich sie ihm schon in die Hand gedrückt. »Halten Sie fest!«rief ich.
»Aber, Sir …«
Er sagte noch etwas. Ich verstand es nicht, denn ich hatte mich schon der Holzleiter genähert, die vom Boden bis zum Gebälk reichte. Über sie wollte ich klettern.
Ich rückte sie ein wenig von der Wand fort, damit sie schräg stand und auch den nötigen Halt besaß. Die Sprossen sahen mir vertrauenserwekkend genug aus, sodass ich es riskieren konnte. Auf der zweiten Stufe stehend winkte ich dem Küster. Er verstand das Zeichen und kam mit seiner Lampe näher.
Ich nahm sie ihm aus der Hand, behielt sie in der Rechten und hielt mich mit der Linken am seitlichen Holm fest. Dann kletterte ich in die Höhe.
Die Glocken schlugen noch immer an. Sie bewegten sich sogar schneller als zu Beginn, und ihr Klang dröhnte gewaltig in meinen Ohren. Er wurde noch lauter, je höher ich kletterte. Schließlich tauchte vor meinen Augen bereits der erste Querbalken auf. Er war so breit, dass ich die Laterne abstellen konnte. Ich rückte sie ein wenig zur Seite, damit sie mich nicht behinderte, wenn ich auf den Balken kletterte. Es war eine mühevolle Arbeit. Der Küster, der unter mir zuschaute, schlug mehr als einmal die Hände vor sein Gesicht und schickte sicherlich ein Stoßgebet zum Himmel, als ich endlich auf dem breiten Querbalken hockte.
Die Glocken hingen jetzt dicht über mir. Wenn ich in die Hocke ging, und meine Arme dabei ausstreckte, konnte ich sie sogar berühren. Das allerdings sparte ich mir, denn ich wollte die nähere Umgebung erst einmal untersuchen.
Auf gleicher Höhe mit den beiden Glocken begann das eigentliche Gewirr. Ich bekam einen dicken Holzstreben zu fassen, prüfte die Festigkeit, war zufrieden und zog mich weiter. Wie ein Turner gelangte ich unter das Dach, während die Glocken weiterhin ihr geisterhaftes Läuten durch den Turm schickten.
Ich sah auch die schmalen Scharten im Mauerwerk. Kleine Fenster, durch die gerade noch zwei Gewehrläufe passten. Von hier oben hatte man früher ebenfalls mitgeholfen, die Festung Windsor zu verteidigen. Nur geputzt hatte man jahrelang nicht. Ich wirbelte Staub hoch und zerstörte Spinnweben, die mich immer an kleine Kunstwerke erinnerten.
Vom Boden her verfolgte der Küster meinen Weg. Noch immer sah er ängstlich aus. Das erkannte ich im Restlicht der Laterne. Das meiste Licht warf die Lampe in meine Richtung, ich hatte sie mitgenommen und fand nun wieder einen günstigen Platz, wo ich sie abstellen konnte, denn für mein weiteres Vorhaben benötigte ich wirklich beide Hände.
Der Balken über mir lud direkt dazu ein, sich an ihm festzuklammern. Wenn ich mich da weiterhangelte, konnte ich ohne große Mühe die Glokken erreichen.
Ich blieb in den Knien. Dabei spannte ich die Muskeln ziemlich an, bewegte mich zwei Schritte etwa nach links und musste dann den Kopf zur Seite nehmen, weil ich sonst von der schwingenden Glocke getroffen worden wäre. Das war vielleicht eine Schufterei, sich so an den Glocken vorbeizumogeln. Immer wieder drehte ich den Kopf, zog ihn ein, wurde einmal doch gestreift und hatte dabei noch das Gefühl, völlig taub zu sein.
Als ich schließlich hinter den läutenden Glocken hockte, konnte ich mich ärgern. Die Lampe hatte ich vergessen. Der Lichtschein reichte kaum aus, um auch noch hinter die Glocken zu leuchten.
Manchmal gab auch die Unterlage leicht nach. Ich spürte die Schwingungen und Vibrationen des Holzes, wohler wurde mir dabei auch nicht, und einen Feind sah ich ebenfalls nicht.
Die Glocken wurden nach wie vor bewegt, als würden sie von unsichtbaren Händen angestoßen.
Ein wenig glitt ich zurück. Das war gut so, denn mein Rücken fand Halt an der Innenmauer. Wenn hier Magie mit im Spiel war, dann konnte ich es vielleicht durch mein Kreuz herausfinden. Möglicherweise wurde es aktiviert, wenn ich es in die Nähe der läutenden Glocke hielt.
Ich fummelte das geweihte Kruzifix unter meinem Hemd hervor, verbiss mir zweimal einen Fluch, weil ich so unbequem hockte und mir schon die Knie wehtaten, aber ich schaffte es und hielt das Kreuz schließlich in der Hand.
Die zehn Minuten waren fast um. Die Glocken schwangen wesentlich langsamer. In ihrem Rhythmus bewegte ich auch mein Kreuz. Reagierte es? Wurde es vielleicht warm? Zeigte sich ein Schimmer?,
Nichts.
Alles blieb normal. Dieser seltsamen Erscheinung war wirklich nicht beizukommen.
Ich stand vor einem Rätsel …
Um wenigstens alles versucht zu haben, veränderte ich meine Stellung. Eine Glocke schwang mir gegen die Hand und berührte auch das Kreuz. Dabei tat sich gar nichts.
Negativ auf allen Linien!
...| Erscheint lt. Verlag | 10.6.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-2953-6 / 3838729536 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-2953-4 / 9783838729534 |
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