John Sinclair 193 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2952-7 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Der Mitternachts-Vampir.
Als die Burg zerstört wurde, da hatte man ihn einfach vergessen. Aber er vergaß die Menschen nicht. Während die langen Jahre vergingen, lebte er weiter. Eingesperrt in einer Höhle und mit dem wahnsinnigen Durst nach Menschenblut. Er wusste, dass die Zeit kommen würde, wo er wieder zuschlagen konnte. Der Tag kam. Schwere Abbruchmaschinen räumten den Weg frei. Der Mitternachts-Vampir konnte sein Gefängnis verlassen. Wie vor langen Jahren ging er auf Jagd. Verlernt hatte er nichts ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
»… so wurde die alte Hexe verbrannt, und Hänsel und Gretel konnten in Ruhe und Frieden leben.« Mit diesen Worten beendete die Frau das Märchen und klappte das Buch zu.
Der kleine Helmut lächelte. Er lag in seinem Kinderbett und hatte leuchtende Augen bekommen. Das winzige goldene Kreuz auf seiner Brust schimmerte im Licht der Nachttischlampe.
»Liest du mir noch ein Märchen vor, Mami?«
Gabi Leber lachte. »Nein, mein kleiner Schatz. Es ist schon acht Uhr am Abend, du musst jetzt schlafen. Draußen ist es dunkel. Die Sonne schläft auch, und die Sterne stehen am Himmel. Morgen möchtest du doch wieder spielen – oder?«
»Ja, aber …«
»Kein aber, mein Schatz«, sagte die junge Mutter und strich die Bettdecke ihres Sohnes glatt. Der Überzug und das Laken zeigten lustige Motive aus der Welt eines Walt Disney.
Helmut verzog das Gesicht. »Ich bin aber noch nicht müde, Mami.«
»Das kommt schon noch.«
»Wirklich nicht. Ich …« Im gleichen Augenblick fing er an zu gähnen.
Gabi Leber lachte. »Siehst du, wie müde du bist, Helmut? Du schläfst ja gleich ein.«
»Das war ja nicht echt.«
»Du kleiner Schlingel, dir fällt auch immer eine Ausrede ein.« Gabi drückte ihren Sohn. Dann gab sie ihm einen Gute-Nacht-Kuss. »Jetzt musst du aber wirklich schlafen.«
Der Kleine verdrehte die Augen und schaute auf die Decke. Dort hingen seine Flugzeuge. Die Fäden waren sehr dünn und kaum zu sehen. Es schien, als würden die vom Vater gebastelten Werke tatsächlich in der Luft schweben.
»Müssen wir noch beten?«, fragte Helmut.
»Natürlich müssen wir das. Das machen wir doch jeden Abend.«
Helmut nickte und faltete die Hände. Er sprach ein kurzes Nachtgebet. Die Worte kannte er auswendig, und seine Mutter betete mit. Anschließend deckte sie ihren Sohn bis zum Hals zu, hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn und verließ das Zimmer, nachdem der Kleine seine Augen geschlossen hatte.
Leise zog Gabi Leber die Tür ins Schloss. Sie hatte das gleiche blonde Haar wie ihr Sohn. Mit einer müde wirkenden Bewegung warf sie die lange Flut zurück. Hinter ihr lag ein langer Tag. Morgens die Last in der Schule – sie arbeitete als Lehrerin – und dann noch der Kleine. Zum Glück versah sie den Job nur aushilfsweise. Zweimal in der Woche. Sich noch stärker im Beruf zu engagieren, hätte sie wirklich nicht geschafft.
Obwohl sie selbst noch jung war – erst siebenundzwanzig – konnte der Kleine sie so auf Trab halten, dass sie sich abends hundemüde fühlte. Und ausgerechnet heute musste sie noch Hefte nachschauen. Die Kinder ihrer Klasse hatten eine Rechenarbeit geschrieben, die sie am anderen Tag zurückgeben wollte.
Dirk, ihr Mann, war nicht da. Er saß im Gasthaus an der Ecke, wo er einmal in der Woche seinen Stammtisch hatte. Dort trafen sich die politischen Größen des Dorfes.
Mit müden Schritten ging die junge Frau die Treppe hinunter in den Wohnraum des Einfamilienreihenhauses. Seit zwei Jahren wohnten sie hier und fühlten sich wohl.
Die Hefte lagen auf dem Schreibtisch. Ein ganzer Stapel. Gabi schüttelte sich, als sie an die Arbeit dachte, doch es ging kein Weg daran vorbei. Sie drückte auf den Knopf des kleinen Radios, schaltete die Lampe ein und nahm Platz.
Oben lag Helmut noch wach.
Er hatte seine Mutter getäuscht und schaute mit offenen Augen gegen die Decke, die sich als grauer Schimmer abhob. Vor dem Fenster hingen keine Gardinen, es gab zwar ein Rollo, aber das hatte Gabi nicht nach unten gezogen. Im November waren die Nächte lang, es wurde erst um kurz vor acht morgens richtig hell.
Eine Gardine bedeckte die Scheibe ebenfalls nicht. Dafür klebten an ihr einige Bilder. Stickers, die Helmut aus Wundertüten und Kaugummipackungen gesammelt hatte.
Der Kleine drehte sich auf die Seite und schaute in Richtung Fenster. In dieser Nacht schimmerte der Umriss besonders hell, weil draußen ein voller Mond am Himmel stand. Er war eingerahmt von zahlreichen Sternen. Helmut hatte sie gesehen, als er kurz vor dem Zubettgehen noch einmal nach draußen schaute.
Das Märchen spukte ihm noch im Kopf herum. Er dachte an die Hexe, die den Hänsel hatte backen wollen.
Er bekam Angst.
»Mutti!«, rief er. »Muttiiii …!«
Gabi Leber hörte die Rufe ihres Sohnes. Sie ließ die Arbeit liegen und eilte die Treppe hoch. Im kleinen Vorflur machte sie Licht. Das ließ sie auch brennen, sodass der Schein in das Kinderzimmer fallen konnte.
»Helmut, du sollst doch schlafen«, sagte sie vorwurfsvoll. »Bitte, es ist schon spät.«
Der Kleine saß im Bett. Seine blauen Augen waren groß. »Gehst du auch nicht weg, Mutti?«, fragte er.
»Nein, ich bleibe hier. Ich muss noch arbeiten, und dann warte ich auf Vati.«
»Ach so.« Helmut ließ sich wieder zurückfallen.
»Und jetzt schlaf auch, mein Schatz.« Gabi trat noch einmal an das Bett, beugte sich nach unten und küsste ihren Sohn. Danach ging sie leise zur Tür. Sie hatte die Klinke bereits in der Hand, als sie abermals Helmuts Stimme vernahm.
»Mutti?«
»Was ist denn jetzt schon wieder?«
»Gibt es eigentlich Hexen?«
»Nein, natürlich nicht.«
»Aber du hast mir doch die Geschichte vorgelesen und da …«
»Hexen gibt es nur im Märchen. Und
Märchen sind erfundene Geschichten.«
»Dann ist es gut.«
»Jetzt schlaf aber wirklich, sonst werde ich noch böse.«
»Willst du mich dann auch verbrennen, wie es die Hexe machen wollte?«
»Ich habe dir doch gesagt, dass es keine Hexen gibt.«
»Aber Vampire, nicht?«
Gabi Leber zuckte zusammen. Was hatte der Junge eben gesagt? Vampire? Sie gab keine Antwort, zögerte allerdings auch, das Zimmer zu verlassen.
»Gibt es Vampire, Mutti?«
Sie hatte sich also doch nicht verhört. Aber wie kam der Junge nur auf Vampire?
»Was meinst du damit?«, fragte sie.
»Das sind doch die, die den Menschen das Blut aussaugen und zwei spitze Zähne haben, nicht?«
»Wer hat dir so einen Unsinn erzählt?«
»Das war der Klaus. Und der weiß es von seinem Bruder, weil der schon älter ist.«
»Auch wenn er älter ist, kann er so etwas nicht sagen. Der Bruder von Klaus ist ein dummer Schwätzer.«
»Mit Fünfzehn?«
»Ja.«
»Kann ich ihm das sagen?«
»Meinetwegen auch das. Sag ihm ruhig, dass es keine Vampire gibt.«
»Aber er hat welche gesehen.«
»Das kann er gar nicht, weil es keine Vampire gibt. So glaub mir endlich.«
»Dann ist es gut, Mutti.« Klein-Helmut lächelte und war beruhigt. Er drehte sich auf die rechte Seite. Automatisch fand seine Hand den flauschigen Teddy, den er immer mit ins Bett nahm. Ohne ihn konnte er nicht einschlafen. Er drückte das Stofftier an sich, als würde sein Leben davon abhängen. Morgens fand Gabi den Teddy meist auf dem Boden liegend. Ihr Sohn hatte einen unruhigen Schlaf.
Behutsam drückte sie die Tür ins Schloss und ging auf leisen Sohlen wieder nach unten. Sie hoffte, nicht noch einmal von ihrem Sohn gestört zu werden.
Als sie am Schreibtisch Platz nahm, fiel ihr Blick auf die Uhr. Noch drei Stunden bis Mitternacht. Dann konnte sie meist noch eine Stunde hinzurechnen, denn vor eins erschien ihr guter Dirk nie. Wie jeden Mittwoch würde er wie tot ins Bett fallen, er konnte nicht sehr viel vertragen, im Gegensatz zu den alteingesessenen Dörflern.
Um die Müdigkeit zu vertreiben, zündete sich Gabi eine Zigarette an. Helfen würde es sicherlich nichts, da machte sie sich etwas vor.
Oben schlief Helmut tatsächlich ein. Es war kein tiefer Schlaf, sondern ein sehr unruhiger. Es schien, als ahnte der Junge ein kommendes Unheil, das sich im Schutz des Mondlichtes auf ihn zubewegte.
Die Zeit verging. Stunden- und Minutenzeiger der Uhr wanderten weiter und näherten sich der Tageswende.
Mitternacht.
Im Dorf war alles ruhig. Man ging hier früh schlafen. Die Hügel im Westen wurden vom bleichen Licht des Mondes gebadet. Manche Flecken waren hell erleuchtet, andere wiederum lagen in völliger Dunkelheit.
Und diese Inseln der Finsternis nutzte eine Gestalt aus, die durch das fast menschenleere Dorf schlich. Sie hielt sich immer im Schatten der Häuser. Ein großer hochgewachsener Mann, mit einem bleichen Gesicht, grauen Haaren und einem ebenso grauen Mantel bekleidet. Der Mantel besaß einen Kragen aus Fell. Unter dem Saum des Kleidungsstückes schauten die Beine der schwarzen Hose hervor.
Er war unterwegs, denn die Nacht war seine Zeit. Die Dunkelheit und das Mondlicht gaben ihm Kraft. Und wenn die Uhr des Kirchturmes Mitternacht schlug, würde er sein grausames Werk vollenden.
Denn er war – ein Vampir!
Ein Vampir auf der Jagd nach Blut.
Nach Menschenblut …
Vielleicht schlief der Junge deshalb so unruhig, vielleicht hatte er Vorahnungen gehabt, auf jeden Fall wälzte er sich von einer Seite auf die andere, atmete schwer und stöhnte sogar manchmal auf.
Ruhig lag das Dorf. Verlassen waren die Straßen. Stille herrschte auch in der Neubausiedlung, wo die Lebers wohnten. Die Siedlung lag an einem Hang. Es führte vom Kern des Dorfes eine Straße zu ihr hoch, die in der Siedlung abzweigte.
Und diese Siedlung war das Ziel des Vampirs.
Niemand sah ihn, wie er durch die Straßen schlich und jeden Lichtschein mied. Er ging auf leisen Sohlen, erinnerte an eine Katze. In seinem hageren Gesicht rührte sich kein Muskel. Die Haut wirkte grau, als wäre sie mit Asche eingerieben worden. Die Hände hatte der Vampir tief in die Taschen seines ebenfalls grauen Mantels gesteckt. Der...
| Erscheint lt. Verlag | 10.6.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-2952-8 / 3838729528 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-2952-7 / 9783838729527 |
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