John Sinclair 183 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2942-8 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Das Knochenschiff.
Einen Segler erwischte es zuerst. Plötzlich tauchten aus dem Wasser bleiche Gestalten, enterten sein Schiff und töteten ihn. Die Zombie-Piraten waren da!
Fast jeder Bewohner des kleinen Küstenstädtchens Bexhill kannte die Sage vom Knochenschiff und seiner Besatzung, doch niemand glaubte so recht daran.
Bis die Menschen auf schreckliche Art und Weise eines Besseren belehrt wurden. Nicht nur ein Zombie-Pirat erschien, sondern die ganze Mannschaft - und mit ihr Robinson Jaw, das Haimonster ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Mit der Geschmeidigkeit eines Panthers wechselte Fess White blitzschnell seine Position. Das Tau lag fest in seiner kräftigen Hand. Er war ein junger Mann von knapp zwanzig Jahren, ohne ein Gramm Fett an den Rippen, muskulös und durchtrainiert.
Zudem sah er auch noch fantastisch aus, und die Mädchen stritten sich um ihn. Ihm machte es Spaß, dabei zuzusehen. Es schmeichelte ihm. Aber er hatte seine Wahl vor zwei Monaten getroffen, und seither sah er kein anderes Girl mehr an.
Debra Newman hießt die Auserwählte. Sie war die Tochter des Bürgermeisters. Ein Juwel. Seit Fess White sie kannte, wusste er, was Liebe ist. Sie saß im Augenblick am Strand und beobachtete ihn durch das Fernglas. Auch sie verstand einiges vom Segeln, und er hatte sie gebeten, ihn zu kritisieren, damit er sich womöglich noch verbessern konnte, denn der große Wettbewerb stand kurz bevor. Segler aus aller Herren Länder würden sich im fairen Kampf hier messen, und Fess White zählte zu den Favoriten. Viele wären enttäuscht gewesen, wenn er die Konkurrenz nicht für sich entschieden hätte.
Deshalb arbeitete er so hart an sich und seiner Technik.
Er wollte gewinnen. Aber es gibt ohne Fleiß keinen Preis, das ist ein altes, wahres Sprichwort.
Natürlich wollten auch die anderen siegen, aber sie nahmen die Sache nicht so tierisch ernst. Sie genossen lieber das Leben in vollen Zügen. Vielleicht hatten sie zu ihrem Können auch genug Vertrauen, aber dieses Können würde nicht ausreichen. Wenn Fess White die Regatta so bestritt wie heute, dann war er einfach nicht zu schlagen.
Wild warf er das Ruder herum.
Platzwechsel. Neuer Kurs. Der Wind fauchte ihm ins Gesicht und zerzauste sein blondes Haar. Er trug eine knallrote Schwimmweste, obwohl er ein hervorragender Schwimmer war, aber es konnte jederzeit ein Unglück geben, ein Schlag gegen den Kopf konnte ausreichen, um den Segler bewusstlos ins Wasser zu werfen, und Fess White war gewöhnt, dem Zufall keine Chance zu geben.
Er genoss das Tempo. Es war ein Kampf gegen die Natur. Hier musste sich der Mensch mit Hirn und Muskelkraft behaupten, wenn er nicht der große Verlierer sein wollte. White spürte die gegnerische Kraft in seinen Armen, und er setzte gegen sie ein, was er zu bieten hatte.
Plötzlich flaute der Wind ab.
Es hatte den Anschein, als hätte jemand die Windmaschine abgeschaltet. Das erstaunte den Segler. Er nahm an, in ein Windloch geraten zu sein und zwang das Boot in einen beginnenden Kreis.
Die strahlende Sonne tupfte blitzende Reflexe auf das Wasser.
Aber auch unter dem Wasser blitzte etwas.
Fess Whites Blick wurde davon magisch angezogen. Dieses blitzende Etwas schien aus der Meerestiefe hochzusteigen. Es kam zur Oberfläche empor, tauchte in der nächsten Sekunde auf, und der Segler traute seinen Augen nicht, denn was da aus der Tiefe hochgestiegen war, war ein Mensch.
Ein Mann war es, der mit einem Karnevalskostüm ins Wasser gefallen war. Zerschlissenes Hemd, Säbel, und einen Seemannshut auf dem Kopf, wie man ihn vor einigen hundert Jahren getragen hatte.
Leichenblass war der Kerl, und er schwamm auf dem Meer wie ein Korken, als könnte er nie wieder untergehen. Es war ein Zombie-Pirat, aber das wusste Fess White nicht.
*
Der Segler starrte den Blassen verdattert an. Der Mann war ihm nicht geheuer. Dünne graue Haarsträhnen standen von seinem Kopf wie schäbige Federn ab. Seine Brust war knöchern, und im Mund hatte er fast nur verfaulte Zähne. Den Säbel hochschwingend, schwamm er auf das Segelboot zu.
Fess White wurde mulmig zumute.
Er hatte den Eindruck, dass ihm dieser Bursche etwas antun wollte. Bosheit und Gemeinheit glänzten in den Augen des Fremden. White versuchte deshalb, das Boot schnell wieder flottzukriegen, aber was er auch unternahm, kein Lufthauch bauschte mehr das Segel.
Das ging doch nicht mit rechten Dingen zu!
Hatte das Auftauchen dieses Piraten mit dem plötzlichen Wegbleiben des Windes etwas zu tun? White konnte es sich nicht gut vorstellen, aber so musste es sein.
Je näher der Mann kam, desto genauer konnte der Segler sehen, wie hässlich er war. Eingefallen waren die bleichen Wangen. Eine lederne Haut spannte sich über die Wangenknochen, stellenweise schmutziggrau.
White fragte sich, woher der Mann kam. Er konnte doch nicht wirklich irgendwo dort unten in der Tiefe gelauert haben. Kein Mensch bringt so etwas fertig.
Vier Yards war der Unheimliche nur noch vom Segelboot entfernt. Fess White griff nach dem kurzen Paddel, das man zu Hilfe nahm, wenn der Wind sich gelegt hatte und man nicht mehr von der Stelle kam.
Doch diesmal wollte White es nicht zum Rudern verwenden. Es sollte ihm als Waffe dienen, denn dieser Fremde – er musste wahnsinnig sein – hatte offensichtlich Mordabsichten.
White packte das Paddel mit beiden Händen. Er stand auf. Leicht nach vorn gebeugt erwartete er den Bleichen. Der verzog sein Gesicht zu einem gehässigen Grinsen. Er lachte rau und gurgelnd.
»Kommen Sie nicht näher!«, rief ihm Fess White schneidend zu. »Wer immer Sie sind, woher immer Sie kommen, kommen Sie meinem Boot keinen Zoll näher, sonst passiert was!«
Der andere lachte wieder.
White hob das Paddel, und als der
Bleiche in seiner Reichweite war, schlug er zu. Noch nicht mit aller Kraft. Er wollte den Fremden nur mal abschrekken. Doch der Pirat ließ sich nicht aufhalten. Das Ruderblatt war auf seinem Hut gelandet. Das schwarze Ding war ihm vom Kopf gefallen. Was Fess White dann zu sehen bekam, drehte ihm den Magen um.
Die Schädeldecke war zum Teil offen. In einer tiefen, ausgewaschenen Wunde bewegten sich Würmer und Blutegel.
Whites Augen weiteten sich vor Grauen. Dieser Mann konnte mit einer solchen Verletzung doch unmöglich leben. Er musste tot sein. Aber seit wann schwammen Tote auf dem Meer und griffen harmlose Segler an?
Der Zombie-Pirat erreichte das Boot.
Fess White schlug mit dem Ruder wieder zu. Es gab ein hässlich klatschendes Geräusch, als das Blatt traf. Der Unheimliche hielt sich mit einer Hand am Bootsrand fest. Seine Finger waren dünn und sehnig. Algen wuchsen unter den Fingernägeln hervor.
Whites Verstand weigerte sich, dies alles als Tatsache zu akzeptieren. Wurde er wirklich von einem Toten attackiert?
Der Zombie wollte sich an der Bootswand hochziehen. White verwendete das Paddel wie ein Lanze. Er setzte es dem Schrecklichen an die Brust und stieß ihn zurück.
Da hieb der Zombie-Pirat mit seinem Krummsäbel zu. Breit war die blitzende Klinge. Breit auch der Faustschutz. Die Waffe surrte gefährlich durch die Luft, und wenn White nicht blitzschnell zurückgewichen wäre, hätte die Klinge seinen Brustkorb getroffen.
Er hatte im Reflex das Paddel hochgerissen, und der Säbelhieb hatte es in der Mitte entzweigeschlagen. Jetzt hielt Fess White nur noch einen lächerlich kurzen Stiel in seinen Händen.
»Du verdammtes Scheusal!«, brüllte er und drosch damit auf den Zombie ein. Blind vor Wut und Angst schlug er immer wieder zu. Er kam außer Atem. Der Schweiß rann ihm in die Augen und brannte wie Feuer.
Da schnellte die Zombie-Hand hoch und bekam Whites linkes Bein zu fassen. Eiskalt war die Hand, und ihr Griff war so fest, als wären die Finger Stahlklammern. Fess White brüllte entsetzt auf.
Er drosch auf die Hand, doch die Finger gaben ihn nicht mehr frei. Ein Säbelstreich schlitzte seine Schwimmweste auf. Die Waffe erwischte auch Whites Körper. Sofort war ein höllischer Schmerz da.
White warf sich zurück, doch der Zug des Zombie-Piraten war so stark, dass er nicht von ihm loskam. Ein kraftvoller Ruck, und White verlor das Gleichgewicht.
Er klammerte sich verzweifelt an den Mast. Es nützte ihm nichts. Der Zombie riss ihn brutal von Bord. In hohem Bogen flog Fess White über den Blassen hinweg.
Er sauste ins Wasser und brüllte dabei. Die Fluten erstickten sein Geschrei. Er spürte, wie der Zombie ihn in die Tiefe zog und kämpfte dagegen an. Wie durch ein Wunder gelang es ihm, sich freizustrampeln. Gehetzt kämpfte er sich an die Wasseroberfläche und pumpte gierig Luft in seine Lungen.
Aber der Zombie erwischte ihn sofort wieder. Ein harter Arm schlang sich um seinen Hals. White begriff in diesem schrecklichen Augenblick, dass er verloren war.
Er schrie noch einmal auf.
Dann verschwand er erneut mit dem Bleichen. Noch hatte er die Kraft, sich zu wehren. Er drehte und wand sich. Er versuchte den Arm von seinem Hals wegzukriegen. Er zog die Beine an und stemmte sich gegen den Untoten.
Da wurde es dem Zombie-Piraten zu bunt. Er setzte seinem Opfer den Säbel an und stach damit zu. Mehrmals. Das Wasser um sie herum färbte sich rot. Fess White hing schlaff im Arm des Unheimlichen. Von nun an war es ihm egal, was mit ihm passierte, denn er lebte nicht mehr.
*
Debra Newman hatte es sich auf einer Düne gemütlich gemacht. Sie trug ein weißes T-Shirt und zitronengelbe Bermuda-Shorts, die jetzt wieder in Mode waren. Ihr langes blondes Haar flatterte wie eine gelbe Fahne im Wind. Auf der ausgebreiteten Wolldecke stand ein Kassettenrecorder. Daneben lagen Zigaretten und ein Stück Schokolade.
Eben brach sie davon wieder eine Rippe ab und schob sie sich zwischen die regelmäßigen perlweißen Zähne.
Schritte.
Debra setzte das Fernglas ab, durch das sie Fess White beobachtete, und wandte den Kopf. Calvin Lee kam die Düne herauf. Er grinste. Debra mochte ihn nicht sonderlich, denn er hielt sich für den Größten und den Besten. Er dachte, nur mit dem Finger schnippen zu müssen und schon lagen ihm alle Mädchen zu Füßen.
Debra gehörte jedenfalls nicht zu den Girls, bei...
| Erscheint lt. Verlag | 10.6.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-2942-0 / 3838729420 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-2942-8 / 9783838729428 |
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