John Sinclair 164 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2923-7 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Flieh, wenn der Würger kommt.
Erinnerst du dich noch an Destero, den Dämonenhenker? In einem lebensgefährlichen Kampf hatte ich ihn besiegt und sein Schwert an mich genommen. Eins jedoch hatte ich damals übersehen. Desteros Hand! Sie, die von mir abgeschlagen worden war, blieb verschwunden. Bis sie eines Tages wiederauftauchte.
Von da an wurde das Leben für mich und meine Freunde zum Alptraum ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Vor dieser Unterredung hatte sich O. P. Osborne, der Zuchthausdirektor gefürchtet. Doch es gab keinen Weg daran vorbei, er musste mit diesem Gefangenen reden.
Seufzend schlug er die Akte des Mannes auf. Da stand der Name. Erwin Wozny. Geboren in Polen, eingewandert 1970. Fünf Jahre später von der Polizei festgenommen. Da hatte er auch schon seinen traurigen Beinahmen bekommen.
»Der Würger« wurde er genannt.
Wozny, der Würger. Das war ein Fressen für die Zeitungen. Sie schlachteten den Fall aus. Wozny wurde in einem wahren Schauprozess für alle Zeiten hinter Gittern gesteckt.
Fünf tote Frauen gingen auf sein Konto.
Man legte Wozny auch nicht mehr mit anderen in der Zelle zusammen, nachdem ein Versuch schiefgelaufen war. Wozny hatte durchgedreht und seinen Zellenkumpan misshandelt. Der Mann war mit schweren Verletzungen in die Klinik gebracht worden und kam noch einmal mit dem Leben davon.
Erwin Wozny bekam nun eine Einzelzelle. Dort vegetierte er dahin. Er führte oft Selbstgespräche in seiner Heimatsprache. Da der Direktor gern wissen wollte, was dieser Wozny so alles von sich gab, ließ er einen Gefangenen holen, der polnisch verstand und dem Direktor das Erlauschte übersetzte.
Vom Teufel hatte Wozny gesprochen. Von der Hölle und einer fürchterlichen Rache. Namen wie Asmodina und Destero waren gefallen, doch damit konnten weder der Direktor noch der Übersetzer etwas anfangen.
Wozny spinnt, hieß es allgemein.
Und mit diesem Spinner wollte O. P. Osborne nun reden. Vielleicht hatte er sich in den letzten Monaten gebessert, man konnte Wozny ja nicht die gesamten Jahre über in eine Einzelzelle sperren. Außerdem sollte er wie die übrigen Gefangenen arbeiten.
Es klopfte. Das Geräusch riss den Direktor aus seinen Gedanken. Dann wurde die Tür geöffnet, und das Gesicht einer ältlichen Dame erschien. Sie war Osbornes Sekretärin.
»Der Gefangene, Sir!«
»Lassen Sie ihn reinkommen.«
»Mit oder ohne Bewachung?«
Osborne überlegte, entschied sich dann vertrauensvoll und erwiderte: »Ohne Bewachung. Die Leute können ja draußen solange warten.«
»Geht in Ordnung, Sir.«
Die Sekretärin schloss die Tür nicht völlig, sodass der Zuchthausdirektor durch den Spalt schauen konnte. Er sah die Bewegung im Vorzimmer, dann wurde die Tür wieder geöffnet.
O. P. Osborne stand auf. Das tat er immer, wenn ein Gefangener kam, obwohl er es gar nicht nötig hatte. Doch Osborne wollte demonstrieren, dass auch die Gefangenen Menschen waren.
Obwohl der Zuchthausdirektor ein ungutes Gefühl hatte, ließ er sich nichts anmerken. Er lächelte sogar und sagte: »Ich freue mich, dass Sie gekommen sind und zu meiner Einladung nicht nein gesagt haben.«
Wozny nickte nur.
»Nehmen Sie Platz.«
Der Gefangene schüttelte den Kopf. Er wollte stehen bleiben.
Ziemlich stur, der Bursche, dachte Osborne und schaute sich Erwin Wozny genauer an.
Er kannte ihn eigentlich mehr vom Bild. Auf den Fotos hatte Wozny schon schlimm ausgesehen. Seine Gestalt konnte man ruhig mit der eines Menschenaffen vergleichen. Gedrungen, breitschultrig, aber auch gleichzeitig geschmeidig. Vielleicht waren die Beine etwas zu kurz, dafür wuchsen die Arme länger. Hinzu kamen die Pranken des Mannes, die Würgehände, unter deren Druck bereits zahlreiche Menschen ihr Leben gelassen hatten. Sie waren ebenfalls überaus kräftig, und auf den Fingern wuchsen schwarze Härchen. Der Kopf zeigte sich im Verhältnis zum Körper ziemlich klein. Er erinnerte mehr an eine Kugel, war sehr rund, die Ohren standen ein wenig ab, die Nase schimmerte immer etwas rötlich, der Mund wirkte wie ein fleischiger Klumpen, die Augen blickten verschlagen. Das grau gewordene Haar hatte er zu einer Bürste geschnitten, und die blaue Anstandskleidung aus derbem reißfestem Stoff zeigte kaum einen Flecken. Kein Wunder, er tat ja auch nichts.
O. P. Osborne räusperte sich, als er den stechenden Blick des Gefangenen auf sich spürte. Irgendwie fühlte sich der Direktor ertappt bei seiner Seelenanalyse.
»Sie wollen sich wirklich nicht setzen?« , fragte er.
»Nein.«
Wozny sagte nur dieses eine Wort, doch es reichte, um zu merken, dass er sich sprachlich längst nicht akklimatisiert hatte. Er redete noch mit dem sehr harten osteuropäischen Akzent. Abermals fragte sich der Direktor, ob er keinen Fehler begangen hatte, Wozny in sein Büro zu holen, nun, das ließ sich nicht mehr ändern.
Osborne hatte sich wieder gesetzt und schlug die Strafakte des Mannes weiter auf. Er blätterte ein paar Seiten durch, fühlte die bohrenden Blicke des Gefangenen auf sich, und ein Frösteln lief über seinen Rücken.
»Es sieht ja nicht gut aus, Mr. Wozny«, begann er von neuem. »Ihre Straftaten haben Sie vor Gericht selbst zugegeben. Fünf tote Frauen sind eine große Belastung, und es ist Ihnen klar gemacht worden, dass Sie die Freiheit wohl nie mehr wiedersehen werden.« Der Direktor hob den Kopf und schaute Erwin Wozny an, doch in dessen Gesicht regte sich nichts.
O. P. Osborne fuhr fort. »Deshalb meine ich, dass Sie sich in der langen Zeit doch etwas mehr in die Gemeinschaft einfügen sollten. Es ist nichts, wenn Sie die Jahre über nur in einer Einzelzelle sitzen, glauben Sie mir. Sie müssen an dem Anstaltsleben teilnehmen, Sie müssen arbeiten. Sie sollten etwas lesen, sonst sind Sie kein Mensch mehr. Ihr Gehirn wird einfrieren, wenn Sie sich nicht beschäftigen. Und Sie bekommen irgendwann einen Koller. Deshalb möchte ich einen Versuch machen, vorausgesetzt, Sie sind einverstanden. Ich will Sie in eine Zweierzelle legen.«
Osborne schaute den Gefangenen an und sah sein kurzes Grinsen. Dann öffnete Wozny den Mund. Er sagte abermals nur ein Wort.
»Nein!«
O. P. Osborne stöhnte auf. »Seien Sie doch nicht so stur, Mr. Wozny. Ich sage das ja nicht zum Spaß. Glauben Sie mir, wir haben unsere Erfahrungen …«
»Ich will nicht.«
»Dann wollen Sie immer in Ihrer Einzelzelle hockenbleiben?«
»Nein.«
Der Zuchthausdirektor war überrascht. »Jetzt verstehe ich Sie nicht. Haben Sie Ihre Meinung geändert?«
»Ich will hier raus!«
Diese vier heftig ausgestoßenen Worte erzeugten bei Osborne nur ein mildes Lächeln. »Das möchten alle. Aber bei Ihnen, Mr. Wozny, ist die Chance gleich null.«
»Ich komme raus.«
»Wollen Sie ausbrechen?«
»Ja.«
»Und wann?« Osborne fand das Gespräch plötzlich ein wenig amüsant. »Schon bald.«
»Aus diesem Zuchthaus hat es kaum einen Ausbruch gegeben. Auch Sie werden es nicht schaffen.«
»Ich habe Helfer.«
»Und wen?«
»Asmodina und Destero, den Dämonenhenker. Ich habe mit ihnen gesprochen. Sie helfen mir.«
Der Direktor lehnte sich zurück. »Jetzt machen Sie mal einen Punkt. Das glauben Sie doch selbst nicht, was Sie da sagen, das sind Hirngespinste …«
»Nein.«
»Auf dieser Basis können wir nicht weiterreden, Wozny. Ich werde Sie wieder abführen lassen.«
Erwin Wozny kam einen Schritt vor. Als seine Beine die Kante des Schreibtisches berührten, blieb er stehen und hob die rechte Hand, wobei er die Finger spreizte.
»Sehen Sie diese Hand! Schauen Sie sich die Finger genau an. Mit denen habe ich getötet, und diese Hand wird auch weiter töten, das verspreche ich. Schlimmer als zuvor, denn nun habe ich die Unterstützung der Hölle.«
»Reden Sie nicht so dumm daher!«
»Dumm?«, höhnte Erwin Wozny. »Nein, das ist nicht dumm. Ich hasse meine Hand, ich hasse sie sehr, ich will sie nicht mehr haben. Und ich bekomme eine neue.«
Bevor Osborne reagieren konnte, geschah das Unwahrscheinliche. Der Gefangene hob den rechten Arm, drosch ihn nach unten und schlug ihn etwa in Ellbogenhöhe gegen die Kante des Schreibtisches. Es gab ein dumpfes Geräusch.
Entsetzt riss O. P. Osborne die Augen auf, denn was er sah, war unglaublich, war der kalte Horror.
Die Hand fiel ab, als wäre sie nicht die eines Menschen, sondern die einer Puppe …
*
Wie gelähmt blieb Osborne sitzen. Er hatte schon viel in seinem Leben durch- und mitgemacht, doch das hier setzte dem Fass die Krone auf. Das widersprach allen Naturgesetzen, das durfte nicht wahr sein, das war eine Halluzination …
Er wischte sich über die Augen.
Als er freie Sicht hatte, bemerkte er, dass er keiner Täuschung erlegen war. Denn dicht vor seinen Augen erschien der Armstumpf, Wozny hatte ihn vorgereckt.
Und kein Tropfen Blut drang aus der Wunde!
Osborne sah die Adern, die Venen, das Fleisch – nur kein Blut. Er glaubte, einen bösen Traum zu erleben, doch Wozny hatte noch mehr Überraschungen parat.
»Ich brauche sie nicht mehr!«, zischte er. »Ich will sie nicht haben, weil ich eine andere bekomme. Jetzt, hier, sofort!«
Da erwachte Osborne aus seiner Erstarrung. Sein rechter Arm schnellte vor, er wollte auf den Alarmknopf unter der Schreibtischplatte drücken, dagegen hatte Wozny etwas.
Mit der Linken packte er zu. Seine Finger wühlten sich in Osbornes Haare, ein gewaltiger Ruck, und der Zuchthausdirektor wurde von seinem Sessel gerissen. Er fiel zu Boden. Bevor er sich erheben konnte, war Wozny mit zwei Schritten neben ihm und riss ihn auf die Beine.
»Du schaust zu!«, zischte er. »Du sollst alles sehen, mein Junge. Denn die Zeit des Würgers ist wieder angebrochen. Gib genau acht.« Er schleuderte den Direktor von sich, dass dieser mit dem Rücken gegen die Wand prallte.
Wozny streckte seinen linken Arm aus und deutete auf eine Stelle dicht unter dem Fenster. »Sieh da hin!«
Wie unter Zwang folgte der Blick des Direktors...
| Erscheint lt. Verlag | 10.6.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-2923-4 / 3838729234 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-2923-7 / 9783838729237 |
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