John Sinclair 162 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2921-3 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Die Menschenfalle.
Ein Schrei! Lang, grell, in höchster Not und Todesangst ausgestoßen. Er gellte durch das offene Tor aus dem Haus. Jeder unfreiwillige Zuhörer hätte In diesem Augenblick gewusst, dass ein Menschenleben in größter Gefahr war.
Dann: Schritte. Tappend, schleifend - Während sich das zweiflüglige Tor wie die Blüte einer fleischfressenden Pflanze schloss, taumelte jemand aus der Dunkelheit heraus.
Ein Mensch war es. Sein Gesicht war von Schmerz und Grauen verzerrt. Er torkelte die Stufen hinunter, wankte durch den kleinen Vorgarten und erreichte die Straße.
Im Schein einer Laterne blieb er stehen. Sein Anblick ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Er blutete aus zahlreichen Wunden und wusste, dass er an diesen schweren Verletzungen sterben würde ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
»Hat noch jeder zu trinken?«, fragte Garfield Möwer seine Freunde, die er zu einer kleinen Dia-Vorführung eingeladen hatte. Er war für die BBC tätig und hatte eine Reise in den Iran hinter sich.
Eine Menge Fotomaterial war dabei zusammengekommen, und die interessantesten Bilder führte er seinen interessierten Freunden an diesem Abend vor. Es waren beeindruckende Aufnahmen dabei. Vor allem aus Teheran, der Hauptstadt. Das Shahyad-Monument, der Gulistan-Palast, der Basar von Teheran, der der größte überdachte Basar der Welt ist …
»Wenn du ein paar Eiswürfel auftreiben könntest, wäre ich dir sehr dankbar«, sagte einer von Mowers Freunden, während der vollautomatische Vorführapparat die Bilder selbsttätig wechselte. Ein Tonband war damit gekoppelt. Es spielte die zur jeweiligen Aufnahme passende Melodie.
»Eis«, sagte Mower und nickte. Er erhob sich. »Hat sonst noch jemand einen Wunsch?«
Keiner meldete sich. Garfield Mower verließ den Living-room. Er war ein recht großer Mann mit dunklem Haar und dunklem Kinnbart. Seine Augen hatten eine leicht gelbliche Färbung, was darauf schließen ließ, dass er nicht ganz gesund war.
Er verließ das Zimmer, und Carol Winslow folgte ihm. Sie war als Cutterin beim Fernsehen tätig und seit drei Monaten geschieden. Da sie die Dias schon kannte – Mower hatte sie ihr in der vergangenen Woche vorgeführt, und es war nicht nur dabei geblieben –, versäumte sie im Wohnzimmer nichts.
Garfield Mower öffnete die Tür des hohen Kühlschranks. Carol – rothaarig, sommersprossig und vollbusig – schlich sich von hinten an ihn heran und umarmte ihn.
Er hatte sie nicht kommen hören und erschrak. »Sag mal, was soll denn das?«, fragte er ärgerlich.
Sie umschlang ihn, legte ihr Gesicht auf seinen Rücken und erwiderte leise: »Ich sehne mich nach dir. Warum beendest du den Dia-Vortrag nicht?«
»Das kann ich doch nicht.«
»Schick deine Freunde nach Hause. Ich brauche dich, Garfield.«
»Hör mal, ich kann sie doch nicht zuerst einladen, die Vorführung dann mittendrunter abbrechen und alle nach Hause schicken. Sie wären mit Recht beleidigt.«
»Dann versprich mir, dass du es wenigstens hinterher nicht zu lange hinausziehst.«
Er wandte sich lächelnd um. »Nicht so ungeduldig, Mädchen. Denk dir, dass die Vorfreude die schönste Freude ist.«
»Die Freude ist aber auch nicht übel«, sagte Carol Winslow und küsste ihn.
»Darf ich mich jetzt um das Eis kümmern?«, fragte er.
»Selbstverständlich«, antwortete Carol.
Er nahm den Plastikbehälter aus der Tiefkühllade. Plötzlich war ihm, als würde ihn jemand anstarren. Ein unangenehmer Schauer rieselte über seinen Rücken. Er wandte rasch den Kopf und blickte zur Küchentür, die zum Garten hinter dem Haus führte. Nichts.
Niemand war zu sehen, und doch glaubte Garfield Mower nicht an eine Täuschung. Er ließ die Eiswürfel in einen kleinen Aluminiumbehälter prasseln.
»Ich verstehe nicht, dass Tom nicht gekommen ist«, sagte er. »Der Iran ist seine heimliche Leidenschaft. Er interessiert sich für alles, was mit diesem Land zusammenhängt, und er hat zugesagt, zu erscheinen.«
»Vielleicht war er im letzten Augenblick verhindert«, sagte Carol Winslow.
»Dann hätte er angerufen, oder er wäre auf einen Sprung herübergekommen. Er wohnt ja nicht weit von hier. Für die kurze Strecke hätte er nicht einmal den Wagen aus der Garage zu holen brauchen.«
In der nächsten Sekunde packte Carol seinen Arm. Fest. Schmerzhaft. Sie setzte ihm die Fingernägel ins. Fleisch und starrte mit weit aufgerissenen Augen zur Küchentür, die sich in diesem Moment öffnete.
Aschfahl wurde Carol. Sie wollte schreien, doch ihre Stimmbänder schienen von einer Lähmung befallen zu sein. Der Schrecken ließ ihr Herz wild gegen die Rippen hämmern. Sie hatte das Gefühl, ihre Knie würden gleich einknicken. Sie klammerte sich verzweifelt an Garfield Mower, um nicht zusammenzubrechen, während röchelnd und mit schlurfenden Schritten ein Mann eintrat, dessen Körper von tiefen, schrecklichen Wunden übersät war.
Er zog eine Blutspur hinter sich her. Seine Kleider waren zerfetzt und blutgetränkt. Er war kaum zu erkennen. Aber Garfield Mower glaubte zu wissen, dass er seinen Freund Tom Levant vor sich hatte.
*
»Tom!«, keuchte Mower erschüttert. »Was ist passiert?« Der Freund sah aus, als wäre ein Tiger über ihn hergefallen. Es grenzte an ein Wunder, dass er sich noch auf den Beinen halten konnte, mit diesen schrecklichen Verletzungen. Überall waren tiefe Biss-und Kratzwunden zu sehen. »Tom!« presste Mower erschüttert hervor. »Tom, wer hat das getan?«
Tom Levant hielt sich am Türknauf fest. Sein Gesicht verzerrte sich. Er wollte etwas sagen. Sein Mund öffnete sich, doch Garfield Mower und Carol Winslow vernahmen nur ein schauriges Röcheln.
Jetzt ließ Levant den Türknauf los. Er wankte noch zwei Schritte weiter. Dann verließen ihn die Kräfte. Er brach zusammen. Mower sprang vor. Er wollte den Freund auffangen, doch er erwischte ihn nicht mehr.
»Gar-field …«, kam es kaum hörbar aus dem Mund des Schwerverletzten. »G-a-r-f-i-e-l-d …«
»Ja, Tom. Ja, ich bin bei dir.«
»Ich habe das Grauen gesehen«, flüsterte Tom Levant. Jedes Wort strengte ihn an.
Mower schauderte. »Wo warst du?«
Levant begann wirres Zeug zu reden. Er sprach von seiner Kindheit, von seiner Jugend, von seiner Reise nach Amerika im vergangenen Jahr. Alles, was er sagte, war ohne Zusammenhang.
»Tom!«, sagte Mower eindringlich. »Tom, wo bist du gewesen?«
»Der Tod!«, hauchte Levant. »Er hat viele Gesichter … Eines davon habe ich gesehen … Es ist mir begegnet …«
»Wo? Wo?«, fragte Mower.
»Ich war da, Garfield.«
»Herrgott noch mal, wo denn?«
»An diesem schrecklichen Hort des Bösen …«
Garfield Mower erschrak. »Du warst …« Er unterbrach sich. »Du warst in diesem unheimlichen Haus?«
»Ja«, kam es fast tonlos über Tom Levants Lippen.
»Aber wieso denn? Wie konntest du es betreten?«
»Das Tor war offen – wie der Eingang einer Falle … Ich wollte daran vorbeigehen, aber ES ließ das nicht zu. ES zwang mich, stehen zu bleiben. ES rief meinen Namen. ES weckte meine Neugier. ES schlug mich in seinen unheimlichen Bann, übte eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf mich aus. Ich wollte das Haus nicht betreten, denn ich ahnte, was mich erwartete. Aber ES war stärker. Und drinnen … Drinnen, Garfield …«
»Ja?«, sagte Mower gespannt. »Ja? Was war drinnen? Was hast du gesehen?«
»Es war schlimmer, als du es dir vorstellen kannst …« Tom Levant begann wieder wirr zu reden. Von seiner Schulzeit. Von seinen Zwistigkeiten mit seinen Eltern, die ihn veranlasst hatten, für ein halbes Jahr nach Schottland zu gehen.
»Was hast du gesehen?«, fragte Mower noch einmal. Er spürte, wie seine Nervenstränge angespannt waren.
»Das absolute Grauen«, hechelte Levant.
Jetzt erst fiel Garfield Mower ein, dass er etwas verabsäumt hatte. Er wandte sich zu Carol Winslow um. Sie lehnte kreidebleich an der Wand. Ihre Augen waren starr auf den Schwerverletzten gerichtet. Sie hatte beide Hände auf die Wangen gepresst.
»Einen Arzt!«, sagte Mower hastig. »Tom braucht dringend einen Arzt, Carol. Carol! Reiß dich zusammen! Geh und ruf Dr. Martin!«
Wie in Trance wandte sich Carol um. Einer von Garfield Winslows Freunden betrat in diesem Augenblick die geräumige Küche. »He, ihr beiden Turteltauben! Wo bleibt das Eis? Es wird schmelzen, wenn ihr es zu lange in eurer hitzigen Nähe behaltet …« Er stockte, als er die Panik in Carols Gesicht sah, und dann bemerkte er, dass Mower auf dem Küchenboden kniete. Neben einem halbtoten Mann. »Himmel, was ist passiert?«, entfuhr es ihm. »Garfield, wer ist das?«
»Das ist Tom.«
»Tom?«, fragte der Mann ungläubig. Der Schwerverletzte sah bei Gott nicht wie Tom Levant aus.
»Einen Arzt!«, sagte Mower drängend. »Ruft schnell einen Arzt!« Carol stürzte aus der Küche. Aus dem Wohnzimmer klangen orientalische Töne. Carol betrat den Living-room, drehte das Licht auf und riss das Kabel des Dia-Vorführgeräts aus dem Stecker. Die orientalische Musik verstummte. Das Bild – es hatte die Sepah-Salar-Moschee gezeigt – verschwand von der Leinwand. Die fünf Anwesenden wandten sich erstaunt um.
»Was soll denn das?«, fragte einer von ihnen. »Wer bringt uns denn um diesen seltenen Genuss?«
»Tom!«, rief Carol hysterisch. »Er liegt in der Küche. Er braucht einen Arzt. Er wird sterben …«
Alle sprangen auf.
»Kennt einer die Telefonnummer von Dr. Martin?«, fragte Carol. Niemand konnte ihr helfen. Alle stürmten aus dem Wohnzimmer, während Carol Winslow mit zitternden Fingern die Telefonkladde durchwühlte, bis sie Dr. Martins Nummer gefunden hatte. Nervös hob sie ab. Dreimal verwählte sie sich, ehe sie endlich die richtige Nummer gedreht hatte.
Mower. wollte wissen, was sein Freund in diesem unheimlichen Haus erlebt hatte. Er fragte Tom Levant immer wieder, doch er bekam keine Antwort. Es stand schlecht um Tom.
»Bleib diesem Haus fern …«, sagte er mühsam. »Lass dich von ihm nicht hineinlocken. Es ist eine Falle. Die Falle des Satans …«
»Was passierte drinnen, Tom? Wer hat dich so zugerichtet?«
»Es war … Es war …«
Levants Stimme wurde immer leiser. Mower beugte sich über ihn. Ganz nahe an die blutigen, aufgeschundenen Lippen brachte er sein Ohr. Doch aus Tom Levants Mund kam nur noch ein letzter Seufzer. Dann war der...
| Erscheint lt. Verlag | 10.6.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-2921-8 / 3838729218 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-2921-3 / 9783838729213 |
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