John Sinclair 160 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2919-0 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989!
Der Sammler.
Ein diabolisches Grinsen überzog das Gesicht des Mannes. In seinen Augen leuchtete es kalt. Er rieb sich die Hände, und seine trockene Haut raschelte dabei, als würde Papier zerknüllt.
Dann bückte er sich und zog die Tür eines Schranks auf. Das Licht einer alten Deckenlampe fiel auf seinen Rücken, der von der grünen Jacke bedeckt war. Die blaue Hose wollte irgendwie nicht zu der Jacke passen, aber das störte den Mann nicht. Um Modefarben hatte er sich noch nie gekümmert. Er wusste überhaupt nicht, dass es so etwas gab.
Er war an ganz anderen Dingen interessiert.
An Köpfen!
Denn er war ein Sammler!
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Tyron Garret fluchte nicht schlecht, dass es ausgerechnet ihn wieder getroffen hatte. Aber was sollte er machen? Beschweren konnte er sich nicht, denn wer vergab schon in dieser schlechten Zeit Nebenjobs? Und einen Nebenjob hatte Ty gefunden, damit er wenigstens etwas von dem halten konnte, was er seiner Frau vor der Ehe versprochen hatte. So war das eben. Vor der Hochzeit großes Mundwerk, und nachher kam der Katzenjammer.
Jetzt fuhr er Kühlschränke für einen Elektrogroßhandel. Warum er sie ausgerechnet nachts transportierte, wusste er nicht, aber er konnte sich vorstellen, dass es dabei nicht immer mit rechten Dingen zuging. Wahrscheinlich waren die Dinger gestohlen. Deshalb durfte Ty Garret auch nicht die bequemen Autobahnen nehmen, sondern musste sich über Landstraßen quälen. Doch jede Fuhre brachte zehn Pfund, steuerfrei, das lohnte sich schon.
Ein Sender brachte Popmusik. Wenigstens hielt die ein wenig wach, denn die Gegend mochte bei Tag vielleicht schön sein, bei Nacht war sie direkt widerlich.
Da lag die Dunkelheit über den Feldern, als wollte sie nie mehr weichen. Hin und wieder hob sich ein Forst oder Wald von der großen Fläche ab, und weiter im Osten, wo die Hügel begannen, wurde die Straße noch schmaler.
Ein verdammt lausiges Stück England, dachte Ty Garret und drückte das Gaspedel weiter nach unten. Der Wagen benahm sich wie ein störrischer Esel. Er bockte ein paar Mal, fuhr aber dann schneller, was Garret wieder beruhigte.
Er klemmte sich eine Filterlose zwischen die Lippen und zündete sie an.
Noch 30 Meilen. Das bedeutete drei Zigaretten, denn alle zehn Meilen verrauchte Garret ein Stäbchen.
Gegenverkehr gab es hier nicht. Wer fuhr schon um diese Zeit durch diese gottverlassene Gegend? Nur Idioten wie er.
Die Scheinwerfer taugten auch nicht mehr viel. Wegen des dürftigen Lichts konnte Garret auch viel zu wenig von der Fahrbahn überblicken. Zudem war er zu faul, die Zigarette aus dem Mund zu nehmen. So stieg ihm der Rauch hin und wieder in die Augen, dass es brannte.
Die Kurve, die durch ein Warnschild angekündigt war, kannte er im Schlaf. Garret dachte gar nicht daran, mit der Geschwindigkeit herunterzugehen – er nahm sie voll.
Und das war sein Fehler!
Denn plötzlich stand die Gestalt auf der Fahrbahn. Der Mann musste irgendwo aus dem Graben rechts oder links der Straße erschienen sein und rannte in das Scheinwerferlicht.
Ty sah ihn zwar, er bremste auch, doch es war zu spät.
Der Mann lief voll in den Wagen.
Die nächsten Sekunden kamen Ty Garret vor, als würden sie im Zeitlupentempo ablaufen. Zuerst spürte er den harten Schlag. Ein Scheinwerfer zersplitterte und das Glas blitzte im Restlicht der noch leuchtenden Birne auf. Dann sah Garret den Körper hochwirbeln, und er sah auch das Werkzeug in der Hand des Mannes, das ihm allerdings jetzt aus den Fingern rutschte.
Danach war der Mann verschwunden.
Endlich stand der Wagen.
Ty Garret zitterte. Schweißnass war er. Innerhalb von Sekunden lief sein Kreislauf Amok.
Es war genau das eingetreten, wovor er sich immer gefürchtet hatte. Ein Unfall.
»Verdammte Scheiße!«, heulte er und dachte erst jetzt an das Opfer. Er musste nachsehen. Und wenn der Mann tot war – ja, was geschah dann? Was sollte er tun?
Ty öffnete die Tür des Fahrerhauses und sprang nach draußen. Seine Knie zitterten. Er schlich förmlich um den Wagen herum und suchte nach dem Mann.
Da war nichts.
Überrascht blieb Garret stehen. Das gab es nicht. Er musste den Kerl doch sehen. Der war nach dem Aufprall hoch- und dann zur Seite weggeschleudert worden. Wenn er nicht auf der Straße lag, dann vielleicht im Graben.
Und da lag ja auch sein Werkzeug, das er in der Hand gehalten hatte. Eine kleine akkubetriebene Motorsäge. Sie war fast bis in den Graben gerutscht.
Ty schluckte. »He!«, rief er. »Hören Sie mich, Mann? Ist Ihnen was passiert? Sind Sie verletzt?«
Er bekam keine Antwort.
Dieser Idiot, dachte Garret und entschloss sich endgültig, im Graben nachzuschauen.
Er brauchte es nicht mehr, denn der andere kam von selbst. Als wäre nichts geschehen, so kletterte er aus dem Graben. Auf allen vieren kam er hervor, richtete sich auf und starrte den Fahrer an.
Garret war stehen geblieben. Unwillkürlich fuhr seine Hand zur Kehle, denn damit hatte er nicht gerechnet. Dieser Typ war überhaupt nicht verletzt. Nur seine grüne Jacke zeigte einige Schmutzflecken. Er hatte dunkles Haar und eine Gesichtshaut, die irgendwie grau erschien, und das kam nicht von der Dunkelheit.
Ty wusste nicht, was er sagen sollte. Ihm fielen nicht die passenden Worte ein. Er wollte sich entschuldigen, aber kein Wort drang über seine Lippen.
Sekundenlang starrten sich die Männer an. Dann machte der andere plötzlich kehrt, lief an der Ladefläche des Wagens vorbei, nahm seine Säge auf und setzte mit einem gewaltigen Sprung über den Straßengraben, um auf einer Wiese weiterzulaufen.
»Bin ich denn benagelt?«, flüsterte Ty und schüttelte den Kopf. »Der ist doch wohl irre!«
Und plötzlich hatte Garret eine Idee. Seine Angst war verflogen, zudem konnte er sich als einen kräftigen Mann bezeichnen, der sich so leicht nicht ins Bockshorn jagen ließ. Auch nicht durch solch eine Geschichte. Er wollte wissen, was mit dem Kerl los war und was der mit der Säge wollte.
Bäume fällen bestimmt nicht.
Ty Garret rannte los. Zuvor jedoch schaltete er das Licht am Wagen aus und steckte seine kleine Gaspistole ein. Dann setzte auch er mit einem weiten Satz über den Graben.
Es war eine relativ helle Nacht. Der Mond hatte zwar nur seine halbe Größe erreicht, doch in seinem auf die Erde fallenden Licht hob sich die Gestalt des Mannes deutlich von der Wiese ab.
Er rannte querfeldein.
Und Ty hinterher.
Die Wiese war feucht. Zudem hatten zahlreiche Kühe ihre Spuren hinterlassen. Mehr als einmal trat Ty in einen solchen »Spinathaufen«, der ihm jedes Mal einen Fluch entlockte.
Der andere drehte sich nicht ein einziges Mal um. Stur rannte er seinen Weg. Wendig kletterte er über einen Stacheldrahtzaun und hetzte weiter.
»Hat der es eilig!«, keuchte Garret, dem langsam die Puste fehlte. Die Zehn-Meilen-Zigaretten machten sich doch eben bemerkbar. Aber er dachte nicht daran, aufzugeben.
Wo mochte der Knabe nur hinrennen?
Irgendwann hatte die Wiese auch ein Ende. Dahinter stieg das Gelände etwas an, und Garret sah einen alten, baufälligen Schuppen auf der flachen Kuppe stehen.
Der andere lief genau darauf zu. Alles deutete daraufhin, dass er sich diesen Schuppen als Ziel ausgesucht hatte.
So war es auch.
Als er den Schuppen erreichte, blieb er stehen und drehte sich um.
Sofort lag Ty Garret flach. Er verschmolz mit dem Boden, betete, dass ihm das Gras genügend Deckung gab und spürte Dreck auf seinen Lippen. Wütend spuckte er aus.
Sein Atem pumpte. Er bekam kaum Luft, die Lungenflügel hatten sich schmerzhaft zusammengezogen, und Garret sagte sich, dass es eigentlich idiotisch war, hier im Dreck zu liegen. Inzwischen hätte er schon sein Ziel erreicht haben können.
Aber er hatte A gesagt und wollte auch noch B sagen.
Vorsichtig hob er den Kopf.
Er sah gerade noch, wie der Kerl vor ihm die Schuppentür hinter sich zuzog. Sogar das Quietschen der Angeln hörte er.
Ty Garret erhob sich aus seiner geduckten Haltung. Jetzt wollte er doch wissen, was dieser Typ in dem Schuppen zu suchen hatte. Vielleicht hatte er dort eine Leiche versteckt oder wollte gar einen Mord begehen?
Tys Herz klopfte schneller. Er sah sich auf einmal im Mittelpunkt eines richtigen Krimis, in dem er den Helden spielte.
Wenn das keine Schau war.
Er lächelte kalt, wie es die Helden auch immer machten, bevor sie losschlugen.
So lautlos wie möglich näherte sich Ty Garret dem Ziel. Der alte Schuppen stand ziemlich deckungslos. Jeder, der sich in ihm befand, hatte freie Sicht nach allen Seiten. Garret dachte daran, dass er noch seine Gaspistole besaß. Die Waffe war wichtig. Er nahm sie auch in die Hand und war davon überzeugt, den Gegner reinlegen zu können.
Dicht neben der Schuppenwand blieb er stehen. Sein Atem musste sich erst wieder beruhigen, alles Weitere würde sich schon finden. Fahrig wischte er sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht. Seine Stirn war schweißnass, das kam von der Aufregung, die ihn umklammert hielt.
Ty Garret suchte den Eingang. Er war bei seinem Anlaufen gegen die Hütte etwas nach rechts abgekommen, jetzt musste er noch schauen, wo der andere die Hütte betreten hatte.
Weiter rechts sah er die Tür. Sie war recht seltsam. Erst einmal breit, und sie bestand nur zu zwei Dritteln aus Holz, das ’obere Drittel lag frei, dort konnten größere Leute oder auch Tiere ihre Köpfe hindurchstecken.
Ty Garret war nicht so groß. Er musste die Tür öffnen, um etwas sehen zu können.
Was er auch tat.
Er fand eine alte Klinke, die nicht mehr fasste, sondern nur lose herunterhing, auch bewegte sich die Tür leicht, das konnte er sehr deutlich sehen.
Ty bekam ein wenig Angst vor seiner eigenen Courage. Seine Hand, die schon auf der Klinke lag, zuckte zurück. Er traute sich nicht so ganz.
Wenn der Kerl da in dem Schuppen zu früh etwas merkte, dann war alles vorbei.
Garret hörte nicht auf seine warnende innere Stimme.
Er zog die Tür vorsichtig auf.
Sie knarrte. Dieses Geräusch schnitt dem Fahrer wie ein Messer durch Mark und Bein. Er verzog das Gesicht, presste dabei die Zähne zusammen und schlüpfte in den Schuppen, wobei er sofort den Arm hochhob,...
| Erscheint lt. Verlag | 10.6.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-2919-6 / 3838729196 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-2919-0 / 9783838729190 |
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