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John Sinclair Sonder-Edition 1 (eBook)

Angst über London

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
80 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7325-1604-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair Sonder-Edition 1 - Jason Dark
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John Sinclair ist der Sohn des Lichts. Der Kampf gegen die Mächte der Finsternis ist seine Bestimmung. Als Oberinspektor bei Scotland Yard tritt er Woche für Woche gegen Zombies, Werwölfe, Vampire und andere Höllenwesen an und begeistert weltweit eine treue Fangemeinde.

Mit der John Sinclair Sonder-Edition werden die Taschenbücher, die der Bastei Verlag in Ergänzung zu der Heftromanserie ab 1981 veröffentlichte, endlich wieder zugänglich. Die Romane, in denen es John Sinclair vor allem mit so bekannten Gegnern wie Asmodina, Dr. Tod oder der Mordliga zu tun bekommt, erscheinen in chronologischer Reihenfolge alle zwei Wochen, natürlich auch als E-Book.

Die medial begabte Miriam di Carlo spürte als Erste, dass etwas nicht stimmte.

Irgendwas war anders in dieser Novembernacht.

Sie schreckte aus dem Schlaf hoch, saß aufrecht im Bett, hatte die Augen weit geöffnet und starrte in die Dunkelheit. Gleichzeitig lauschte sie. Nichts …

Es blieb ruhig in der obersten Etage des hohen Hauses, in dem Miriam mit zahlreichen anderen Mietern wohnte. Hier erreichte sie auch nicht der Widerschein der Leuchtreklamen. Man kam sich vor wie auf einer Insel.

»Warum bin ich wach geworden«, murmelte sie und fuhr sich mit gespreizten Fingern durch das dunkelbraune zerwühlte Haar, als zwischen den Fingern auf einmal Funken sprühten.

Miriams Hand zuckte zurück. Sie war elektrisch aufgeladen, das geschah immer, wenn ein großes Ereignis dicht bevorstand. Wenn sie ihre Ahnungen hatte und spürte, dass eine fremde Macht in diese Welt eingriff.

Miriam hatte aus ihrer Begabung nie ein Geschäft gemacht. So etwas widerte sie an. Sie behielt ihre Ahnungen und Träume lieber für sich, was vielleicht auch nicht immer gut war. Doch Miriam wollte nicht ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gezerrt werden. Sie hasste Publicity. Sie wollte lieber unerkannt bleiben und als Sachbearbeiterin in einem Industrieunternehmen weiterhin ihre Brötchen verdienen.

Aber noch nie hatte sie die Gefahr mit einer solchen Deutlichkeit gespürt wie jetzt, und das erschreckte sie zutiefst.

Ich muss etwas tun, dachte sie, warf die leichte Bettdecke zurück und schwang ihre langen Beine über die Kante. Auf nackten Sohlen trat sie ans Fenster und schob den Vorhang ein wenig zur Seite.

Miriam schaute durch den Spalt. Dunkelgrau lag der Himmel. Gewaltige Wolken verdeckten die Gestirne.

Miriam di Carlo atmete tief durch. Sie stützte die Handballen auf die kalte Fensterbank. Ihr Atem traf die Scheibe, die leicht beschlug. Das lange Haar fiel nach vorn. Einige Strähnen verdeckten ihr ebenmäßiges Gesicht wie ein Vorhang.

Die dreißigjährige Miriam konnte man als eine schöne Frau bezeichnen. Sie hatte eine sportliche Figur und war genau an den Stellen gerundet, die Männern ins Auge fallen. Sie war immer modisch gekleidet und hatte grünblaue Augen, die eine samtene Wärme ausstrahlten. Sie hätte es leicht gehabt bei Männern, doch sie war gewarnt. Eine Ehe hatte sie hinter sich. Ihr Mann hatte sie betrogen. Miriam hatte es dank ihrer medialen Begabung gespürt, sie hatte es ihm auf den Kopf zugesagt – und das war dem Ehemann unheimlich gewesen. Er hatte sich verdrückt. Vor so einer Frau konnte man ja nichts verstecken.

Das war mittlerweile fünf Jahre her.

Miriam wollte sich gerade umdrehen und zum Bett zurückgehen, als sie das Gefühl hatte, ihr Kopf würde in einen Schraubstock gepresst.

Miriam stöhnte auf, hob die Hände und legte sie auf die Wangen. Mit schreckgeweiteten Augen blickte sie hinunter auf London.

Die Perspektive hatte sich plötzlich verzerrt. Als hätte jemand die Proportionen bei einem Gemälde verschoben. Big Ben befand sich ganz in der Nähe, der Tower, Victoria Station, die hohen Häuser, die Menschen …

»Nein!«, flüsterte sie, »nein, das gibt es nicht, das darf nicht wahr sein, bitte …« Was Miriam di Carlo sah, war der Untergang Londons. Das große Entsetzen, das gewaltige Chaos.

Gebäude stürzten ein, Big Ben zerbröckelte, der Bahnhof zerbrach, die Brücken fielen in die Themse, der Tower sah aus wie nach einem schweren Bombenangriff.

Und dann die Menschen. Sie waren am allerschlimmsten betroffen. Ihre Wohnhäuser waren nicht mehr zu retten. Schreiend rannten die Verzweifelten auf die Straße, wo sie von den einstürzenden Mauern der Häuser begraben wurden.

Viele wollten auch mit ihrem Wagen fliehen. Die Ampeln funktionierten nicht mehr, viele Straßen waren verschüttet.

Dies alles sah Miriam mit erschreckender Deutlichkeit, und sie wusste, dass es auch eintreffen würde. Noch nie hatten ihre seherischen Fähigkeiten versagt.

»Mein Gott!« Sie taumelte zurück und spürte, wie heiß ihre Wangen auf einmal waren. Eine Art Nervenfieber schüttelte sie. Zum Glück befand sich das Bett in ihrem Rücken. Mit den Waden stieß sie dagegen. Sie fiel auf die Decke und blieb liegen.

Ihr Atem ging schnell und keuchend. Der Schweiß lag wie eine Ölschicht auf ihrer Stirn. Sie konnte einfach nicht mehr, dieser Anblick war schwer zu verkraften.

Natürlich hatte sich auch ihr Herzschlag beschleunigt. Das Blut rauschte durch die Adern, in ihrem Kopf hämmerte und pochte es. Sie hatte bereits zahlreiche Visionen gehabt, doch so stark und vor allen Dingen so grauenhaft waren sie noch nie gewesen.

Wach lag Miriam di Carlo auf dem Bett und starrte gegen die Decke, die in der Dunkelheit nur schemenhaft zu ahnen war.

Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis sie sich einigermaßen beruhigt hatte. Danach begann sie zu überlegen, was zu tun war.

Sollte sie zur Polizei gehen? Kaum, denn da lachte man sie aus. Nicht zum ersten Mal wäre das geschehen. Bei den nüchtern denkenden Beamten hielt man nicht viel von ihren Wahrnehmungen und Voraussagen.

Diese Möglichkeit fiel also weg.

Sollte sie die Stadt verlassen? Fliehen, solange noch Zeit war? Auch die Alternative schloss sie in ihre Überlegungen mit ein, andererseits wäre sie sich feige vorgekommen. Hatte sie nicht die Pflicht, etwas zu tun?

Sie hing an London. Diese gewaltige, herrliche Millionenstadt an der Themse durfte nicht dem Untergang geweiht werden.

Aber konnte sie das überhaupt verhindern?

Miriam war realistisch genug, um ihre Möglichkeiten abzuschätzen. Nein, sie würde es kaum schaffen. Dazu reichte die Kraft nicht. Sie war nicht so stark.

»Ich werde noch wahnsinnig«, murmelte sie und richtete sich auf. Dabei beugte sie sich zur Seite, und ihre tastende Hand fand den Schalter der Nachttischlampe. Sie machte Licht.

Miriam di Carlo stand auf und schritt um ihr Bett herum. Sie ging wie eine alte Frau. Gebeugt, sorgenschwer …

Die kleine Küche lag dem Schlafzimmer gegenüber. Miriam verspürte plötzlich Durst. Sie wollte sich etwas zu trinken holen, ihre Kehle fühlte sich an wie ein Reibeisen. Sie öffnete die Kühlschranktür und griff zur Flasche mit dem Mineralwasser. Sie nahm sich nicht die Zeit, ein Glas zu nehmen, sondern trank direkt aus der Flasche.

Das kalte Wasser tat gut. Ein paar Mal atmete sie tief durch. Das dumpfe, drückende Gefühl im Kopf war geblieben. Die Angst ließ sich nicht so einfach ausradieren.

Miriam verließ die Küche und ging zurück ins Schlafzimmer. In der Diele hing eine alte Uhr. Es war zwei Stunden nach Mitternacht.

Noch einmal schaute sie aus dem Schlafzimmerfenster. Ihre Augen wurden groß, sie begann zu zittern, denn der Himmel hatte sich verändert.

Er war nicht mehr so grau wie zuvor, sondern zeigte einen rötlichen Schein. Und dieser Schein kam von einem Gesicht, das in seiner kalten Schönheit beeindruckend war. Und irgendwie passten sogar die beiden Hörner dazu, die aus der Stirn wuchsen.

Miriam hatte das Gefühl, als würden die kalten, erbarmungslosen Augen nur sie anschauen, und der Mund verzog sich dabei zu einem wissenden, spöttischen Lächeln.

Miriam di Carlo kannte die Frau nicht, sie hatte sie noch nie gesehen und auch nichts von ihr gehört. Sie wusste nicht, dass es sich um Asmodina, die Tochter des Teufels, handelte.

***

Ich schlief sehr unruhig. Den Grund wusste ich nicht, es war halt so.

Gegen zwei Uhr wurde ich zum ersten Mal wach.

Ich stand sogar auf, streckte mir im Spiegel der Diele die Zunge heraus und ging durch die Wohnung.

Alles war ruhig, verändert hatte sich nichts. Auf dem Tisch stand noch die volle Bierflasche vom Abend. Ich nahm sie mit in die Küche, stellte sie in den Kühlschrank und trank einen Schluck Saft.

Obwohl mein Durst gelöscht war, wollte das unruhige Gefühl in mir nicht weichen. Irgendetwas lag in der Luft, das spürte ich genau, und ich hatte in den vergangenen Jahren gelernt, auf solche Zeichen zu achten.

Auch spürte ich ein leichtes Brennen auf meiner rechten Wange. Dort saß die sichelförmige Narbe, die ich einem meiner Erzfeinde, Dr. Tod, zu verdanken hatte.

Ich ging wieder zurück ins Schlafzimmer und stieß mir an der Tür den linken großen Zeh, weil ich barfuß lief. Ich setzte mich auf die Bettkante. Oft dachte ich über die Zukunft und auch die Vergangenheit nach, vor allen Dingen in Nächten, wo ich wenig Schlaf fand.

Aber warum konnte ich nicht schlafen? Eine Bedrohung, eine Vorahnung, etwas Schlimmes, das in der Luft lag.

Bei diesem Gedanken stockte ich. Sollte das tatsächlich der Fall sein, stand mir was bevor. Manchmal hat man ja einen sechsten Sinn, und ich hatte mir angewöhnt, auf mein Unterbewusstsein zu hören. Es hat mich selten im Stich gelassen.

Zwei Uhr vierundzwanzig! Fast eine halbe Stunde war ich schon auf den Beinen. Das musste sich ändern.

Ich legte mich wieder zurück, schloss die Augen und versuchte einzuschlafen. Es klappte nicht.

Auch das berühmte Schäfchenzählen brachte mir keinen Erfolg, die innere Unruhe war zu groß. Manchmal hatte ich das Gefühl, mein Blut würde schneller als sonst durch die Adern laufen, die Aufregung, die Nervosität machten sich bemerkbar. Ich öffnete die Augen und starrte gegen die Decke.

Wer oder was braute sich da wieder zusammen? Diese Frage quälte mich. Ich lag weiterhin wach, überlegte hin und her, doch zu einem Ergebnis kam ich nicht.

Schließlich fiel ich doch in einen...

Erscheint lt. Verlag 16.6.2015
Reihe/Serie John Sinclair Sonder-Edition
John Sinclair Sonder-Edition
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte 2017 • 2018 • Abenteuer • Anna Basener • Bahnhofsroman • Barry Belmondo • Bastei • Bestseller • blutig • Clown • Cora • Dämon • Dämonenjäger • Der Geisterjäger • Deutsch • Die Abenteurer • eBook • eBooks • Extrem • Frauen • Geisterjäger • ghost • Ghosts • Groschenheft • grusel-geschichten • Grusel-Krimi • Gruselroman • Grusel-Roman • Heft • Heftchen • Heftchen-Roman • Heftroman • Heft-Roman • Horror • Horror Bücher ab 18 • Horror-Roman • horror thriller • Horror-Thriller • Jason Dark • john Sinclair • Julia-meyer • Kindle • Klassiker • Krimi • Kurzgeschichten • Lovecraft • Männer • Mark Hellmann • Mira • Paranomal • professor-zamorra • Professor Zamorra • Psycho • Pulp • Pulp Ficition • Romanheft • Roman-Heft • serial content • Serial Novel • Serial Novels • Serie • Serien • Seriennovellen • Short Stories • Short Story • Sinclair • Slasher • spannend • Splatter • Stephen King • Stephen-King • Steven King • Terror • Thriller • Tony Ballard • Top • Zombies
ISBN-10 3-7325-1604-0 / 3732516040
ISBN-13 978-3-7325-1604-9 / 9783732516049
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