In der Arktis entdecken Sam und Remi Fargo ein Langboot der Wikinger. An Bord befinden sich - neben einem riesigen Goldschatz - Hinweise auf den Verbleib des sagenumwobenen Auge des Himmels. Die beiden Schatzjäger kämpfen sich bald durch undurchdringliche Dschungel und dringen in uralte Tempel und Gräber ein. Doch ihre Suche ist nicht unbemerkt geblieben, und plötzlich befinden sie sich zwischen den Fronten von Verbrechern und skrupellosen Grabräubern. Werden Sam und Remi Fargo die Lösung für ein Jahrtausende altes Rätsel finden - oder den Tod?
Archäologie, Action und Humor für Indiana-Jones-Fans! Verpassen Sie kein Abenteuer des Schatzjäger-Ehepaars Sam und Remi Fargo. Alle Romane sind einzeln lesbar.
Seit er 1973 seinen ersten Helden Dirk Pitt erfand, ist jeder Roman von Clive Cussler ein 'New York Times'-Bestseller. Auch auf der deutschen SPIEGEL-Bestsellerliste ist jeder seiner Romane vertreten. 1979 gründete er die reale NUMA, um das maritime Erbe durch die Entdeckung, Erforschung und Konservierung von Schiffswracks zu bewahren. Er lebte bis zu seinem Tod im Jahr 2020 in der Wüste von Arizona und in den Bergen Colorados.
Grell leuchtende Blitze brannten sich in den trüben Nachthimmel und erhellten die ausgezehrten Gesichter der Männer an den langen Riemen aus Kiefernholz, mit denen sie das Wikingerlangschiff in seinem Kampf gegen den unbarmherzig tobenden Ozean unterstützten. Der Kapitän wiegte sich im Takt mit der schweren Dünung, während er mit besorgtem Blick verfolgte, wie die Wand sich auftürmender Brecher das Schiffsheck unter sich begrub.
Senkrecht aufragende Bastionen aus schwarzen Wassermassen drohten – vom eisigen Wind getrieben – das Schiff, so sturmerprobt es auch erscheinen mochte, jeden Moment zum Kentern zu bringen. Ungeachtet der Regenmassen, die auf sie herabprasselten, verrichteten die Männer an den Rudern ihre Arbeit. Schließlich hing ihr Überleben von diesem unermüdlichen Einsatz ab. Der Kapitän betrachtete sie mit einer Mischung aus Mitgefühl und Entschlossenheit, die Stirn sorgenvoll zerfurcht, während der Wolkenbruch seine Haut peitschte und das Wasser an der dünnen weißen Narbe entlangrann, die sich von seinem linken Augenwinkel bis zu dem blonden Bart erstreckte. Als Angehöriger eines grausamen Volksstamms von Abenteurern und Plünderern war er auf dem Ozean aufgewachsen. Die ungezähmte Gewalt der Natur war ihm nichts Neues. An unzähligen Tagen hatte er die tückische Nordsee verflucht, aber selbst für ihn war dies ein Unwetter, wie es ihm nie zuvor begegnet war.
Das hölzerne Schiff musste weit vom Kurs abgekommen sein und wurde von der Dünung nach Norden getrieben. Wäre es auf seiner beabsichtigten Route geblieben, hätte einer der mächtigen Brecher ganz gewiss seinen Bug überrannt. Es wäre gekentert und hätte seine Insassen in den sicheren Tod gerissen. Das Beste, was der Kapitän unter diesen Bedingungen tun konnte, war, das Schiff mit dem Heck vor dem Wind zu halten und den Sturm abzureiten.
Ein greller Blitz zuckte durch die aufgewühlten Wolken und erhellte für einen kurzen Moment die Umgebung, ehe er von der Dunkelheit verschluckt wurde. Salzwasser troff aus dem dichten Bärenfellmantel des Kapitäns, unter dem sich die Muskeln seiner kräftigen Arme wölbten, mit denen er das Ruder in Position hielt. Ein weiterer Blitz machte die Nacht zum Tage. Das Profil eines aus Holz geschnitzten, drohend aufgerichteten Drachens dicht hinter seinem Kopf, umweht von Gischtwolken, die der tobende Sturm von den Wellenkämmen riss, reflektierte den bläulich weißen Lichtschein.
In dem schmalen Laufgang zwischen den Bänken, auf denen die erschöpften Ruderer schufteten, näherte sich ein hochgewachsener Mann mit lederartiger Haut und einer ungebändigten roten Haarmähne. Trotz der heftigen Schwankungen des Schiffes schritt er sicheren Fußes über die rauen Eichenplanken.
»Thor lässt seiner Wut heute Nacht freien Lauf, nicht wahr, Vidar?«, rief der Kapitän seinem Maat durch den heulenden Wind zu.
»Kann man wohl sagen, Herr. Aber ich denke, das Schlimmste ist jetzt vorbei. Mir scheint, die Brecher sind nicht mehr so hoch wie vor ein paar Stunden.«
»Hoffentlich hast du recht. Meine Arme schmerzen, als hätte ich die ganze Nacht mit einem Bären gerungen.«
»Ich kenne das Gefühl gut. Ihr habt doch meine Frau gesehen.«
Die Mienen der beiden erfahrenen Seeleute verzogen sich kurz zu einem freudlosen Grinsen, dann trat der Maat neben den Kapitän und übernahm das Ruder.
»So viel zu dem Versuch zu schlafen. Daran ist bei diesem Albtraum nicht zu denken. Wie halten sich die Männer?«, fragte der Kapitän.
»Wie bei diesen Verhältnissen zu erwarten. Ihnen ist kalt, und sie sind müde.« Vidar verkniff sich die Bemerkung, dass sie sich fürchteten. Niemals hätten diese Krieger eingestanden, Angst zu haben.
»Sie haben genug Bier getrunken und die Gastfreundschaft der Eingeborenen ausgiebig genossen. Dies hier wird ihnen einiges zu denken geben, falls sie weich geworden sind wie ein Frauenwams.«
»Sicher, Käpt’n. Es wird ihnen eine Lehre sein …«
Eine ohrenbetäubende Explosion erschütterte das Deck unter ihren Füßen. Beide Männer verfolgten das verwirrende Geschehen mit Augen, die nach einem Leben auf See und auf dem Schlachtfeld kaum noch etwas überraschen konnte.
Aus dem Augenwinkel nahm der Kapitän einen mächtigen Schatten wahr, der sich hinter ihm auftürmte, und fuhr instinktiv herum. Das Heck zerschnitt eine riesige Woge, deren Rauschen in diesem Augenblick – als die beiden Hälften des Wellenkamms brachen – das einzige Geräusch war. Nach einem kurzen Moment, den das Schiff auf dem Wellenkamm verharrt hatte, sank es auf der Rückseite des Brechers in die Tiefe. Das schwarze Monster verschwand in der Dunkelheit.
»Könnt Ihr Euch vorstellen, was geschehen wäre, hätte uns dieses Ungetüm von vorn erwischt?«, fragte Vidar mit einer Stimme, die vor Entsetzen zu einem Flüstern herabgesunken war.
»Oder mittschiffs. Dann wären wir jetzt alle nach Walhalla unterwegs.«
Ihre Blicke wanderten zum Mast, der nun zersplittert und nutzlos war. Die obere Hälfte war abgebrochen wie der Zweig eines Baums und hatte den größten Teil des Segels mit in die Tiefe gerissen – beide ein Opfer der Wucht, mit der die Sturmböe sie getroffen hatte. Dies war das Ergebnis einer teuren Fehlkalkulation. Er hätte das wollene Tuch herablassen sollen, ehe der Wind es losreißen konnte. Aber er hatte jedes Quäntchen Geschwindigkeit herausholen wollen. Seine Männer verfügten zwar über starke Arme, doch nach fast vierundzwanzig Stunden angestrengten Ruderns, auch wenn sie die Ruderbänke nur in Schichten besetzten, stießen auch sie an ihre Grenzen.
Als eines der imposantesten Langschiffe, die je vom Stapel gelaufen waren, bot die Sigrun einer Mannschaft von neunzig Männern Platz. Die Ruderpositionen, jeweils zwei für die vierzig Riemen des Schiffes, reichten für achtzig Männer. Außerdem besaß sie einen umlegbaren Segelmast von knapp zwanzig Metern Höhe. Der Rumpf hatte eine Länge von achtunddreißig Metern und maß an seiner breitesten Stelle knapp sechs Meter. Der Kiel war aus einem massiven Eichenstamm herausgehauen, während würfelförmige Steinklötze als Ballast dienten.
Bei ruhiger See schaffte die Sigrun mit aufgezogenem Segel fast vierzehn Knoten Geschwindigkeit, aber bei einem Wintersturm von dieser Gewalt, wie er in den fernsten Regionen des Nordatlantiks auftrat, war die Geschwindigkeit gar nicht von vorrangiger Bedeutung – das höhere Gewicht hatte die Manövrierfähigkeit.
Die Sigrun verfügte über einen für Wikingerschiffe typischen geklinkerten und an Bug und Heck gleichförmigen Rumpf. Jedoch war die Bordwand deutlich erhöht, um Hochseefahrten zu ermöglichen. Heck und Bug waren als identische Drachenköpfe ausgearbeitet worden. Schiffe wie die Sigrun hatten eine beeindruckende Erfolgsgeschichte und bereits die gefährlichsten Meeresregionen des Planeten befahren. Ihre Seetüchtigkeit und Geschwindigkeit waren legendär. Die Widerstandsfähigkeit selbst des stabilsten Schiffes hatte jedoch Grenzen, und der Sturm hatte der Sigrun und ihrer Mannschaft weitaus heftiger zugesetzt, als es in all den Jahren zuvor jemals der Fall gewesen war.
Stunden, die sich zu einer Ewigkeit auszudehnen schienen, verstrichen, und als sich der erste Lichtschimmer des neuen Tages durch die tiefhängende graue Wolkendecke kämpfte, beruhigte sich allmählich die See. Nun, da das Schlimmste offenbar überstanden war, gab der Kapitän Befehl, dass sich die erschöpften Ruderer ausruhen konnten – bis er eine neue Gefahr ausmachte: Eis. Fünfzig Meter voraus ragte ein Eisberg aus dem Wasser, so groß wie ein kleiner Berg. Der Kapitän wirbelte zu dem Mann herum, der das Ruder bediente, und rief ihm eine Warnung zu.
»Eis! Direkt voraus!«
Das Schiff hatte einen geringen Tiefgang, dennoch konnte die wogende See es in die Nähe der untergetauchten Masse drücken. Eine leichte Kollision würde den Holzrumpf aufreißen und das Langschiff sinken lassen, und dann würde die Mannschaft in den eisigen Fluten recht bald den Tod finden. Der Bug schwang langsam herum und gehorchte nur schwerfällig dem Ruderbefehl. Eine weitere lang gezogene Woge der stetig rollenden Dünung schob sie näher auf den Eisberg zu – viel näher, als dem Kapitän lieb war.
»Jetzt aber mit aller Kraft, Leute! Pullt, verdammt noch mal. Pullt, was ihr könnt, sonst sind wir erledigt!«
Leise wie ein Gespenst glitt das Schiff an der bedrohlichen Eismasse vorbei. Der Blick des Kapitäns wanderte über den gefrorenen Koloss, eine verlassene, öde Insel mitten im Ozean. Er schickte ein weiteres stummes Bittgebet zu den Göttern. Wenn sich das Schiff bereits im Treibeis befand, musste der Sturm es noch viel weiter nach Norden getrieben haben, als er befürchtet hatte. Und der bedeckte Himmel machte es unmöglich, mit den primitiven Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, einen neuen Kurs zu berechnen.
»Holt einen der Raben aus dem Schiffsraum«, befahl er also.
Vidar gab den Befehl an den nächsten Mannschaftsangehörigen weiter, der sich eilig entfernte. Das Unwetter hatte sich nahezu vollständig ausgetobt, und nun wurde es Zeit, eine der geheimen Waffen der seefahrterprobten Wikinger einzusetzen: Vögel.
Zwei Männer wuchteten eine Deckklappe auf und stiegen in den vorderen Schiffsraum hinab. Wenig später tauchten sie wieder auf und schleppten einen primitiven Holzkäfig, in dem sich ein großer schwarzer Schatten aufgeregt hin und her bewegte. Der größere der beiden Männer trug den Käfig zum Schiffsheck, wo der Kapitän bereits wartete, und stellte ihn aufs Deck. Nach einem letzten Blick aufs Meer ging der Kapitän in...
| Erscheint lt. Verlag | 14.3.2016 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die Fargo-Abenteuer | Die Fargo-Abenteuer |
| Übersetzer | Michael Kubiak |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Eye of Heaven (Fargo 6) |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Schlagworte | Abenteuer • Abenteuerroman • Arktis • Bergung • Das Erbe der Azteken • Das fünfte Grab des Königs • Das Geheimnis von Shangri La • Das Gold von Sparta • Das graue Phantom • Das Orakel des Königs • Das Vermächtnis der Maya • Der Schatz des Piraten • Der Schwur der Wikinger • Der Zorn des Poseidon • Die verlorene Stadt • Dschungel • eBooks • Fargo • Gefahr • Goldschatz • Grab • Gräber • Grabräuber • Jäger des gestohlenen Goldes • Mythos • Rätsel • Reihe • Roman • Sage • Schatzsucher • Schiff • Serien • Tempel • Thriller • Verbrecher • Wikinger |
| ISBN-10 | 3-641-16928-3 / 3641169283 |
| ISBN-13 | 978-3-641-16928-2 / 9783641169282 |
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