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John Sinclair 87 (eBook)

Schrei, wenn dich die Schatten fressen!

(Autor)

eBook Download: EPUB
2015 | 1. Aufl. 2015
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2841-4 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 87 - Jason Dark
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Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1980 - 1989! Schrei, wenn dich die Schatten fressen! 'Sterben!', ächzte Hank Selnick und warf sich auf seiner Pritsche hin und her. 'Ich werde sterben, und ich will sterben!' Er lachte plötzlich und war schweißnass. Seine feuchten Hände umklammerten das kleine Buch. Das Buch der Schwarzen Magie. Mit geheimnisvollen Formeln und Beschwörungen. Und einer machte Jagd auf diese Schatten. Der Spuk ... John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!

Aus dicken, grauen Wolken regnete es Bindfäden, und Mary Selnick hatte das Gefühl, als würde selbst der Himmel über den Tod ihres Mannes trauern.

Dabei war sie die einzige, die echtes Leid empfand.

Man hatte soeben seinen Sarg in die Grube gelassen, eine billige Totenkiste, denn Geld stand Mary Selnick kaum zur Verfügung. Die Träger waren auch brummig davongetrottet, weil sie kein Trinkgeld bekommen hatten.

Mary weinte.

Der vom Himmel fallende Regen tropfte auf ihren dunkelgrauen Schirm, und lief an der schrägen Fläche herunter, um in langen Rinnsalen vom Schirm auf den Boden zu rinnen.

Es war kaum jemand zur Beerdigung gekommen. Drei Knastbrüder mit ihren Bewachern und der Pfarrer, der Mary damit einen persönlichen Gefallen tun wollte, denn ihr Mann hatte nie viel von der Kirche und deren Würdenträger gehalten.

Der Geistliche war der einzige, der sich noch am Grab aufhielt. Auch er wurde durch einen Schirm geschützt. Vorsichtig trat er einen Schritt vor. Auf dem nassen Lehm rutschte man zu schnell aus. Der Pfarrer tippte auf Marys Schulter.

»Mrs. Selnick«, sagte er leise.

Mary drehte sich um.

Der Geistliche schaute in zwei verweinte Augen und in ein schmales blasses Gesicht, in das die harten Jahre tiefe Falten gegraben hatte. Jetzt schien die Frau noch mehr gealtert zu sein, denn der Schmerz fraß in ihr wie eine Säure.

»Bitte?«, hauchte sie.

»Ich … ich …« Der Pfarrer räusperte sich. »Ich möchte sie gern nach Hause bringen.«

Mary schüttelte den Kopf. »Nein, nicht. Machen Sie sich keine Mühe. Ich möchte noch von Hank Abschied nehmen.«

»Ja, natürlich. Wie Sie wollen.« Der Pfarrer respektierte den Wunsch der Frau. »Wenn ich noch irgendetwas für Sie tun kann, lassen Sie es mich wissen. Ich bin jederzeit für Sie da.«

»Danke, Herr Pfarrer, Sie sind sehr nett.«

»Aber ich bitte Sie.« Der Geistliche nickte der Frau noch einmal zu und ging.

Mary Selnick schaute ihm nach, bis seine gebeugte Gestalt hinter der hohen Hecke verschwunden war. Zurück blieb das eintönige Rauschen des Regens, der den Lehm von dem frisch aufgeworfenen Grabhügel trug und ihn fortschwemmte.

Die Witwe wandte sich wieder um und schaute in das Grab. Naß glänzte der Sarg. Soeben spülte das Wasser die Blätter der letzten Rosen weg. Sie waren das Zeichen einer großen Liebe.

Ja, Mary Selnick hatte ihren Mann geliebt. Obwohl er ein Gesetzesbrecher war. Zwei Jahre hatte er im Zuchthaus gesessen, dann war er gestorben. Mit achtundvierzig Jahren, in einem Alter, wo andere erst anfingen, richtig zu leben. Aber Hank hatte die Bank ausgeraubt, daran gab es keinen Zweifel. Er wollte endlich mal Geld haben, und die Banken hatten genug davon. Er hatte sie immer für die größten Volksbetrüger gehalten, und Mary gab ihm da recht.

Aber nicht die Polizei hatte Hank gefasst, sondern eine Frau.

Eine Privatdetektivin.

Name: Jane Collins!

Ihr war es gelungen, Hank zu stellen. Und Selnick hatte sich ergeben. Einfach so. Er war schnell verurteilt worden. Drei Jahre sollte er sitzen. Der Tod jedoch hatte ihn vorher ereilt.

Für Hank Selnick war das Zuchthaus die Hölle gewesen. Das hatte er immer wieder beteuert. Die Atmosphäre dort machte ihn krank, diese Unmenschlichkeit, die Härte, mit der sich die einzelnen Gefangenen untereinander bekämpften. Hank hatte schwer darunter gelitten. An den langen, einsamen Abenden wurde nur alles noch schlimmer. Bis Hank dann ein Hobby gefunden hatte.

Es war die Thanatologie, die Lehre von der Sterbensforschung. Benannt nach Thanatos, dem griechischen Gott des Todes. Diese Lehre ist erst seit ungefähr hundert Jahren bekannt und auch erforscht worden. Namhafte Juristen und Mediziner haben sich damit beschäftigt und herausgefunden, dass menschliche Wesen den Tod überleben. Das heißt, die existieren nach dem Tod auf verschiedenen Bewusstseinsebenen weiter, die den körperlichen Menschen nicht zugänglich sind. Diese Bereiche können in bestimmten Situationen verlassen werden, und dann kommt es zu Begegnungen mit den Toten.

Es war in letzter Zeit viel über dieses Gebiet geschrieben worden. Scharlatane und auch ernstzunehmende Wissenschaftler hatten sich damit beschäftigt und waren reich geworden, denn ihre Bücher erschienen in hohen Auflagen.

Hank Selnick gehörte zu den Leuten, die die Bücher kauften. Seine Frau musste ihm immer die Neuerscheinungen besorgen. Und Selnick hing sich rein. Er las und las. Oft saß er nächtelang über seinen Büchern gebeugt da, was den Wärtern nur recht war, denn Selnick wurde immer ruhiger.

Eines Tages – etwa vier Wochen vor seinem Tod – besuchte ihn seine Frau wieder einmal.

Hank war sehr aufgeregt, und als sie sich in dem kahlen Besucherraum gegenübersaßen, dämpfte Hank seine Stimme noch stärker als sonst.

»Hör zu, Mary!«, flüsterte er. »Ich hab’s!«

»Was hast du?«

»Ich weiß jetzt, wie ich nach meinem Tod weiterleben werde. Es gibt für mich keine Angst mehr. Ich habe in einem alten Buch gelesen, dass ich dich aus dem Jenseits immer wieder besuchen und dir mit Rat und Tat zur Seite stehen kann.«

»Du bist verrückt.«

Da schüttelte Hank Selnik mit ernstem Gesicht den Kopf. »Nein, Mary, ich bin nicht verrückt. Ebensowenig wie du es bist. Ich habe nur hinter die Kulissen geschaut. Denk an unser Gespräch, wenn ich einmal nicht mehr bin.«

Und Mary Selnick dachte daran, als sie am Grab ihres Mannes stand und auf den nassen Sargdeckel starrte, während der Regen weiterhin auf ihren Schirm trommelte. Irgendwie hatte sie den Wunsch, Hank möge zurückkehren und wenn es nur für einen Tag war.

Aber der Sarg blieb ebenso stumm wie die Leiche, die in ihm lag.

»Entschuldigen Sie, Missis …«

Überrascht drehte sich Mary um. Sie hatte den Mann nicht kommen gehört, der plötzlich neben ihr stand.

»Ja bitte?«, fragte sie.

Der Mann trug graues Ölzeug und einen Hut aus dem gleichen Material. Er hielt eine Schaufel in der Hand und zeigte auf einen jüngeren Mann, der ganz in der Nähe wartete. »Mein Kollege und ich sind hier die Totengräber. Wir möchten das Grab gern zuschaufeln, wenn Sie es gestatten. Wir müssen heute noch drei weitere Gräber fertigmachen, und die Zeit drängt.«

»Geht das denn nicht maschinell?«, fragte Mary.

»Auf diesem Friedhof nicht. Er ist zu klein.«

»Ja, dann …« Mary nickte. »Lassen Sie mich noch einen Blick auf den Sarg werfen.«

»Selbstverständlich.« Der Totengräber trat pietätvoll zurück.

Mary Selnick schaute in das Grab. Und plötzlich hatte sie das Gefühl, über dem Deckel würde sich etwas bewegen. Ein Schatten nur, dunkler noch als das Holz – aber er war da.

Und er besaß Konturen.

Die eines Menschen …

Mary krampfte ihre freie linke Hand zur Faust. Sie schloss für einen Moment die Augen. Als sie wieder hinschaute, war der Schatten verschwunden.

Eine Täuschung, nichts weiter …

Mary Selnick schluckte. Sie wollte nicht mehr weinen. Hart presste sie die Lippen zusammen, drehte sich um und ging.

Die beiden Totengräber machten sich an ihre Arbeit. »Seltsame Frau«, meinte der Ältere noch, bevor er die Schaufel in den nassen Lehmhügel stach.

Mary Selnick aber ging zwischen den frischen aufgeworfenen Gräbern hindurch und erreichte schließlich den Hauptweg, der zum Ausgangstor führte.

In der Nähe befand sich eine Haltestelle. Zusammen mit anderen Trauergästen bestieg Mary Selnick den Bus und fuhr in Richtung Innenstadt.

Allein saß sie auf dem Sitz, und sie dachte an ihren verstorbenen Mann.

Den Schatten hatte sie vergessen …

*

Mary Selnick wohnte in Whitechapel, einem Stadtteil im Osten von London. Mit dem Bus waren es zehn Minuten Fahrt, dann konnte sie aussteigen.

Es war mittlerweile später Nachmittag geworden. Und es regnete noch immer. Die hellen Glotzaugen der Autoscheinwerfer zerfaserten im herabrinnenden Regen. An den Straßenrändern hatten sich Pfützen gebildet, und wenn die Reifen der Autos hindurchfuhren, schleuderten sie das schmutzige Wasser gegen die Fußgänger.

Leicht vornübergebeugt schritt Mary Selnick durch die Minories Street. Es war eine Geschäftsstraße. Ein Laden reihte sich neben den anderen. Dazwischen ein Pub oder ein Schnellimbiss.

Die Menschen hasteten aneinander vorbei. Sie hatten nie Zeit für sich und die anderen, und bei dem miesen Wetter schon gar nicht.

Marys Gedanken drehten sich um ihren Mann. Sie fürchtete sich davor, in die leere Wohnung zu kommen, mit der Gewissheit, dass ihr Mann nicht mehr lebte. Als er noch im Zuchthaus saß, hatte ihr das nichts ausgemacht.

Jetzt fühlte sie sich ungeheuer einsam.

Deshalb stoppte sie vor der Tür einer kleinen Konditorei, betrat den Laden und trank am Stehpult eine Tasse Kaffee. Sie selbst wohnte in der Hayd Street, einer schmalen Nebenstraße der Minories Street. Hier standen die Häuser dicht an dicht, und wenn man auf den Speicher des Hauses kletterte, konnte man bis zum Tower, dem berühmten Londoner Wahrzeichen, schauen.

Aber daran hatte die leidgeprüfte Witwe kein Interesse. Müde stieg sie die Treppen zum zweiten Stock hoch. Im Flur roch es muffig. Die Feuchtigkeit kroch aus allen Wänden. Der Lack des Flursockels blätterte ebenfalls ab.

Erst jetzt merkte Mary wie mies dieses Haus doch war. Mies und einsam.

Sie schloss die Tür auf.

In ihrer Wohnung herrschte Dämmerlicht. Schemenhaft nur war die an der Garderobe hängende Kleidung zu erkennen. Mary schloss die Tür. Die Diele war schmal, mehr nur ein Korridor.

Mary...

Erscheint lt. Verlag 20.5.2015
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-2841-6 / 3838728416
ISBN-13 978-3-8387-2841-4 / 9783838728414
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