Glutröte (eBook)
400 Seiten
Lyx.digital (Verlag)
978-3-8025-9983-5 (ISBN)
Jane Lyons ist Polizistin in Hopewell Falls. Am Rande der Kleinstadt stehen verlassene Fabrikanlagen, die schon öfter Brandstiftung zum Opfer fielen. Als eines Tages wieder eines der Gebäude in Flammen aufgeht, kann Jane in letzter Sekunde eine Frau retten, die bei lebendigem Leibe verbrennen sollte. Bei ersten Untersuchungen findet die Feuerwehr außerdem ein Fass mit einer Frauenleiche. Die Spuren führen Jane zu dem größten Verbrechen, das je in Hopewell Falls begangen wurde - und das ihr Vater einst nicht aufklären konnte ...
<p>M. P. Cooley wuchs in Auburn und Albany, NY, auf, besuchte das Barnard College und arbeitet seit mehr als zehn Jahren im Verlagswesen, wo sie sich auf Business-Literatur spezialisiert hat. Derzeit lebt sie in Campbell, Kalifornien.</p>
M. P. Cooley wuchs in Auburn und Albany, NY, auf, besuchte das Barnard College und arbeitet seit mehr als zehn Jahren im Verlagswesen, wo sie sich auf Business-Literatur spezialisiert hat. Derzeit lebt sie in Campbell, Kalifornien.
2
Das Feuer brannte schnell, und die Feuerwehrleute zogen sich zurück, als das Gebäude das Obergeschoss verlor. Inzwischen waren Einsatzkräfte aus Waterford, Colonie, Half Moon und Troy eingetroffen, auch aus Menands und Albany war schon Verstärkung im Anmarsch. Im Erdgeschoss wurde mit Schläuchen gelöscht, und Feuerwehrleute auf Leitern ließen Wasser auf das Dach prasseln. Ein Helikopter des Landverwaltungsamtes des Staates New York raste auf uns zu, vollgetankt mit Flammschutzmittel. Zwei Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr wässerten die ehemalige Textilfabrik Harmony Mill auf der anderen Straßenseite, damit sie nicht durch Funkenflug auch noch in Flammen aufging. Da alle Gebäude so nah beieinander lagen, waren die Löscharbeiten enorm aufwendig.
Die Sonne war untergegangen, so wirkte das Feuer noch höllischer, es warf rote, orangefarbene und gelbe Schatten auf die Hügel, die sich dahinter erhoben, sodass es aussah, als stünde die ganze Stadt in Flammen. Sogar noch in über einem Block Entfernung, wo ich den Verkehr umleitete, lief mir vor Hitze der Schweiß den Rücken hinunter.
Lisa Jones, die Feuerwehrchefin von Menands, die den Brand am westlichen Perimeter überwachte, informierte mich: »Viele dieser alten Fabriken sind praktisch Holzlager mit vier Wänden drumherum. Sie wissen schon, Gebäudeklasse III.«
Ich hatte keine Ahnung, was Gebäudeklasse III war, und sagte es ihr.
»Die alte Holzrahmenbauweise. Holzböden, Holzdecken, hölzerne Tragebalken, alles aus Holz, außer den Wänden. Und weil die durch den langjährigen Betrieb mit Chemikalien gesättigt sind, brennen die Gebäude schnell.«
»Und wenn noch Benzin dazukommt?«
»Nicht zu löschen.«
Nicht, dass die Feuerwehr es nicht versucht hätte. Fast eine Stunde lang kippten sie alles drauf, was sie hatten. Ich übernahm Absperrung und Verkehrskontrolle und machte nur kurz Pause, um ein paar Stiefel überzuziehen, die mir eine Einheit der Feuerwehr geliehen hatte, so groß, dass meine Füße mitsamt Schuhen hineinpassten. Sie machten das Gehen schwierig, waren aber notwendig, weil sich meine benzingetränkten Schuhe in meinen persönlichen Scheiterhaufen verwandeln würden, wenn Funken sie trafen. Dave traf an der Brandstelle ein, winkte mir zu und joggte los, um zwei Straßen weiter vorne den Verkehr umzuleiten. Die Flammen schlugen höher, und wir mussten den ganzen Hügel absperren.
Chief Donnelly in einem unserer Streifenwagen hielt neben mir.
»Ist die verbrannte Frau unser Feuerteufel?«, fragte er.
»Habe sonst niemanden vor Ort gesehen, und sehe hier auch niemanden«, – ich suchte die Menge der Gaffer ab, weil Brandstifter ihrem Werk oft gerne zusahen – »der ungewöhnliches Interesse an dem Feuer zeigt.«
»Dieses Feuer hat Massen angelockt«, sagte der Chief. »Wahrscheinlich stellen sie sich vor, es war der Geist von Luisa Lawler.«
Die Sleep-Tite-Fabrik galt bei den meisten Leuten als verflucht. Sie hatte Bernie Lawler gehört, ein Name, der bei mir zu Hause von besonderer Bedeutung war. 1983 hatte Bernie Lawler seine Frau Luisa und ihren dreijährigen Sohn Teddy ermordet. Die Leichen waren nie gefunden worden, aber es gab jede Menge Indizienbeweise: Zeugenaussagen über Misshandlung, Blutspritzer überall an den Kellerwänden, und das Schlimmste, blutige Handabdrücke auf der Unterseite von Bernies Kofferraumdeckel, aus dem Luisa vergeblich zu fliehen versucht hatte. Es war meinem Dad zu verdanken, dass Bernie gefasst wurde und ins Gefängnis kam. Er war immer noch dort.
Aus einigen Meilen Entfernung sah ich, wie auf dem Dach des Memorial-Krankenhauses ein Helikopter landete, der mein Verbrennungsopfer innerhalb von zehn Minuten zur regionalen Verbrennungsklinik in Albany bringen würde. Wie es hieß, hatte man es im Memorial geschafft, ihr eine Infusion zu legen, und sie mit Flüssigkeit vollgepumpt. Die Diagnose lautete auf Verbrennungen zweiten und dritten Grades, aber ansonsten blieb man vage und überließ die ausführliche Diagnose den Experten in Albany.
Als ich den Himmel betrachtete, sah ich einen Scheinwerfer über dem Hudson, der sich schnell näherte. Der Helikopter des Landverwaltungsamtes. Das Flammschutzmittel, das er brachte, war unsere größte Hoffnung. Gleich würde hier alles von rotem Schaum überzogen sein – das Gebäude, der ganze Block und auch die Menge, wenn es mir nicht gelang, sie zurückzudrängen.
Ich hatte es etwa fünf Meter weit geschafft – mehrere Hundert Gaffer waren angesichts einer Katastrophe dieser Größenordnung nur schwer zum Gehen zu bewegen. Das Feuer schoss abrupt in die Höhe wie ein helles römisches Licht und verschwand dann aus der Sicht. Das Gebäude ächzte wie ein sterbender Dinosaurier, und dann stürzte das Dach ein, gefolgt von einem Krachen, als Dach und erster Stock ins Erdgeschoss durchbrachen, woraufhin mit einem Schlag wie Donnerhall alles in den Keller darunter krachte. Ich hatte eine Ascheschicht im Mund und spuckte aus. Dann sah ich zu, wie die Wände des Gebäudes, jetzt nicht mehr abgestützt, schwankten und nach innen einstürzten, zuerst die beiden am Hügel, eine Minute später die zur Straße.
Das Feuer war besiegt. Nicht komplett gelöscht, aber kontrollierbar. Der Helikopter versprühte seine Ladung, der rote Schaum platschte genau in die Mitte der Ruine, und alle Einsatzkräfte der Feuerwehr rückten vor und löschten einzelne Stellen, wo Flammen durch den Ziegelschutt leckten, das Feuer zu einem langsamen Schwelbrand reduziert.
Es war vorbei, wenn auch noch nicht überstanden.
Nachdem wir den größten Teil der Menge zerstreut hatten, trafen State Trooper ein, um die Verkehrskontrolle zu übernehmen, und Dave und ich nutzten die Gelegenheit und fuhren zur regionalen Verbrennungsklinik nach Albany. Wir wollten nach unserem Verbrennungsopfer sehen und wenn möglich auch mit ihr reden.
»Ich sollte meinen Bruder anrufen. Lucas würde glatt die Triumphparade anführen«, sagte Dave und fuhr von der 787 ab, auf das St. Peter-Krankenhaus zu.
»Parade?«
»Er hat früher mal bei Sleep-Tite gearbeitet und hätte praktisch alles getan, um da rauszukommen. Jobs in geschlossenen Räumen machen ihn verrückt.«
»Dann muss er es ja lieben, Barmann zu sein.«
»Na ja, Alk liebt er noch mehr als Frischluft.« Er lächelte. »Er hat bei Sleep-Tite die Frühschicht gemacht, und ich kann dir gar nicht sagen, wie oft ich davon aufgewacht bin, dass mein Dad an seine Tür klopfte und Lucas sagte, er solle seinen faulen Arsch aus dem Bett kriegen. Natürlich hätte mein Dad nie diese Worte benutzt. Geflucht hat er auf Ukrainisch.«
Wir hielten an einer Kreuzung, die Kathedrale im neogotischen Stil links von uns, das hässliche moderne Hochhaus der Landesbehörden zu unserer Rechten. »Ging es deinem Vater darum, ihm eine gute Arbeitsethik beizubringen?«
»Schon, aber es war auch wegen … Mom machte damals die Nachtschicht bei Sleep-Tite, und mein Dad ließ sie nach Schichtende nicht gern warten. Er machte sich Sorgen, dass ihr langweilig würde, und wenn das passierte, war sie imstande, loszuziehen und sich auf Teufel komm raus zugrunde zu richten. Er hatte recht damit. Als sie zum letzten Mal verschwand, kam sie von der Arbeit. Sie ist auf Sauftour gegangen, dann hat sie Tante Natalyas Wagen geklaut und ist damit losgebraust.« Er fuhr auf den Parkplatz des St. Peter-Krankenhauses, ließ sein Fenster herunter und drückte auf einen Knopf. Das Gerät spuckte einen Parkschein aus, Dave klemmte ihn hinter die Sonnenblende. »Ich schätze, ich hasse Sleep-Tite auch ein wenig.«
Ich verspannte mich, als wir durch die Gänge von St. Peter gingen. Im Endstadium von Kevins Krankheit war es mir gelungen, Krankenhäuser zu meiden, aber bevor die Lage hoffnungslos wurde, waren die Tage meines Mannes mit Arztterminen ausgefüllt gewesen, einer nach dem anderen: Onkologen, Lungenspezialisten, Schmerzspezialisten und die ganze diagnostische Maschinerie, MRT, Röntgen, Blutuntersuchungen – die Liste war endlos.
Wir gelangten zur Verbrennungsintensivstation, und ein Schild an der Tür wies uns an, uns im Schwesternzimmer zu melden. Dort angekommen, erklärten wir einem Pfleger in weißer OP-Kleidung, wer wir waren und warum wir gekommen waren.
»Ich habe Gayle angepiepst. Es ist ihre Patientin«, sagte er. »Ich nehme an, Sie wollen die Patientin sehen?«
»Für ein paar Fragen.«
Er reichte uns Krankenhauskittel aus Papier, Überschuhe und OP-Hauben. »Ziehen Sie das an.«
Eine Schwester Mitte fünfzig eilte aus einem Krankenzimmer. Auch sie trug den weißen Kittel des Pflegepersonals auf dieser Station, und ihre Crocs quietschten bei jedem Schritt.
»Sie sind wegen unserer namenlosen Patientin hier?«, fragte sie.
Ich griff unter meinem Kittel nach meiner Dienstmarke.
»Man sieht Ihnen schon vom anderen Ende des Ganges an, dass Sie Cops sind«, sagte sie. »Wie können wir Ihnen helfen?«
»Das Verbrennungsopfer hat große Schmerzen, das wissen wir«, sagte ich. »Aber wir müssen ihr einige Fragen stellen.«
»Wir konnten sie gerade erst einigermaßen stabilisieren. Ihr Blutdruck spielt immer noch verrückt …«
»Eine Frage«, sagte Dave. »Wir brauchen ihren Namen.«
»Sie ist bewusstlos«, sagte Gayle. »Schon seit ihrer Einlieferung.«
»Ihre Gesundheit gefährden ist das Letzte, was wir wollen«, sagte ich. »Aber könnten Sie vielleicht die Dosis ihrer Medikamente reduzieren? Wir müssen sie nur eine Minute wecken und nach ihrem Namen fragen, und vielleicht noch, wer...
| Erscheint lt. Verlag | 4.2.2016 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Hopewell Falls |
| Hopewell Falls | Hopewell Falls |
| Übersetzer | Katrin Kremmler, Lisa Kuppler |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Flame Out |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | FBI • Kleinstadt • Krimi • Mord • Polizei • Tami Hoag • Tana French • Thriller • USA |
| ISBN-10 | 3-8025-9983-7 / 3802599837 |
| ISBN-13 | 978-3-8025-9983-5 / 9783802599835 |
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