KGI - Riskante Vergeltung (eBook)
448 Seiten
Lyx.digital (Verlag)
978-3-8025-9982-8 (ISBN)
Die beiden Scharfschützen P. J. und Cole waren Rivalen im KGI-Team, bis sie eines Nachts der Leidenschaft nachgaben, die zwischen ihnen schwelte. Als danach eine Mission auf schreckliche Weise schiefging, verließ P. J. das KGI-Team und tauchte unter. Sechs Monate später lässt Cole nichts unversucht, um P. J. wiederzufinden - die Frau, die sein Herz berührt hat wie keine andere zuvor. Doch P. J. befindet sich auf einem gefährlichen Rachefeldzug ...
<p>Maya Banks lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Texas. Wenn sie nicht schreibt, unternimmt sie gern Reisen mit ihrer Familie.</p>
Maya Banks lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Texas. Wenn sie nicht schreibt, unternimmt sie gern Reisen mit ihrer Familie.
1
P. J. Rutherford ließ sich auf ihrem Stuhl zurückfallen und schwang die Beine samt Stiefel auf den Tisch. Dann zog sie den Cowboyhut tief ins Gesicht und starrte durch die dichten Rauchschwaden hindurch zu der Band, die sich am anderen Ende des Raums gerade für ihren Auftritt bereit machte.
Die Bedienung knallte eine Flasche Bier direkt neben P. J.s Stiefel und tänzelte dann sofort weiter. Offenbar interessierte sich die gute Frau ausschließlich für männliche Gäste, mit denen sie flirten konnte.
P. J. war keine Plaudertasche. Noch nie hatte sie hier mit irgendjemandem auch nur ein Wort gewechselt. Als Stammkundin konnte man sie insofern nicht bezeichnen, obwohl sie im Grunde genommen trotzdem eine war.
Dies war die Kneipe, in der sie sich zwischen zwei Missionen zu entspannen pflegte. Die meisten Menschen würden diese Spelunke nicht als geeigneten Ort ansehen, um Ruhe und Erholung zu finden. Aber P. J. gefiel es. Hier konnte sie ein paar Bier kippen, Passivrauchen, sich von schlechten Cover-Songs das Gehör schädigen lassen und hin und wieder ein paar Schlägereien mitansehen.
Als der Gitarrist ein besonders schlechtes Riff zum Besten gab, zuckte sie zusammen, dann jaulte auch noch das Mikrofon entsetzlich. Was für Amateure! Wahrscheinlich war dies ihr erster öffentlicher Auftritt, und P. J. würde vermutlich nicht nur halb taub nach Hause gehen, sondern auch noch einen Haufen Ibuprofen gegen die Kopfschmerzen einwerfen müssen, die sie zweifelsohne bekommen würde.
Aber immer noch besser, als den Abend allein in ihrer Wohnung herumzusitzen und unter Jetlag zu leiden. Obwohl: War Jetlag überhaupt der richtige Ausdruck? Sie hatte seit drei Tagen nicht mehr geschlafen. Inzwischen war sie so müde, dass sie am liebsten den Kopf auf die Arme gelegt hätte und an Ort und Stelle eingeschlafen wäre. Nur funktionierte das leider nicht, denn die letzte Mission hatte in ihr so viel Adrenalin freigesetzt, dass sie vollkommen überdreht war.
Sie war angespannter als eine verrostete Sprungfeder, und ihre Muskeln würden sich heute Abend nicht mehr lockern.
Die große rührselige Feier bei den Kellys, komplett mit einer Doppelhochzeit, innigen Liebesschwüren, Babys und so viel sonstigem Bockmist, dass sich einem der Magen umdrehte, hatte auch nicht gerade geholfen.
Es war ja nicht so, dass sie sich in eine Zynikerin verwandelt hatte, die beim Thema Liebe sofort die Augen verdrehte. Sie las unheimlich gern Liebesromane und verteidigte sie wie eine Furie, wenn jemand sie deswegen blöd anmachte.
Aber manchmal übertrieb es der Kelly-Clan ein bisschen mit dieser bedingungslosen Zuneigung und Hingabe. Wurde von denen nie jemand sauer und brach einen Streit vom Zaun?
Tja, dachte P. J. und seufzte. Um das zu erleben, würde sie echt was springen lassen.
Sie fühlte sich in diesem Kreis einfach fehl am Platz, deshalb hielt sie sich lieber an ihr Team. Sollte Steele doch mit Sam und Garrett Kelly die neuesten Einsatzpläne verhandeln. Sie persönlich hielt sich da raus und folgte lieber ihrem Teamführer. Und sollte Steele eines Tages damit beginnen, ebenfalls diesen kitschigen Schmusekurs einzuschlagen, würde sie einfach kündigen und ihr Gewehr an den Nagel hängen.
Sie mochte Steele. Sie wusste, woran sie bei ihm war. Immer. Er schmierte niemandem Honig ums Maul. Wenn man Scheiße baute, musste man dafür geradestehen. Wenn man seine Aufgabe erfüllte, sang er keine Lobeshymnen. Jedenfalls nicht dafür, dass man einfach seinen Scheißjob erledigte, wie er das ausdrückte.
Außerdem mochte sie ihr Team. Okay, Coletrane war zwar eine Nervensäge. Aber eine süße Nervensäge und dazu harmlos. Zudem war er die perfekte Zielscheibe für allerlei Scherze. Fast zu perfekt. Er biss wirklich auf jeden Köder an, den man ihm vor die Nase hielt.
Sie war die bessere Scharfschützin. Das gestand sie sich ohne falsche Bescheidenheit zu. Dennoch gab es zwischen Cole und ihr eine gesunde Rivalität bei der Arbeit. Das brachte sie beide weiter, machte sie besser, und ihre Beziehung blieb locker und zwanglos. So, wie sie es mochte.
Als der Song zu Ende ging, seufzte P. J. erleichtert auf. Die Band wollte offenbar eine Pause machen, aber in ihren Ohren dröhnte es noch von dem Lärm. Sie griff nach ihrem Bier, als sie drei Männer durch die Tür kommen sah. Ihre Hand begann so sehr zu zittern, dass sie fast die Flasche umgeworfen hätte. Ihr wurde flau im Magen, und sie überlegte kurz, ob sie nicht auf die Toilette verschwinden sollte.
Aber ebenso schnell, wie die Panik gekommen war, löste sie sich auf und wurde durch Wut ersetzt. Wieso sollte sie sich eigentlich verstecken? Sie hatte nichts Unrechtes getan. Ihr Ex und seine Kumpel hatten sie hängen lassen, nicht umgekehrt.
P. J. wandte den Blick ab, konzentrierte sich auf einen Gegenstand am anderen Ende der Bar und hoffte, die Typen würden sie nicht bemerken. Aus dem Augenwinkel heraus sah sie allerdings, dass Derek in ihre Richtung schaute und sie prompt entdeckte.
Er erstarrte förmlich, ehe er Jimmy und Mike anstupste und auf sie deutete.
Scheiße! Da kamen sie schon. Das hatte ihr gerade noch gefehlt, noch dazu an einem Abend, an dem sie sich sehnlichst gewünscht hatte, allein zu sein.
Sie starrte noch immer zur hinteren Wand, als Derek sich vor ihr aufbaute und ihr die Sicht versperrte. Langsam hob sie den Kopf, setzte eine leicht gelangweilte Miene auf und blickte ihm direkt ins Gesicht.
»Hier hängst du jetzt also rum, P. J.«, sagte er. »Hätte nicht gedacht, dass du auf solche Bruchbuden stehst.«
Der herablassende Tonfall zerrte an ihren Nerven.
»Geh mir aus dem Licht, Derek.«
Er zog die Stirn in Falten und grinste sie spöttisch an. »Das hast du früher nicht gesagt. Natürlich war das, bevor du beschlossen hast, auf dein Team zu scheißen. Wo arbeitest du denn momentan? Hier doch bestimmt nicht, oder? Du hast nicht ganz die Figur dafür.«
Die alte P. J. hätte ihm jetzt schon eine geknallt. Die neue P. J. …
Scheiß drauf. Was sprach gegen die alte P. J.?
Sie stand auf, schob den Hut nach hinten und warf den drei Männern einen eisigen Blick zu. Früher waren sie eine eingeschworene Gemeinschaft gewesen, sie alle vier. Derek und sie waren zwei Jahre lang ein Paar gewesen. Begonnen hatte es fast unmittelbar, nachdem P. J. Mitglied des SWAT-Teams geworden war, obwohl Derek und sie es geschafft hatten, die Beziehung geheim zu halten und hinter ihrer Freundschaft zu verbergen. Einer Freundschaft, die sie auch mit Jimmy und Mike verbunden hatte.
Jetzt grinste Derek hämisch – fast, als würde er erwarten, dass sie sich umdrehte und davonlief. Denn das konnte sie. Davonlaufen.
Diesmal nicht.
P. J. holte aus und schlug ihm die Faust auf die Nase.
Dereks Kopf flog nach hinten, und er taumelte ein paar Schritte rückwärts.
Er griff sich an die Nase. Als er Blut an den Fingern entdeckte, kam er drohend auf sie zu. Sie ließ sich von dem Arschloch aber nicht einschüchtern und wich keinen Millimeter zurück.
»Was soll der Scheiß?«, schrie er sie an.
»Das hätte ich schon vor langer Zeit tun sollen«, antwortete sie. »Jetzt hör mir mal gut zu, du Schlappschwanz. Du und deine beiden laschen Kumpels, ihr geht mir komplett am Arsch vorbei. Tut uns allen den Gefallen, und verpisst euch.«
»Einmal Schlampe, immer Schlampe, was, P. J.?«, höhnte Mike.
»Glaub, was du willst, Mike«, erwiderte sie. »Ich bin mit gutem Gewissen ausgestiegen. Kannst du von dir das Gleiche behaupten?«
Mike lief rot an und schnaubte vor Wut. Er wollte auf sie losgehen, aber Jimmy hielt ihn zurück.
»Was soll das, Alter? Willst du in aller Öffentlichkeit mit einer Frau eine Schlägerei anfangen?«
»Meinetwegen gern«, sagte P. J. genüsslich. »Ich kann es kaum erwarten, dich auf die Bretter zu schicken.«
»Was ist bloß aus dir geworden, P. J.?«, mischte sich Derek ein. »Früher warst du nicht so gefühllos.«
»Entschuldige bitte, wenn ich mich nicht überschlage, um mich von dir in den Arsch ficken zu lassen. Das ist ja deine Spezialität. Ich war nicht korrupt, im Gegensatz zu dir und deinen Kumpels. Ihr wolltet, dass ich beide Augen zudrücke, und als ich das nicht gemacht habe, habt ihr mich im Regen stehen lassen. Ihr könnt mich mal. Und jetzt haut endlich ab.«
Sie war so auf ihre früheren Kollegen fixiert, dass sie den Neuankömmling erst bemerkte, als der einen Arm um ihre Taille legte und sie an sich zog.
»Tut mir leid, dass ich zu spät bin, Liebling«, sagte Cole. »Wer sind denn deine kleinen Freunde hier?«
Sie erstarrte, wie unter Schock. Nur ihr Mund schien noch zu funktionieren, denn er klappte plötzlich nach unten. Cole überspielte ihre Verwunderung, indem er rasch seine Lippen auf ihre drückte und sie intensiv küsste.
P. J. war so entgeistert, dass sie wehrlos hinnahm, wie seine Zunge ihren Mund schändete.
Was für ein blöder Ausdruck. Das Wort kam oft in ihren altmodischen Liebesromanen vor, und als Teenager hatte sie bei der Vorstellung, geschändet zu werden, kichern müssen. Aber so gründlich, wie Cole gerade ihren Mund erkundete, schien das der passende Ausdruck zu sein.
Als Cole sich schließlich zurückzog, funkelte eine gewisse Belustigung in seinen blauen Augen. Seine Haare waren etwas länger als gewöhnlich, sodass sie oben am Kopf leicht hochstanden. Zweifelsohne war da mit Gel etwas nachgeholfen worden. Damit würde sie Cole später...
| Erscheint lt. Verlag | 14.1.2016 |
|---|---|
| Reihe/Serie | KGI-Reihe |
| KGI-Reihe | KGI-Reihe |
| Übersetzer | Richard Betzenbichler, Katrin Mrugalla |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Shades of Gray |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | für Frauen • Kelly Brüder • Lady Thriller • leidenschaftlich • Liebe • Liebesroman • Romantic Suspense • Romantic Thrill • romantisch • romantische Spannung • spannend |
| ISBN-10 | 3-8025-9982-9 / 3802599829 |
| ISBN-13 | 978-3-8025-9982-8 / 9783802599828 |
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