Geschwärzt (eBook)
500 Seiten
Lyx.digital (Verlag)
978-3-8025-9977-4 (ISBN)
Als der bekannte Softwareentwickler Peter Bräuning wegen einer schweren Sexualstraftat in den Maßregelvollzug eingeliefert wird, bekommt die Ärztin Regina Bogner bald Zweifel: Ist der junge Mann tatsächlich zu einer grausamen Tat fähig? Immer wieder beteuert Bräuning seine Unschuld, doch die Beweise sprechen gegen ihn. Ausgerechnet Reginas Tochter Anabel wird zu seiner einzigen Fürsprecherin - und verstrickt sich ohne Reginas Wissen immer mehr in der Grauzone zwischen Recht, Gesetz und Selbstjustiz ...
<p>Antonia Fennek ist das Pseudonym der Autorin Melanie Metzenthin, unter dem sie Thriller schreibt. Die Autorin wurde 1969 in Hamburg geboren, wo sie auch heute noch lebt und als promovierte Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie arbeitet. Während ihrer beruflichen Tätigkeit hat sie unter anderem mehrere Jahre lang als Ärztin im psychiatrischen Maßregelvollzug mit psychisch kranken Straftätern gearbeitet. Beim Schreiben ihrer Romane greift sie gern auf ihre beruflichen Erfahrungen zurück, um aus ihren fiktiven Charakteren glaubhafte Figuren vor einem möglichst realistischen Setting zu machen.</p>
Antonia Fennek ist das Pseudonym der Autorin Melanie Metzenthin, unter dem sie Thriller schreibt. Die Autorin wurde 1969 in Hamburg geboren, wo sie auch heute noch lebt und als promovierte Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie arbeitet. Während ihrer beruflichen Tätigkeit hat sie unter anderem mehrere Jahre lang als Ärztin im psychiatrischen Maßregelvollzug mit psychisch kranken Straftätern gearbeitet. Beim Schreiben ihrer Romane greift sie gern auf ihre beruflichen Erfahrungen zurück, um aus ihren fiktiven Charakteren glaubhafte Figuren vor einem möglichst realistischen Setting zu machen.
1
»Ich glaube, sie sind da«, sagte Oberarzt Mark Birkholz und leerte seine Kaffeetasse.
Regina nickte. Auch sie hatte das Klappen der schweren Stationstür gehört, dem mehrere Schritte folgten. Sie seufzte. Zu dumm, dass ihr Kollege Proser sich an diesem Tag krank gemeldet hatte. So blieb ihr nichts anderes übrig, als den Neuzugang selbst aufzunehmen.
Mark erhob sich. »Kommst du, Regina?«
Sie trank ebenfalls noch einen Schluck Kaffee, dann stellte sie die Tasse auf dem Tisch im Sozialraum ab und folgte dem Oberarzt auf den Stationsflur. Wie immer, wenn Neuaufnahmen auf der Aufnahmestation des psychiatrischen Maßregelvollzugs erwartet wurden, war der Flur leer. Die Patienten befanden sich im Einschluss. Nur die drei Pfleger warteten gemeinsam mit den Ärzten im Vorraum der Eins; jener gesicherten Zelle, in der jeder Neuling die ersten Tage verbrachte, bis man ihn besser einschätzen konnte.
Regina erinnerte sich gut daran, wie froh sie gewesen war, dass Dr. Proser die nächste Neuaufnahme übernehmen würde, als sie zum ersten Mal einen Blick in die Akte dieses Patienten geworfen hatte. Peter Bräuning war sein Name, sechsundzwanzig Jahre alt. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder betrieb er die Softwarefirma Jubra-Games, die in den vergangenen drei Jahren vom Kleinunternehmen zu einem der Marktführer aufgestiegen war. Eine Bilderbuchkarriere. Aber dann war bekannt geworden, dass Peter Bräuning einen dreizehnjährigen Jungen missbraucht und Hunderte Kinderpornos auf seiner Festplatte gehortet hatte. Der Skandal hatte die Boulevardpresse mehrere Wochen lang beschäftigt.
Noch während sich die Schritte der Eins näherten, überlegte Regina, wie dieser Peter Bräuning wohl aussehen mochte. Das einzige Foto, das sie in der Zeitung gesehen hatte, war ein undeutliches Schwarz-Weiß-Bild gewesen, das ihn beim Verlassen des Gerichtsgebäudes zeigte, das Gesicht hinter einem Aktendeckel verborgen. Sie hatte schon viele Sexualstraftäter aufgenommen. Da gab es die überheblichen Machos, aber auch freundliche, unauffällige Zeitgenossen, denen niemand so etwas jemals zugetraut hätte.
Der Mann, der kurz darauf in Begleitung zweier Justizvollzugsbeamter in die Zelle gebracht wurde, gehörte zweifelsfrei in die zweite Kategorie – der nette Junge von nebenan. Er war schlank, hatte aber kräftige Oberarm- und Schultermuskeln, die sich unter seinem hellblauen Poloshirt abzeichneten. Dazu trug er Jeans und Sneakers. Sein dunkelbraunes Haar war kurz geschnitten und das Gesicht glatt rasiert. Der Blick der hellbraunen Augen wirkte unsicher, beinahe ängstlich, und schien so gar nicht zu seiner Körperhaltung zu passen. Wie ein in die Enge getriebenes Tier. Möglicherweise hätte dieser fahrige Blick sogar ihr Mitleid erregt. Doch sofort musste sie an die Urteilsbegründung denken, die sie ein paar Tage zuvor gelesen hatte. Er hatte den Dreizehnjährigen in sein Auto gelockt, ihn gefesselt und dort missbraucht. Die Indizien waren eindeutig, Spermaspuren des Täters, Haare des Opfers in Bräunings Auto und die eindeutigen Verletzungen des Jungen. Danach hatte er das hilflose Kind in einem Waldstück gefesselt ausgesetzt, wo es mit Unterkühlungen von Passanten gefunden worden war. Der Junge hatte sich trotz des Schocks das Autokennzeichen gemerkt und auch eine sehr genaue Beschreibung des Täters abgeben können, die sofort zu Peter Bräuning geführt hatte. Im weiteren Verlauf der Ermittlungen hatte die Polizei auf seiner Festplatte Kinderpornos gefunden und Zugangscodes zu einschlägigen Tauschbörsen.
Trotz dieser erdrückenden Beweise hatte Bräuning bis zuletzt geleugnet. Regina erinnerte sich noch gut an das psychiatrische Sachverständigengutachten. Der Gutachter war von einer schizoiden Persönlichkeitsstörung mit gehemmt-aggressiven Zügen und einer daraus resultierenden unreifen, sadistisch geprägten Sexualität ausgegangen, die nur im Umgang mit Unterlegenen zum sexuellen Höhepunkt führen könne. Aufgrund dessen sei Bräuning zwar in der Lage gewesen, das Unrecht seiner Tat zu erkennen, habe aber nicht vermocht, entsprechend dieser Einsichtsfähigkeit zu handeln, sodass eine verminderte Schuldfähigkeit vorgelegen hatte. Da dies jederzeit wieder geschehen könne, sei er für die Allgemeinheit gefährlich. Der Gutachter hatte die Unterbringung im psychiatrischen Maßregelvollzug empfohlen. Das Gericht war dieser Empfehlung gefolgt.
In der Mitte der Eins war eine schmale Pritsche am Boden festgeschraubt. Am Kopf- und Fußende befanden sich metallene Ösen, an denen Hand- und Fußschellen befestigt waren. Normalerweise wurden diese Ketten nie gebraucht, es sei denn, ein Patient wurde so unerwartet aggressiv, dass man ihn sofort fixieren musste. Aber selbst dann wurden die Ketten nur vorübergehend genutzt, bis ein übliches Fixierungsbett mit Stoffgurten herbeigeschafft werden konnte.
Regina sah den verunsicherten Blick, mit dem Bräuning die Ketten musterte. Doch er sagte kein Wort. Auch nicht, als einer der begleitenden Justizbeamten ihm die Handschellen abnahm.
»Guten Tag«, begrüßte Mark den Neuzugang. »Mein Name ist Doktor Birkholz. Ich bin hier der Oberarzt.« Er hielt Bräuning die Hand entgegen, der sie zögernd ergriff. »Und das hier ist meine Kollegin Frau Doktor Bogner.« Mark wies auf Regina.
Bräunings Blick schweifte abermals verstohlen zu der Pritsche mit den Ketten.
Mark war seinem Blick gefolgt. »Müssen wir Angst vor Ihnen haben?«, fragte er.
»Nein, natürlich nicht«, erwiderte Bräuning mit so fester Stimme, wie Regina sie ihm aufgrund seines verunsicherten Blicks nicht zugetraut hätte.
»Gut, dann verschwinden die Ketten.« Mark gab zwei Pflegern ein Zeichen, die eisernen Fesseln zu entfernen.
Es war eines der üblichen Rituale – man zeigte dem Neuankömmling Vertrauen, nachdem er vom Anblick der Zelle eingeschüchtert worden war. Klare Grenzen waren in diesem Umfeld das Wichtigste, wenn man sicher arbeiten wollte.
»Rauchen Sie?«, fuhr Mark mit der nächsten üblichen Frage fort.
Die meisten Patienten waren starke Raucher. Eigentlich erinnerte sich Regina nur an einen Mann, der dies von Anfang an verneint hatte. Niklas Rösch … Aber an den wollte sie nicht mehr denken.
»Nein«, antwortete Bräuning.
»Lobenswert«, bemerkte Mark.
Ob er dabei wohl auch an Rösch dachte?
Er ließ sich von einem der Pfleger die Akte mit den Patientendaten geben. »Sie sind also der technische Kopf hinter den Jubra-Games?«, fragte er dann.
»Ja.«
»Haben Sie auch Empire Star entwickelt?«
Regina sah das Erstaunen in Bräunings Miene, bevor er nickte.
»Dann können Sie mir doch bestimmt verraten, wie man bei Level zwölf die Tür zur Schatzkammer öffnen kann, oder?«
Die Verwirrung in Bräunings Blick wuchs. »Wozu wollen Sie das wissen?«
»Ich kenne jemanden, der seit drei Wochen daran scheitert.« Mark lächelte breit.
Regina war sich sicher, dass der Oberarzt die Wahrheit sagte, aber Bräuning starrte ihn an, als rechne er mit irgendeiner Hinterlist. Einen Moment lang war die Stille spürbar, und Regina befürchtete schon, Bräuning würde nichts mehr sagen, aber dann antwortete er doch.
»Sie brauchen dazu das Artefakt der Göttin Kali aus Level sieben«, erklärte er.
»Und dann?«
»Wenn ich Ihnen das auch noch verrate, wird es langweilig. Wollen Sie es wirklich wissen?« Wieder dieser Blick eines Mannes, der nicht einschätzen konnte, ob es wirklich um das Spiel ging oder ob er selbst einer Prüfung unterzogen wurde.
Mark schüttelte den Kopf. »Nein, das wird derjenige schon selbst herausfinden. Vielen Dank für den Tipp.« Der Oberarzt schaute wieder in die Akte. »Sie sind immer gesund gewesen?«
»Ja.«
»Und brauchen keine Medikamente?«
»Nein.«
»Gut. Frau Doktor Bogner kommt nachher noch einmal zu Ihnen, um Sie zu untersuchen. Haben Sie sonst noch Fragen?«
»Nein.«
»Nein?« Mark hob erstaunt die Brauen. »Die meisten Neuzugänge fragen, wie lange sie in diesem Raum bleiben müssen.«
»Wie lange?«, fragte Bräuning.
Es hörte sich nicht so an, als interessierte es ihn wirklich. Regina hatte viel mehr das Gefühl, er stelle diese Frage nur aus Höflichkeit, weil sie von ihm erwartet wurde.
»Je nachdem, wie gut Sie sich führen, können Sie morgen vermutlich schon am Stationsleben teilnehmen und in ein richtiges Zimmer verlegt werden.«
»Aha.«
Mark stutzte kurz, dann verließ er die Zelle. Regina und die Pfleger folgten ihm.
»Und, was hältst du von ihm?«, fragte Mark, nachdem sie wieder im Sozialraum saßen.
Regina zuckte mit den Schultern und griff nach ihrer Kaffeetasse. Der Kaffee war kalt geworden. Sie goss ihn in den Blumentopf, der in der Mitte des Tischs stand. Mark schüttelte bloß den Kopf.
»Ist guter Dünger«, sagte sie und schenkte sich heißen Kaffee nach. »Was soll ich schon von ihm halten? Einer von den Unscheinbaren, denen niemand zutraut, was hinter ihrer biederen Fassade vorgeht. Gibst du mir mal die Milch?«
Mark reichte sie ihr und bemerkte spitz: »Na, das nenne ich mal einen echten Milchkaffee. Oder nennt man das Milch mit einem Schuss Kaffee?«
Regina ging nicht darauf ein. »Danke. Warum hast du ihn eigentlich nach diesem komischen Spiel gefragt? Hast du damit etwas Besonderes bezweckt?«
»Frederik ist ganz fasziniert von Empire Star. Aber wir hängen beide auf Level zwölf fest.«
»Ach so.« Sie lachte leise vor sich hin. »Klappt es jetzt mit den Wochenenden bei...
| Erscheint lt. Verlag | 14.1.2016 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Schwarzweiß-Serie |
| Schwarzweiß-Serie | Schwarzweiß-Serie |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Entführung • Hamburg • Irrenhaus • Maßregelvollzug • Mo Hayder • Psychiater • Psychologin • Sexualstraftäter • Tess Gerritsen • Thriller • Unschuldig |
| ISBN-10 | 3-8025-9977-2 / 3802599772 |
| ISBN-13 | 978-3-8025-9977-4 / 9783802599774 |
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