John Sinclair 22 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2776-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair! Dieser Roman ist zum ersten Mal in der 4. Auflage von 1991 - 1996 der Romanheftreihe erschienen. Das Horror-Spielzeug. Das Spielzeugpferd sah auf seinen dünnen Spinnenbeinen so aus, als würde es jeden Augenblick umfallen. Aber es blieb trotzdem stehen. Bis es plötzlich zu zittern begann! Alle hatten es gesehen. 'Scheiße!' Ein Stöhnlaut wehte durch die Stille, als sich das Tier bewegte. Diesmal nicht an den Beinen, es klappte sein Maul auf und zeigte mörderische Reißzähne. Etwas zischte - dünner Dampf drang aus dem Rachen. Kleine Wolken breiteten sich als stinkender Qualm innerhalb des Kartenzimmers aus... John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Seine Gedanken brachen ab.
Zwei Hände legten sich um seinen Hals. Ihr Druck war sehr stark und hinderte ihm am Schreien. Mickey hatte seine Angst laut hervorrufen wollen, um eine der Schwestern aus dem Schlaf zu reißen, aber die bösen Buben waren schneller gewesen.
Nur ein Gurgeln drang über seine Lippen. Ein zweiter Körper warf sich schräg auf ihn, der dritte Junge stand da und schaute auf ihn nieder. Er wartete auf eine weitere Bewegung, mit der sich Mickey wehren würde, um dann einzugreifen, aber Mickey blieb liegen.
Starr, steif – tot!
Ja, ich bin tot, dachte er. Ich bin tot, und alles ist gar nicht so schlimm.
Er war nicht tot. Er hörte die Geräusche in seiner Umgebung, und er vernahm vor allen Dingen den keuchenden Atem der drei Jungen, der sein Gesicht streifte.
»Du bist doch ruhig, nicht?«
Mickey versuchte ein Nicken. Es gelang ihm nicht, weil er auf dem Rücken lag. Er deutete es zumindest an, was die drei kleinen Hundesöhne zufrieden registrierten.
Deshalb lockerte sich der Druck um seinem Hals, so dass er wieder atmen konnte.
»Stehst du auf?«
Warum?«
»Frag nicht so dumm.« Der Sprecher hieß Hank. Er war blond und trug das Haar ziemlich lang. Die Schwestern und das Personal ärgerten sich darüber, man hatte schon gedroht, es ihm abzuschneiden, aber Hank hatte sich erfolgreich dagegen gewehrt. Es war so etwas wie ein Anführer in diesem Waisenhaus. Was er sagte, wurde getan.
Mitgebracht hatte er Tommy und Sugar.
Sugar, ein etwas dicker Junge mit einem pausbäckigen Gesicht, war schon immer so genannt worden. Weil er so süß und harmlos aussah, war er der Liebling der Schwester, doch keine wusste, was sich hinter dieser Fassade verbarg. Sugar war gemein, hinterlistig, falsch-freundlich. Durch seine Freundlichkeit schaffte er es, die Frauen um den Finger zu wickeln, und er war zudem in der Lage, alle möglichen und unmöglichen Dinge zu besorgen.
Blieb noch Tommy.
Tommy, der Boxer, das kleine Kraftpaket. Der Stärkste aus der Jungenriege im Heim. Der hielt sich meist in Hanks Nähe auf und deckte ihm den Rücken, denn hin und wieder gab es Ärger, und dann trat eben der dunkelhäutige Junge auf den Plan, dessen Eltern aus irgendeiner ehemaligen britischen Kolonie stammten und den Jungen im Alter von zwei Jahren einfach an den Rand der Autobahn gesetzt und vergessen hatten.
»Willst du schreien?« fragte Hank.
Sugar kicherte. »Wenn er das tut, drehen wir ihm den Hals um und stopfen ihm Dornen in die Nasenlöcher.« Bei dieser Vorstellung kicherte er. Um das Lachen zu unterdrücken, presste er seine Hand gegen die Lippen.
»Ich schreie nicht«, flüsterte Mickey Mayer mit heiserer Stimme.
»Das ist gut.« Hank hatte sich auf die Bettkante gesetzt und weit nach vorn gebeugt. Sein Gesicht schwebte jetzt über dem des liegenden Jungen, und Mickey hatte das Gefühl, in die Augen eines Erwachsenen zu blicken. Sie kamen ihm plötzlich so kalt, alt und gleichzeitig auch wissend vor.
Mickey Mayer stellte sich dümmer, als er war. Er wusste natürlich, weshalb sie hier waren, trotzdem fragte er: »Was wollt ihr eigentlich von mir?«
Hank grinste breit. »So blöd bist du doch nicht, dass du es nicht weißt. Hast du denn noch nichts von unserer Mutprobe gehört, mein Kleiner ...?« Ja, die kannte Mickey. Eine Mutprobe musste jeder ablegen. Eingeführt worden war sie von diesem Trio. Es hatte sich auch herumgesprochen, aber die Nonnen und Schwestern kümmerten sich nicht um diese Jungenstreiche, wie sie die Mutproben nannten. Das sollten die Kinder unter sich selbst ausmachen. Auch im richtigen Leben gab es Hackordnungen. Je früher sie es am eigenen Leib verspürten, umso besser waren sie für das Leben vorbereitet.
Sekunden verstrichen. Sie taten den vier Jungen gut, die sich zunächst einmal erholen mussten. Allmählich normalisierte sich ihr Atem, sie keuchten nicht mehr so stark, aber die Tücke auf ihren Gesichtern blieb dennoch.
Es war nie ganz finster im Schlafsaal. Nahe der Tür brannte immer ein Licht. Eine weiße Kugellampe, die über der Tür an der Wand angebracht war, gab die matte Helligkeit ab. Zumindest diejenigen, die nahe der Tür lagen, konnten das Zifferblatt ihrer Uhr erkennen. Manche schafften es sogar, zu lesen.
Mickey erkannte die Gesichter seiner drei ›Freunde‹. Es waren immer noch die gleichen, dennoch sahen sie irgendwie anders aus. Nicht verzerrter, sondern glatter, und in ihren Augen lag ein kalter Glanz, vermischt mit einer gewissen Vorfreude.
Sie wussten über den Plan Bescheid, im Gegensatz zu Mickey. Der konnte nicht einmal ahnen, was ihn erwartete. Er hatte natürlich von den Mutproben gehört, aber sie waren eben immer verschieden gewesen. Da hatte ein Junge stundenlang in einem Kellerloch gehockt. Das wäre nicht einmal so schlimm gewesen, aber seine Mitbewohner waren Ratten gewesen, und der Junge hatte wochenlang noch schwere Albträume gehabt.
Einen anderen hatten sie auf die Schienen gelegt und ihn erst dann zurückgezogen, als die Lok des Zugs sehr nahe heran gewesen war.
Einen Dritten hatten sie in kaltes Wasser gelegt, ihn hin und wieder untergetaucht und die Nacht so zu einer beinahe endlosen Qual für ihn werden lassen.
Schlimme Dinge waren geschehen. Wie zum Beispiel die Sache bei den Klippen – so wurde das Gebiet um den alten Steinbruch genannt. Sie hatten einen Jungen hinabgestoßen, und erst im letzten Moment, kurz vor dem Aufprall, hatte sich das Seil gestrafft.
Die Erzieher hatten nichts erfahren. Sie waren sowieso überbeschäftigt und deshalb froh, sich nicht um die Jungen kümmern zu müssen. Sie sollten selbst damit fertig werden.
Jeder war mal an der Reihe.
Auch Mickey Mayer.
Der hatte Angst. Ihm war durch den Kopf geschossen, was sie alles mit den anderen Jungen angestellt hatte, und natürlich überlegte er auch, welche Gemeinheit sie sich für ihn ausgedacht hatte, doch er gelangte zu keinem Ergebnis.
Sugar griff in die Tasche und zog aus ihr eine Kleberolle hervor. Er zerrte noch keinen Streifen ab und fragte nur: »Soll ich sie dir über das Maul streifen?«
»Nein.«
»Dann wirst du ruhig sein?«
»Ja.«
»Brav, brav«, lobte Hank. »Ich freue mich, dass du so brav bist, mein Kleiner.«
Mickey schwieg. Er wollte nicht brav sein. Er wäre am liebsten aufgesprungen und hätte ihnen die Augen ausgekratzt, doch gegen drei stand er von vornherein auf verlorenem Posten. Von den anderen Jungen im Saal konnte er keine Hilfe erwarten. Zwar taten sie so, als würden sie schlafen, aber das stimmte nicht. Sie waren wach, wartete mit angehaltenem Atem und waren froh, dass der Kelch an ihnen vorbeigegangen war. Mickey kannte das, bei anderen Mutproben hatte er ähnlich reagiert.
»Dann ist ja alles klar!« stellte Hank fest.
Mickey schwieg. Er wartete. Aber sie ließen sich Zeit und schauten sich zunächst einmal an.
Bis Tommy mit dem Zeigefinger winkte. Die eine Bewegung reichte aus, um Mickey erkennen zu lassen, dass er sich auf richten sollte. Er tat es langsam, stemmte sein Gewicht auf die angewinkelten Arme und drückte sich dann höher.
Als er saß, umklammerte Sugar seine Beine. Er schwang sie nach rechts aus dem Bett. Dort stand der kleine Nachttisch. Neben ihm waren zwei Haken in die Wand geschlagen, an denen die Kleidung des Jungen hing. Er wollte danach greifen, aber Tommys Hand war schneller. Sie umklammerte sein Gelenk, und er hörte den Jungen flüstern: »Nein, mein Kleiner, das lass mal bleiben.«
Mickey erschrak. »Ich darf mich nicht anziehen?«
»Richtig.«
»Aber draußen ist es kalt.«
»Wissen wir. Willst du ein Mann werden oder nicht? Ein Mann muss auch Kälte vertragen können, hörst du?« Er nickte. Wohl war ihm nicht. Schon jetzt überliefen ihn Schauer. Er trug nur einen Schlafanzug, den er so hasste, weil er gestreift war. Er hatte mal einem kleinen Erwachsenen gehört, und der Stoff schien tatsächlich ewig zu halten.
Mickey stand auf.
Sofort hielten sie ihn von zwei Seiten fest. Hank baute sich vor ihm auf.
Er stemmte die Arme in die Hüften und wippte auf den Fußsohlen wie einer der Westernhelden aus dem Kino. Er beobachtete Mickey genau. Dann grinste er. »Soll ich dich jetzt fragen, ob du schon die Hose voll hast, Kleiner?«
»Nein.«
»Sie ist leer, wie?«
»Ja, aber ...«, Mickey brach hilflos ab. Er empfand derartige Gespräche als peinlich, doch er wusste, dass er sich in der schlechteren Position befand. Er konnte nichts tun und musste dieser verfluchten Brut eben gehorchen.
»Geh mal zur Tür!«
Die Aufforderung galt Sugar. Er setzte sich in Bewegung und öffnete leise. Durch den Spalt schaute er in den leeren Gang. Er ließ sich Zeit dabei, nickte, als er nichts sehen konnte, und drehte sich wieder um. »Wir können.«
»Wunderbar.«
Tommy lachte. »War auch nur ein Rat.« Er schob den ›Gefangenen‹ auf die Tür zu.
Mickey drehte noch einmal den Kopf. Er schaute zurück in den großen Schlafsaal, in dem es so unnatürlich ruhig war. Diese Ruhe entstand nur dann, wenn sie einen holten. Ansonsten war es lauter, denn da atmeten die Schlafenden anders. Hier hörte es sich an, als würden sie die Luft zunächst anhalten und sie dann langsam ausfließen lassen. Sugar zog die Tür auf. Leer lag der Gang vor ihnen. Genau da, wo die breite Steintreppe begann, brannte eine Lampe. Sie gab sehr helles Licht ab, das sich auf dem Steinboden spiegelte.
»Wir gehen«, sagte Hank.
Mickey wurde nach vorn gestoßen. Er bewegte seine Beine automatisch. Er war bedrückt, und er hatte Angst.
Wo würde es enden ...?
*
Die Kälte war böse, die Kälte war Gift. Sie blieb nicht nur auf Mickeys Füße beschränkt, sie stieg langsam...
| Erscheint lt. Verlag | 13.5.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-2776-2 / 3838727762 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-2776-9 / 9783838727769 |
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