John Sinclair Gespensterkrimi - Folge 50 (eBook)
64 Seiten
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG
978-3-7325-0074-1 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1973 - 1978, die in der Reihe Gespenster-Krimi erschienen sind! Die Rache des Kreuzritters. Der Mann stand starr vor Entsetzen. Er konnte einfach nicht begreifen, was er mit seinen eigenen Augen sah: Vom nahen Waldrand her kam die Erscheinung auf einem prächtigen Rappen geritten. Feuer schlug aus den Nüstern des edlen Pferdes, als es den Kopf wild hin und her warf. Die gelbe Scheibe des Vollmondes befand sich im Rücken des unheimlichen Reiters und zeichnete die Konturen klar und deutlich nach. Der Reiter war ein Ritter. Die schwere Rüstung glänzte, das Kettenhemd rasselte, und in der Hand hielt er ein funkelndes Schwert. Doch das war es nicht, was den Beobachter so entsetzte. Unter der Rüstung befand sich kein Mensch - es war ein Skelett! Es war der mordende Kreuzritter. Der Ritter, der eigentlich vor tausend Jahren gestorben war... John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
»Also ich an Ihrer Stelle würde meine Ferien nicht in dieser Burg verbringen«, sagte der Wirt mit warnender Stimme und stellte dabei die beiden Weinpokale auf den runden Holztisch.
Paulette Plura lächelte. »Und warum nicht?«, fragte sie.
Der Wirt krauste die Stirn. Er blieb neben dem Tisch stehen, sah sich um, ob auch niemand zuhörte, und erwiderte dann flüsternd: »Auf Burg Rochas spukt es.«
»Davon haben wir gehört«, meinte Paulette.
»Dann wissen Sie ja, dass der Kreuzritter umgeht.«
»Ist doch alles Quatsch, was die Leute erzählen.« Zum ersten Mal mischte sich Michael Kramer in das Gespräch ein. Kramer war Paulettes Freund. Sie lebten schon einige Zeit zusammen, ohne sich jedoch entscheiden zu können, zum Traualtar zu gehen. »Kreuzritter, Spuk, Geister, wenn ich das schon höre. Wir werden auf der Burg einige Urlaubstage verbringen und uns prächtig erholen. Außerdem treffen wir uns hier noch mit Freunden. Und zu viert werden wir gegen den komischen Kreuzritter doch wohl ankommen. Oder meinen Sie nicht?«
Der Wirt hob nur die Schultern. Sein Gesicht hatte sich verschlossen. Schweigend machte er kehrt und ging zum Tresen zurück.
Draußen lachte ein strahlender Junitag. Die Sonne hatte einen Strahlenkranz über die bewaldeten Berge der Vogesen gelegt. Dazu kam der azurblaue Himmel, den kein Wölkchen trübte, und eine Luft, die wie Seide »schmeckte«.
Paulette Plura und Michael Kramer waren Studenten. Sie studierte Innenarchitektur und er Anglistik. Paulette wollte später mal in die Werbung oder bei einer Zeitschrift als Redakteurin anfangen. Aber so genau hatte sie sich noch nicht festgelegt. Sie war überhaupt sehr sprunghaft. Heute himmelhoch jauchzend – morgen wieder zu Tode betrübt. Total unausgeglichen, fühlte sich oft überstresst und hoffte nun – zusammen mit ihrem Freund – einen ruhigen Urlaub zu verbringen.
Auf einer alten Burg. Ohne jeglichen Komfort.
Dabei war sie genau das Gegenteil. Sie war ein Geschöpf der modernen Zeit, eine Frau, die nur nach marktorientierten Richtlinien lebte und manche Schönheiten des Lebens gar nicht erkannte.
Aber dieser Urlaub sollte ja alles wieder ins Lot bringen.
Paulette warf einen Blick auf die Uhr. »Wenn die anderen doch endlich kämen«, sagte sie.
»Wir waren für fünfzehn Uhr verabredet. Vergiss das nicht«, erwiderte Michael Kramer und nahm einen Schluck von dem Gewürztraminer. Dabei verdrehte er die Augen und ließ den Wein über die Zunge rinnen. »Herrlich. Ein Geschenk Gottes.«
Paulette lächelte nur. Sie hatte im Augenblick andere Sorgen. Ihr Kopftuch saß nicht. Sie hielt sich einen Spiegel vors Gesicht und begann das helle Tuch mit den blauen Punkten zurechtzuzupfen. Paulette Plura war keine Schönheit im landläufigen Sinne. Sie war überdurchschnittlich groß, hatte lange Beine und ein schmales, ziemlich blasses Gesicht. Das Haar trug sie sehr kurz geschnitten, was bewirkte, dass ihr Gesicht noch länger erschien. Sie war sechsundzwanzig Jahre alt und stand kurz vor dem Ende ihres Studiums.
»Du trinkst ja gar nichts«, meinte Michael.
»Keinen Durst.«
Der junge Mann sah seine Freundin skeptisch an. »So plötzlich? Vorhin hättest du noch die ganze Kneipe leertrinken können … willst du was anderes?«
»Nein.«
»Okay, Prinzessin.«
»Blödmann.« Demonstrativ blickte Paulette aus dem Fenster. Die Fenster des Gasthauses waren unterteilt. Jeweils vier Butzenscheiben bildeten ein großes Rechteck. Sie passten zu dem alten Haus, das schon unter Denkmalschutz stand.
Hier schien der Gast förmlich mit der Geschichte zu leben. Die alten Bilder an den Wänden, die dicken Holzbänke und Tische. Die Balken, rußgeschwärzt und wurmstichig, die die Decke stützten. Der alte Kanonenofen in der Ecke und der Tresen mit der dicken Holzplatte, auf dem die schmiedeeisernen Lampen standen und am Abend ihr warmes gelbes Licht verbreiteten.
Paulette Plura und Michael Kramer waren die einzigen Gäste. Der Wirt hatte sich hinter die Theke zurückgezogen und las in einer Zeitung.
Es war sehr still geworden. Auch von der Straße her war kaum ein Geräusch zu vernehmen. Das Wirtshaus lag in einer schmalen Seitenstraße, etwas versetzt, und war von zwei mächtigen Platanen flankiert. Das grüne Blattwerk filterte das Sonnenlicht und schuf wohltuenden Schatten. Zwei Bänke standen unter den Bäumen. Sie luden zum Sitzen und Träumen ein.
Dieses Stückchen Erde war wirklich noch die so oft zitierte heile Welt. Die moderne Zeit war zwar nicht spurlos vorübergegangen, doch sie hatte den kleinen Ort auch nicht verschlungen. Fünfzehn Kilometer waren es bis zur deutschen Grenze, etwa noch mal so viel bis nach Straßburg, der historischen Stadt am Rhein.
Michael Kramer hatte sein Glas geleert. »Ich werde noch einen Pokal trinken«, sagte er. »Dieser Gewürztraminer ist wirklich eine Köstlichkeit.«
Paulette Plura gab keine Antwort. In ihrer Handtasche wühlte sie nach Zigaretten. Sie rauchte manchmal vierzig Glimmstängel am Tag und war dabei, sich auf diese Weise systematisch kaputt zu machen.
»Ich denke, du willst auf die Sargnägel verzichten«, sagte Michael Kramer.
Paulette hob den Blick. »Unsinn. Ich will nur reduzieren.« Sie hatte endlich das Päckchen gefunden. »Auch eine?«
»Nein, nein.« Michael wehrte ab. Er bestellte sich stattdessen noch einen Pokal Wein.
Der Wirt brachte das Getränk, und als Michael den Wein über alle Maßen lobte, da flog ein Strahlen über das Gesicht des Mannes. »Eigener Anbau«, erklärte er. »Ja, die gute Lage und die Sonne, sie machen sich schon bezahlt. Er ist auch nicht gepantscht. Alles Natur.«
»Dann auf die Natur«, sagte Michael und trank.
Der junge Mann war richtig gelöst. Er hatte den Stress hinter sich geworfen. Auch sein Studium ging in die letzte entscheidende Phase, aber verrückt machte sich Michael deswegen nicht.
Michael Kramer war ein Jeans-Typ. Auch an diesem Tag trug er eine weiße Jeans, die hauteng saß. Das Hemd hatte er bis zur Brust aufgeknöpft, die schlanken Finger spielten mit dem Weinpokal. Michael Kramer hatte ein schmales Gesicht. Die dunkelblonden Haare bedeckten die Ohren, und die Nase stach aus dem Gesicht hervor wie ein Adlerschnabel.
Michael freute sich auf den Urlaub. Es war eigentlich der Erste, den er mit Paulette verbrachte. Aber er war skeptisch, ob die Frau durchhielt. Paulette war verwöhnt. Sie hatte zwar alles unheimlich irre gefunden, doch diesen Kommentar gab sie oft im ersten Begeisterungssturm.
Die Zeit verrann.
Es wurde sechzehn Uhr, und die beiden anderen waren immer noch nicht da.
Paulette Plura und Michael Kramer waren auf die Freunde angewiesen. Denn sie hatten keinen Wagen. Michaels VW lief nicht mehr. Er hatte einen Tag vor dem Urlaub seinen Geist aufgegeben. Darüber war Paulette auch sauer. Es war ihr jedoch nichts anderes übrig geblieben, als sich in die Bahn und den Bus zu setzen, und sich so zum Treffpunkt fahren zu lassen.
Paulette wurde immer ungeduldiger, während Michael auf ihre Fragen und Bemerkungen nur mit einem Achselzukken reagierte.
Der Wirt war verschwunden. Er rumorte irgendwo in der Küche herum. Hin und wieder hörte man ihn mit einer Frau sprechen.
Es kamen keine weiteren Gäste. Michael fragte sich, wie der Wirt hier klarkam, wenn er alle Jubeljahre mal etwas verkaufen konnte.
Paulette Plura rauchte Kette.
Schließlich hielt sie es nicht mehr aus. »Also, wenn die beiden nicht bald kommen, dann können sie mir gestohlen bleiben. Dann fahre ich wieder zurück. Ich gebe ihnen noch eine halbe Stunde.«
»Vielleicht ist etwas dazwischengekommen«, vermutete Michael.
»Sie hätten anrufen können.« Paulette ging zur Tür, zog sie auf und schaute nach draußen.
Michael blieb sitzen. Er hatte einfach keine Lust, aufzustehen.
Paulette Plura betrat den kleinen Vorplatz. Rauchend ging sie auf und ab. Neben einer der Bänke blieb sie stehen und strich spielerisch mit dem Finger über das Holz.
Sie langweilte sich bereits jetzt. Desinteressiert schaute sie einigen Hühnern zu, die auf dem Boden nach Nahrung suchten.
Paulette ging weiter. Im Dunst der Hitze sah sie die fernen Berge der Vogesen verschwimmen. Die Burg war nicht zu sehen.
Paulette umrundete das Haus und gelangte in einen kleinen Garten. Ein schmaler Weg durchschnitt ihn. Der Wirt hatte Obst und Gemüse angebaut. Kirschen und Erdbeeren waren schon geerntet. Das Gasthaus war so ziemlich das letzte im Dorf. Hinter dem Haus begannen die sanft ansteigenden Hügel der Weinberge.
Der schmale Weg machte einen Knick und endete auf einer Wiese. Das Gras stand ziemlich hoch. Es hätte mal geschnitten werden müssen.
Paulette fiel der alte, baufällig wirkende Stall ins Auge, dessen Tür halb offen stand und schief in den Angeln hing.
Sie ging auf den Stall zu.
Plötzlich hatte sie ein beklemmendes Gefühl. Es war irgendeine Ahnung, die sie überfiel. Fast körperlich spürte sie das Unbehagen.
Paulette Plura näherte sich dem Stall. Einige Fliegen umsummten sie, Paulette verscheuchte sie mit einer heftigen Handbewegung.
Dann stand sie vor der Tür.
Nur ein schmaler Lichtstreifen fiel in den Stall, der vom Dämmerlicht erfüllt wurde.
Paulette versuchte die Tür etwas aufzuziehen. Sie klemmte, hing mit ihrer Unterseite am Boden fest.
Paulette Plura trat noch einen Schritt vor und peilte in das Innere des Stalles. Sie wusste selbst nicht, was sie dazu trieb, einfach hier herumzuschnüffeln. Es war sonst nicht ihre Art, aber jetzt …
Paulette schob sich durch den schmalen Eingang.
...| Erscheint lt. Verlag | 6.5.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair Gespensterkrimi | John Sinclair Gespensterkrimi |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • Bastei • blutig • Classic • classics • Clown • Dämonenjäger • Geisterjäger • Gruselroman • Grusel-Roman • Grusel-serie • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror deutsch • horror deutsch kindle • Horror-Roman • Horrorroman deutsch • Horror-Serie • horror thriller • Horror-Thriller • horror thriller deutsch • Jason Dark • Julia-meyer • Krimi-Bestseller • Krimi-deutsch • Krimi kindle • krimi neuerscheinungen 2017 • Krimi-Thriller • Lovecraft • Paranomal • Professor Zamorra • Pulp Ficition • Roman-Heft • Sinclair • sinclair classics • Slasher • spannend • Splatter • Stephen King • Stephen-King • Steven King • Terror • Thriller-Serie • Tony Ballard • Walking Dead • Zombies |
| ISBN-10 | 3-7325-0074-8 / 3732500748 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-0074-1 / 9783732500741 |
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