John Sinclair Gespensterkrimi - Folge 41 (eBook)
64 Seiten
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG
978-3-7325-0065-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1973 - 1978, die in der Reihe Gespenster-Krimi erschienen sind!
Der Albtraum-Friedhof.
Wenn die Lebenden nicht in der Lage sind, die Botschaft der Finsternis in diese Welt zu tragen, so werden es die Toten tun.
Denn wenn die Gräber sich öffnen und die Leichname dem feuchten Erdreich entsteigen - dann flieht! Flieht vor dem Zorn des großen Bakuur. Er hat die Saat der Rache gesät und harrt voller Ungeduld auf die Ernte des Bösen.
Darum wartet nicht zu lange, sondern reiht euch ein in den Kreis der Diener.
Bakuurs Rückkehr ist nah ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.
Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Aufseufzend löschte die Küchenhilfe das Licht. Sie schob die Unterlippe vor und blies sich eine Strähne des dunkelblonden Haares aus der Stirn. Der Tag heute hatte ihr gereicht. Nicht eine Minute hatte sie sich ausruhen können. Gegen Mittag waren noch zwei Omnibusse angekommen, vollbesetzt mit holländischen Touristen. Sie hatten die Speisekarte dreimal rauf und runter gegessen und sich bis zum Abend aufgehalten. Der Koch hatte gewirbelt bis zur Olympiareife, und sogar der Chef war mit eingesprungen.
Am Abend war es dann weitergegangen. Geschäftsleute kamen, ein Händler brachte Fleisch, es musste in die großen Kühlboxen geschafft werden, dann kamen Getränke und so weiter – und so weiter.
Jetzt hatte Lisa die Nase gestrichen voll.
Im Dunkeln lehnte sie an der Wand. Sie war allein in der Küche. Noch immer hing der Geruch von gebratenem Fleisch und Pommes frites im Raum. Lisa konnte ihn einfach nicht mehr riechen.
Um die Flasche mit dem Obstwasser zu finden, brauchte sie kein Licht. Sie schloss die Tür eines Hängeschrankes auf, tastete nach der Flasche und nahm einen kräftigen Schluck.
Der scharfe Schnaps brannte in ihrem Magen, verbreitete aber dann eine wohltuende Wärme.
Lisa schloss die Augen. Zwei Minuten stand sie unbeweglich und genoss das Gefühl der Entspannung. Dann stellte sie die Flasche wieder weg und ging mit müden Schritten in Richtung Tür.
Das Bett in ihrer Dachkammer wartete schon längst. Zufällig streifte ihr Blick das Fenster.
Im ersten Augenblick glaubte sie, einer Täuschung erlegen zu sein. Verschwommen erkannte sie ein Gesicht.
Ein Männergesicht.
Es gehörte dem alten Leitner.
Lisas Gedanken stockten. Himmel, der alte Leitner. Das durfte nicht sein. Nein, das war unmöglich.
Der alte Leitner war schon seit drei Tagen tot …
*
Lisa schrie!
Der Schrei zerfetzte die Stille. Sie hatte die Arme halb erhoben und die Hände zu Fäusten geballt. Starr waren ihre weit aufgerissenen Augen auf das Gesicht gerichtet, das sich von außen gegen die Scheibe presste.
Lisa fühlte, wie ihr Herz rasend schnell schlug. Sie meinte, es müsste jeden Augenblick aus der Brust springen. Sie schrie immer noch, als die Tür aufgerissen wurde und eine Männerhand die Frau hart an der Schulter herumriss.
»Was ist los, Lisa?«
Die Küchenhilfe gab keine Antwort.
Dann schlug der Mann zweimal zu. Sein Handrücken klatschte gegen Lisas Wangen.
Der Schrei erstickte, endete in einem Wimmern.
Der Mann zerrte Lisa zu einem Stuhl, drückte sie darauf nieder.
Lisas Kopf war nach vorn gesunken, ihr Kinn berührte beinahe die Brust. Schluchzen schüttelte ihren Körper. Der Mann reichte ihr ein Glas mit Schnaps. Lisa nahm es mit zitternden Fingern entgegen, trank zum zweiten Mal an diesem Abend den scharfen Alkohol.
Dankbar gab sie dem Mann das Glas zurück. Aus tränenfeuchten Augen sah sie ihn an.
Der Mann war kein geringerer als Harry König, Besitzer des Hotels und gleichzeitig ihr Chef.
»So«, sagte er, und nun erzähl mal.«
Lisa musste zweimal schlucken, bevor sie sprechen konnte. »Ich – ich hatte das Licht schon gelöscht und wollte nach oben in meine Kammer gehen. Da – da, o Gott, es war schrecklich.«
»Was war schrecklich, Lisa?«
»Das Gesicht.«
»Welches Gesicht?«
»Es war am Fenster. Ich habe es deutlich gesehen. Es gehörte dem alten Leitner!«
Königs Augen wurden groß. Tief atmete er ein. Dann zwang er sich zu einem Lächeln. »Sag mal, Lisa, du bist doch nicht etwa betrunken? Der alte Leitner ist seit drei Tagen tot und soll morgen beerdigt werden.«
Lisa nickte heftig. »Ja, ja, ich weiß. Aber es war der alte Leitner. Er hat mich angestarrt, aus seinen schrecklichen Augen. Ich – ich dachte, ich werde verrückt.«
Harry König legte seiner Angestellten die Hand auf die Schulter. »Ist gut, Lisa, du hast also den alten Leitner gesehen.« Der Hotelbesitzer blickte zum Fenster. Dann sagte er: »Ich werde jetzt nachschauen, ob er noch da ist.« Er wartete Lisas Antwort gar nicht erst ab, sondern trat ans Fenster und öffnete es. Weit beugte er sich nach draußen, sah nach links und rechts.
»Nichts«, rief er ins Zimmer hinein. »Es ist eine wunderbar kühle Herbstnacht, aber von deinem Geist ist keine Spur zu sehen. Du wirst geträumt haben, Lisa. Wahrscheinlich war der Tag heute zu hektisch für dich. Am besten, du legst dich jetzt hin und schläfst erst einmal aus.«
König hatte das Fenster wieder geschlossen und trank jetzt auch einen Schnaps. »Möchtest du noch?«, fragte er.
Lisa schüttelte den Kopf.
Der Hotelbesitzer verzog das Gesicht, weil der Schnaps in seinem Magen brannte. Harry König hatte das Hotel im Schwarzwald erst vor einigen Monaten übernommen. Er hatte vorher ein Restaurant im Ruhrgebiet geleitet und sich dann im Schwarzwald einen alten Jugendtraum erfüllt. Harry König war achtundvierzig Jahre alt, überdurchschnittlich groß und ziemlich schlank. Man sah ihm die Vorliebe für gutes Essen nicht an. Harry König achtete stets darauf, dass er nicht zunahm, war in der Regel beherrscht und immer freundlich, was letzten Endes seinem Geschäft zugute kam. Die Einheimischen hatten den dunkelhaarigen Mann mit den etwas zu vollen Lippen und der leicht gekrümmten Nase schnell akzeptiert, was sich auch darin zeigte, dass in Königs Hotel die Honoratioren der umliegenden Orte verkehrten. Außerdem galt Königs Hotel als Geheimtip für stressgeplagte Manager.
Harry König zündete sich eine Zigarette an. Während er den blauen Rauch durch die Nase ausstieß, fragte er: »Warst du eigentlich schon in Urlaub, Lisa?«
»Nein.«
»Dann wird es wohl Zeit. Die Saison ist bald vorbei, und danach kannst du drei Wochen ausspannen. Du hast mir doch erzählt, dass Verwandte von dir an der Nordsee wohnen. Ich kenne die See gut. Du solltest hinfahren und dich dort ausruhen.«
»Danke«, erwiderte Lisa leise. »Aber – ich habe den alten Leitner gesehen, Herr König.«
Der Hotelbesitzer atmete tief ein. »Fall mir damit nicht wieder auf die Nerven, Lisa. Der alte Leitner ist tot. Begreife das doch endlich, zum Teufel.«
Lisa stand auf. »Entschuldigen Sie.«
»Wo willst du hin?«
»Auf mein Zimmer.« Lisa, die an der Tür stand, drehte sich noch einmal um.
König lächelte. »Gut, nimm aber noch eine Schlaftablette.«
»Ja, Herr König. Gute Nacht.«
Kopfschüttelnd sah der Hotelbesitzer seiner Angestellten nach. Lisas Verhalten passte ihm überhaupt nicht. Er war nur froh, dass die Gäste nicht gestört worden waren, schließlich galt das Hotel »Waldfrieden« als ein Hort der Ruhe und Erholung.
Harry König verließ die Küche. Auch er spürte jetzt die Müdigkeit, die in seinen Knochen steckte. Es wurde Zeit, dass er ins Bett kam. Morgen, das heißt heute, begann wieder ein anstrengender Tag für ihn.
Harry König ahnte nicht, dass es mit der Ruhe in der nächsten Zeit vorbei sein würde …
*
Am Ende des Flures in der zweiten Etage begann eine schmale Stiege, die bis unter das Dach führte. Dort lagen die Zimmer des Hotelpersonals, und hier hatte auch Lisa ihre Kammer.
Im Dunkeln schloss sie die Tür auf und betrat den kleinen Raum mit den schrägen Wänden. Durch das schmale Fenster an der Stirnseite des Zimmers sickerte fahles Mondlicht und zeichnete einen verwaschenen Streifen auf den Holzfußboden.
Schrank und Bett standen sich gegenüber. Neben dem Schrank war ein Waschbecken in die Wand eingelassen worden, darüber hing ein Spiegel. Die Wand über dem Bett zierte ein Kreuz. Es stammte noch von Lisas Eltern, und sie hielt es jetzt hoch in Ehren.
Die Kammer war klein, aber da Lisa eine bescheidene Person war, reichte sie ihr, Lisa war noch Junggesellin. Sie zählte fünfunddreißig Jahre, war eine dralle Person, mit hochgesteckten dunkelblonden Haaren. Ihr Gesicht besaß eine frische Farbe, die Hände waren rissig und abgearbeitet. An eine Heirat hatte Lisa bisher noch nicht gedacht, aber wenn sie ehrlich war, es gab auch keine Bewerber, und so ging die Frau völlig in ihrer Aufgabe auf, was Harry König sehr zu schätzen wusste.
Es war ruhig hier oben unter dem Dach. Die anderen Angestellten schliefen schon längst, und der Kellner, der hier ebenfalls wohnte, hatte heute seinen freien Tag gehabt und war nicht da. Er würde erst morgen Mittag wieder erscheinen.
Lisa setzte sich auf ihr Bett. Verflogen war die Müdigkeit. Immer wieder musste sie an ihr schreckliches Erlebnis denken. Sie glaubte an das, was sie gesehen hatte. Es war der alte Leitner gewesen, davon ließ sie sich nicht abbringen. Wie viele Menschen in der Gegend war auch Lisa trotz ihrer Frömmigkeit abergläubisch. Sie glaubte an Gott, aber auch an den Teufel, und so war es nicht verwunderlich, dass sie dem Teufel die Schuld für das Auftauchen des alten Leitners gegeben hatte.
Lisa saß über zehn Minuten unbeweglich und mit zusammengefalteten Händen auf dem Bettrand. Dann hatte sie einen Entschluss gefasst.
Noch heute wollte sie in der Leichenhalle nachsehen, ob sie sich wirklich getäuscht hatte.
Sie brauchte gar nicht weit zu gehen, denn der kleine Dorffriedhof grenzte mit seiner Mauer direkt an das Hotelgrundstück.
Lisa drehte sich um und nahm das Kreuz von der Wand. Sie umklammerte das Holz mit beiden Händen, es war ihr einziger Schutz.
Auf Zehenspitzen verließ Lisa das Zimmer. Jedes Knarren der Holzdielen hörte sich überlaut in der Stille an, doch ungesehen und ungehört erreichte Lisa die Rezeption des Hotels.
Die untere Etage lag in völliger Dunkelheit. Der Besitzer...
| Erscheint lt. Verlag | 6.5.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair Gespensterkrimi | John Sinclair Gespensterkrimi |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • Bastei • blutig • Classic • classics • Clown • Dämonenjäger • Geisterjäger • Gruselroman • Grusel-Roman • Grusel-serie • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror deutsch • horror deutsch kindle • Horror-Roman • Horrorroman deutsch • Horror-Serie • horror thriller • Horror-Thriller • horror thriller deutsch • Jason Dark • Julia-meyer • Krimi-Bestseller • Krimi-deutsch • Krimi kindle • krimi neuerscheinungen 2017 • Krimi-Thriller • Lovecraft • Paranomal • Professor Zamorra • Pulp Ficition • Roman-Heft • Sinclair • sinclair classics • Slasher • spannend • Splatter • Stephen King • Stephen-King • Steven King • Terror • Thriller-Serie • Tony Ballard • Walking Dead • Zombies |
| ISBN-10 | 3-7325-0065-9 / 3732500659 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-0065-9 / 9783732500659 |
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