John Sinclair Gespensterkrimi - Folge 36 (eBook)
64 Seiten
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG
978-3-7325-0060-4 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1973 - 1978, die in der Reihe Gespenster-Krimi erschienen sind! Zirkus Luzifer. 'Kommen Sie zu uns! Treten Sie ein, in den Zirkus Luzifer! Grauen, Entsetzen und Angst! Sie werden alles erleben, Ladies and Gentlemen. Nichts ist uns schaurig genug. Die Geheimnisse der Hölle warten auf Sie. Werwölfe lauern auf ihre Opfer. Vampire schleichen durch die Nacht, gieren nach dem frischen Blut junger Mädchen. Albträume werden Wirklichkeit. Tote steigen aus ihren Gräbern. Lassen Sie sich entführen in die geheimnisvollen uralten Grüfte, und geben Sie dem Sensenmann persönlich die Hand! Sie meinen, das wäre übertrieben? Dann überzeugen Sie sich vom Gegenteil!' John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Mit bebenden Gliedern presste sich Cora Bendix gegen die rissige Wand des Wohnwagens. Aus weit aufgerissenen Augen starrte das hübsche schwarzhaarige Mädchen in die Dunkelheit, die sich zwischen den einzelnen Wohnwagen ballte.
Drüben – vom Zelt her – kämpfte. eine schwache Lichtglocke vergeblich gegen die Finsternis an. Der helle Schein kam von der Leuchtschrift, die über dem Tor bogenförmig angeordnet war. Ab und zu drang ein schriller Musikfetzen an Coras Ohren und hin und wieder das hysterische Schreien eines übernervösen Zuschauers. Eine Geräuschkulisse, die Cora schon seit Monaten kannte – ihr aber immer wieder einen neuen Schauer über den Rücken jagte.
Zirkus Lucifer! Wie oft hatte sie diesen Namen schon verflucht. Ja, es war tatsächlich ein Teufelszirkus, in dem der Satan persönlich Regie führte. Und wer sich nicht unterordnen wollte, war verloren, starb einen grauenvollen Tod.
Aber Cora wollte sich gegen den Terror auflehnen. Lange hatte sie überlegt, hatte in den Nächten nicht geschlafen, sich mit Fluchtgedanken gequält, Zweifel aus dem Weg geräumt und war dann schließlich zu einem Entschluss gekommen.
In dieser finsteren Nacht wollte sie es versuchen.
Cora trug noch immer ihr knappes einteiliges Kostüm. Sie hatte sich nicht getraut, zurück in ihren Wagen zu laufen, um sich umzuziehen. So wie sie war wollte sie verschwinden. Sie wollte diesen höllischen Kreis aus Angst, Grauen und Tod hinter sich lassen. Aber ob ihr das jemals gelingen würde, war mehr als fraglich. Der Mandarin hatte seine Spitzel und Häscher überall.
Cora presste die Lippen zusammen, als sie an diesen Namen dachte. Der Mandarin war für sie der Inbegriff des Bösen. Verschlagen, tückisch, grausam.
Niemand kannte seinen richtigen Namen, seine Herkunft – und sein Gesicht. Er verbarg es stets hinter einer roten seidenen Halbmaske. Und doch war er der Herrscher des Zirkus’. Was er sagte, wurde getan. Dafür sorgte schon Andrax, sein Stellvertreter. Andrax war der einzige, den der Mandarin näher kannte.
Tagsüber hielt sich der Dämon mit der Seidenmaske, wie der Mandarin auch genannt wurde, versteckt. Doch nachts sah man seine Gestalt zwischen den Wohnwagen umhergeistern. Und wehe dem, dessen Wagen er betrat …
Gerüchte kursierten. Der Mandarin wäre ein Vampir, ein Abgesandter der Hölle oder ein Dämon.
Noch hatte er sich der hübschen Cora Bendix nicht genähert. Aber was nicht war, konnte noch werden, und Cora wollte das Schicksal gar nicht erst herausfordern.
Coras Atem hatte sich wieder beruhigt. Das Mädchen war etwas zu schnell gelaufen. Sie wollte noch das Ende der Vorstellung abwarten. Wenn die Leute aus dem Zelt strömten, würde es ihr vielleicht gelingen, ungesehen zu entkommen.
Cora lauschte in die Dunkelheit, und als sie kein verdächtiges Geräusch hörte, verließ sie die Deckung des Wohnwagens. Ihre engen Stoffschuhe versanken im Schlamm. Es hatte erst in der vergangenen Nacht geregnet, und tagsüber war es auch ziemlich kühl gewesen. Zu kühl für Mitte Mai.
In keinem der Wohnwagen brannte Licht. Eine bedrückende Stille lag über dem Platz. Wasserpfützen glänzten. Cora passte einmal nicht auf und versank bis zu den Knöcheln in einer Lache. Das Wasser nässte ihre enge Strumpfhose durch und bildete einen schmierigen Film um ihren linken Knöchel.
Cora war die Partnerin eines Messerwerfers. Das war jedes Mal ein besonderes Schauspiel. Cora wurde auf eine rotierende Scheibe gebunden, und Lui Latero warf die höllisch scharfen Dolche. Er war ein Meister seines Fachs, doch der Clou bestand darin, dass er die Messer nicht neben Cora in die Scheibe warf, sondern genau auf sie zu.
Bei dieser Szene überlief die Zuschauer das kalte Entsetzen, doch Cora war nicht ein einziges Mal verletzt worden. Die Messer drehten jeweils wenige Millimeter vor ihrem Körper ab und wuchteten in die Scheibe.
Cora hatte Lui Latero einmal nach dem Trick gefragt, doch keine Antwort bekommen. Für sie ging das nicht mit rechten Dingen zu, wie auch einige andere Zirkusnummern.
Cora Bendix lief quer über den Platz. Sie wollte das Zelt umrunden, um an den Eingang zu gelangen.
Der Schatten eines Traktors tauchte vor ihr auf. Der Wagen war mit einer Plane abgedeckt. Cora spielte schon mit dem Gedanken, sich unter der Plane zu verstecken, als sie plötzlich ein Geräusch hörte.
Schritte …?
Cora Bendix lauschte mit offenem Mund.
Ja, sie hörte sie ganz deutlich. Jemand näherte sich ihrem Standort.
Aber wer?
Angst kroch in dem Mädchen hoch. Vergeblich versuchte Cora ein Zittern ihrer Glieder zu unterdrücken. Die Angst war einfach stärker.
Diese Unentschlossenheit wurde Cora Bendix zum Verhängnis.
Als sie endlich losrennen wollte, war es zu spät.
Der Unbekannte war plötzlich hinter ihr. Ein bärenstarker Arm umfasste Coras Leib, riss das Mädchen zurück, und dann spürte es die scharfe Klinge eines Messers an ihrer Kehle …
*
Starr vor Angst hing Cora Bendix in den Armen des Unbekannten. Und doch arbeitete ihr Gehirn in diesen schrecklichen Sekunden auf Hochtouren, suchte nach einer glaubhaften Ausrede.
»Wenn du auch nur einen Laut von dir gibst, schneide ich dir die Kehle durch«, flüsterte eine raue Männerstimme.
Cora gab es einen Stich. Sie kannte die Stimme nur zu gut. Sie gehörte Lui Latero, dem Messerwerfer. Und Cora wusste auch, dass Latero ein treuer Diener des Mandarin war.
Ihre Chancen zerrannen wie Butter in der Sonne.
Das Messer verschwand. Cora sah die Klinge noch kurz aufblitzen, und dann bekam sie einen harten Schlag in den Rücken, der sie gegen den Traktor warf.
Cora konnte sich nicht schnell genug abstützen und prallte mit dem Kinn gegen einen vorspringenden Gegenstand. Der Schmerz fuhr ihr bis in den letzten Gehirnwinkel. Noch im gleichen Atemzug spürte sie eine harte Hand auf ihrer Schulter, die sie zurückriss.
Aus einer Handbreit Entfernung starrten sich Cora Bendix und Lui Latero in die Augen.
Der Blick des Messerwerfers war von tödlicher Kälte. Latero trug noch immer sein Kostüm. Nur den breitkrempigen Stetson hatte er abgenommen. Das ölig glänzende, schwarze Haar fiel ihm bis in den Nacken.
»Bist du mir nicht eine Erklärung schuldig?«, fragte Latero gefährlich leise. »Aber ich rate dir gut. Lass dir ja die Wahrheit einfallen, sonst prallt kein Messer mehr ab.«
Der Messerwerfer hatte Coras Handgelenke gepackt und drückte sie zusammen.
»Ich warte!«, zischte er.
Cora zog pfeifend den Atem ein. »Ich – ich wollte ein wenig frische Luft schnappen«, sagte sie. »Mir war es nicht besonders.«
»Wirklich nur Luft schnappen?«, höhnte Latero und drückte zu.
Cora Bendix stöhnte auf und ging in die Knie.
Wie aus unendlicher Ferne vernahm sie die Beifallsovationen aus dem Zelt. Sie wusste, dass die Vorstellung jetzt beendet war. In wenigen Minuten würden die Menschen aus dem Eingang strömen. Und sie hatte vorgehabt, mit ihnen zu laufen und …
Coras Gedankenkette zerbrach.
»Du wolltest abhauen, wie?«, zerschnitt die kalte Stimme des Messerwerfers sie Stille.
»Ich – ich …«
»Ja oder nein?« Latero drückte wieder fester zu.
»Ja!«, schrie Cora Bendix. »Ja, ich wollte weglaufen. Ich wollte nicht mehr …« Ein Tränenstrom erstickte ihre weiteren Worte.
»Ich hatte es mir doch gedacht!« Latero lachte und riss Cora Bendix hoch. »Dein Benehmen war in den letzten Tagen schon recht seltsam. Wie gut, dass ich dich nie aus den Augen gelassen habe. Na, der Mandarin wird sich freuen.«
Cora hörte jetzt Stimmen und Gelächter. Die übrigen Mitglieder der Zirkustruppe verließen das Zelt und strebten auf ihre Wohnwagen zu. Lichter flammten auf, zerschnitten mit ihren hellen Inseln die Finsternis.
»Los, geh!«, kommandierte der Messerwerfer. »Aber denke daran, dass ich immer hinter dir bin.«
Cora versuchte es ein letztes Mal. »Bitte, Lui«, flüsterte sie. »Bitte, lass mich gehen. Ich werde nichts sagen, ich verspreche es dir.«
»Halt dein Maul. Wir gehen beide. Aber zum großen Mandarin. Was meinst du, wie er sich freuen wird. Bestimmt gibt er dir heute noch eine Galaschau. Und jetzt vorwärts.«
Lui Latero packte das Mädchen kurzerhand an den langen schwarzen Haaren und stieß sie mit der anderen Hand ins Kreuz.
Latero war voller sadistischer Vorfreude auf das, was gleich noch folgen würde …
*
Im Innern des Zeltes war es stockdunkel.
Als Lui Latero die Plane zur Seite schob, kam es Cora Bendix vor, als würde sie geradewegs in den Schlund der Hölle gehen.
Sie zögerte.
Lateros Stoß in den Rücken warf sie vor, und einen Atemzug später wurde sie von der Dunkelheit verschluckt.
Lui Latero zog die Klappe des Seiteneingangs wieder zu. Jetzt war Cora endgültig gefangen. Gefangen in einem Grab, das sich Manege nannte und noch vor einer halben Stunde mit Zuschauern gefüllt war.
Hinter Cora knirschten die Schritte des Messerwerfers im Sand.
»Geh weiter, Süße«, flüsterte Latero, »bis in die Mitte der Manege. Du kennst dich ja hier aus, auch im Dunkeln.«
Cora gehorchte. Ihre Knie zitterten. Eine fürchterliche Angst hielt sie gepackt. Angst vor der Bestrafung des Mandarins, denn diese Bestie kannte keine Gnade!
»Wir sind da!« Lateros Stimme schallte durch das Rund der Manege.
Das Echo der Worte lag noch in dier Luft, da flammte ein großer Scheinwerfer auf. Er stand auf der Galerie. Der breite Lichtstrahl zerschnitt die Dunkelheit und übergoss den Körper des Mädchens mit seiner grellen Lichtfülle.
...| Erscheint lt. Verlag | 6.5.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair Gespensterkrimi | John Sinclair Gespensterkrimi |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • Bastei • blutig • Classic • classics • Clown • Dämonenjäger • Geisterjäger • Gruselroman • Grusel-Roman • Grusel-serie • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror deutsch • horror deutsch kindle • Horror-Roman • Horrorroman deutsch • Horror-Serie • horror thriller • Horror-Thriller • horror thriller deutsch • Jason Dark • Julia-meyer • Krimi-Bestseller • Krimi-deutsch • Krimi kindle • krimi neuerscheinungen 2017 • Krimi-Thriller • Lovecraft • Paranomal • Professor Zamorra • Pulp Ficition • Roman-Heft • Sinclair • sinclair classics • Slasher • spannend • Splatter • Stephen King • Stephen-King • Steven King • Terror • Thriller-Serie • Tony Ballard • Walking Dead • Zombies |
| ISBN-10 | 3-7325-0060-8 / 3732500608 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-0060-4 / 9783732500604 |
| Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR) | |
| Haben Sie eine Frage zum Produkt? |
Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopierschutz. Eine Weitergabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persönlichen Nutzung erwerben.
Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belletristik und Sachbüchern. Der Fließtext wird dynamisch an die Display- und Schriftgröße angepasst. Auch für mobile Lesegeräte ist EPUB daher gut geeignet.
Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise
Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.
aus dem Bereich