John Sinclair Gespensterkrimi - Folge 28 (eBook)
64 Seiten
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG
978-3-7325-0052-9 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1973 - 1978, die in der Reihe Gespenster-Krimi erschienen sind! Der Hexenklub. Welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem Hexenclub? Und wer war die geheimnisvolle schwarzhaarige Frau, die jeden Mann in ihren magischen Bann zog? Geisterjäger John Sinclair versucht, hinter das Geheimnis der Hexe zu kommen und gerät dabei immer tiefer in den teuflischen Kreis dieser Vereinigung ... John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung. Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Schlagartig wurde der Seelord nüchtern.
»Allmächtiger Klabautermann«, murmelte er, kniff die Augen zu und riss sie wieder auf.
Doch das Bild blieb.
Unwillkürlich duckte sich der Seemann und trat vorsichtig einen Schritt zurück. Dann legte er den Kopf in den Nacken, sein Blick wanderte höher – und …
Der Anblick des Gehängten trieb dem Seelord die letzten Alkoholreste aus dem Hirn.
Es war ein Mann in mittlerem Alter. Das trübe Licht der Laterne beleuchtete sein Gesicht, in dem die Augen weit aufgerissen waren und wie Glasmurmeln wirkten. Seltsamerweise war der Mund des Mannes geschlossen.
Die Schlinge hatte sich tief in den Hals des Gehängten geschnürt. Der Mann trug einen dunklen Anzug mit modisch ausgestellten Hosenbeinen. Die Arme hingen steif an seinem Körper herab.
Der Seemann schüttelte den Kopf. Das Bild des Gehängten hatte ihn schlagartig nüchtern gemacht.
Flucht! war der erste Gedanke des Seemanns. Er wollte schon kehrtmachen, da fiel ihm ein, dass ihn unter Umständen jemand beobachtet haben könnte.
Vorsichtig blickte der Sailor sich um.
Keine Menschenseele war zu sehen. Stumpf und grau sahen die Häuserfassaden aus. Das Licht der wenigen Laternen reichte kaum, um sie zu beleuchten. Auch der Himmel über der engen Straßenschlucht war düster. Nicht ein Stern blinkte.
Ein paar Seitenstraßen weiter begann das Vergnügungsviertel. Von dort drangen schwache Musikfetzen an die Ohren des Seemanns. Irgendwo kreischte ein Girl. Sekunden später brüllte eine Männerstimme.
Es waren die üblichen Geräusche hier in Soho, dem Londoner Laster- und Vergnügungsviertel.
»Oh, verdammt, was mach ich nur?«, fragte sich der Seelord, und seine Stimme klang zittrig wie die eines Greises. Die Polizei kam ihm in den Sinn. Sicher, die musste er benachrichtigen. Aber die Bullen fragten einem ein Loch in den Bauch, und außerdem lief am übernächsten Tag sein Schiff aus.
Es war schon zum Heulen.
Der Seemann hatte sich so hingestellt, dass er den Gehängten nicht sehen konnte. Jetzt hätte er einen Schluck gebrauchen können. Statt dessen fingerte er nach einer Zigarette.
Als er sie aufgeraucht hatte, stand sein Entschluss fest. Er wollte doch die Polizei alarmieren. Lieber jetzt den Ärger als hinterher.
Der Seelord ging los. Sein Gang war wieder normal, zwar etwas breitbeinig, aber so liefen viele seiner Berufskollegen.
Wenn ich nur wüsste, wo die nächste Polizeistation ist, überlegte der Sailor. Verdammt, ich …
Er lief einfach weiter, merkte sich aber den Weg, den er gekommen war.
Und dann sah er den Bobby. Es war zwar nur ein einfacher Verkehrspolizist, aber den konnte man ja fragen.
Der Bobby stand an einer Straßenecke und beobachtete mit stoischer Ruhe den Menschenwirrwarr in diesem Teil von London. Vergnügungssüchtige aller Rassen hatten sich eingefunden. Sprachfetzen schwirrten über die engen Straßen. Dazwischen jaulten die Musikboxen. Die Türen der Kneipen standen offen, und Wolken aus Tabaksqualm drangen wie Nebelschwaden daraus hervor.
»He, Sir«, sagte der Seelord und tippte den Bobby an.
Der Polizist hatte die Ruhe weg. Gemächlich wandte er sich um.
Der Seelord drehte seine Mütze verlegen zwischen den Fingern.
»Ja?«, fragte der Bobby, und seine Augen blickten streng.
»Ich – äh, ich habe einen Toten gefunden, Sir.«
Der Blick des Bobbys änderte sich nicht. Der Polizist fragte nur: »Sind Sie betrunken, Mister?«
»Nein – doch, Unsinn, das heißt, ich war es.«
»Was ist denn nun?«
»Als ich den Toten sah, wurde ich wieder nüchtern. Glauben Sie mir. Da haben sie einen aufgehängt. An solch einer Laterne.« Der Seemann deutete auf eine trübe Funzel direkt neben der Straßenecke.
Unwillkürlich blickte der Bobby hoch. »Wenn Sie gelogen haben, Freundchen …«
»Ich schwöre es beim Andenken meiner Mutter.«
»Das tun viele«, erwiderte der Bobby trocken und setzte sich mit steifen Schritten in Bewegung.
Der Seelord hatte Mühe, mitzuhalten. Mit japsender Stimme gab er immer wieder seine Anweisungen.
Nach einigen Minuten bogen sie in die schmale Sackgasse ein.
»Hier ist es, Sir. Dahinten an der Laterne. Sie müssten eigentlich den Kerl schon sehen können.«
Der Bobby gab keine Antwort. Er war schon losgegangen.
Beim Anblick des Gehängten bekam er genauso einen Schock wie der Seelord, obwohl er darauf vorbereitet gewesen war. Zum ersten Mal in seinem Leben verlor der Bobby seine sprichwörtliche Bierruhe.
Er schnappte nach Luft wie ein Ertrinkender, riss sich den Helm vom Kopf und wischte sich mit einem großen Taschentuch über die spiegelblanke Glatze.
Der Seelord hatte sich gegen eine Hausmauer gelehnt und den Blick zur anderen Seite gewandt.
Das schrille Geräusch der Alarmpfeife ließ den Seemann zusammenzucken. Der Bobby hätte die Pfeife zwischen die Lippen geklemmt und blies das vorgeschriebene Signal.
Und nun konnte der Seelord nur staunen. Innerhalb weniger Minuten kamen fünf Polizisten angerannt. Zwei liefen sofort wieder weg und alarmierten die Mordkommission.
Hier muss irgendwo ein Bullennest sein, dachte der Seemann. Um ihn kümmerte man sich auch.
Er musste erstmal seine Personalien angeben. Zum Glück hatte er einen Ausweis bei sich.
Der Seelord hieß Fred Wagoner und war Schotte. Er fuhr auf einem Kohlenfrachter.
Und dann trudelte die Mordkommission ein. Fred Wagoner wunderte sich, dass die beiden schweren Wagen überhaupt in die schmale Gasse kamen, aber die Fahrer hatten hier wohl nicht zum ersten Mal zu tun.
Leiter der Mordkommission war ein gewisser Inspektor Simmons. Eine Viertelstunde kümmerte sich niemand um den Seelord. Simmons und sein Team arbeiteten konzentriert. Sie waren eingespielt wie ein gut funktionierendes Uhrwerk.
Fred Wagoner hatte Musse, sich den Beamten zu betrachten. Am meisten wunderte er sich über die erkaltete Pfeife, die im rechten Mundwinkel des Inspektors hing und die er noch nicht einmal beim Sprechen in die Hand nahm oder in die Tasche steckte. Simmons trug keinen Hut. Sein Haar war fahlblond und früher auch einmal dichter gewesen. Der helle Trench schlotterte um Simmons Körper und hatte auch schon bessere Tage gesehen. Ein Freund hatte Wagoner jedoch einmal gesagt, man solle sich von dem äußeren Eindruck mancher Londoner Polizisten nicht täuschen lassen. Die Burschen verstanden ihr Fach.
Der Inspektor baute sich vor Wagoner auf und nickte. »Sie sind also Fred Wagoner, der Mann, der den Toten entdeckt hat.«
»Ja, Sir.«
Simmons deutete ein Lächeln an, als er die Unsicherheit des Seelords bemerkte. »Damit Sie wissen, mit wem Sie es zu tun haben, ich bin Inspektor Simmons und dafür bekannt, dass ich oft unangenehme Fragen stelle. Aber das lässt sich nun mal nicht vermeiden, es gehört zu meinem Beruf. Am besten, wir unterhalten uns im Wagen.«
Wagoner schlüpfte mit dem Inspektor in den großen Kastenwagen der Mordkommission. Eine kleine Lampe brannte, und ein Beamter saß vor einer Koffermaschine, in die ein Formular eingespannt worden war.
Wagoner musste nochmals seine Personalien angeben und anschließend die Geschichte erzählen. Das dauerte ungefähr zehn Minuten.
Inspektor Simmons hörte schweigend zu. Schließlich fragte er. »Sagen Sie mal, guter Mann, wie kommen Sie eigentlich in diese Gegend? Die Vergnügungsecken liegen doch einige Straßen weiter.«
Wagoner verzog das Gesicht und fuhr sich durch sein dichtes schwarzes Haar. »Also, das ist eine ganz komische Geschichte. Ich war mit einigen Kumpels unterwegs, und da sind wir in eine Prügelei geraten. Ich war schon ziemlich voll und hab’zugesehen, dass ich mich aus dem Staube machte. Nicht dass Sie denken, ich wäre feige, Inspektor, aber wenn man ein Whiskybad genommen hat, dann ist man doch nicht mehr so in Form.«
»Verständlich. Aber weiter.«
»Was soll ich da erzählen? Ich …«
»Ist Ihnen etwas aufgefallen? Haben Sie vielleicht irgendjemanden gesehen?«
»Nee, Inspektor. Nichts. Und dabei habe ich mich noch genau umgesehen. Ich hatte Angst … na ja, wer weiß, man hätte mir ja auch den Mord in die Schuhe schieben können.«
»Woher wissen Sie denn, dass es Mord war?«
»Inspektor, jetzt werden Sie aber spitzfindig. Das sieht doch ein Blinder. Wenn ich Selbstmord begehen will, dann hänge ich mich doch nicht an eine Straßenlaterne, dann …«
Einer von Simmons Mitarbeitern steckte seinen Kopf durch den Türspalt. »Inspektor, können Sie mal kommen?«
»Muss das sein?«
»Ja, es ist wichtig.«
»Gut. Waymire!«
»Sir?« Der Corporal an der Schreibmaschine wandte den Kopf. »Nehmen Sie schon mal die Fingerabdrücke von Mister Wagoner.«
»Geht in Ordnung, Sir.«
»Aber warum denn das?«, rief der Seelord erschrocken. »Ich habe ihn doch nicht umgebracht.«
»Davon redet auch keiner«, erwiderte der Inspektor. »Sie haben aber doch bestimmt den Laternenpfahl angefasst.«
»Das stimmt allerdings.«
»Na bitte. Und den Pfahl werden wir jetzt auf Prints untersuchen. Dann müssen Ihre ja dabei sein.«
»Ja, jetzt verstehe ich.«
Seufzend stieg Inspektor Simmons aus dem Wagen. Sein Mitarbeiter erwartete ihn schon ungeduldig.
»Hier, Inspektor, das haben wir bei dem Erhängten gefunden. Es steckte in einer Geheimtasche.«
Der Mann reichte Simmons eine Plastikhülle, die man auseinanderklappen konnte.
Inspektor Simmons betrachtete prüfend die beiden Hälften. Und dann wäre ihm bald vor Schreck die Pfeife aus dem...
| Erscheint lt. Verlag | 6.5.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair Gespensterkrimi | John Sinclair Gespensterkrimi |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • Bastei • blutig • Classic • classics • Clown • Dämonenjäger • Geisterjäger • Gruselroman • Grusel-Roman • Grusel-serie • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror deutsch • horror deutsch kindle • Horror-Roman • Horrorroman deutsch • Horror-Serie • horror thriller • Horror-Thriller • horror thriller deutsch • Jason Dark • Julia-meyer • Krimi-Bestseller • Krimi-deutsch • Krimi kindle • krimi neuerscheinungen 2017 • Krimi-Thriller • Lovecraft • Paranomal • Professor Zamorra • Pulp Ficition • Roman-Heft • Sinclair • sinclair classics • Slasher • spannend • Splatter • Stephen King • Stephen-King • Steven King • Terror • Thriller-Serie • Tony Ballard • Walking Dead • Zombies |
| ISBN-10 | 3-7325-0052-7 / 3732500527 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-0052-9 / 9783732500529 |
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