John Sinclair Gespensterkrimi - Folge 10 (eBook)
64 Seiten
Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG
978-3-7325-0034-5 (ISBN)
Endlich als E-Book: Die Folgen der Kult-Serie John Sinclair aus den Jahren 1973 - 1978, die in der Reihe Gespenster-Krimi erschienen sind!
Die Bräute des Vampirs.
Ein Geräusch ließ Miriam herumfahren. In der Tür stand ein hochgewachsener Mann in einem schwarzen Umhang. Seine Augen versprühten ein seltsames Feuer. >>Wer sind Sie?<<, fragte Miriam mit bebender Stimme.
>>Der König der Vampire<<, entgegnete der Mann. >>Und ich werde dich zu meiner Braut machen. Du sollst mit mir über das Reich der Untoten regieren.<<
Der Mann kam auf Miriam zu. Ein wohliger Schauer rieselte ihr über den Rücken. Sie sank in die Knie.
Er beugte sich hinunter, bog ihren Kopf zurück und öffnete den Mund. Zwei nadelspitze Eckzähne wurden sichtbar und ganz langsam näherten sich die Zähne der Halsschlagader des Mädchens ...
John Sinclair - der Serien-Klassiker von Jason Dark. Mit über 300 Millionen verkauften Heftromanen und Taschenbüchern, sowie 1,5 Millionen Hörspielfolgen ist John Sinclair die erfolgreichste Horrorserie der Welt. Für alle Gruselfans und Freunde atemloser Spannung.
Tauche ein in die fremde, abenteuerliche Welt von John Sinclair und begleite den Oberinspektor des Scotland Yard im Kampf gegen die Mächte der Dunkelheit!
Der tödlich Verletzte sackte zu Boden. Aus weit aufgerissenen Augen starrte er auf seinen Mörder, der vor ihm stand und diabolisch grinste.
Im selben Augenblick zuckte ein Blitz über den Himmel, dem Sekundenbruchteile später der grollende Doller folgte.
Aber das hörte der Fahrer bereits nicht mehr. Tod und in seltsam verkrümmter Haltung lag er auf dem Boden.
»Narr!«, zischte sein Mörder verächtlich.
Er entwickelte nun eine fieberhafte Tätigkeit. Ehe der nächste Blitz aufzuckte, hatte er schon das Messer an sich genommen, an der Kleidung des Toten abgewischt und die Leiche in ein nahes Gebüsch gezogen. Dann lief er zum Heck des Lieferwagens und löste die Plane. Mit einem Schwung warf er sie nach oben. Der Mörder stützte sich auf den Rand der Ladeklappe und schwang sich in den Wagen.
Jetzt fielen die ersten Tropfen. Hohl klatschten sie auf die Plane.
Der Mann griff in die Hosentasche und holte eine Schachtel Zündhölzer hervor. Mit flatternden Fingern riss er ein Streichholz an.
Er hielt den Arm ausgestreckt und ging zwei Schritte vor.
Da stand die Kiste: Sie war aus Holz und besaß an den Seiten zwei Tragegriffe.
Der Mörder fluchte, weil das Streichholz plötzlich verlosch. Er riss ein neues an und untersuchte in seinem Schein die Kiste genauer.
Der Deckel war mit Nägeln befestigt und gesichert worden. Der Mann überlegte, ob er ihn aufbrechen sollte, entschied sich aber dann anders.
Wieder verlöschte das Streichholz.
Der Mörder sah durch die hochgeworfene Plane nach draußen. Schwefelgelb war der Himmel. Ununterbrochen zuckten die Blitze auf die Erde. Grollende Donner hallten über das Land. Der Regen goss wie Bindfäden vom Himmel.
Der Mann auf der Ladefläche schwitzte. Die Sachen klebten ihm am Körper. Aber es war nicht nur die Schwüle, die ihn schwitzen ließ, sondern die Freude über den Teilerfolg, den er nach langer Arbeit errungen hatte.
In der Kiste war Erde. Erde aus Transsylvanien.
Aus Draculas Heimat!
Der Mörder hatte keine Kosten und Mühen gescheut, an diese Erde heranzukommen. Jahre hatte er gebraucht. Begonnen hatte eigentlich alles mit einem alten Buch, das er zufällig in einem Trödlerladen gekauft hatte. In dem Buch stand unter anderem folgender Satz:
Nimm die Erde Draculas, und vermenge sie mit deinem Blut!
Danach folgten die Namen gewisser Kräuter und Essenzen, die noch zu dieser Mischung gegeben werden sollten.
Er hatte sich alles besorgt. Und jetzt – nach Jahren – befand sich der Mann auf dem Höhepunkt seines Erfolges.
Denn Dr. Boris Barow wollte es der Menschheit beweisen. Sie regelrecht vernichten.
Barow erwachte wie aus einem Traum. Sein Gesicht hatte sich bei dem Ausflug in die Gedankenwelt verzerrt, so sehr hatte ihn die Vergangenheit mitgenommen.
Mit der Hand strich Dr. Barow über den Kistendeckel. Seine Augen leuchte-. ten fanatisch, als er flüsterte: »Bald werde ich sein wie Dracula. Ich, Boris Barow, bin der König der Vampire!«
Irgendwann in der Nacht ließ das Gewitter nach. Es hörte auf zu regnen.
Jetzt wurde es Zeit für Boris Barow, zurückzufahren. Er sprang von der Ladefläche.
Bis zu den Knöcheln sackte er im Schlamm ein. Der Regen hatte den Boden völlig aufgeweicht.
Fluchend stiefelte Dr. Barow zum Führerhaus. Die Luft war klar und rein. Unzählige Sterne funkelten am Himmel und sandten ihren silbernen Schein auf die Erde.
Die Tür des Führerhauses stand noch immer offen. Dadurch hatte es in den Wagen hineingeregnet. Die roten Kunststoffsitze waren nass. Der Schlüssel steckte noch.
Dr. Barow schwang sich mit einem Satz hinter das Steuerrad. Der Motor kam beim dritten Anlauf.
Barow kuppelte, legte den Gang ins Getriebe, gab Gas – und der Wagen fuhr. Trotz des aufgewühlten Bodens. Es war, als habe Satan selbst die Hand im Spiel.
Mit mäßiger Geschwindigkeit rumpelte der Wagen durch die Nacht. Bald erreichte Dr. Barow eine Landstraße. Sie mündete nach wenigen Kilometern in eine Staatsstraße, die eine direkte Verbindung zur Hauptstadt des Landes – Budapest – darstellte.
Das Flugticket hatte Dr. Barow schon zwei Tage vorher gelöst.
Er erreichte den Flughafen nach sechs Stunden Fahrt. Die Kiste wurde vom Zoll überprüft und dann für den Versand fertiggemacht.
Dr. Barow fuhr noch kurz in sein Hotel, um den Koffer zu holen. Ihn hielt nichts mehr in Ungarn. Für ihn gab es nur noch ein Ziel: London!
*
Das Haus war uralt und lag am Stadtrand von London. Jahrelang war es nicht bewohnt gewesen, hatte Pennern und Herumtreibern als Notunterkunft gedient.
Bis Dr. Barow auf das Haus aufmerksam geworden war. Er hatte es gekauft und für seine finsteren Zwecke umbauen lassen. Aber auch dies lag schon drei Jahre zurück. Genau die Zeit, die Barow brachte, um all seine Vorbereitungen zu treffen. Im Keller hatte er sich ein modernes Labor eingerichtet, in dem er seinen teuflischen Forschungen nachging. Der verwilderte Garten war durch eine elektrische Alarmanlage gesichert, die unliebsame Gäste fernhielt.
Niemand störte sich an Dr. Barow. Die Bauern, deren Gehöfte in einigen Meilen Umkreis lagen, bekamen den Wissenschaftler kaum zu Gesicht. Sie wussten eigentlich nur, dass er einen schwarzen Mercedes fuhr.
Dr. Barow war dies nur recht. So konnte er ungestört seinen Arbeiten nachgehen, deren Erfolg sich auch bald einstellte.
Seit dem Tag, da er die Kiste aus Ungarn geholt hatte, hatte er das Haus nicht mehr verlassen. Sein Lebensmittelvorrat reichte für Monate, und die Dinge, die er für seine Versuche brauchte, hatte er sich auch längst besorgt.
Dr. Barow experimentierte Tag und Nacht. In seiner Hexenküche wurde die Erde genau untersucht. Die Ergebnisse ausgewertet, verglichen und in lange Tabellen eingetragen.
Die Zeit verging.
Und dann hatte es Dr. Barow geschafft. In einem Erlenmeyerkolben schwappte die dunkelrote Mixtur.
Eine Mischung aus Erde und seinem Blut!
Mit fanatisch glänzenden Augen blickte sich Dr. Barow in seinem Labor um. Sein Blick streifte die Apparaturen, die Messgeräte und Chemikalien, und er wusste, dass er mithilfe der Wissenschaft den Vampirismus wieder zum Leben erwecken würde.
Dr. Barow umfasste den Erlenmeyerkolben mit beiden Händen, so, als hätte er Angst, ihn fallen zu lassen.
Vorsichtig stieg er über die Steintreppe nach oben. Er ging in seinen Wohnraum, der mit alten Möbeln ausgestattet war, und in dem auch ein großer Wandspiegel hing.
Vor diesem Spiegel blieb Dr. Barow stehen.
Minutenlang betrachtete er sich.
Er sah einen Mann um die 50. Groß, hager, mit schwarzen, nach hinten gekämmten Haaren. Die Augen wirkten wie dunkle Krater und lagen tief in den Höhlen. Die Wangenknochen stachen scharf hervor, was auf slawische Abstammung schließen ließ.
»Wie Dracula!«, flüsterte Dr. Barow.
Langsam hob er den Erlenmeyerkolben und setzte ihn an die,Lippen.
Die dunkelrote Flüssigkeit lief in den schmalen Hals des Gefäßes, rann in Dr. Barows Mund …
Der Mann spürte den süßen Geschmack seines eigenen Blutes auf der Zunge, vermischt mit den geheimnisvollen Kräutern, die dem Trank beigemixt worden waren.
Die sirupdicke Flüssigkeit rann in seine Kehle und von dort weiter in den Magen.
Geheimnisvolle Kräfte begannen zu wirken, vermischten sich mit dem Blut in Dr. Barows Adern und ließen Puls- und Herzschlag rasend in die Höhe schießen.
Dr. Barow stöhnte auf. Er fühlte, wie ihm schwindlig wurde. Unartikulierte Laute drangen aus seiner Kehle.
Die Hände des Mannes verkrampften sich, ein Schüttelfrost drang durch seinen Körper, das Zimmer tanzte plötzlich vor seinen Augen, und Sekunden später brach Dr. Barow zusammen.
Irgendwann wurde er wach.
In seinem Schädel lastete ein ungeheurer Druck. Dr. Barow fühlte sich schwach und elend, doch mit jeder Sekunde besserte sich sein Zustand. Das Neue, das Unfassbare in ihm begann die Oberhand zu gewinnen.
Dr. Barow richtete sich auf.
Er befand sich noch immer vor dem Spiegel, und er fühlte plötzlich, dass sich sein Oberkiefer seltsam gespannt und hart anfühlte.
Dr. Barow warf einen Blick in den Spiegel und erschrak bis ins Mark.
Er sah sein Ebenbild nicht mehr.
Das Unmögliche war geschehen.
Dr. Barow war zu einem Vampir geworden!
*
Boris Barow lächelte. Dabei entblößte er seine Zahnreihen, sodass die beiden spitzen Vampirzähne überdeutlich zum Vorschein kamen.
Ja, er war ein Vampir. Jetzt gab es kein Zurück mehr.
Und er brauchte Blut. Das Blut von jungen Mädchen, um weiter existieren zu können.
In seinem Keller hatte er alles vorbereitet. Särge standen dort, in denen seine Opfer tagsüber schlafen sollten. In einer Dunkelheit, die nie von einem Sonnenstrahl durchbrochen wurde.
Aber nachts würden sie auf Jagd nach neuen Opfern gehen.
Mit auf dem Rücken gefalteten Händen ging Dr. Barow durch sein Haus. Die Einrichtung war alt und kostbar. Dicke Teppiche bedeckten den Boden. Seltsam gedrehte Kerzen, die in schweren silbernen Leuchtern steckten, brachten die nötige Helligkeit. Denn elektrisches Licht war für die Vampire tödlich.
Dr. Barow trat an einen wuchtigen Eichenschreibtisch. Er zog die oberste Schublade auf und entnahm ihr einen Zettel.
Drei Namen standen auf diesem Blatt Papier.
Mädchennamen.
Miriam West, Jane Collins, Brenda Porter!
Dr. Barows erste Opfer!
Er hatte die drei Mädchen beobachtet. Kannte genau ihren Tagesablauf.
...| Erscheint lt. Verlag | 6.5.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair Gespensterkrimi | John Sinclair Gespensterkrimi |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | 2017 • Bastei • blutig • Classic • classics • Clown • Dämonenjäger • Geisterjäger • Gruselroman • Grusel-Roman • Grusel-serie • Horror • Horror Bücher ab 18 • horror deutsch • horror deutsch kindle • Horror-Roman • Horrorroman deutsch • Horror-Serie • horror thriller • Horror-Thriller • horror thriller deutsch • Jason Dark • Julia-meyer • Krimi-Bestseller • Krimi-deutsch • Krimi kindle • krimi neuerscheinungen 2017 • Krimi-Thriller • Lovecraft • Paranomal • Professor Zamorra • Pulp Ficition • Roman-Heft • Sinclair • sinclair classics • Slasher • spannend • Splatter • Stephen King • Stephen-King • Steven King • Terror • Thriller-Serie • Tony Ballard • Walking Dead • Zombies |
| ISBN-10 | 3-7325-0034-9 / 3732500349 |
| ISBN-13 | 978-3-7325-0034-5 / 9783732500345 |
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