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»Mein himmlisches Königreich« (eBook)

Gartenglück mit Elizabeth von Arnim

(Autor)

Katrin Eisner (Herausgeber)

eBook Download: EPUB
2015 | 1., Originalausgabe
160 Seiten
Insel Verlag
978-3-458-73996-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

»Mein himmlisches Königreich« - Elizabeth von Arnim
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Ach, ich könnte vor Freude jauchzen und tanzen, dass der Frühling da ist! Dieses Wiedererwachen von Schönheit in meinem Garten und heller Zuversicht in meinem Herzen! Ihr Garten machte Elizabeth von Arnim glücklich, sie frönte der herrlichen Pracht der Blüten und feierte die Sinnesfreuden der Natur. Dabei ist der Garten für sie auch eine große Spielwiese: Der grüne Daumen übernimmt die Regie, die Hände graben emsig in der Erde, es werden Rabatten bepflanzt und Beete gejätet. Genau so sehr aber schätzt sie ihn als Ruhestatt und Rückzugsort, um sich vor ungeliebten Mitmenschen, übellaunigen Ehemännern, kauzigen Bekannten und eitlen Besuchern in Sicherheit zu bringen - und sich allein der Schönheit des Lebens hinzugeben ... »Was bin ich doch für eine glückliche Frau, dass ich in einem Garten lebe, mit Büchern, Kindern, Vögeln und Blumen und reichlich Muße, all das zu genießen!«

<p>Elizabeth von Arnim wurde am 30. August 1866 bei Sydney als Mary Anette Beauchamp geboren und wuchs in England auf. Sie war eine Cousine von Katherine Mansfield, mit der sie in sp&auml;teren Jahren bis zu deren Tod 1923 auch eine enge Freundschaft verband.<br /> Mit 24 Jahren heiratete Elizabeth den preu&szlig;ischen Grafen Henning August von Arnim-Schlagenthin und lebte in Berlin und auf dem Familiengut Nassenheide in Pommern, wo auch ihr erster Roman <i>Elizabeth und ihr Garten</i> (1898) entstand. Als die Familie in finanzielle Schwierigkeiten geriet, mu&szlig;te das Gut verkauft werden. 1908 trennte sich das Ehepaar. Elizabeth von Arnim kehrte mit den Kindern nach England zur&uuml;ck. Die darauffolgenden Jahre bis 1913 verbrachte Elizabeth von Arnim meist in der Schweiz und in Gro&szlig;britannien an der Seite von Herbert George Wells. 1916 ehelichte sie Frank Russell, 2. Earl Russell, und Bruder von Bertrand Russell. Die Ehe dauerte bis 1919. Elizabeth von Arnim lebte fortan in Gro&szlig;britannien; Italien und schlie&szlig;lich in S&uuml;dfrankreich, 1939 emigrierte sie in die USA. Sie starb am 9. Februar 1941 in Charleston / South Carolina.</p>

DIE BUNTE PRACHT DER BLÜTEN


 

Zu beiden Seiten der Steintreppe war das Immergrün voll aufgeblüht, und sie konnte jetzt erkennen, was in der vorigen Nacht nach ihr gegriffen und naß duftend über ihr Gesicht gefahren war. Es waren die Glyzinen. Glyzinen und Sonnenschein …, sie erinnerte sich an das Inserat. Hier gab es tatsächlich beides im Übermaß. Die Glyzinen überschlugen sich in exzessiver Lebenslust, Blütenüppigkeit; und da, wo die Pergola aufhörte, strahlte die Sonne auf scharlachrote Geranien, wahre Büsche, auf Unmengen von Kapuzinerkresse und leuchtende Ringelblumen, die zu brennen schienen, auf rote und rosafarbene Löwenmäulchen, und jede Pflanze übertraf die andere an Leuchtkraft der Farbe. Hinter diesen flammenden Gebilden fiel das Gelände terrassenförmig zum Meer hin ab, jede Terrasse war ein kleiner Obstgarten, wo zwischen Olivenbäumen Wein an Spalieren rankte und Feigen-, Pfirsich- und Kirschbäume gediehen. Die Pfirsich- und Kirschbäume standen in Blüte, zauberhafte Schauer von Weiß und Dunkelrosa zwischen der zittrigen Zartheit des Olivenlaubs; die Feigenblätter waren gerade groß genug, um nach Feigen zu riechen, die Weinträubchen waren noch Winzlinge. Und unter diesen Bäumen wuchsen Grüppchen von blauen und purpurnen Schwertlilien, Büsche von Lavendel und Kakteen, grau und spitz, und das Gras war übersät mit Löwenzahn und Gänseblümchen, und ganz unten am Ende ruhte das Meer. Man hatte den Eindruck, jemand habe mit Farbe herumgekleckst; alle möglichen Farben dick aufgetragen oder in wahren Kaskaden sich verlaufen lassen – das Immergrün sah genau so aus, als sei es zu beiden Seiten der Stufen heruntergeströmt –, und Blumen, die in England nur in Rabatten wuchsen, stolze Blumen, gern für sich bleibend, wie die großen blauen Schwertlilien und der Lavendel, wurden hier bedrängt von kleinen leuchtend ordinären Dingern wie dem Löwenzahn und den Gänseblümchen und den weißen Dolden der wilden Zwiebel, und schienen bloß noch üppiger sprießen zu wollen.

Verzauberter April

Neben den Rosen sind die duftenden Wicken meine Lieblingsblumen. Niemand, höchstens die, welche um jeden Preis originell sein wollen, wird die absolute Vorherrschaft der Rose leugnen. Ihr Thron ist unangetastet, die einzige Frage ist: Welche Blume liebt man nach den Rosen am meisten? Ich habe lange gebraucht, um das zu entscheiden, obwohl ich vermutlich im Grunde meines Herzens schon immer wußte, daß es die Wicken waren. Jeden Sommer, wenn sie sich zeigen, und jedesmal, wenn ich bei meinem Rundgang im Garten an ihnen vorbeikomme, flüstere ich unwillkürlich: »O ja, ihr seid die allerschönsten, ihr süßen, lieben Wesen.« Ist es nicht ein großer Triumph für sie, gleich nach den Rosen zu kommen? Wieviel Schönheiten gibt es, denen sie zuvorkommen – Lilien, Schwertlilien, Nelken, Veilchen, seidige, zarte Mohnblumen, großartige Rittersporne, leuchtende Kapuzinerkresse, hitzige Ringelblumen und die glatten, kühlen Stiefmütterchen. Gerade jetzt blüht ein Beet mit all diesen Herrlichkeiten, ein kleiner, ausgewählter Fleck mit fruchtbarem Boden, ungefähr fünf Meter lang und von unregelmäßiger Breite. Sein breitester Teil endet an dem Weg, der an der Südfront des Hauses vorbeiführt, und sein schmalster senkt sich hinunter zu einer feuchten, flachen Stelle neben einem winzigen Bach, eigentlich ein dünner Faden tröpfelnden Wassers, wo eine Gruppe japanischer Schwertlilien steht, die Blüten im Sonnenschein, die Füße im kühlen Naß. Neben ihnen, ein wenig höher am Hang, Madonnenlilien, von keuschem Aussehen, aber wollüstigem Duft, daneben ein Büschel Stockrosen in den zartesten Farbtönen von Rosa, Gelb, und Weiß, rechts und links davon weiße Margeriten und Nachtkerzen und Shirley, die erlesenste aller Mohnblumen, etwas weiter weg eine Staude metallblauen Rittersporns neben kräftigen weißen Lupinen, und überall dazwischen Reseda, Levkojen, Nelken und noch ein Dutzend kleinerer, aber nicht weniger ansehnlicher Pflanzen! Ich wünschte, ich wäre ein Dichter, um die Schönheit dieses Erdenflecks angemessen beschreiben zu können, wie er an diesem Nachmittag nach dem Regen in der Sonne funkelt. Doch von all den bezaubernden, delikaten, duftenden Staudengruppen ist keine für mich so auserlesen wie die Wickenhecke an der Nordwestecke des Beets. Wicken haben etwas so überaus Feines, Zierliches, etwas so Gewinnendes mit ihren kletternden, sich windenden, nachgiebigen Ranken, und dann der lange; gerade Stengel mit der wohlgeformten, geflügelten Blüte an der Spitze, von weicher, perlenhafter Beschaffenheit in allen nur erdenklichen Farbnuancen – alle rein und anmutig, keine häßlich oder auch nur weniger anziehend als die anderen. Drinnen im Haus – was könnte, außer einer Porzellanschale mit Rosen, lieblicher sein als ein Wickenstrauß in einem Delfter Krug? Öffnet man die Tür, so strömt einem sofort ihr Duft entgegen. Man beugt sich über sie, begräbt sein Gesicht darin und kann sich nicht von ihnen trennen.

Einsamer Sommer

Der Löwenzahn bedeckte wie ein Teppich die drei Rasenflächen – einst war es Rasen, er ist aber seit langem zur Wiese erblüht mit allerlei hübschem Unkraut –, und unter und zwischen den Gruppen kahler Eichen und Birken wuchsen scharenweise blaue Leberblümchen, weiße Anemonen, Veilchen und Scharbockskraut. Letzteres entzückte mich besonders mit seinem gefälligen frohen Glanz, so adrett hübsch und frisch lackiert, als hätten auch bei ihm die Anstreicher ihr Werk getan. Als dann die Anemonen verschwunden waren, tauchten vereinzelt Immergrün und Weißwurz auf, und wie auf einen Schlag erblühten all die Vogelkirschen. Und dann, noch ehe ich mich ein wenig an die Freude über ihre Blütenpracht vor dem weiten Himmel gewöhnt hatte, erschien der Flieder – ganze Heerscharen Flieder: in Büscheln über den Rasen verstreut, zusammen mit anderen Sträuchern und Bäumen längs der Wege, und ein großer zusammenhängender Fliederwall zog sich gleich hinter der Westfassade des Hauses dahin, eine halbe Meile lang, soweit der Blick reichte, und hob sich herrlich gegen den Kiefernhintergrund ab. Als dann auch noch, kurz bevor alles vorbei war, die Akazien ihre Blüten zeigten und vier große Büsche blasser silberrötlicher Pfingstrosen unter den Südfenstern aufblühten, war ich so überglücklich, so selig und dankbar, wie ich es gar nicht schildern kann. Meine Tage schienen in einem Traum rosaroten und purpurnen Friedens dahinzuschmelzen.

Elizabeth und ihr Garten

Es war ein bezaubernder Abend, ein passender Abschluß für einen schönen 1. Mai. In der Dämmerung leuchteten Blumen wie blasse Sterne, die Luft war von süßen Düften erfüllt, und ich beneidete die Fledermäuse, die im Duft förmlich badeten, über sich die echten Sterne und unter sich die Sterne der Stiefmütterchen, und sie selbst waren lautlos und konnten – selbst wenn sie gewollt hätten – den herrschenden Frieden nicht stören. […] Um diese Zeit ist mein Garten voll von Goldlack, ich glaube, es gibt keine Farbe und Art, die ich nicht angepflanzt hätte. Die Beete unter den Südfenstern des Hauses, die letztes Jahr so leer und melancholisch dalagen, sind voll davon, vorne begrenzt von einem breiten Streifen gelber und weißer Stiefmütterchen von einem Ende zum anderen. Die Teerosenbeete gegenüber, rund um die Sonnenuhr, sind überzogen mit weißen, goldfarbenen, purpur- und weinroten Stiefmütterchen, und darüber die zarten, roten Triebe der Rosen. Auf den Verandastufen, die hinab in dieses Stiefmütterchenparadies führen, stehen auf beiden Seiten Kästen mit weißen, rosa und gelben Tulpen, und auf dem Rasen hinter den Rosen breiten sich zwei große Rabatten mit bunten Tulpen aus, die sich über einem Teppich aus Vergißmeinnicht erheben.

Einsamer Sommer

Die Sonne strömte durch die beiden Fenster hinein, deren Blick nach Osten über die Bucht ging, und ergoß sich in den Saal, und die Tür zum Garten hinaus stand offen, und der Garten war voll von wunderschönen Dingen, besonders Freesien.

Der zarte und köstliche Wohlgeruch der Freesien drang durch die Tür und schwebte um Mrs. Wilkins' hingerissene Nüstern. In London waren Freesien unerschwinglich für sie. Gelegentlich ging sie in einen Blumenladen und fragte, was sie kosteten, einfach um eine Ausrede zu haben, einen Strauß Freesien hochzuheben und ihren Duft einzuziehen, wobei sie nur zu genau wußte, drei Stück kriegte man für den saftigen Preis von einem Schilling. Hier prangten sie en masse, sprossen an allen Ecken und Enden, legten Teppiche auf die Rosenbeete. Sich vorzustellen, daß man ganze Armvoll Freesien pflücken konnte, wenn man wollte, und der herrliche Sonnenschein, der ins Zimmer flutete, und ein Sommerkleid zu tragen, wo gerade erst der erste April war!

Verzauberter April

Den Gartenweg hinunter, vorbei an Fliederbüschen mit schwellenden dunklen Knospen und dem großen dreieckigen Beet mit Rosen und Stiefmütterchen davor, zwischen den Reihen von Monatsrosen und den Büscheln von Lilien und Fingerhut hindurch, gelangten wir gestern abend in den Frühlingsgarten auf der Lichtung rund um eine alte Eiche. Und hier war eine gefüllte Kirsche voll erblüht. Wie eine edle, weiße Nackte stand sie in der Abenddämmerung, dicht neben ihr, aber so spät nicht mehr sichtbar, zwei japanische Holzapfelbäume, die anmutigen Umrisse gesäumt von rosa Knospen. Das Gras dort ist voll von Narzissen, und am Fuß der Eiche tröstet mich eine Tulpenkolonie über den Verlust der purpurnen Krokusflecken hinweg, die noch vor kurzem so eifrig blühten.

Einsamer...

Erscheint lt. Verlag 9.3.2015
Verlagsort Berlin
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Romane / Erzählungen
Sonstiges Geschenkbücher
Schlagworte 50plus • Best Ager • Frohe Ostern • Garten • Gedichte • Generation Gold • Geschenkbuch • Golden Ager • insel taschenbuch 4374 • IT 4374 • IT4374 • Osterbuch • Ostergeschenk • Ostergeschenke • Ostern • Rentner • Rentnerdasein • Ruhestand • Senioren
ISBN-10 3-458-73996-3 / 3458739963
ISBN-13 978-3-458-73996-8 / 9783458739968
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