Das Bündnis (eBook)
401 Seiten
Heyne (Verlag)
978-3-641-15325-0 (ISBN)
London 1454: Das englische Reich ist gespalten. Der machthungrige Richard von York regiert als Statthalter, König Henry VI. ist krank und nicht mehr fähig, das Land zu regieren. Seine Gemahlin Margaret von Anjou steht ihm tapfer zur Seite, und die königstreuen Lords schwören ihrem Herrn Beistand. Doch die Schar der Feinde nimmt weiter zu. Richard von York geht mit den Earls von Salisbury und Warwick ein Bündnis ein, um die Krone endgültig zu erlangen. Doch dann gesundet Henry überraschend und will seine Regentschaft wieder aufnehmen. Die beiden Herrscherhäuser Lancaster und York stehen nun im offenen Kampf gegeneinander, und die Rosenkriege nehmen ihren blutigen Lauf ...
Conn Iggulden unterrichtete Englisch an der Universität von London und arbeitete sieben Jahre als Lehrer, bevor er schließlich mit dem Schreiben historischer Abenteuerromane begann. Er lebt mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen im englischen Hertfordshire. Die Romane seiner 'Emperor'-Trilogie stürmten binnen Kurzem die britischen Bestsellerlisten. 2006 gefolgt von seinem ersten Sachbuch dem 'Dangerous Book for Boys', das er zusammen mit seinem Bruder Hal schrieb und das das als 'Buch des Jahres' bei den British Book Awards ausgezeichnet worden ist. Ein Buch wie das 'Dangerous Book' hätten sie damals gerne zur Hand gehabt. Nun haben sie es selbst geschrieben und der goldenen Zeit der Kindheit und der Abenteuer ein Denkmal gesetzt.
PROLOG
Vicomte Michel Gascault war gewiss kein Spion. Er hätte es empört von sich gewiesen, wenn man ihn so genannt hätte. Natürlich stand es außer Frage, dass der französische Gesandte am englischen Hof bei seiner Rückkehr alles melden würde, was seinen Monarchen interessieren könnte. Ebenso stand es außer Frage, dass Vicomte Gascault viel Erfahrung mit den Königshäusern Europas hatte und sich mit Schlachten auskannte. Er wusste, was König Charles von Frankreich wissen wollte, und deshalb beobachtete Vicomte Gascault alles, was um ihn herum geschah, äußerst sorgfältig, auch wenn das nicht sehr viel war. Spione waren von geringer Herkunft, verkommene Gestalten, die sich in Torbögen herumdrückten und sich Losungsworte zuflüsterten. Vicomte Gascault, de l’autre côté – oder »andererseits«, wie man hierzulande sagte –, war ein französischer Höfling, der so hoch über diesen Dingen stand wie die Sonne über der Erde.
Solcher Art waren die Gedanken, mit denen er sich in seinen Mußestunden beschäftigte. Ganz gewiss würde er König Charles berichten, dass man ihn drei Tage lang ignoriert hatte, während derer er in einem prunkvollen Zimmer im Palast von Westminster Däumchen gedreht hatte. Die Diener, die man ihm schickte, waren nicht einmal sauber gewaschen, hatte er bemerkt, obwohl sie immer sehr prompt kamen. Einer von ihnen roch sogar nach Pferden und Urin, als seien die königlichen Ställe sein eigentlicher Arbeitsplatz.
Nein, das konnte man nicht abstreiten, für Gascaults körperliche Bedürfnisse war gut gesorgt, was man allerdings von seinen offiziellen Anliegen als Botschafter nicht sagen konnte. Jeder Tag begann damit, dass seine Diener ihn in seine schönsten Gewänder kleideten, ihm seine prächtigsten Mäntel anlegten, die sie aus den riesigen Truhen holten, die er, vollgepackt mit Kleidungsstücken, aus Frankreich mitgebracht hatte. Bisher hatte er noch keine Farbkombination wiederholen müssen, und auch wenn er gehört hatte, dass einer der englischen Diener ihn als den »französischen Pfau« bezeichnete, machte ihm das nichts aus. Bunte Kleider hellten seine Stimmung auf, und ansonsten gab es herzlich wenig, womit er sich die Zeit hätte vertreiben können. Er hielt nicht viel von den Speisen, die man ihm hier vorsetzte. Zwar wusste er, dass man einen französischen Koch in Dienst genommen hatte, aber ebenso klar war auch, dass dem Mann der Geschmack seiner Landsleute ziemlich egal war. Gascault schüttelte sich bei dem Gedanken an die faden Speisen, die hier auf den Tisch gekommen waren.
Die Stunden waren vergangen wie bei einer Beerdigung, und er hatte längst jedes Schriftstück gelesen, das man ihm mitgegeben hatte. Beim Schein eines Leuchters hatte er sich schließlich einem graubraunen Buch zugewandt, das ihm gehörte und das durchweg mit seinen Anmerkungen versehen war. De Sacra Coena von Berengarius war eins seiner Lieblingsbücher. Natürlich hatte die Kirche diese Abhandlung über das Letzte Abendmahl verboten. Alle Auseinandersetzungen, die sich mit den Geheimnissen um den Leib und das Blut befassten, erregte unweigerlich die Aufmerksamkeit der päpstlichen Spürhunde.
Gascault hatte es sich längst zur Gewohnheit gemacht, sich Bücher zu verschaffen, die eigentlich für den Scheiterhaufen bestimmt waren, weil sie ihrerseits seine eigenen Gedanken entzündeten. Er strich mit der Hand über das Papier, mit dem das Buch umhüllt war. Die Buchdeckel von De Sacra Coena waren natürlich abgelöst und verbrannt worden, die Asche sorgfältig beseitigt, damit kein neugieriges Auge sehen konnte, worum es sich hier handelte. Die anonyme, fleckige Lederhülle war leider eine Notwendigkeit in dieser Zeit, wo jeder jeden anschwärzte und verriet.
Er unterbrach seine Lektüre erst, als man ihn schließlich rief. Gascault hatte sich schon an die laut tönende Glocke gewöhnt, die alle halbe Stunde schlug, ihn aus dem Schlaf riss und seiner Verdauung mindestens ebenso schwer zusetzte wie die bedauernswerten Tauben, die immer so fad auf seinem Teller lagen. Er hatte die Schläge zwar nicht gezählt, aber er wusste, dass es spät war, als der Pferdeknecht – wie er ihn im Stillen nannte – in seine Gemächer trat.
»Viscount Gascart, man lässt Euch bitten«, sagte der Junge. Gascault ließ sich den Ärger darüber, wie man seinen stolzen Namen verschandelte, nicht anmerken. Es war klar, der Junge war ein Dummkopf, und der liebe Gott verlangte, dass man Mitleid mit diesen armen Geschöpfen hatte, die er unter die Menschheit gemischt hatte, auf dass sie Barmherzigkeit lerne – jedenfalls hatte Gascaults Mutter es ihm immer so erklärt. Vorsichtig legte er sein Buch auf die Armlehne und stand auf. Alphonse, sein Diener, stand nur einen Schritt hinter dem Jungen. Gascaults Augen wanderten zurück zum Buch, er wusste, es wäre ein Zeichen für seinen Diener, es in seiner Abwesenheit vor fremden Augen zu bewahren. Alphonse nickte kurz und verbeugte sich, während der Pferdejunge verwirrt die Pantomime verfolgte.
Vicomte Gascault schnallte sein Schwert um und ließ sich von Alphonse seinen gelben Mantel umlegen. Als er wieder auf den Stuhl blickte, war das Buch schon verschwunden. In der Tat, sein Diener war die Diskretion in Person, und das nicht nur, weil er nicht sprechen konnte. Gascault neigte dankend den Kopf und rauschte an dem Jungen vorbei nach draußen. Er ging durch die Vorräume und trat in den kalten Korridor.
Hier warteten fünf Männer auf ihn. Vier davon waren offenbar Soldaten, sie trugen den königlichen Wappenrock über der Rüstung. Der fünfte trug einen Mantel über Tunika und Hose, alles von genauso guter Qualität wie seine eigenen Kleider.
»Vicomte Michel Gascault?«, sagte der Mann. Gascault bemerkte, dass er den Namen perfekt aussprach, und er lächelte.
»Ich habe die Ehre. Zu Euren Diensten …«
»Richard Neville, Earl von Salisbury und Lordkanzler. Ich muss mich wegen der späten Stunde entschuldigen, aber Ihr werdet in den königlichen Gemächern erwartet, Mylord.«
Gascault passte sich dem Schritt des Mannes an und ignorierte die Soldaten, die hinter ihnen her trampelten. Er hatte in seiner Laufbahn schon seltsamere Dinge erlebt als ein Treffen um Mitternacht.
»Um den König zu sehen?«, fragte er boshaft, indem er den Earl genau beobachtete. Salisbury war kein junger Mann mehr, aber der Franzose fand, dass er drahtig und gesund aussah. Es wäre sicher keine gute Idee, ihn wissen zu lassen, wie viel man am französischen Hof über den Gesundheitszustand von König Henry wusste.
»Es tut mir leid, aber König Henry leidet an einer starken Erkältung, eine vorübergehende Sache. Ich hoffe, Ihr werdet keinen Anstoß daran nehmen, wenn ich Euch heute Abend zum Duke von York bringe.«
»Mylord Salisbury, es tut mir schrecklich leid, das zu hören«, erwiderte Gascault mit Nachdruck. Er sah, dass Salisburys Augen sich einen Moment verengten, und unterdrückte ein Grinsen. Beide wussten, dass es am englischen Königshof Familien gab, die enge Bindungen zu Frankreich hatten, entweder durch Blutsverwandtschaft oder durch Titel. Die vorgebliche Ahnungslosigkeit des französischen Königs, Henrys Gesundheitszustand betreffend, war nichts weiter als ein Spiel zwischen den beiden. Der englische König war seit Monaten kaum bei Bewusstsein, er war so abwesend, dass man ihn nicht in die Wirklichkeit zurückholen konnte. Nicht ohne Grund hatten seine Lords einen aus ihren Reihen als »Protektor des Königreichs« gewählt. Richard, der Duke von York, war der eigentliche König, abgesehen vom Titel, und Vicomte Gascault hatte auch gar kein Interesse daran, einen König zu besuchen, der in Träumen verloren war. Man hatte ihn hierher gesandt, um die Macht des englischen Hofes einzuschätzen und herauszufinden, wie entschlossen man war, Englands Interessen in Frankreich zu verteidigen. Gascaults Augen blitzten vor Vergnügen kurz auf, ehe er seine Gefühle wieder unter Kontrolle bekam. Wenn er berichtete, dass das Land geschwächt und ohne König Henry handlungsunfähig war, genügte Gascaults Wort, um in Frankreich hundert Schiffe flottzumachen und jeden englischen Hafen auszurauben und niederzubrennen. Die Engländer hatten es lange genug mit Frankreich so gemacht, erinnerte er sich, vielleicht war jetzt endlich die Zeit gekommen, den Spieß umzudrehen.
Salisbury führte die kleine Gruppe durch endlose Korridore, dann ging es zwei Treppen hinauf zu den königlichen Gemächern. Selbst zu dieser späten Stunde war der Palast von Westminster noch hell erleuchtet von Lampen, die im Abstand von wenigen Schritten angebracht waren. Trotzdem stellte Gascault fest, dass es feucht und modrig roch, eine unangenehme Begleiterscheinung des nahe gelegenen Flusses. Als sie die letzte, schwer bewachte Tür erreichten, widerstand er der Versuchung, seinen Mantel und den Kragen ein letztes Mal zurechtzuzupfen, aber Alphonse hätte ihn sicher nicht gehen lassen, wenn nicht alles perfekt gewesen wäre.
Die Soldaten wurden entlassen, und die Tür wurde von den inneren Wachen geöffnet. Salisbury streckte die Hand aus, um dem Gast den Vortritt zu lassen.
»Nach Euch, Vicomte«, sagte er. Er hatte scharfe Augen, merkte Gascault, als er sich verbeugte und hineinging. Dem Mann entging nichts, und wieder sagte er sich, dass er vorsichtig sein müsse....
| Erscheint lt. Verlag | 10.8.2015 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die Rosenkriege-Serie | Die Rosenkriege-Serie |
| Übersetzer | Christine Naegele |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Wars of the Roses - Trinity |
| Themenwelt | Literatur ► Historische Romane |
| Schlagworte | eBooks • Historischer Bestseller • Historische Romane • London • Mittelalter • Mittelalter Romane • Serien • Tudors |
| ISBN-10 | 3-641-15325-5 / 3641153255 |
| ISBN-13 | 978-3-641-15325-0 / 9783641153250 |
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