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Professor Zamorra 1054 (eBook)

Die Seelenstadt
eBook Download: EPUB
2014 | 1. Aufl. 2014
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-7325-0260-8 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Professor Zamorra 1054 - Christian Schwarz
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Die Angst ist besiegt und Professor Zamorra kann sich einigen anderen Dingen widmen - glaubt er. Probleme, um die er sich kümmern muss, gibt es immerhin genug! Seinen Freund Robert Tendyke zu befreien, ist eines davon. Doch der sitzt in der Hölle - und die mag zwar unerreichbar sein, doch nun rüstet sie zum Kampf...

Die Detonationsfront, die zugleich die Flammfront darstellte, kam mit Urgewalt. Sie erfasste das weißgelbblaue Polizeiauto, hob es an und drückte es gegen den Vauxhall, über dessen Steuer der von Sinclair erschossene Bombenbauer Peter Milner zusammengesackt war. Das Polizeiauto knallte gegen die Fahrerkabine des Vauxhall, schanzte über die Dachkante, kam dadurch ins Drehen und wirbelte sich viele Male überschlagend durch die Luft. Der Druck schoss es förmlich weg. Die Scheiben platzten. Brennendes Benzin spritzte über das Auto.

Die Welt um Sinclair drehte sich plötzlich mit rasender Geschwindigkeit. Der Dämon umgab sich mit einer Schutzsphäre. Die gigantischen Kräfte, die hier wirkten, konnten ihm durchaus gefährlich werden, wenn er nicht aufpasste – zumal in seiner menschlichen Gestalt.

Schließlich soll in diesem kleinen wunderschönen Spielchen ja nicht ich das Opfer sein …

Le-Hev-Hev hatte trotz der Schutzsphäre das Gefühl, in einer Achterbahn zu sitzen, die sich gleichzeitig nach mehreren Seiten überschlug. Instinktiv, mit knirschenden Zähnen, klammerte er sich an das Steuerrad des Polizeiautos. Nur nicht loslassen! Sonst würde er hinausgeschleudert.

Sein Körper verdrehte und dehnte sich, wurde gestaucht und malträtiert. Er war nun mal kein Erzdämon. Irgendetwas knallte ihm gegen die Hüfte. Sein Schädel machte unsanfte Bekanntschaft mit der Automatikschaltung. Außerdem war es plötzlich wunderbar heiß. Das immerhin.

Im Innenraum spritzte ebenfalls brennendes Benzin umher. Er sah es auf seinen Armen, an der Schutzweste, an der Decke, überall. Es erreichte ihn trotzdem nicht, weil die Schutzsphäre dazwischen lag.

Das Auto krachte auf den Boden und schlidderte weiter. Dabei überschlug es sich noch ein paar Mal und erreichte das Gelände des benachbarten Fast-Food-Restaurants. Dort mähte es eine Schaukel nieder und rutschte in eine Sitzgruppe, in der gerade ein altes Paar seine Burger verspeiste. Mit weit aufgerissenen Augen, ohne dass sie irgendeine Reaktion gezeigt hätten, wurden die beiden von dem weißgelbblauen Schrotthaufen getroffen und auf der Stelle getötet.

Le-Hev-Hev kicherte kurz, auch wenn die beiden Alten für ihn verloren waren. Aber um die ging es ihm auch nicht.

Im Moment hatte er das Gefühl, er würde in viele kleine Stücke zerrissen. Irgendetwas, mindestens so groß wie die Tower Bridge, knallte vor seine Brust. Das alles hatte er nun nicht mehr im Griff. Egal. Er tat so, als wolle er das brennende Benzin löschen. Möglicherweise wurde er ja beobachtet. Und es musste alles echt aussehen.

Thanh Duke war stolz auf sich. Seit einem halben Jahr arbeitete der kleine Mann mit vietnamesischen Vorfahren im Burger-Restaurant an der A 56 in Trafford und hatte es bereits zum stellvertretenden Schichtleiter gebracht. Er war nicht nur fleißig, sondern auch extrem sauber, weswegen ihm Peter Milner und dessen Müllhalde in direkter Nachbarschaft von Anfang an ein Dorn im Auge waren. Das hatte er übrigens mit den Geschäftsführern der angrenzenden Einkaufsmalls und Hotels gemeinsam, aber Milner hatten entsprechende Vorstöße und Ermahnungen seiner Nachbarn nie interessiert.

»Mit dem Kerl nimmt es noch mal ein böses Ende«, pflegte Thanh Duke immer wieder zu sagen. Wie böse, hätte er sich aber selbst in seinen schlimmsten Albträumen nicht ausgemalt. Er hatte gerade Dienst, als bewaffnete Polizisten möglichst unauffällig das Dreckloch von Tankstelle besetzten. Duke, der das benachbarte Areal genau im Blickfeld hatte, fühlte sein Herz plötzlich hoch oben im Hals schlagen. Er konnte die großen gelben Buchstaben auf den Schutzwesten der Männer deutlich erkennen.

Special Forces, schoss es ihm durch den Kopf. Milner ist nicht nur eine Drecksau, sondern auch noch ein Verbrecher!

Die Bullen verschwanden in der Tankstelle. Eine Weile geschah gar nichts, während Duke vor Aufregung an den Fingernägeln knabberte. Als kurz darauf irgendwo Schüsse fielen, flohen nicht nur die Kunden des Restaurants in heller Panik, sondern auch die meisten Angestellten. Thanh Duke blieb. Er war sensationslüstern und wollte sehen, was dort drüben abging.

Und wenn dabei Milner vor die Hunde geht, umso besser.

Fahrzeuge der Greater Manchester Police rasten mit Blaulicht und Sirene auf die Tankstelle und bildeten eine Front. Schwer bewaffnete Polizisten stiegen aus und gingen hinter den Autos in Deckung. Gewehrläufe wurden über die Autodächer geschoben. Sie glänzten im Sonnenlicht.

»Mannomann«, murmelte Duke halblaut, um seine Anspannung in den Griff zu bekommen, lockerte unbewusst seinen Krawattenknoten und wischte sich dann mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. »Das ist ja wie im Film. Wenn ich das heute Abend Roy und Gene erzähle, die werden neidisch sein ohne Ende. Hab ich’s nicht immer gesagt, dass Milner auch noch Dreck am Stecken hat? Sauber ums Haus, sauber im Geist. Da ist schon was dran, was meine Mum immer erzählt.« Hätte er nicht ohnehin schon eine ziemlich platte Nase gehabt, sie wäre es nun vom vielen an die Scheibe drücken zweifellos geworden.

Darüber hinaus sah Thanh Duke nicht, was passierte, da sich die entscheidenden Szenen auf der anderen Seite der Tankstelle und Milners Haus abspielten. Plötzlich aber erschien ein großer, sehniger Mann im dunklen Anzug auf der Bildfläche. Er hatte ebenfalls eine Schutzweste an. Einer von den Special Forces. Vielleicht sogar von der legendären Einheit SQ19. Was für ein Hammer! Der Kerl marschierte ohne zu zögern über den freien Platz zwischen der Tankstelle und Milners Haus und ging dann hinter einem Polizeiauto in Deckung. Zwei Polizisten, die bereits da standen, fassten sich an die Hutkrempe und rückten zur Seite.

Cool, dachte Thanh Duke. Das muss ’n ganz hohes Tier sein. Die haben voll Respekt vor dem. Vielleicht doch ein SQ19. Den Typ möchte ich gerne mal kennenlernen!

»Ich steige jetzt mit der Geisel in den Vauxhall!«, brüllte plötzlich eine Stimme, die Duke als die von Milner erkannte. »Und ihr lasst mich gefälligst fahren! Ich verlange freien Abzug! Freien Abzug! Habt ihr das verstanden?«

Scheiße, Milner hat sich noch ’ne Geisel geschnappt, bevor die ihn umnieten konnten! Da müssen ihn jetzt eben die Scharfschützen wegpusten …

Duke sah den Einschlag einer Kugel in Milners blöden Kopf vor seinem geistigen Auge, er sah das Hirn spritzen und hoffte, dass diese Bilder direkt in seinem Blickfeld Wirklichkeit werden würden.

Der Agent hob die Hände über den Kopf. »Was haben Sie mit der Frau vor, Milner?«, brüllte er zurück. Duke konnte jedes Wort verstehen. Weil er die Szenerie im Gegensatz dazu nicht gut genug überblicken konnte, rannte er die Treppe hoch in den ersten Stock. Dort gab es eine Abstellkammer, von der aus er optimale Sicht hatte.

»Wow«, flüsterte er schwer beeindruckt vor sich hin. »Wow.« So etwas würde er wohl nie wieder erleben. Einmaliges Live-Kino. Tatsächlich hatte er nun beste Sicht auf den Verbrecher.

Milner, das Dreckschwein, hatte eine ältere Frau als Geisel. Er drückte ihr eine MP gegen die Schläfe und verschwand soeben mit ihr im Kassenhäuschen. Duke wurde es ganz schummerig, als er daran dachte, wie wütend Milner ein paar Mal auf seine Vorhaltungen reagiert hatte. »Da hab ich verdammtes Glück gehabt, dass der mich nicht über den Haufen geschossen hat«, murmelte er vor sich hin. »Das ist ja ein verdammter Killer, wahrscheinlich eine Riesennummer. Verdammt, warum knallen die Bullen den nicht einfach ab? Los, schießt endlich, Jungs. Ich will ihn sterben sehen. Ja, tot will ich ihn sehen. Tot.«

Thanh Duke beugte sich so weit aus dem Fenster, dass er fast hinausgefallen wäre. In seinen Augenwinkeln schimmerte es feucht, so angespannt war er jetzt. Ein Schauer nach dem anderen lief über seinen Rücken.

Milner kam wieder aus dem Kassenhäuschen. Er hielt weiterhin die MP in der Hand, zwang seine Geisel in den alten Vauxhall und stieg selber ein. Grenzenlose Enttäuschung machte sich in Duke breit. »Die werden den doch nicht fahren lassen? Das können die nicht machen. Der Schmutzfink kommt womöglich zurück und rächt sich an allen, die ihn angemacht haben.«

Der Vauxhall mit Milner am Steuer rollte langsam an dem Agenten vorbei, der die Verhandlungen geführt hatte. Der fixierte den Gangster genau. Plötzlich zuckte seine Hand an die Hüfte. Mit einer Pistole erschien sie wieder. Er richtete sie blitzschnell auf den Vauxhall.

Dukes Herz übersprang zwei Schläge. Adrenalin schoss in seine Blutbahn. »Neiiiiin!«, schrie der Agent und schoss. Gleichzeitig flog die Tankstelle in die Luft! Eine mächtige Detonation ertönte, um die Zapfsäulen bildete sich ein riesiger Feuerball, der sich blitzschnell ausdehnte.

»Oh mein Gott.«

Thanh Duke begriff schnell. Bevor der Agent Milner erledigte, hatte dieser noch eine Bombe zünden können. Wahrscheinlich hatte er sie für einen solchen Fall bereits in die Tankstelle eingebaut gehabt. Und nun den Zünder geholt, als er noch einmal mit der Geisel im Kassenhäuschen verschwunden war.

Duke erlebte die nächsten Szenen wie in Zeitlupe. Der Agent warf sich in das Polizeiauto. Für einen Moment flimmerte es um den Mann. Duke glaubte, in dem Flimmern die Gestalt eines großen Teufels wahrzunehmen. Mit Hörnern, grell glühenden roten Augen, schwarz behaartem, muskulösem Körper und einem peitschenden Schwanz. Verwirrt schüttelte der Mann den Kopf. Was für einen Streich spielte ihm seine Fantasie da...

Erscheint lt. Verlag 21.10.2014
Reihe/Serie Professor Zamorra
Professor Zamorra
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-7325-0260-0 / 3732502600
ISBN-13 978-3-7325-0260-8 / 9783732502608
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