John Sinclair 1871 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-5731-5 (ISBN)
Manchmal gibt es Dinge im Leben, die sind normal, sehen aber trotzdem nicht so aus. So erging es mir in diesem Fall. Ich musste nach Lauder, wo es das niedergebrannte Haus meiner Eltern gab, das nur mehr eine Ruine war. Und ausgerechnet die wollte jemand kaufen. Ich wusste nicht wer, aber ich hatte mich mit einem Makler in Lauder verabredet. Und dann passierten Dinge, die man nicht mehr als normal einstufen konnte. Als ich jedoch hörte, wer das Haus kaufen wollte, war wirklich alles zu spät ...
Es herrschte eine Dämmerung, die zuließ, dass ich etwas erkannte. Das war normal, das war okay, aber nicht das, was sich an einer bestimmten Stelle des Himmels abspielte.
Da waren die Farben schwarz und weiß vorhanden. Okay, kein Problem. Aber ich sah noch etwas, was mich schon irritierte. Innerhalb dieses Ausschnitts sah ich Bewegungen. Wären es Vögel gewesen, ich hätte mir darüber keine Gedanken gemacht, aber es waren keine Vögel, es konnten Wesen sein, aber auch Täuschungen. So genau war das nicht zu erkennen. Große Wesen. Flugwesen. Lang gestreckt. Aus dem Himmel kommend und schräg auf die Erde zuschießend.
Das waren bestimmt keine Engel, die sich da gelöst hatten. Es waren andere Gestalten, die etwas Bestimmtes vorhatten, und das spielte sich auf dem Erdboden ab.
Ich stand da und wunderte mich. Zugleich dachte ich darüber nach, wie weit entfernt von mir sich wohl diese Wesen aus dem Himmel lösten. Es war schlecht zu schätzen, aber einen Kilometer mindestens musste es entfernt sein.
Ich befand mich nicht in London, ich war nach Schottland gefahren, weil sich dort in Lauder die Ruine des Hauses befand, in dem meine Eltern für einige Jahre gewohnt hatten. Durch einen Brand war das Haus zerstört worden und war noch jetzt eine Ruine, denn ich hatte nicht das Geld, um es wieder aufbauen zu lassen. Nun aber hatte man mir ein Angebot geschickt, es kaufen zu wollen. Ein Makler aus Glasgow hatte sich mit mir in Verbindung gesetzt, um die Dinge zu regeln. Ihn wollte ich in Lauder treffen, denn das Haus gehörte zu diesem Ort.
Ich wäre auch noch die letzten Kilometer gefahren, hätte ich nicht dieses Phänomen erlebt. Es war ein Theater am Himmel, das sich dort abspielte, und ich war der Zuschauer.
Ich stand weiterhin neben dem Rover und schaute zu. Es hatte etwas an sich, was mich faszinierte. Immer wieder stießen diese Schattenwesen dem Erdboden entgegen, aber woher sie genau kamen, das sah ich nicht. Man musste sagen, dass sie das Gebiet in den Wolken verlassen hatten, das zuvor ihr Reich gewesen war.
Ich dachte nach. Wieder blieb ich bei dem Begriff Vögel hängen und wusste zugleich, dass ich unrecht hatte. Das waren keine Vögel, auch keine Greifvögel, die ja größer waren als die normalen. Das musste einfach etwas anderes sein.
Ich schätzte noch mal die Richtung ab und kam zu dem Entschluss, dass ich dorthin auch fahren musste. Da lag Lauder und auch das zerstörte Haus meiner Eltern auf dem kleinen Hügel.
Mit dem Makler wollte ich mich erst am nächsten Tag treffen. In Lauder hatte ich mir ein Zimmer bestellt, und ich hatte auch mit dem Polizeiposten des Ortes Kontakt aufnehmen wollen. Das war mir zwar über das Internet gelungen, aber ich kannte den Namen nicht mehr. Die alten Kollegen waren weg, es gab neue, und damit musste ich mich abfinden.
So würde mir Lauder immer fremder werden. Das tat mir eigentlich leid.
Noch einmal schaute ich auf das Phänomen am Himmel. Es machte mich nicht nervös, aber ich konnte mir gut vorstellen, dass es nicht normal war und ich mich möglicherweise darum kümmern musste.
Ich setzte mich wieder in meinen Wagen und fuhr los. Beunruhigt war ich nicht, neugierig schon, denn oft genug war ich über Dinge gestolpert, die erst normal aussahen, es letztendlich aber nicht waren …
***
Den Weg kannte ich zwar nicht im Schlaf, aber ich würde mich auch nicht verfahren, denn ich war oft genug in dem kleinen Ort gewesen. Ich hätte auch zuerst zum Hotel fahren können, aber das hatte Zeit. Ich wollte zunächst zum Haus meiner Eltern. Oder zu dieser Ruine, besser gesagt.
Es war nicht mehr weit. Der Himmel blieb erst mal noch relativ hell. Kein Eindunkeln. Es war auch ein sehr heller Frühlingstag gewesen, auch hier in Schottland war die Jahreszeit schon fortgeschritten. Die Bäume zeigten das erste schwache Grün, ansonsten hielt sich die Vegetation noch zurück.
Lauder rückte näher.
Ich hätte die Straße nur weiterfahren müssen, um in den Ort zu gelangen, das tat ich nicht, sondern bog vorher ab und geriet in den Außenbezirk des Dorfes, wo kaum Häuser standen.
Das ehemalige Haus meiner Eltern lag auf der Höhe, und es gab auch eine Straße, die in Windungen dorthin führte. Immer wenn ich diese Strecke fuhr, überschütteten mich die Erinnerungen. Ich dachte daran, dass hier viel passiert war, aber bei meinen Besuchen auch glückliche Stunden erlebt hatte.
Es hatte auch viel Ärger gegeben, und ich hatte auch erleben müssen, dass mein Vater einer geheimen Organisation angehört hatte, den Illuminati.
Das war vorbei. Ich musste nach vorn schauen, aber die Vergangenheit ließ mich trotzdem nicht los.
Höher fuhr ich. Serpentinen musste ich auch fahren, und ich sah den alten Baum in der Nähe der Ruine. Der hatte das Feuer überstanden und war für mich zu einem Fixpunkt geworden.
In seiner Nähe parkte ich den Rover und stieg wieder aus. Ich schaute nicht nur auf die Trümmer, sondern richtete meinen Blick auch gegen den Himmel, und als ich das tat, durchzuckte es mich schon.
Das Bild kannte ich. Denn ich hatte es aus der Entfernung gesehen. Jetzt lag das seltsame Licht am Himmel direkt über mir und erinnerte mich an einen großen Scheinwerfer.
Mir rann schon ein Schauer über den Rücken.
Mein Blick richtete sich auf die Ruine. Ich blieb auf der Stelle stehen und schaute mir an, was von dem Haus meiner Eltern übrig geblieben war. Nicht viel.
Mauern, die früher geschwärzt waren, doch im Laufe der Zeit hatte die Natur damit begonnen, sich verändertes Terrain zurückzuholen. Pflanzen und sogar kleine Bäume waren aus dem Boden gewachsen. Im Sommer bedeckten sie die Trümmer mit einer grünen Patina.
Ich drehte mich um und schaute den Weg zurück. Lauder lag praktisch vor mir. Viele hatten schon die Lichter eingeschaltet, und so sah der Ort aus wie ein naives Gemälde.
An meinem Standort war alles dunkel geworden. Abgesehen von ein paar wenigen Lichtresten.
Ich dachte darüber nach, ob hier die Wesen aus den Wolken nach unten gefallen waren. Aus der Ferne hatte es so ausgesehen, aber jetzt entdeckte ich keinen Hinweis.
Ich war allein, ich blieb allein.
Oder nicht?
Ja, ja, ich hörte mal wieder auf mein Bauchgefühl, und das sagte mir, dass es hier noch etwas zu entdecken gab. Ich musste mich nur vom Fleck bewegen.
Das tat ich auch. Ein paar Schritte, und ich hatte den Rand der Ruine erreicht. Ich kannte noch den alten Brandgeruch, der sich recht lange gehalten hatte. Das war jetzt vorbei.
Ich überlegte, ob es sich lohnte, die Ruine zu betreten und nach einem Hinweis zu suchen. Wonach, das wusste ich nicht genau. Ich hatte die Gestalten vom Himmel fallen sehen, aber ich hatte nicht entdeckt, dass sie sich hier versteckten.
Dann hatte ich einen Entschluss gefasst und bewegte mich in das Feld hinein. Einen normalen Weg gab es nicht. Ich musste oft genug klettern, und das auch über abgestürzte Dachbalken, die ein starkes Hindernis auf dem Boden bildeten.
Ich ging weiter. Kletterte. Erreichte die Mitte, wo früher das Wohnzimmer gelegen hatte und bei meinem letzten Besuch geschwärzte Wände zu sehen waren. Und das heute auch nicht mehr, denn inzwischen hatte die Natur ihre Zeichen auf den Wänden hinterlassen.
Ich ging weiter. Eigentlich hatte es keinen Sinn, aber den Weg setzte ich trotzdem fort. Ich wollte auch an die andere Seite gelangen, damit ich irgendwie mein Gewissen beruhigte.
Ich konnte mich nicht entspannt geben, etwas hinderte mich daran, und ich wusste nicht, was es war. Es war etwas vorhanden, das unsichtbar zwischen den Ruinen schwebte.
Da musste man eben abwarten. Es konnte mit meinen Erinnerungen zusammenhängen, aber hundertprozentig sicher war ich mir nicht.
Ich drehte mich um.
Nein, es gab keinen Verfolger. Es war nichts zu sehen und nichts zu hören, und trotzdem hatte ich den Eindruck, nicht allein zu sein. Als wäre jemand oder etwas bei mir.
Aber was?
Ich ging Schritt für Schritt. Gab zudem Acht, nirgendwo gegen zu laufen und erwischte mich dabei, dass ich immer wieder in die Höhe schaute, weil ich auch damit rechnete, dass sich der Himmel wieder öffnete und die Gestalten entließ.
Das trat nicht ein.
Dafür hörte ich ein Geräusch oder einen Laut, der nicht so recht zu dieser Umgebung passte.
War es ein Stöhnen?
Nein, das nicht. Es kam mir eher wie ein Zischeln oder schweres Atmen vor, das an meine Ohren drang. Auf keinen Fall hatte ich mich getäuscht, das Geräusch war echt. Nur wusste ich nicht, wohin ich schauen sollte, um es herauszufinden.
Ich ging weiter. Bei jedem Schritt bewegte ich den Kopf. Sah mal nach rechts, dann wieder nach links und vergaß auch nicht, zum Himmel zu blicken.
Da war nichts.
Und vor mir?
Ja, da war etwas. Das Geräusch hatte sich lauter angehört, und ich ließ meine Hand in die Tasche gleiten, um die kleine Lampe hervorzuholen. Klein und schmal war sie, aber auch lichtstark, und sehr bald durchschnitt der helle Streifen die Dunkelheit.
Er endete vor einer Wand, die schwarze Brandspuren aufwies. Ich leuchtete nach rechts, sah nichts und drehte den Strahl dann in die andere Richtung.
Da hatte sich der Zugang zum Keller befunden. Es war immer noch da, denn gegen ihn leuchtete die Lampe.
Und genau vor der obersten Stufe saß jemand. Es musste die Gestalt sein, die ich gehört hatte. Jetzt hockte sie hier und lehnte mit dem Rücken gegen die Wand.
Es war ein Mensch.
Ich leuchtete ihn direkt an und erkannte, dass es sich...
| Erscheint lt. Verlag | 20.5.2014 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-5731-9 / 3838757319 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-5731-5 / 9783838757315 |
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