Star Trek - The Next Generation: Soldaten des Schreckens (eBook)
Vor achtzig Jahren konnte die Enterprise unter dem Kommando von James T. Kirk eine Invasion dämonenartiger Aliens abwehren. Nun tauchen sie erneut auf, und wieder ist es die Enterprise, die sich den Invasoren entgegenstellt, diesmal jedoch mit Jean-Luc Picard als Captain. Die Dämonen haben ihre Angriffstaktik geändert: Sie projizieren unerträgliche Horrorvisionen ins Bewusstsein der Crew und manipulieren die Empfindungen. Picard erkennt, dass er es nur mit der Vorhut einer gigantischen Invasionsflotte zu tun hat. Wenn es ihm nicht gelingt, das künstlich geschaffene Wurmloch zu schließen, ist der Alpha-Quadrant verloren.
Kapitel 2
Ein Schweißtropfen rann über Will Rikers Schläfe. Mit beiden Händen griff er nach dem Steuerknüppel und lenkte den Jet steil nach oben, fort vom unter ihm glänzenden blaugrünen Meer. Ein roter Laserblitz zuckte am Cockpit vorbei, als die enormen Andruckkräfte Riker ins Polster des Pilotensessels pressten.
Seit seiner Zeit an der Akademie hatte er sich nicht mehr mit diesen Luftkampf-Simulationen beschäftigt, und der Mangel an Übung machte sich jetzt bemerkbar. Er galt als einer der besten Piloten bei Starfleet und der beste an Bord der Enterprise, aber die Simulationsprogramme verwendeten alte Jets, die in relativ geringer Höhe über der Oberfläche eines Planeten flogen. Eingesetzt wurden Laser, und zwanzig Treffer bedeuteten einen ›Abschuss‹.
Rotes Licht glühte vom Bildschirm vor Riker und wies auf einen Treffer an der linken Tragfläche hin. »Verdammt«, sagte Riker leise und steuerte seine Maschine in eine Rolle, um weitere Treffer zu verhindern. Wenn die Kontrollsensoren für mehr als eine Sekunde einen Laserkontakt am Rumpf registrierten, so zählte der Computer vielleicht zwanzig Treffer und beendete die Simulation.
Diesmal kam der Erste Offizier mit nur einem Treffer davon.
»Jetzt sind's insgesamt fünfzehn für mich«, klang die Stimme seines Gegners Lieutenant Sam Redbay aus dem Kopfhörer, als der andere Jet an Rikers Steuerbordseite vorbeiraste. »Du bist außer Form, Will.«
»Ich bin nur ein wenig aus der Übung«, erwiderte Riker und zwang seine Maschine in eine scharfe Kurve, um Redbay in die Zielerfassung zu bekommen. »Ich muss mich erst wieder daran gewöhnen, diese alten Dinger zu fliegen. Bei einem Kampf im All sähe die Sache ganz anders aus.«
»Ausreden, nichts als Ausreden«, sagte Redbay. »Morgen versuchen wir's mit dem von dir vorgeschlagenen Programm.«
Riker lachte, als er seinen Jet hinter den Redbays lenkte und er im Fadenkreuz erschien. »Abgemacht.«
Vor dem inneren Auge sah Riker, wie sein alter Freund grinste. Redbay war groß, schlank und rothaarig. Er bewegte sich langsam, so als glaubte er, die Welt um ihn herum hätte es viel zu eilig. Er lachte viel, und sein sommersprossiges Lächeln wirkte auf die meisten Leute ansteckend, unter ihnen auch Riker.
Eine rote Anzeige auf der Konsole vor dem Ersten Offizier teilte ihm mit, dass sich Redbays Maschine in der Zielerfassung befand. »Jetzt«, sagte Riker und feuerte, aber er reagierte eine halbe Sekunde zu spät. Redbay steuerte seinen Jet nach unten und zur Seite, fort von dem Laserblitz.
Kein Treffer. Riker hatte das Ziel erneut verfehlt. Er musste zugeben, dass sein alter Freund ein guter Pilot war, sogar ein sehr guter.
Er schüttelte den Kopf und versuchte, der anderen Maschine in die Tiefe zu folgen. Früher einmal waren Riker und Redbay bei solchen Simulationen gleichwertige Gegner gewesen. Während des letzten Jahrs an der Akademie hatten sie immer wieder Holokammern aufgesucht, um bei Luftkämpfen gegeneinander anzutreten. Dabei verbesserten sich Geschick und Reflexe. Gleichzeitig erhöhte sich der ›Einsatz‹. Sie wetteten zunächst um kleine Dinge, dann ums eine oder andere Essen, schließlich auch darum, wer die Stube in Ordnung bringen musste. Den letzten Kampf vor der Abschlussprüfung hatte Riker gewonnen und Redbay damals Revanche versprochen.
Dieses Versprechen konnte er erst heute einlösen. Redbays Versetzung zur Enterprise machte es möglich. Riker fand großen Gefallen daran – obgleich er verlor.
»Hast du weitere Ausreden, Will?«, ertönte erneut Redbays Stimme, als seine Maschine an der des Ersten Offiziers vorbeisauste. Wieder stellte sich Riker sein Grinsen vor – vermutlich gab sich Redbay alle Mühe, nicht laut zu lachen.
»Na schön«, sagte er und schmunzelte. »Es sind also Ausreden. Aber ich brauche sie nicht mehr lange.«
Diesmal konnte sich Redbay das Lachen nicht verkneifen. »Um ganz ehrlich zu sein, Will: Ich habe gar nicht damit gerechnet, dass du dich mit den letzten Luftkampfmethoden auskennst. Als Erster Offizier eines Schiffes wie der Enterprise findest du sicher kaum Zeit für solche Übungen.«
Riker hörte und verstand die Mischung aus Neid und Bewunderung in Redbays Stimme. An der Akademie hatten sie den gleichen beruflichen Weg beschritten. Redbay bekam damals zwei Pilotenpunkte mehr, und Riker erhielt eine etwas bessere Bewertung in Rhetorik. Von ihren Klassenkameraden waren sie immer für Rivalen gehalten worden, doch echte Rivalität hatte nie zwischen ihnen existiert, auch nicht bei den simulierten Luftkämpfen. Ganz im Gegenteil: Sie wurden zu guten Freunden, die gemeinsam schneller vorankamen als allein.
Dann trennten sich ihre Wege. Redbay wurde Testpilot, der die neuesten Hochgeschwindigkeitsshuttles von Starfleet flog, und Riker arbeitete an Bord von Raumschiffen. Als sie sich einige Jahre später trafen, fragte Riker, warum Redbay auf den Dienst an Bord von Starfleet-Schiffen verzichtete. Daraufhin lehnte sich sein Freund zurück, runzelte die Stirn und meinte: Ich hatte vor, mich versetzen zu lassen. Aber aus irgendeinem Grund bin ich nie dazu gekommen.
Noch hast du eine solche Möglichkeit, meinte Riker damals. Aber wenn du noch länger wartest, verpasst du die letzte Chance.
Redbay nickte bei jener Gelegenheit, und etwas später erfuhr Riker, dass er zur Crew der Farragut gehörte. Seine Tüchtigkeit führte zu schnellen Beförderungen, und schließlich bekam er ein tolles Angebot: einen Posten an Bord der Enterprise, des Flaggschiffs der Föderation.
»Jetzt bist du hier, was bedeutet, dass ich mir die erforderliche Zeit nehmen werde«, sagte Riker. »Es kann sicher nicht schaden, die alten Fähigkeiten aufzufrischen. Wie dem auch sei: Morgen nehmen wir uns eine Gefechtssimulation im All vor.«
»Einverstanden«, erwiderte Redbay. »In der Zwischenzeit solltest du jedoch auf der Hut sein.«
Riker ließ seinen Jet nach links kippen, als rotes Laserfeuer vorbeiflammte. Anschließend gab er Schub und flog einen sehr engen Looping. Einige Sekunden lang wusste er nicht, ob es klappen würde, doch dann wies die rote Anzeige vor ihm auf die Erfassung des Ziels hin.
Der Erste Offizier feuerte.
Redbay zog seinen Jet nach links oben, aber er konnte Rikers Laserstrahl nicht ganz ausweichen.
»Das sind zehn für mich«, sagte Will.
»Du hast mich in die Falle gelockt«, entgegnete Redbay und lachte vergnügt.
»Ausreden, Sam?«, fragte Riker zuckersüß.
»Du bist noch immer im Rückstand«, stellte Redbay fest. »Und warte nur bis zur morgigen Gefechtssimulation im All. Dann zeige ich dir den einen oder anderen Trick.«
Riker lachte. »Glaubst du vielleicht, ich wüsste nicht über das berühmte Redbay-Manöver Bescheid? Ich kenne es genau.«
Redbay gluckste. »Hast deine Hausaufgaben gemacht, wie? Nun, jenes Manöver ist nur einer von mehreren Trümpfen in meinem Ärmel. Wer so lange wie ich als Testpilot für Starfleet gearbeitet hat, lernt den einen oder anderen Trick.«
»Es wird bestimmt nicht so leicht für dich, wie du glaubst«, sagte Riker und flog eine weite Rechtskurve, um herauszufinden, wohin Redbays Maschine verschwunden war. Er konnte sie nirgends entdecken.
Der Insignienkommunikator des Ersten Offiziers piepte.
Er löste eine Hand vom Steuerknüppel und klopfte auf das kleine Gerät. »Riker.«
»Commander …« Captain Picards Stimme klang angespannt. »Ich brauche Sie im Bereitschaftsraum. Sofort.«
»Ja, Sir«, erwiderte Riker. »Ich bin unterwegs. Computer, Simulation Ende.«
Blauer Himmel, weiße Wolken, tief unten das Meer einer fremden Welt – alles löste sich auf. Riker fand sich in einer Kugel wieder, die über dem Boden des Holodecks schwebte. In einer anderen nahm Redbay den Helm ab und löste die Sicherheitsgurte. Er sah kurz zu Riker und senkte dann den Kopf, um auch den letzten Gurt abzustreifen. Er hatte den besonderen Tonfall des Captains ebenfalls gehört und wirkte ernst, sehr ernst.
Redbay kletterte aus der Kugel und sprang zu Boden. Er schwitzte – dunkle Flecke an seinem Trainingsanzug wiesen deutlich darauf hin. Hinter und über ihm löste sich die Kugel auf. »Ich schätze, den Rest dieser Simulation müssen wir auf ein anderes Mal verschieben.«
Riker lächelte, als er seine eigene Kugel verließ. »Gib dem Computer die Anweisung, den aktuellen Stand zu speichern. Du hast mich noch nicht geschlagen.«
Redbay klopfte ihm auf die Schulter. »Solche Worte habe ich von dir erwartet«, sagte er und erwiderte das Lächeln.
Riker verließ das Holodeck und vergaß die Simulation praktisch von einem Augenblick zum anderen.
Die kühle Luft im Korridor ließ ihn frösteln, obgleich er eben noch geschwitzt hatte. Während seines letzten Aufenthalts im Kontrollraum war alles in Ordnung gewesen – was mochte in der Zwischenzeit geschehen sein?
Was konnte Captain Picard beunruhigt haben?
Die Mitteilung von Starfleet war sehr knapp gewesen. Versammeln Sie Ihre Führungsoffiziere. Erwarten Sie um neun Uhr Bordzeit eine Nachricht der Priorität Eins. Die letzte Kom-Botschaft der Priorität Eins hatte Picard in Empfang genommen, als die Borg zur Erde flogen. Es handelte sich um die höchste Sicherheitsstufe, die auf einen extremen Notfall hinwies. Alle anderen Einsatzbefehle wurden dadurch außer Kraft gesetzt.
Etwas Schlimmes musste geschehen sein.
Der Captain beugte sich zum Replikator vor. Ihm blieb nur noch wenig Zeit, bis die Offiziere eintrafen.
»Earl Grey, heiß«, sagte er, und im Ausgabefach...
| Erscheint lt. Verlag | 25.2.2014 |
|---|---|
| Übersetzer | Andreas Brandhorst |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Invasion! 2: Soldiers of Fear |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction |
| Schlagworte | Dean Wesley Smith • eBooks • Invasion • Kristine Kathryn Rusch • Star Trek • Star Trek, The Next Generation, Dean Wesley Smith, Kristine Kathryn Rusch, Invasion • The Next Generation |
| ISBN-10 | 3-641-11708-9 / 3641117089 |
| ISBN-13 | 978-3-641-11708-5 / 9783641117085 |
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