Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Professor Zamorra 1030 (eBook)

Reise in die Finsternis
eBook Download: EPUB
2013 | 1. Aufl. 2013
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-5115-3 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Professor Zamorra 1030 - Christian Schwarz
Systemvoraussetzungen
1,99 inkl. MwSt
(CHF 1,90)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen

Rob Tendyke umfasste den Griff seiner Flammenpeitsche fester und schob mit der anderen den Stetson ins Genick, um bessere Sicht zu haben. 'Scheiße, was ist das?', murmelte er mit zusammengekniffenen Augen. 'Melmoths Spinnenbrut', erwiderte Chetom, einer der drei Urdämonen, die neben ihm auf dem Hügel standen. Tendyke nickte. Es war ohnehin eine rhetorische Frage gewesen; er wusste genau, was da auf sie zu kam, ohne die berüchtigte Spinnenbrut bisher selbst gesehen zu haben. Wie ein alles verschlingender Tsunami fluteten sie über die weite Ebene heran und überrollten sie regelrecht: Millionen ekelhafter schwarzer Spinnen, so weit das Auge reichte. Der Abenteurer fühlte sich verraten. Wieder einmal. 'Angriff', befahl er mit heiserer Stimme.

»Gib präzisere Befehle, Herr. Wen sollen wir angreifen?« Gleichzeitig mit Chetoms Frage drückten die Urdämonen schwarz leuchtende Feuerbälle aus ihren Nasenfeldern. Vor ihren Gesichtern schwebten sie frei in der Luft.

Tendyke schaute über die Ebene zu den mächtigen Wasserfällen aus gelbrot glühender, dampfender Lava, die den gesamten Horizont einnahmen und direkt aus dem giftgrünen Himmel zu stürzen schienen. Sein Blick fraß sich für einen Moment an dem hügelähnlichen Gebilde fest, das sich als tief schwarzer Schattenriss vor den Lavafällen präsentierte. Plump und ungestalt wirkte es, war aber eindeutig das Zentrum der Spinneninvasion.

Zum ersten Mal hatte Tendyke den geheimnisvollen Spinnendämon leibhaftig vor sich. »Greift Melmoth direkt an«, murmelte er. »Macht den Kerl alle. Das dürfte ja wohl kein Problem sein.« Ein ironisch-bitterer Zug legte sich um seine Mundwinkel, als er das sagte. Melmoth gehörte zu den Mächtigen auf Avalon. Und er musste mit gerade mal drei Urdämonen gegen ihn antreten. Mehr hatte Lilith ihm nicht gewährt.

Absichtlich?

Chetom kreischte hoch und schrill. Die anderen Urdämonen fielen mit ein. Die magischen Feuerbälle glühten grell auf. Und setzten sich gleichzeitig in Bewegung. Dicht nebeneinander rasten sie über das anbrandende Spinnenheer hinweg auf Melmoth zu.

Tendyke schrie unwillkürlich. Die Geschosse erinnerten ihn mit ihren glühenden Schweifen an waagrecht anfliegende Kometen. Ob sie tödlich waren, würde sich jeden Moment herausstellen …

Wieder schrie er. Eine unsichtbare Kraft brachte die Feuerbälle vom Kurs ab. Sie fächerten wie eine sich öffnende Blume auseinander. Und schmierten regelrecht ab. Weit weg von ihrem eigentlichen Ziel schlugen sie an drei verschiedenen Stellen in den Spinnenteppich.

Die magischen Explosionen rissen gewaltige Lücken in das Heer der Spinnen. Zehntausende verglühten in grell leuchtender Glut. Für einen Moment geriet der Vormarsch, der bereits zwei Drittel der Ebene besetzte, ins Stocken. Atemlos beobachtete der Abenteurer. Melmoth erhob sich. Und stand nun wie ein kleiner Berg auf hunderten schmaler Beine. Der Strom der Spinnen, der aus seinem Unterleib floss, verstärkte sich, während Tendyke ein höhnisches Kichern zu hören glaubte. Aber das konnte er sich auch nur einbilden. Gleichzeitig mit dem verstärkten Nachschub fluteten die Spinnen die Lücken wieder zu und rückten weiter vor. Tendyke schätzte, dass die Biester höchstens noch 50 Meter entfernt waren.

»Was ist passiert?«, murmelte er.

»Melmoth ist mächtig genug, unsere Magie von sich abzulenken«, erwiderte Chetom. »Und er scheint unbegrenzt Nachschub produzieren zu können. Wir müssen uns schützen, bis wir wissen, was wir gegen ihn unternehmen können.«

»Nichts, wir hauen ab. Ich hab keine Lust, schon wieder zu sterben.«

»Nein«, erwiderte Chetom böse. »Lilith hat uns befohlen, die Enklave unter allen Umständen zu halten. Das werden wir tun. Solltest du fliehen, werde ich dich umgehend töten. Aber ohne uns kommst du sowieso nicht mehr von hier weg, Herr.« Das letzte Wort klang, als spreche der Urdämon von etwas unendlich Ekligem. Abrupt wandte er sich ab.

»Schon gut.« Tendyke hob die Hände und grinste. »Wenn ich hier verrecke, bin ich bald wieder da. Bei euch wird’s aber so ziemlich endgültig sein.«

Keiner der Drei reagierte auf ihn. Finster klingende Worte flossen aus Chetoms Mund. Er unterstützte die Beschwörung durch verwirrende Muster und Linien, die er mit flinken Krallen in die Luft wob. Rund um den Hügel wuchs eine leicht flirrende magische Kuppel aus dem Boden und schloss Tendyke und seine Mitkämpfer ein.

Der Abenteurer schluckte. Er konnte bereits die flinken, wuselnden Beinchen unterscheiden und sah die scharfen Scheren an den Mäulern der Spinnen; von winzig bis zu solchen, die die Größe einer Faust besaßen, war praktisch alles vertreten. Das eigentlich Dämonische aber waren die kleinen, rot glühenden Augen, die sich als Leiste um die Körpermitte zu ziehen schienen. Der Abenteurer glaubte Hass und absoluten Vernichtungswillen in ihnen wahrzunehmen. Seine Körperhärchen richteten sich unwillkürlich auf.

Dann war die Flut da. Die erste Linie wurde von hinten förmlich in die Energiekuppel gedrückt. Tausende von kleinen Blitzen verursachten ein regelrechtes Wetterleuchten, als die Spinnen, die die Kuppel berührten, vernichtet wurden. Tendyke schloss für einen Moment geblendet die Augen. Als er sie wieder öffnete, bemerkte er, dass Chetom unablässig magische Energie in die Kuppel leitete, um sie stabil zu halten. Das war auch bitter nötig. Welle auf Welle der kleinen Biester brandete an, um bei Berührung mit dem Energiefeld in den Tod zu gehen. Melmoths Absicht war klar. Er würde so lange seine Hilfstruppen opfern, bis die Kuppel entscheidend geschwächt war und zusammenbrach.

Gleichzeitig produzierten Chimael und Choom weitere Feuerbälle und schleuderten sie in Richtung Melmoths. Die Energiekuppel war dabei kein Hindernis, das Ergebnis aber das gleiche: Die magischen Geschosse kamen nicht mal in die Nähe des Spinnendämons. Der produzierte deutlich mehr Spinnen, als er verlor. Mit wachsendem Unbehagen sah Tendyke, dass sie nun vollkommen eingekreist waren, dass ihr Verteidigungshügel wie ein einsamer Leuchtturm aus dem rundum wogenden Meer schwarzer Leiber ragte. An dieser kompakten Belagerung konnte auch die geänderte Taktik der Urdämonen, die ihre Feuerbälle jetzt direkt in die Spinnenarmee schleuderten, nicht rütteln. Melmoth schien sie tatsächlich unerschöpflich produzieren zu können.

Jedenfalls so lange, bis er uns an den Eiern hat. Niemand ist allmächtig. Auch dieser Kerl muss irgendwo Grenzen haben!

Die Spinnen brandeten jetzt von allen Seiten an. Tendykes Unbehagen verstärkte sich, als die Biester plötzlich ein ganzes Stück an der Kuppel hochgedrückt wurden, bevor ein Blitz sie vernichtete. Er sah wild um sich tretende, borstige Beine und Scheren, die fanatisch gegen die Kuppel hackten. Einige fielen jetzt sogar, halb durchsichtig geworden, auf die anderen zurück. Das konnte nur eines bedeuten: Chetom schwächelte bereits.

Der bestätigte es im selben Moment. »Lange kann ich die Kuppel nicht mehr aufrecht erhalten, Herr. Es gibt nur noch eine Möglichkeit: Chimal und Choom müssen Melmoth direkt angreifen. Damit rechnet er sicher nicht.«

Tendyke überlegte nicht lange. »Dann los.«

Wie auf ein geheimes Kommando hin rannten die Urdämonen los. Auch für sie bildete die Energiekuppel kein Hindernis. Die zehn Meter großen Wesen pflügten wie wild gewordene Türme in die Spinnen hinein und zerquetschten sie. Mit raumgreifenden Schritten rannten sie auf Melmoth zu. Obwohl sie den Boden jeweils nur kurz berührten, wuselten bereits jede Menge der Biester an ihnen hoch. Als Chimael und Choom die halbe Strecke zurückgelegt hatten, waren ihre Leiber bis hoch zur Brust und so dicht wie ein Pelz von den Spinnen überzogen. Sie schienen sie förmlich aufzusaugen.

Tendyke mahlte angespannt mit den Kiefern. Melmoth schien nichts gegen die Attacke zu unternehmen. War er tatsächlich überrascht?

Die Urdämonen waren nur noch eine kurze Distanz von dem Spinnendämon entfernt und wirkten doppelt so groß wie er selbst. Plötzlich schwebten Energiekugeln über ihren Köpfen. Sie zischten auf Melmoth zu.

Jetzt!

Das aufsteigende Triumphgefühl in Tendyke wurde jäh unterbrochen. Die schwarzen Geschosse beschrieben einen scharfen Bogen, flogen zurück und trafen die Spinnen auf den Körpern der Urdämonen!

Die lautlosen Explosionen, die kurz hintereinander erfolgten, löschten das panische Brüllen der Urdämonen abrupt aus. Für einen Moment verwandelten sich die Getroffenen in riesige brennende Fackeln. Das grelle Licht erinnerte Tendyke an Röntgenstrahlen, denn es ließ jeden Knochen ihrer Skelette als Schattenriss erkennen. Dann fielen sie zusammen. Feiner Staub rieselte zu Boden. Völlig gefühllos beobachtete er es.

»Ich erkenne, was passiert ist«, kommentierte Chetom. »Chimael und Choom haben einen Fehler gemacht, als sie ihre Magie einsetzten. Denn es sind die Spinnen, die die feindliche Magie von Melmoth ablenken. Sie bilden ein gemeinsames magisches Feld, innerhalb dessen sie die Angriffsenergie gezielt umlenken können.«

»Ich verstehe«, knurrte Tendyke. »So konnten die Spinnen die Feuerbälle auf deine Brüder zurückwerfen. Saßen ja genug von den Biestern auf ihnen. Es opfern sich also immer ganz gezielt Einzelexemplare für den Erfolg des Ganzen. Ist wie bei den Ameisen. Der Einzelne ist nichts, das Kollektiv ist alles.«

»Was sind Ameisen?«

»Ach, vergiss es.« Tendyke schlug ein paar Mal mit der Flammenpeitsche um sich. »Dumm gelaufen, was? Wären wir geflohen, würden wir alle noch leben. Jetzt sind wir am Arsch. Aus dieser Falle kommen wir nicht mehr heraus.«

»Lilith hat es so bestimmt. Sie ist die Herrin. Wenn wir ihren Befehlen zuwiderhandeln, sterben wir ohnehin.«

»Na dann schöne Höllenfahrt, Chetom. Wie lange kannst du die Kuppel noch aufrechterhalten?«

»Meine Kräfte schwinden rapide. Einige Minuten vielleicht noch, Herr.«

»Also gut.« Tendyke musste zum wiederholten Mal feststellen, dass die Kräfte der neu von LUZIFER erschaffenen Dämonen denen der Urdämonen teilweise ebenbürtig waren. Es war, als ließe LUZIFER in sie die starken Urkräfte fließen, die einst auch in der vernichteten Hölle geherrscht haben mussten und die im Laufe der Zeit wohl degeneriert waren. Die große...

Erscheint lt. Verlag 3.12.2013
Reihe/Serie Professor Zamorra
Professor Zamorra
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-5115-9 / 3838751159
ISBN-13 978-3-8387-5115-3 / 9783838751153
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Ohne DRM)

Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopier­schutz. Eine Weiter­gabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persön­lichen Nutzung erwerben.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
HORROR | Die Vorgeschichte des Katz-und-Maus-Duetts

von H. D. Carlton

eBook Download (2025)
VAJONA (Verlag)
CHF 11,70