John Sinclair 1845 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4961-7 (ISBN)
Sheila und Bill Conolly gemeinsam gekidnappt! Das war der Hammer. Aber für ihren Sohn Johnny gab es keine andere Erklärung für ihr Verschwinden. Er kam sich so hilflos vor, und deshalb alarmierte er mich.
Als ich am Abend bei den Conollys eintraf, da ahnte ich noch nicht, welch ein Horrortrip mir bevorstand. Denn das Ziel war der Weise von Sargasso...
»Wieso?«
»Ach, Bill, das ist doch gelogen. Da will dich jemand verarschen, und der kommt ausgerechnet zu uns.«
Bill Conolly räusperte sich. »Ich weiß nicht, ob ich darauf reinfalle. Er will mir jedenfalls den Tod zeigen.«
»Und wie könnte der aussehen?«
»Wenn ich das wüsste. Ich glaube aber nicht, dass er uns umbringen will.«
»Wer weiß?« Sheila lachte leise. Dann fragte sie: »Er ist Spanier, nicht wahr?«
»Ja, und er kommt extra aus Spanien zu uns.«
»Kennt er dich? Oder kennst du ihn?«
Bill lächelte. »Das ist so eine Sache«, gab er zu. »Wir kennen uns nicht persönlich, aber wir haben über Skype miteinander telefoniert.«
»Aha, und woher hat er deinen Namen?«
Bill zuckte mit den Schultern. »Durch meine Publikationen. Er weiß eben, dass ich mich für bestimmte Dinge interessiere und darüber schreibe. Für Vorgänge, die außerhalb des Normalen liegen. Wir haben uns auch schon Mails geschickt.«
Sheila blies die Luft aus und blickte durch das Küchenfenster in den Garten, der allmählich begann, eine herbstliche Färbung anzunehmen.
»Traust du ihm?«
Bill Conolly lachte. »Ja, ich traue ihm. Was soll ich denn machen? Er hat seinen Besuch sehr dringend gemacht. Er wollte mir etwas außerordentlich Wichtiges zeigen.«
»Hat er denn Andeutungen gemacht? Ich denke nicht an den Tod, sondern an etwas Konkretes.«
»Hat er nicht.«
»Das ist alles seltsam.«
»Ja, ich weiß«, gab Bill Conolly zu. »Das ist mir alles klar. Aber ich habe nun mal zugestimmt, und dabei bleibt es. Dafür kann ich nichts. Ich werde mir anhören, was er zu sagen hat, und reagiere dann.«
»Okay. Mich stört nur, dass er bei uns zu Hause antanzen will. Ihr hättet euch auch in einem Hotel treffen können.«
»Ja, das hätten wir. Aber es ist eben anders gelaufen. Daran kann ich auch nichts ändern. Du tust gerade, als wäre dieser Carlos Esteban ein Killer, der kommt, um uns zu töten.«
Sie winkte ab. »Bill, denk daran, was wir schon alles erlebt haben. Mich kann nichts mehr erschüttern. Auch nicht, wenn hier plötzlich ein Killer erscheint.«
»Das wird nicht der Fall sein.«
»Sicher?«
»Ja.«
Sheila stemmte ihre Hände in die Hüften. »Hast du dich eigentlich über ihn erkundigt? Weißt du etwas über ihn? Zum Beispiel, welchem Beruf er nachgeht?«
»Das schon.«
»Und welcher ist das?«
»Ich würde ihn als Forscher bezeichnen. Als einen Suchenden. So ähnlich, wie ich es auch bin.«
»Hm. Schreibt er auch?«
»Davon gehe ich aus. Allerdings habe ich von ihm noch nichts gelesen. Er sprach jedoch davon, dass er an einem Buch arbeitet, und das nehme ich ihm auch ab. Wer so einem Job nachgeht, der muss irgendwann ein Buch darüber schreiben.«
»Da bin ich gespannt.«
»Das kannst du auch sein.«
Sheila blickte auf ihre Uhr. »Und wann wird er hier eintreffen? Habt ihr eine Zeit ausgemacht?«
»Nur eine ungefähre. Er will mit einem Wagen vom Flugplatz herkommen. Und du weißt selbst, wie das ist. Da kannst du dich auf keine genaue Zeit festlegen.«
»Das stimmt wohl.« Stella nickte Bill zu. »Ich gehe dann mal in den Garten.«
»Tu das.«
Nach zwei Schritten blieb sie stehen. »Und was ist mit dir? Willst du mit deinem Besuch im Arbeitszimmer verschwinden?«
»Das hatte ich vor.«
»Okay. Zu trinken habt ihr ja dort genug. Ich denke nicht, dass ich noch was zu essen machen muss.«
»Ja, das sehe ich auch so.«
Sheila strich über Bills Wange und lächelte dabei. »Wir sehen uns dann später.«
»Bestimmt.«
Im Garten war zwar nicht viel zu tun, aber erstes Laub konnte schon zusammengefegt werden. Das wollte sie unbedingt tun. Außerdem war es ein wunderschöner Herbsttag. Der Himmel war blau und die Erde badete im Licht der Sonne.
Bill war auch nicht so unbedingt erfreut, wenn er an seinen Besucher dachte. Er hätte auch anders reagieren können, da hatte Sheila schon recht. Er wusste ja nicht, wen er sich ins Haus holte, und er konnte einem Menschen nur vor den Kopf schauen und nicht hinein. Aber dieser Carlos Esteban hatte es spannend gemacht. Er hatte vom Tod gesprochen und von etwas Außergewöhnlichem.
Wie das alles genau zusammenhing, wusste Bill nicht. Er würde es hoffentlich bald erfahren.
Bill ging schon mal in sein Arbeitszimmer. Seinen Computer hatte er eingeschaltet. Er schaute nach, ob neue Mails gekommen waren, was aber nicht der Fall war. Und auch der Spanier hatte sich nicht gemeldet.
Er würde schon unterwegs sein. Die Maschine war bereits gelandet, und jetzt saß er sicher im Taxi. Bill kannte den Spanier vom Ansehen, denn sie hatten über Skype miteinander telefoniert. Er war ein noch recht junger Mann mit einem wilden Haarschnitt und einem hageren Gesicht mit einer sehr schmalen Nase, zu der auch der Mund mit den schmalen Lippen passte.
Lange musste der Reporter nicht mehr warten. Er hörte die Türglocke, die jemand betätigt hatte, der unten am Tor stand. Bill eilte in die Diele und schaute auf den Monitor. Der gab das Bild von draußen zurück, und Bill sah tatsächlich den Mann am Tor stehen, den er schon vom Bildtelefon her kannte.
Mit Tastendruck öffnete Bill das Tor und beobachtete auf dem Monitor, wie der Spanier über den Weg ging und dem Haus entgegen schritt. Er trug in der rechten Hand eine Reisetasche, die er bei jedem Schritt locker schwenkte.
Bill öffnete die Tür und erwartete ihn davor. Das sah auch Carlos Esteban und er lachte Bill entgegen.
»Endlich geschafft.«
»Gab es denn Probleme?«
»Nein, es ging alles glatt. Ich darf mich nicht beschweren.« Er stellte die Tasche ab. »Einen wunderschönen guten Tag, Bill.«
»Ja, willkommen, Carlos.« Beide reichten sich die Hand, und Bill bat den Gast, der einen leichten kurzen Mantel und darunter einen braunen Anzug trug, ins Haus. Auf eine Krawatte hatte er verzichtet.
Bill Conolly war mehr als gespannt auf den Tod, den der Spanier angeblich mitgebracht hatte. Äußerlich sah jedenfalls nichts danach aus.
Bill Conolly ging vor. An seinem Plan hatte sich nichts verändert. Er führte seinen Besucher ins Arbeitszimmer und war gespannt, was der ihm jetzt präsentieren würde …
***
Zu trinken gab es genug. Die Auswahl war groß, aber der Besucher wünschte sich nur Wasser. Er hatte seinen Mantel ausgezogen und aufgehängt und saß in einem der Sessel. Seine Reisetasche hatte er neben sich gestellt.
Auch Bill Conolly saß und wartete darauf, dass Esteban etwas sagen würde. Das tat er auch, aber er sprach nur über harmlose Dinge. Zur Sache war er noch nicht gekommen.
Das ärgerte Bill ein wenig, und er sagte: »Sie haben etwas über den Tod gesagt, Señor Esteban.«
»Das stimmt.«
»Und jetzt bin ich sehr gespannt, was Sie damit gemeint haben. Am Telefon haben Sie es mir ja nicht sagen wollen.«
»Das hatte auch seine Gründe.«
»Dann bin ich jetzt für alles offen.«
Carlos Esteban lehnte sich zurück und schlug die Beine übereinander. »Es geht um den Tod, das stimmt. Aber um einen besonderen Tod. Oder um eine Art von Tod.«
»Interessant. Und um welche?«
»Moment, nicht so schnell.« Er lächelte. »Ich denke, wir sollten alles der Reihe nach durchgehen.«
»Gut.«
»Waren Sie schon mal in Spanien?«
»Ja, mehrmals.«
»Das ist gut.«
»Und weiter?«
»Sagt Ihnen der Name der Weise von Sargasso etwas?«
Bill überlegte kurz, dann sagte er: »Sie sprachen am Telefon von Sargasso, sagten aber nichts über einen Weisen.«
»Gut. Oder auch nicht gut.«
»Was hat es denn mit diesem Begriff auf sich?«
»Der Weise von Sargasso ist eine Legende …«
»Dann gibt es ihn nicht?«
»Doch, Bill, ich sage, dass es ihn gibt.«
»Gut.« Der Reporter nickte. »Sie haben bei unseren Kontakten immer von einem Tod gesprochen, den Sie mitbringen würden, und nicht von einem Weisen von Sargasso.«
»Das ist richtig. Wobei das eine das andere nicht ausschließt, will ich mal sagen.«
»Aha.«
»Wie der Name schon sagt, hat der Weise von Sargasso mit Spanien zu tun. Und nichts mit dem Sargassomeer bei den Bermudas, wo die Schiffe verschwunden sind.«
»Auch okay.«
»Es geht eben um den Weisen. Um Spanien, wo er seine Burg hat, in die er sich mit seinem Wissen zurückzog.«
»Und weiter?«
Esteban nickte. »Er ist ein weiser Mensch. Er ist alt, sogar sehr alt.«
»Kann sein. Und was ist mit dem Tod?«
»Darauf komme ich noch. Der Weise von Sargasso hat sich mit dem Tod beschäftigt. Er kennt ihn. Er fürchtet ihn nicht. Er ist ein Forscher und ein Diener zugleich.«
»Über was forscht er denn?«
»Er beschäftigt sich mit der Vergangenheit.«
»Ist er Historiker?«
»Irgendwie schon. Wenn ja, dann ist er ein besonderer Historiker, der sich um die sehr alte Geschichte bemüht. Er forscht und er findet immer wieder etwas.«
»Was hat er denn diesmal gefunden? Sie haben vom Tod gesprochen, Carlos. Was ist damit?«
Esteban gab die Antwort. »Da kann ich nur wiederholen, dass es ein besonderer Tod ist.«
»Und was macht ihn so besonders?«
»Die Quelle. Das Licht.«
»Das wo ist?«
»Hier«, erklärte der Spanier und lächelte. »Ja, ich war...
| Erscheint lt. Verlag | 19.11.2013 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-4961-8 / 3838749618 |
| ISBN-13 | 978-3-8387-4961-7 / 9783838749617 |
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