Frankfurt Ripper (eBook)
225 Seiten
MainBook (Verlag)
978-3-944124-27-8 (ISBN)
Martin Olden ist das Pseudonym des Journalisten und Autors Marc Rybicki. Er wurde 1975 in Frankfurt am Main geboren und studierte Philosophie und Amerikanistik an der Goethe-Universität. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Rybicki als Filmkritiker für das Feuilleton der Frankfurter Neuen Presse. Ebenso ist er als Moderator des Senders Radio Fortuna sowie als Werbe- und Hörbuchsprecher tätig. Im Sommer 2011 erschien sein erstes Kinderbuch 'Mach mich ganz - Fabeln und Gedichte über Glaube, Liebe und Hoffnung.' Es folgten die gereimten Erzählungen 'Wer hat den Wald gebaut?' und 'Wo ist der Tannenbaum?' und Anfang 2013 Rybickis erster Krimi 'Gekreuzigt'. Weitere Infos über den Autor gibt es auf www.sonnige-sendung.de und www.facebook.com/krimiautor.
Martin Olden ist das Pseudonym des Journalisten und Autors Marc Rybicki. Er wurde 1975 in Frankfurt am Main geboren und studierte Philosophie und Amerikanistik an der Goethe-Universität. Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Rybicki als Filmkritiker für das Feuilleton der Frankfurter Neuen Presse. Ebenso ist er als Moderator des Senders Radio Fortuna sowie als Werbe- und Hörbuchsprecher tätig. Im Sommer 2011 erschien sein erstes Kinderbuch "Mach mich ganz - Fabeln und Gedichte über Glaube, Liebe und Hoffnung." Es folgten die gereimten Erzählungen "Wer hat den Wald gebaut?" und "Wo ist der Tannenbaum?" und Anfang 2013 Rybickis erster Krimi "Gekreuzigt". Weitere Infos über den Autor gibt es auf www.sonnige-sendung.de und www.facebook.com/krimiautor.
5
Frankfurt, 21. April 2013
Alfred Schubert lehnt sich aus dem schmalen Fenster seines Kiosks. Er schaut mich aus listigen braunen Augen an, während er über seinen kurz getrimmten Oberlippenbart fährt. „Geht`s Ihnen gut, Herr Scholz?“
„Ja, danke.“
Schubert grinst. „Das ist schlecht. Sogar sehr schlecht. Wissen Sie auch wieso?“
Ich weiß es nicht. Aber ich werde es sicher gleich erfahren. Wer bei Alfred Schubert Zeitungen, Zigaretten, Saure Drops, Eis, Limonade oder Bier kauft, bekommt Lebensweisheit gratis dazu. Ich bin mir gar nicht mehr sicher, seit wann Schubert den Laden in Sindlingen führt. Er kam aus Berlin, soviel weiß ich noch. War das Mitte der 80er Jahre oder schon Ende der 70er? Ich könnte Mama danach fragen bei meinem nächsten Besuch. Ob ich eine vernünftige Antwort bekäme, ist allerdings fraglich. Auf jeden Fall ist Schubert gut und gerne zehn Jahre älter als ich. Doch er denkt nicht daran, seinen Kiosk zu schließen oder einem jüngeren Nachfolger zu übergeben. Warum sollte er? Die Arbeit erfüllt ihn mit Freude. Das Alter spielt dabei keine Rolle. Im Gegenteil. Das tägliche Geschäft hält ihn scheinbar jung. Früher mochte ich ihn nicht. Da ging mir sein Geschwätz auf die Nerven. Mittlerweile höre ich ihm gern zu. Er ist sehr belesen und seine Sichtweise auf gewisse Themen finde ich interessant.
„Also, warum ist es schlecht, wenn es mir gut geht?“, frage ich zurück.
„Sie sind `n ruhiger und ausgeglichener Mensch, Herr Scholz“, sagt Schubert. Sein Berliner Dialekt ist noch schwach zu hören. „Und das macht Sie zu einer Gefahr für die deutsche Wirtschaft. Ehrlich. Is` wahr.“ Er kratzt sich an seinem fast kahlen Schädel. „Schauen Sie, ein zufriedener Mensch ist ein schlechter Konsument. Er hat keinen Kummer, den er mit Alkohol, Tabak oder anderen Drogen betäuben müsste. Er kauft keine teuren Uhren, Autos oder Immobilien, um sich gut und wertvoll zu fühlen. Oder Glücksratgeber, die ihm Tipps geben, wie er sein Leben aus- und einrichten sollte. Nein, so ein Typ hat alles, was er braucht. Der ruht in sich. An Bürgern, die sich wohl fühlen geht Deutschland zugrunde, das sage ich Ihnen.“
„Dann fänden Sie es also besser, wenn es mir schlecht ginge?“, frage ich entgeistert.
„Aus menschlicher Sicht natürlich nicht. Aber als Unternehmer müsste ich mir das wünschen. Doch zum Glück gehöre ich noch zum alten Schlag, so wie Sie. Ich tanze nicht nach der Pfeife des Mafia-Kapitalismus wie Frau Merkel und Konsorten in Berlin. Soll ich Ihnen sagen, warum unsere Kanzlerin sich dermaßen anbiedert bei Wirtschaftsverbänden und Konzernbossen? Weil sie aus dem Osten kommt! Unter der Knute des Bolschewismus groß geworden ist. Dort lernte sie Strippen ziehen, bespitzeln und intrigieren – steckte aber innerlich voller Neidgefühle auf den Klassenfeind aus dem Westen und seine Konsumgüter. In der ehemaligen Täterä-Tätä gab`s ja nüscht zu koofen. Nach der Wiedervereinigung konnte sie ihren unbefriedigten Trieben freien Lauf lassen und nun ist die Raffgier ihr neues Manifest. Die Merkel muss im Übermaß kompensieren, was ihr früher verwehrt blieb. Wie ein Kind, das nie Weinbrandbohnen probieren durfte und später, als Erwachsener, Alkoholiker wird. Deshalb hält unsere eiserne Lady auch am Euro fest. Es geht nicht um Stabilität und Wirtschaftswachstum, von dem alle Bürger profitieren. Das Wohl des Einzelnen ist, wie gesagt, eher hinderlich für die Wirtschaft. Nein, es geht ihr allein um persönlichen Gewinn an Macht und Einfluss. Der Euro ist Merkels Peitsche, mit der sie wie eine Domina die europäischen Bündnispartner gefügig machen will. Wahrscheinlich sieht sie sich schon als Kaiserin Angela, Herrscherin über die Vereinigten Staaten von Europa. Aber darauf kann sie lange warten. Ein vereintes Europa wird`s nie geben.“
„Das verstehe ich nicht“, sage ich. „Europa ist doch schon lange vereint.“
Schubert lacht. „Ich will Ihnen erzählen, wie vereint dieses Europa ist. Für Krankheitserreger sind die Grenzen offen, klar. Weil die sich über jede Form der Bürokratie hinwegsetzen. Wer dagegen ein oder zwei Semester im Ausland studiert, wie mein Neffe, der muss fürchten, ob seine dort erbrachten Leistungen an einer deutschen Hochschule überhaupt anerkannt werden. Wenn nicht, hat er ein Jahr verloren, das er nachpauken darf. Und falls Sie jetzt die gemeinsame Währung ins Feld führen wollen. Die Einführung des Euro war ein wirtschaftliches Desaster und noch dazu von den Bürgern nicht gewollt. Wir Deutschen trauern unserer D-Mark hinterher, die Franzosen ihrem Franc. Verständlicherweise. Man kann Einheit nicht machen. Sie muss wachsen wie eine Liebesbeziehung. Die europäische Gemeinschaft ist aber eine Zwangsehe, von Lobbyisten im stillen Kämmerlein ausbaldowert und übers Knie gebrochen. Sie widerspricht völlig dem natürlichen Entwicklungsprozess von Volksgemeinschaften, der Jahrhunderte dauert und obendrein einen bestimmten begünstigenden Faktor benötigt. Wollen Sie wissen welchen?“
„Ja!“
„Druck von außen. Schauen wir in die Steinzeit: Da lebten die Clans nebeneinander her. Jeder machte sein Ding. Zu einer Verschmelzung der Stämme und der Bündelung ihrer Kräfte kam es nur dann, wenn ein Feind ihrer beider Existenz bedrohte. Gefahr schafft Gemeinschaft. Die Völkerwanderung entstand, weil die Germanen vor den Hunnen flüchteten. Die NATO war ein Bündnis gegen die Kommunisten. Und die Vereinigten Staaten von Amerika gründeten sich im Kampf gegen England. Um Zusammenzuwachsen bräuchte Europa einen Gegner, der bedrohlicher ist als eine instabile Währung oder fundamentalistische Terroristen, die ab und zu einen Anschlag auf westliche Einrichtungen verüben. Warten wir mal ab, was aus China noch so kommt. Apropos Anschläge. Was sagen Sie denn zu dem Bomben-Attentat in Boston?“
„Schlimme Sache“, meine ich.
„Schlimme Sache? Herr Scholz, haben Sie nicht zugehört, was ich Ihnen gerade erklärt habe? Das Gesetz des Marktes verlangt danach, dass es uns emotional dreckig geht, damit der Umsatz steigt. Also war der Anschlag eine wirtschaftlich bombige Sache“, sagt Schubert und grinst feist. „Es gab drei Tote und 264 Verletzte. Das entstandene Leid will gelindert werden. Und wie? Logisch – durch Konsum. Nicht zu vergessen die Einnahmen durch die Beerdigung der Opfer. Ich hab` mir die Preise neulich mal spaßeshalber angesehen. Siebentausend Euro kostet es hierzulande im Schnitt, um sich verscharren zu lassen! Da fallen so interessante Posten an wie die Ausstellung des Totenscheins für achtzig Euro, Beisetzungsgebühr für 600 Euro, Grabnutzungsgebühr für 1200 Euro und natürlich der Sarg mit Ausstattung, etwa Edelholz massiv für zweitausendzweihundert Euro. Besonders witzig finde ich die einhundert Euro für die Totenbekleidung. Als ob es irgendwen kümmert, was ich anhabe, wenn ich unter der Erde liege. Mir ist das so was von wurscht! Auch welche Musik gespielt wird. Ich kann sie sowieso nicht mehr hören. Dieser oberflächliche Quatsch dient allein dazu, das Gewissen der Angehörigen zu beruhigen. Wir haben seine Wünsche ein Leben lang nicht respektiert, doch immerhin dudeln wir noch mal zum Abschied sein vermeintliches Lieblingslied. Ein akustischer Ablassbrief. In der dazugehörigen Trauerrede wird der Verblichene quasi in den Heiligenstand befördert. Nur lobende Worte. Je mehr Beerdigungen ich besuche, desto mehr komme ich zu der Überzeugung, dass ausschließlich gute Menschen sterben. Ich frage mich, wo das Pack bleibt, über das man immer in den Zeitungen und Statistiken liest. Die Typen, die ihre Frauen schlagen. Die Mütter, die Kinder misshandeln. Die Ausbeuter und Unterdrücker. Die Charakterschweine. Werden die nicht beerdigt? Dürfen die ewig leben? Das wäre ungerecht. Ich hätte gerne mal erlebt, dass jemand an einem Sarg steht und sagt: Diesen Dreckarsch wird niemand vermissen. Gut, dass er weg ist.“
Für einen Moment habe ich die Bilder von Vaters Beerdigung im Kopf. Wie Mama und ich am offenen Grab standen und der Pfarrer eine Lobeshymne vortrug über den fleißigen,disziplinierten und pflichtbewussten Flugsicherungsbeamten Josef Scholz. Mama weinte und die Abordnung der Kollegen vom Frankfurter Flughafen nickte zustimmend. Pietätvoll schwieg jeder an diesem Tag über allzu private Seiten von Josef Scholz. Ein Mann, dessen Wort Gesetz war. Wer es nicht befolgte, musste mit harten Strafen rechnen – auch wenn es sich bei dem Gesetzesbrecher um einen erst zehnjährigen Jungen handelte.
„Da stimme ich Ihnen zu“, sage ich zu Schubert. „So viel Ehrlichkeit darf man leider nicht erwarten.“
„Im Grunde ist der Beerdigungskram sowieso kompletter Unfug“, meint er. „Der Tod hat keinerlei spirituelle oder mystische Dimension. Wenn wir sterben, ist das ein technischer Vorgang. Unser...
| Erscheint lt. Verlag | 18.10.2013 |
|---|---|
| Verlagsort | Frankfurt am Main |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller | |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Blog • Ed Gein • FBI • Frankfurt • Frankfurt-Thriller • Fritz Haarmann • Horror • Jack Unterweger • Jeffrey Dahmer • Mord • Ripper • Serialkiller • Serienkiller • Serienmörder • Serientäter • Täterprofil • Ted Bundy • Thriller • Twitter |
| ISBN-10 | 3-944124-27-8 / 3944124278 |
| ISBN-13 | 978-3-944124-27-8 / 9783944124278 |
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