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Christmasland (eBook)

(Autor)

eBook Download: EPUB
2013
Heyne (Verlag)
978-3-641-11381-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Christmasland - Joe Hill
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Kinder, wollt ihr ewig leben?

Charlie Manx ist ein sehr, sehr böser Mann mit einem sehr, sehr bösen Auto. Er entführt Kinder nach »Christmasland«, wo ewige Weihnacht herrschen soll. Die Kinder erwartet dort jedoch etwas Schreckliches, und es gibt keinen Weg zurück. Mit seinem Meisterwerk moderner Fantastik entführt uns der mehrfach preisgekrönte Bestsellerautor Joe Hill auf einen unvergesslichen Horrortrip.

Vicky, für ihren Vater einfach nur »das Gör«, hat die geheime Gabe, Dinge zu finden – verlorenen Schmuck, verlegte Fotos, Antworten auf unbeantwortbare Fragen. Dazu muss sie sich einfach nur auf ihr Fahrrad schwingen. Über die nahe gelegene alte Holzbrücke gelangt sie dann im Handumdrehen, wohin sie will, an all die meilenweit entfernten Orte, wo sich das Verlorene befindet. Der Kleinen ist klar, dass andere (ihre Eltern!) darüber nur ungläubig den Kopf schütteln würden. Sie glaubt es ja selbst nicht richtig.

Auch Charlie Manx hat eine spezielle Gabe. Er ist so in Kinder vernarrt, dass er sie gleich dutzendweise kidnappt. Über verborgene Wege bringt er sie in seinem unheimlichen Rolls-Royce nach »Christmasland«, wo er ewige Weihnacht zu feiern verspricht. Und da Vicky immer wieder Ärger anzieht, ist es kein Wunder, dass sich ihre Wege und die von Charlie irgendwann einmal kreuzen. Aber sie ist gewitzt genug, dem Häscher zu entkommen.

Das ist jetzt Jahre her, und aus dem einzigen Kind, das Charlie je entwischen konnte, ist eine junge Frau geworden, die am liebsten alles vergessen würde. Nur dass Charlie niemand ist, der etwas vergisst. Eines Tages nimmt er Vicky das Wichtigste in ihrem Leben. Kann sie es wiederfinden? Ein gnadenloser Kampf entbrennt, und Vicky will nur eines: Charlie endgültig vernichten ...



Joe Hill wurde 1972 in Neuengland geboren. Für seine Kurzgeschichten, die in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien erschienen, wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem »Ray Bradbury Fellowship«, dem »Bram Stoker Award« und dem renommierten »World Fantasy Award«. Mit seinem Roman »Fireman« stand er auf Platz 1 der »New York Times«-Bestsellerliste. Viele seiner Werke wurden für Film und Streamingdienste adaptiert.

FCI Englewood, Colorado

Schwester Thornton betrat die Dauerpflegestation kurz vor acht mit einem Beutel warmem Blut für Charlie Manx.

Sie hatte komplett auf Autopilot geschaltet und war mit den Gedanken ganz woanders. Sie hatte sich endlich dazu durchgerungen, ihrem Sohn Josiah den Nintendo DS zu kaufen, den er sich wünschte, und überlegte, ob sie es noch schaffen könnte, nach Schichtende zu Toys ’R’ Us zu fahren, bevor der Laden zumachte.

Aus philosophischen Gründen hatte sie sich einige Wochen lang gegen den Kauf des Nintendos gesträubt. Dass Josiahs Freunde auch alle einen hatten, zählte für sie nicht. Diese tragbaren Spielkonsolen, die die Kids überall mit hinnahmen, fand sie einfach furchtbar. Ihr gefiel es nicht, wie die kleinen Jungs in den leuchtenden Bildschirmen verschwanden und die Wirklichkeit durch eine imaginäre Welt ersetzten, wo man end- und geistlos Spaß hatte und das Rumballern zur Kunstform erhoben wurde. Sie hatte sich immer ein Kind gewünscht, das gern las und Scrabble spielte und mit ihr auf Schneeschuhtouren ging. Tja, Pustekuchen!

Eine Zeit lang war Ellen eisern geblieben, doch dann hatte sie Josiah gestern Nachmittag dabei beobachtet, wie er auf seinem Bett saß und mit einem alten Portemonnaie spielte, als wäre es ein Nintendo DS. Er hatte ein Bild von Donkey Kong ausgeschnitten und es in das Plastiksichtfach gesteckt, wo normalerweise Fotos aufbewahrt wurden. Er hatte imaginäre Knöpfe gedrückt und Explosionsgeräusche dazu gemacht. Und es hatte ihr im Herzen wehgetan, ihn so zu sehen – wie er sich im Geist schon ausmalte, mit etwas zu spielen, was er am großen Tag zu bekommen hoffte. Ellen hatte ihre Ansichten darüber, was für kleine Jungs gut war und was nicht. Aber das hieß nicht, dass der Weihnachtsmann sie teilen musste.

Sie war so sehr in Gedanken versunken, dass ihr gar nicht auffiel, dass mit Charlie Manx etwas nicht stimmte – bis sie um sein Bett herumging, um zu dem Tropf zu gelangen. In diesem Moment stieß er nämlich einen schweren Seufzer aus, so als wäre er gelangweilt, und sie blickte auf ihn hinab und bemerkte, dass er sie ansah. Sie war so überrascht, ihn mit offenen Augen zu sehen, dass ihr beinahe die Blutkonserve aus der Hand gefallen wäre.

Er sah furchtbar alt aus und auch sonst einfach ziemlich furchtbar. Der große kahle Schädel erinnerte an das Modell eines fremden Mondes, auf dem Altersflecken und dunkle Sarkome die Kontinente bildeten. Es war besonders schrecklich, dass von all den Männern auf der Dauerpflegestation – dem Gemüsebeet, wie es die Pfleger nannten – ausgerechnet Charlie Manx kurz vor Weihnachten die Augen öffnete. Manx hatte Kinder gemocht. In den Neunzigern hatte er Dutzende von ihnen entführt. Er besaß ein Haus am Fuß der Flatirons, wo er seine Spielchen mit ihnen getrieben, sie dann umgebracht und Weihnachtsschmuck aufgehängt hatte, der an sie erinnern sollte. Die Zeitungen nannten ihn den Weihnachtsmörder und sein Haus das Sleigh House. Ho, ho, ho.

Meistens gelang es Ellen, bei der Arbeit ihre mütterliche Seite auszublenden und nicht daran zu denken, was Charlie Manx den kleinen Jungen und Mädchen, die ihm in die Hände gefallen waren, wahrscheinlich angetan hatte – Jungen und Mädchen, die kaum älter waren als ihr Josiah. Normalerweise vermied sie es tunlichst, sich irgendwelche Gedanken über ihre Patienten zu machen. Der Mann auf der anderen Zimmerseite hatte seine Freundin und ihre zwei Kinder gefesselt, das Haus in Brand gesteckt und sie den Flammen überlassen. Er wurde in einer Bar am Ende der Straße festgenommen, wo er Bushmills getrunken und sich ein Spiel der White Sox gegen die Rangers angesehen hatte. Darüber nachzudenken hatte einfach keinen Sinn, weshalb Ellen sich angewöhnt hatte, ihre Patienten lediglich als Anhängsel der medizinischen Apparaturen zu betrachten, mit denen sie verbunden waren: menschliche Peripheriegeräte.

In all ihrer Zeit als Krankenschwester im Hochsicherheitsspital des FCI Englewood hatte sie Charlie Manx noch nie mit offenen Augen gesehen. Drei Jahre lang hatte er durchgängig im Koma gelegen. Er war der gebrechlichste ihrer Patienten – nur Haut und Knochen. Sein EKG-Monitor piepte wie ein Metronom, das auf die niedrigstmögliche Geschwindigkeit eingestellt war. Der Arzt sagte, er zeige so viel Gehirnaktivität wie eine Dose Mais. Niemand kannte sein wahres Alter, aber er sah älter aus als Keith Richards. Dem er im Übrigen sogar ein wenig ähnelte – ein kahlköpfiger Keith Richards mit einem Mund voller scharfer, brauner Zähne.

Auf der Station gab es noch drei weitere Komapatienten, die von der Belegschaft als Kartoffeln bezeichnet wurden. Hatte man lange genug mit ihnen zu tun, fand man heraus, dass alle Kartoffeln so ihre Eigenheiten besaßen. Don Henry, der Mann, der seine Freundin und ihre Kinder verbrannt hatte, machte manchmal »Spaziergänge«. Natürlich stand er nicht auf, aber seine Füße zappelten schwach unter der Bettdecke. Ein anderer Patient, ein Mann namens Leonard Potts, lag schon seit fünf Jahren im Koma und würde nie wieder aufwachen – ein Mitgefangener hatte ihm einen Schraubenzieher durch die Schädeldecke ins Hirn gerammt. Manchmal jedoch räusperte er sich unvermutet und schrie laut: »Ich weiß es!« Wie ein kleines Kind, das die Frage eines Lehrers beantworten wollte. Vielleicht war es Manx’ Eigenheit, dass er gelegentlich die Augen öffnete, und Ellen hatte es nur noch nie miterlebt.

»Hallo, Mr. Manx«, sagte sie automatisch. »Wie geht es Ihnen heute?«

Mit einem routinierten Lächeln hielt sie inne, die auf Körpertemperatur erwärmte Blutkonserve noch in der Hand. Eine Antwort erwartete sie nicht, ließ ihm jedoch aus Höflichkeit einen Moment Zeit, seine nicht vorhandenen Gedanken zu sammeln. Als er nichts sagte, streckte sie eine Hand aus, um seine Augenlider wieder zu schließen.

In diesem Moment packte er sie am Handgelenk. Unwillkürlich schrie sie auf, und die Blutkonserve glitt ihr aus der Hand. Der Beutel fiel zu Boden, und das Blut spritzte in alle Richtungen. Warme Flüssigkeit lief ihr über die Füße.

»Ah!«, schrie sie. »Ah! Ah! O Gott!«

Ein metallischer Geruch breitete sich im Raum aus.

»Ihr Sohn Josiah«, sagte Charlie Manx mit rauer, kratziger Stimme. »Für den wäre auch Platz im Christmasland, wie für die anderen Kinder. Ich könnte ihm ein neues Leben geben. Ein nettes neues Lächeln. Hübsche neue Zähne.«

Diesen verurteilten Mörder und Kinderschänder von ihrem Sohn reden zu hören war schlimmer als seine Hand an ihrem Arm oder das Blut auf ihren Füßen (sauberes Blut, erinnerte sie sich, sauberes). Ihr wurde ganz schwindelig, so als befände sie sich in einem gläsernen Aufzug, der rasend schnell in den Himmel schoss und die Welt unter sich zurückließ.

»Lassen Sie mich los«, flüsterte sie.

»Für Josiah John Thornton gibt es einen Platz im Christmasland und für Sie einen im Haus des Schlafes«, sagte Charlie Manx. »Der Gasmaskenmann wüsste, was mit Ihnen zu tun ist. Er würde Sie in Lebkuchenrauch hüllen und Sie dazu bringen, ihn zu lieben. Ins Christmasland kann ich Sie nicht mitnehmen. Nun, ich könnte schon, aber der Gasmaskenmann ist besser. Der Gasmaskenmann ist eine Gnade.«

»Hilfe«, schrie Ellen, nur dass es kein Schrei war, sondern lediglich ein Flüstern. »Hilfe!« Sie konnte ihre Stimme nicht wiederfinden.

»Ich habe Josiah auf dem Friedhof der Möglichkeiten gesehen. Er sollte mich in meinem Wraith begleiten. Im Christmasland wäre er glücklich bis in alle Ewigkeit. Dort kann die Welt ihm nichts anhaben, weil das Christmasland nicht in dieser Welt liegt. Es befindet sich in meinem Kopf. Dort sind sie alle sicher. Ich habe davon geträumt, wissen Sie? Vom Christmasland. Ich habe davon geträumt, aber ich laufe und laufe und kann das Ende des Tunnels nicht erreichen. Ich höre die Kinder singen, aber ich kann nicht zu ihnen gelangen. Ich höre sie nach mir rufen, doch der Tunnel nimmt einfach kein Ende. Ich brauche den Wraith. Ich brauche meinen Wagen.«

Seine Zunge glitt aus dem Mund – braun, glänzend und obszön – und befeuchtete die trockenen Lippen. Dann ließ er sie los.

»Hilfe«, flüsterte sie. »Hilfe. Hilfe. Hilfe.« Sie musste es noch ein- oder zweimal wiederholen, bis sie wirklich einen nennenswerten Laut von sich gab. Dann stürmte sie in ihren weichen, flachen Schuhen durch die Zimmertür hinaus auf den Korridor, wo sie grellrote Fußspuren hinter sich herzog, und schrie aus Leibeskräften.

Zehn Minuten später hatten zwei Polizisten in voller Kampfmontur Manx an sein Bett gefesselt, nur für den Fall, dass er die Augen öffnen und versuchen sollte, aufzustehen. Aber der Arzt, der wenig später eintraf, gab Anweisung, ihn wieder loszubinden.

»Dieser Mann ist seit 2001 bettlägerig. Er muss viermal am Tag gedreht werden, damit er keine Druckstellen bekommt. Selbst wenn er bei Bewusstsein wäre, wäre er viel zu schwach zum Laufen. Nach sieben Jahren Muskelschwund könnte er sich wahrscheinlich nicht einmal mehr allein aufsetzen.«

Ellen...

Erscheint lt. Verlag 23.9.2013
Übersetzer Hannes Riffel, Sara Riffel
Verlagsort München
Sprache deutsch
Original-Titel NOS4A2
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte eBooks • Horror • Kindesentführung • Nosferatu • Stephen King • Stephen King, Nosferatu, Weihnachten, Kindesentführung • Thriller • Weihnachten
ISBN-10 3-641-11381-4 / 3641113814
ISBN-13 978-3-641-11381-0 / 9783641113810
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