Das gefährliche »Morgenstern«-Virus muss endlich aufgehalten werden! Nach Ausbruch der Zombie-Apokalypse reisen zwei voneinander getrennte Gruppen von Überlebenden durch Amerika auf der verzweifelten Suche nach einem Gegenmittel. Überall treiben blutrünstige Zombies und marodierende Plünderer ihr Unwesen. Wie weit werden die Überlebenden gehen, um das Virus zu besiegen? Die Rettung der Menschheit steht auf Messers Schneide …
Z. A. Recht, Schriftsteller und Amateurhistoriker, hat mit seines Romanen um den Morgenstern-Virus und die Untoten weltweit eine große Fangemeinde begeistert. Er starb 2009 im Alter von 26 Jahren.
PROLOG
Mount Weather
15. Juni 2007
09.30 Uhr
Eine steife Brise erfasste das hoch und elegant über dem mit reger Betriebsamkeit erfüllten Gebäudekomplex flatternde Sternenbanner. Weit unterhalb des bewaldeten Gebirgskamms in den Appalachen eilten Soldaten und Zivilisten umher und erfüllten ihre Pflicht, als hinge ihr Leben davon ab – was auch ganz und gar der Fall war.
Die Welt, die die Lebenden gekannt hatten, gab es nicht mehr. Keine Arbeitsplätze, die man hätte ansteuern und verlassen können, keine Steuern, keine Gesetzeshüter, Rechnungen, Elternabende, Konzerte, Einkaufsbummel. Alles war nur noch Erinnerung.
In Friedenszeiten, vor der Morgenstern-Pandemie, hatte die Sicherheitsanlage am Mount Weather als zivile Kommandozentrale für den Katastrophenschutz gedient. Nun war ein Katastrophenfall eingetreten: Der Morgenstern-Erreger hatte die Erde überschwemmt. Die Großstädte waren längst verlassen oder überrannt worden. Es gab nur noch ländliche Städtchen und Dörfer oder isolierte geschützte Anlagen wie Mount Weather, die ausharrten und Widerstand leisteten. Der Rest der Welt gehörte den Infizierten. Die Sanftmütigen konnten nur noch darauf warten, bis sie sie erbten.
Die Menschheit war nun eine vom Aussterben bedrohte Art.
Die Infizierten waren nicht krank – sie waren feindselig und griffen jeden an, den sie zu Gesicht bekamen. Sie machten in Rudeln Jagd auf Menschen, und ihre Angriffe waren tödlich.
Und ansteckend. Wer gebissen oder auch nur gekratzt wurde, verwandelte sich in einen sabbernden, schwitzenden und schreienden Ansteckungsherd auf zwei Beinen.
Doch das war nicht das Schlimmste. Solange Antiviren keinen Erfolg zeigten und niemand genug über den Morgenstern-Erreger wusste, um eine effektive Verteidigung zu entwickeln, gab es nur eine Möglichkeit, mit einem infizierten Opfer umzugehen. Man musste es töten.
Das nächste Stadium war noch makabrer. Getötete Infizierte standen wieder auf und gaben das Virus an neue Wirte weiter. Ein Schuss in den Kopf war die einzige Möglichkeit, einen Untoten endgültig auszuschalten.
Allein die Vorstellung lebender Toter schlug Wellen durch die politische Welt – von der religiösen ganz zu schweigen. Und als wäre das Krankheitsbild des Virus nicht bereits genug, hatte diese neue Erkenntnis eine Unzahl von Unruhen und eine alles umfassende Panik ausgelöst.
Dennoch: Einige machten ungeachtet der Schwierigkeiten weiter. Die Zäune um Mount Weather hatten verstärkt werden müssen. Männer und Frauen wechselten sich bei der Verteidigung dieses Walls ab und patrouillierten mit ihren Gewehren an der Umzäunung entlang. Kam ein Infizierter zu nahe, taten die freiwilligen Scharfschützen ihre Pflicht und schossen auf seinen Kopf. Anfangs oft, später nur noch ein- bis zweimal am Tag hallte das Echo eines Schusses durch das Gelände.
Wer hinausgeschickt wurde, um Leichen zu beseitigen, trug einen Schutzanzug. Etliche kleine, stets schwelende Gräben trübten vor den Zäunen die Sicht, denn die Leichen wurden verbrannt. Angehörige der Grenzpatrouille zogen den Jackenkragen so weit wie möglich über die untere Gesichtshälfte, um sich vor dem Gestank zu schützen.
Bewaffnete Posten, sieben Tage in der Woche rund um die Uhr im Dienst, waren aufgrund der aufreibenden Dienstpläne und der Anspannung durch die andauernde höchste Alarmstufe fast am Ende. Die raubgierigen Infizierten waren nicht die einzige Bedrohung, gegen die sie sich wehren mussten.
Was von den Vereinigten Staaten übrig geblieben war, befand sich gegen alles andere im Kriegszustand. Personen von Autorität hatten Restgruppen um sich geschart und gingen gegen ehemalige Verbündete vor. Alte Fehden und kleingeistiger Neid trieben die meisten dieser Bewegungen an, aber ein Zwang stand über allem: Finde ein Heilmittel, und behalte es für dich.
Es war ein trauriger und außergewöhnlicher Kreis von Feindseligkeit, in dem Menschen gegen das Virus, das Virus gegen den Menschen und Menschen gegen sich selbst kämpften, obwohl sie das Virus besser gemeinsam hätten bekämpfen sollen.
Wie auch immer – Wissen, Intelligenz und Spionage gaben oft den Ausschlag.
Special Agent Sawyer beherrschte diese Dinge nicht nur perfekt, er war der Beste.
Groß, breitschultrig, mit kurzem braunen Haar, war er der typische Amerikaner. Er achtete sehr auf sich und wusste sich stets in perfekter Pose und mit sachlichem Gesichtsausdruck effektiv zu präsentieren. Er versteckte seine Augen hinter einer verspiegelten Sonnenbrille. Vor einigen Monaten hätte er noch einen Anzug getragen, doch in dieser unsicheren Zeit dachte er eher pragmatisch über seine Bekleidung. Schwarze Kampfanzughosen fielen locker über die Kampfstiefel mit den Stahlkappen, und eine Weste hing über einem langärmeligen, eintönig olivfarbenen T-Shirt. Er marschierte eher, als dass er ging, und dabei schwangen seine Arme im Marschrhythmus vor und zurück.
Sein Ziel war ein Verwaltungsgebäude nahe der Lagermitte. In diesem Gebäude hielt sich der einzige Mensch auf, der Sawyer nervös machen konnte: der Vorsitzende der Vereinigten Generalstabschefs.
Eigentlich war der Vorsitzende der Präsident der Vereinigten Staaten. Eigentlich – denn der echte Präsident war noch im Amt. Er versteckte sich in einem Bunker weiter nördlich. Die Stabschefs kannten die exakte Position, aber sie fanden es richtiger, einen Dilettanten im Amt zu lassen, als das Risiko einzugehen, dass jemand, der fähiger und effektiver war, den Laden übernahm.
Das Camp hier stand hinter dem Vorsitzenden und glaubte seinen Versprechungen bezüglich einer großartigen Zukunft. Seine Parole lautete: Wir müssen ein Heilmittel gegen den Morgenstern-Erreger finden!
Sawyer erinnerte sich an die mitreißende Rede des Vorsitzenden im Plenarsaal des Kongresses. Er hatte sie während einer Notfallkonferenz gehalten. Sie war charismatisch genug gewesen, um nicht erkennen zu lassen, wie hohl und durchschaubar sie war. Es war in den Anfangstagen gewesen, als man über die ersten Infizierten auf einheimischem Boden berichtete und es kaum hatte glauben können. Alles schien nun furchtbar lange her.
»Es ist jetzt nicht die Zeit, darüber zu streiten, ob wir die Grenzen zumachen oder die Kranken deportieren sollen«, hatte der Vorsitzende gesagt und mit der Faust auf das Rednerpult geschlagen, um seine Worte zu unterstreichen. »Es ist jetzt auch nicht die Zeit, politische Spielchen zu spielen oder über das Versagen unserer Gesundheitspolitik zu diskutieren. Jetzt ist auf keinen Fall die Zeit, über terroristische Bedrohungen oder künftige Angriffe auf unser Land zu reden. Das Problem ist real; es wird größer, und wir müssen sehen, dass wir aktuell damit zurechtkommen!«
Dies hatte ihm stehende Ovationen von der Hälfte der Anwesenden eingebracht, quer durch alle Parteien. Die andere Hälfte schien weniger beeindruckt.
»Der Schaden ist bereits eingetreten. Als Pearl Harbor in Schutt und Asche fiel, haben wir da diskutiert, ob wir fliehen oder die Grenzen zumachen sollen? Nein! Wir haben gehandelt! Wir haben das Problem bei der Wurzel gepackt, gelöst und all das wieder aufgebaut, was wir verloren hatten. Als die Briten von der deutschen Luftwaffe angegriffen wurden und uns um Hilfe anflehten, haben wir uns da vor der Pflicht zur Hilfe gedrückt und den Konflikt gescheut? Haben wir den Schwanz eingezogen und sind im Angesicht des Krieges weggelaufen? Nein! Wir haben gehandelt, gekämpft und gesiegt! Als Tausende am Panamakanal an Malaria starben, haben wir da ihre Bitten um Hilfe ignoriert? Nein! Wir haben gehandelt! Wir haben ein Gegenmittel entwickelt! Und das können wir auch jetzt tun! Wir müssen schnell handeln. Wir müssen jetzt handeln. Wir müssen ein Gegenmittel für diesen teuflischen Erreger finden und verhindern, dass noch mehr Menschen dieser großen Nation leiden und sterben müssen!«
Es folgte: donnernder Applaus, der noch anschwoll, als der Vorsitzende, von Secret-Service-Agenten eskortiert, die Rednertribüne verließ.
Sawyer, der alles aus dem Hintergrund verfolgt hatte, fand die Thesen des Vorsitzenden aussagekräftig. Obwohl die Worte leer klangen. Er hatte recht. Der Morgenstern-Erreger war nicht die Art von Problem, das man mit halbherziger Schadensbegrenzung oder nachträglichen Impfstoffen löste. Die Welt brauchte ein Heilmittel.
Das sagte zumindest die subjektive Seite seines Verstandes. Aber Sawyer hatte noch nie auf diesen Bereich seiner grauen Zellen gehört.
Sein objektiver Verstand sagte ihm, dass er eine neue Leitfigur emporsteigen sah. Sawyer, sich seiner eigenen Position stets bewusst, war klar, dass er sich hinter diese Macht stellen würde. Es war ein Wagnis, aber wenn der Vorsitzende diesen Kampf gewann, könnte auch er zu den Machern dieser neuen Welt gehören. Dies hatte natürlich nichts mit dem Vorsitzenden zu tun. Sawyer fand den Mann überheblich, hochtrabend und gänzlich zu zaghaft, auf Werte zu verzichten. Er selbst verfügte nicht mehr über die Stärke, die Ausrüstung und den Spielraum, so zu handeln, wie es erforderlich war.
Trotzdem, ungeachtet der belastenden Einschränkungen, denen er ausgesetzt war, ging es ihm sehr gut. Monate nach dem Ausbruch der Seuche, als der Kampf noch lange nicht vorbei war, befand er sich unter den ranghöchsten Agenten des Zweiten Amerikanischen Bürgerkrieges.
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| Erscheint lt. Verlag | 9.9.2013 |
|---|---|
| Übersetzer | Ronald M. Hahn |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Survivors |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror | |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Amerika • Apokalypse • eBooks • GegenmittelÜberlebende • Horror • Krankheit • Morgenstern • Plünderer • Roman • Seuche • Spannung • Thriller • Untote • USA • Virus • Zombie • Zombies |
| ISBN-10 | 3-641-10534-X / 364110534X |
| ISBN-13 | 978-3-641-10534-1 / 9783641105341 |
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