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Isländische Märchen und Sagen (eBook)

Erich Ackermann (Herausgeber)

eBook Download: EPUB
2013
Anaconda Verlag
978-3-7306-9023-9 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Isländische Märchen und Sagen -
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Der faszinierende Märchen- und Sagenschatz Islands, jener wilden Insel aus Feuer und Eis, deren urwüchsige Landschaften noch heute von Göttern und Feen, Dämonen und Trollen bevölkert scheinen, speist sich vor allem aus der herben skandinavischen Mythologie. Doch neben den oft düster-bedrohlichen Motiven und Gestalten vieler Sagen finden sich auch Geschichten, die an das traditionelle europäische Zaubermärchen mit seinen magischen Verwandlungen erinnern. Für diesen Band hat der Herausgeber eine umfassende Auswahl der schönsten und eindrucksvollsten isländischen Sagen und Märchen zusammengetragen.

KÖNIGSSOHN RING UND SEIN HUND SNATI-SNATI


Es waren einmal ein König und eine Königin in ihrem Reiche; sie hatten eine Tochter, welche Ingibjörg hieß und einen Sohn namens Ring. Dieser war nicht so mutig, wie es sonst die Söhne der vornehmen Leute zu jener Zeit zu sein pflegten, und verstand sich auch nicht auf ritterliche Künste.

Als Ring zwölf Jahre alt war, ritt er eines schönen Tages mit seinem Gefolge in den Wald hinaus, um sich zu erlustigen. Sie ritten lange, bis sie eine Hindin erblickten, welche goldene Ringe auf dem Geweih hatte. Der Königssohn wollte die Hindin fangen, und sie verfolgten daher dieselbe so lange, bis sie alle ihre Pferde zu Tode geritten hatten und endlich auch das Pferd des Königssohnes tot zusammenstürzte.

Da fiel plötzlich so finsterer Nebel ein, dass sie die Hindin nicht mehr sehen konnten. Sie hatten sich sehr weit von allen Menschenwohnungen entfernt und wollten jetzt umkehren; allein sie hatten sich verirrt. Sie gingen nun zuerst alle zusammen, bis jeder von ihnen einen anderen Weg für den richtigen hielt, und sie trennten sich daher und gingen jeder nach einer anderen Richtung weiter.

Der Königssohn ging ebenfalls irre und wanderte umher, ohne zu wissen wohin, bis er zu einem kleinen offenen Platz im Walde kam, der nicht weit vom Meer entfernt war. Hier sah er ein Weib auf einem Stuhle sitzen, neben dem sich ein großes Fass befand. Der Königssohn schritt auf das Weib zu und begrüßte es höflich, worauf dasselbe seinen Gruß freundlich erwiderte. Er blickte in das Fass hinein und sah auf dem Boden desselben einen überaus schönen goldenen Ring liegen. Da wurde er von einer unbezwinglichen Begierde erfüllt, diesen Ring zu besitzen, von dem er die Augen nicht abwenden konnte.

Das Weib bemerkte dies und sagte, es sehe, dass er große Lust nach dem Ringe habe, der in dem Fass liege.

Dies sei auch der Fall, entgegnete der Königssohn.

Das Weib sagte hierauf, dass er denselben erhalten solle, wenn er sich die Mühe nehmen würde, ihn aus dem Fasse hervorzuholen.

Der Königssohn begann nun, sich in das Fass hinein zu strecken, welches ihm nicht sonderlich tief zu sein schien, und wollte sich beeilen, den Ring herauszunehmen; aber je mehr er sich streckte, desto tiefer wurde das Fass. Als er zur Hälfte über die Kante des Fasses gebeugt war, stand das Weib auf, stürzte ihn kopfüber in das Fass und sagte, dass er darin bleiben solle. Hierauf verschloss sie das Fass und rollte es hinaus ins Meer.

Der Königssohn fühlte nun wenig Behagen. Er merkte, dass das Fass sich vom Lande entfernte und lange von den Wogen umhergetrieben wurde; wie viele Tage aber dies dauerte, wusste er nicht. Endlich merkte er, dass dasselbe gegen einen Felsen stieß; er war darüber sehr erfreut, denn er dachte, dass es Land, nicht etwa eine Klippe sei. Er kam auf den Gedanken, den Boden des Fasses mit den Füßen auszustoßen, denn er konnte etwas schwimmen.

Er tat dies auch, obschon er fürchtete, dass er das Land nicht erreichen werde; da aber flache und niedrige Felsen in das Meer hinausragten, so gelang es ihm doch, ans Land zu kommen. Hier waren aber hohe Berge, und es schien ihm schwierig zu sein, landeinwärts zu kommen; er ging eine Strecke weit am Fuße der Berge hin und versuchte sodann, emporzuklettern, was er schließlich auch zustande brachte. Als er die Höhen erreicht hatte, blickte er um sich und sah, dass es eine Insel war; dieselbe war mit Wald bewachsen und schien ihm sehr fruchtbar zu sein; es wuchsen auf derselben gute Äpfel zum Essen und er fand, dass es hier allem Anscheine nach ganz behaglich zu leben sein müsse.

Als er einige Tage hier geweilt hatte, hörte er im Walde ein starkes Gedröhn; da begann er sich sehr zu fürchten und lief in den Wald, um sich zu verbergen. Er sah aber alsbald einen großen Riesen mit einem Schlitten daherkommen, der gerade auf ihn zuging; da blieb ihm nichts anderes übrig, als sich niederzuwerfen, wo er stand. Als der Riese ihn fand, blieb er eine Weile vor ihm stehen und blickte ihn an; hierauf nahm er ihn auf die Arme, trug ihn mit sich nach Hause und war überaus freundlich gegen ihn; daheim übergab er den Knaben seinem Weibe, welches so alt war, dass es im Bette liegen musste.

Er erzählte demselben, dass er dieses Kindlein im Walde gefunden habe, und sagte, dass es dasselbe eine Woche lang bei sich behalten solle.

Das Weib war darüber sehr erfreut und streichelte dem Königssohne die Wangen und sprach sanfte, freundliche Worte zu ihm. Er verblieb nun bei ihnen, war willig und folgsam in allem, was sie ihn tun hießen, und die beiden alten Leute waren überaus gut gegen ihn.

Eines Tages zeigte der Riese dem Königssohne alle seine Zimmer und Verschläge mit Ausnahme der Küche; da bekam Ring große Lust, auch diese zu sehen; denn er glaubte, dass darin seltene Kostbarkeiten verborgen seien. Als daher der Riese eines Tages im Walde draußen war, versuchte er, in die Küche zu kommen, konnte jedoch die Türe nur zur Hälfte öffnen; er sah, dass sich darin etwas Lebendiges schüttelte, hin und her lief und hörte auch, dass es etwas sprach. Da taumelte der Königssohn entsetzt von der Türe zurück, schlug dieselbe wieder zu und pisste aus Schrecken in die Hosen. Als die Furcht vorüber war, öffnete er abermals die Türe, denn er hätte gerne gehört, was das lebende Wesen sagte; allein es geschah dasselbe wie früher. Da wurde der Königssohn über sich selbst ärgerlich, fasste Mut, so gut er konnte, und machte zum dritten Male den Versuch, in die Küche zu sehen. Er sah jetzt einen zottigen Hund, welcher zu ihm sagte:

»Nimm mich, Ring, Königssohn!«

Ganz erschreckt eilte er zurück und dachte bei sich: »Das ist ja kein so kostbarer Gegenstand«, die Worte des Hundes aber konnte er gleichwohl nicht vergessen.

Er blieb noch eine Zeit lang bei dem Riesen, bis dieser eines Tages zu ihm kam und sagte, dass er ihn jetzt von der Insel auf das Festland bringen wolle, denn er werde nicht mehr lange auf derselben leben. Er dankte auch dem Königssohne für seine guten Dienste und sagte, derselbe könne sich nun was immer für einen Gegenstand, den er besitzen möchte, aus seiner Habe wählen, er werde ihm denselben ohne weiteres geben.

Ring dankte ihm dafür und sagte, dass er durchaus keinen Lohn verdient habe; wenn er ihm aber schon etwas geben wolle, so wähle er dasjenige, was sich in der Küche befinde.

Da wurde der Riese sehr niedergeschlagen und sagte:

»Du wähltest da meines alten Weibes rechte Hand; ich will jedoch mein Wort nicht brechen.«

Hierauf holte er den Hund. Als dieser in einem mächtigen Satze und voll Freude dahergesprungen kam, fürchtete sich der Königssohn so sehr, dass er kaum wieder Mut fassen konnte.

Der Riese ging hierauf mit ihm zum Meere hinab, und sie stiegen hier in ein steinernes Boot, welches so klein war, dass es kaum für sie beide und den Hund Raum bot. Als sie ans Land gekommen waren, nahm der Riese von Ring freundlich Abschied und sagte, dass er ihm dasjenige, was sich auf der Insel befinde, als Erbe hinterlassen werde; er solle es in einem halben Monate holen; denn dann werde weder er noch sein Weib mehr am Leben sein.

Der Königssohn dankte ihm für seine Güte, und hierauf schieden sie von einander. Der Riese ruderte wieder zurück nach der Insel, der Königssohn aber ging landeinwärts. Er wusste ganz und gar nicht, in welchem Lande er war, und wagte es auch nicht, den Hund anzusprechen.

Als sie eine Weile so dahingegangen waren, sprach endlich der Hund selbst ihn an und sagte:

»Du scheinst mir nicht sehr neugierig zu sein, da du nicht einmal nach meinem Namen fragst.«

Da fragte der Königssohn stammelnd: »Wie heißt du?«

Der Hund antwortete:

»Es ist am besten für dich, du nennst mich Snati-Snati. Wir kommen jetzt in ein Königreich und da sollst du den König bitten, dass er dir den Winter über Aufenthalt bei sich gewähre und dir für uns beide ein kleines Schlafgemach überlasse.«

Der Königssohn verlor nun allmählich die Furcht vor dem Hunde. Er kam in das Königreich und bat den König, dass er ihm den Winter über Aufenthalt bei sich gewähre, was dieser ihm auch sogleich bewilligte.

Als die Leute des Königs den Hund sahen, fingen sie an zu lachen und wollten ihn necken. Sowie aber der Königssohn dies bemerkte, sagte er: »Ich möchte euch raten, meinen Hund nicht zu necken; es könnte euch sonst übel bekommen.«

Da machten die Leute sich über ihn lustig. Ring bekam eine Herberge, und es dauerte nicht lange, so hatte der König ihn sehr lieb gewonnen und achtete ihn mehr als alle andern.

Der König hatte einen Ratgeber, welcher Raudur hieß. Als dieser sah, dass Ring vom König so hoch geachtet wurde, ward er von Neid gegen diesen erfüllt. Er kam eines Tages zum König und sagte, er könne nicht begreifen, was all die Aufmerksamkeit zu bedeuten habe, welche er Ring erweise; derselbe habe sich ja, seit er hier sei, in keiner Weise vor den Übrigen durch besondere Taten oder Künste hervorgetan.

Der König sagte, es sei ja noch nicht lange her, dass Ring gekommen sei.

Raudur schlug nun vor, dass der König sie am nächsten Tage beide in den Wald hinaus gehen und Bäume fällen heiße, damit es sich zeige, wer von beiden die meisten fällen würde.

Dies...

Erscheint lt. Verlag 22.8.2013
Verlagsort München
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Märchen / Sagen
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte Dämon • Dämonen • eBooks • europäische Zaubermärchen • Fantastische Geschichte • Fantastische Geschichten • Fantasy • Fee • Feen • Götter • Island • island buch • Island Krimi • island reiseführer • island roman • kleine geschenke für frauen • Märchen • Märchenbuch • Mythen Islands • Nordische Mythologie • Troll • Trolle • Trollen • Zaubermärchen
ISBN-10 3-7306-9023-X / 373069023X
ISBN-13 978-3-7306-9023-9 / 9783730690239
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