Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

John Sinclair 1819 (eBook)

Der vergessene Templer

(Autor)

eBook Download: EPUB
2013 | 1. Aufl. 2013
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-4126-0 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1819 - Jason Dark
Systemvoraussetzungen
1,99 inkl. MwSt
(CHF 1,90)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen

Es gab eine Zeit, da wurden die Templer von der Kirche und den Herrschenden gejagt. Viele verloren ihr Leben, aber es gab auch welche, die fliehen konnten. So wurde Schottland zu einem Fluchtland, das aber einige Templer verließen und in Richtung Westen segelten.

Nicht alle konnten mit, um neue Welten zu entdecken. Die meisten blieben zurück. Doch einer von ihnen fand sich damit nicht ab. Er dachte an seine Rache und hatte Zeit, sehr viel Zeit -

Bis Schottland hatten die Templer fliehen können. Nicht alle, aber einigen war es schon gelungen, den Häschern der Kirche und der Fürsten zu entgehen. Hier oben im Norden waren sie gut aufgenommen worden. Hier konnte die Furcht von ihnen abfallen. Viele hatten eine neue Heimat gefunden. Aber sie hatten auch schnell herausgefunden, wie arm die Bevölkerung war, und so waren nicht wenige Templer der Ansicht gewesen, dass es besser und sicherer war, wenn sie über das Meer flohen. In Sir Henry Sinclair hatten sie sogar einen Anführer gefunden.

Er hatte bestimmt, wer mitfahren durfte, und dazu gehörte der Mann mit dem Namen Diaz nicht. Dabei hatte er sich in Spanien einen Namen gemacht. Er hatte die Fahne der Templer dort hochgehalten, und seine Kontakte hatten sogar bis Mallorca gereicht. Er sollte im Norden Englands bleiben und die Stellung in diesem kalten Land halten. Genau das ärgerte ihn. Das hasste er. Der Mann fühlte sich abgeschoben. Je mehr Zeit verstrich, umso stärker wurde sein Hass. Das hatte er den entsprechenden Personen auch in die Gesichter geschrien, und in einem Anfall von Wut hatte er zwei von ihnen getötet.

Jetzt jagten sie ihn als Mörder.

Und an der Spitze stand wieder Henry Sinclair, dieser Sir, den er hasste. Der sich zum Anführer der Flüchtlinge gemacht hatte, die er in das Gelobte Land führen wollte.

Diaz hätte auch fliehen können, doch das hatte er nicht gewollt. Er war nicht feige. Er war ein Mann, der bis zum letzten Atemzug kämpfte, und das würde er auch in diesem Fall so halten.

An diesem Tag saß er vor der Hütte und schaute über die Klippen hinweg. Er sah den kleinen Hafen und das Meer dahinter, dessen Wellen helle Schaumkronen zeigten.

Im Hafen lagen die Schiffe am Kai. Die großen Segler, die bald in See stechen würden, auf denen aber kein Platz für Frederic Armando Diaz mehr war.

Sie wollten ihn nicht. Sie hatten genug von ihm. Er hatte sich im Laufe der Zeit zu viele Feinde gemacht, und jetzt würde er die Quittung dafür erhalten.

Flucht? Fliehen, weil er ein Mörder war?

Daran hatte er auch schon gedacht, wusste aber auch, dass es sinnlos war. Wäre er kein Templer gewesen, dann hätten sie ihn wahrscheinlich schon längst umgebracht. Aber er war nun mal einer von ihnen, nur hatte er anders reagiert, als sie es angenommen hatten.

Er sah sie nicht, aber er wusste, dass sie das Haus im Blick hatten, sodass eine heimliche Flucht nicht möglich war.

Er hatte sein Schwert mitgenommen, aber keine Rüstung angelegt. Das war nicht gut. Er machte kehrt und betrat die Hütte. Dort bewahrte er die Rüstung auf. Zumindest seinen Helm und seinen Brustpanzer. Auf den Helm mit dem Federbusch, der so prächtig im Wind wehte, wenn er ritt, war er besonders stolz. Doch das war alles schon Vergangenheit für ihn. Er bereitete sich auf den letzten Kampf vor, und dabei verfluchte er das, an das er bisher in seinem Leben geglaubt hatte.

Was hatte es ihm gebracht?

Nichts, gar nichts. Sie mochten ihn nicht. Sie ließen ihn nicht nur links liegen, sie würden bald kommen, um ihn zu töten.

Es verging schon recht viel Zeit, bis er die Rüstung angelegt hatte. Dann war er kampfbereit. Kämpfen wollte er. Wenn möglich, noch einige seiner Feinde mit ins Jenseits nehmen und dann hier sterben.

Sterben!

Das Wort wollte ihm nicht mehr aus dem Kopf. Was bedeutete das? Es bedeutete, dass sein Leben vorbei war. Und was lag dahinter? Auch das wusste er nicht. Viele glaubten ja an den Himmel, an den ewigen Glanz, aber es gab auch Menschen, die dem nichts abgewinnen konnten und an das Gegenteil glaubten.

An die Hölle. An den Teufel …

Auch davon hatte er gehört. Besonders an einen Templer-Teufel oder Dämon, der auf den Namen Baphomet hörte. Ein hässliches Wesen, das aber von einigen Templern geliebt wurde, die den Weg im Dienst des Herrn verlassen hatten.

Sie waren von der anderen Seite enttäuscht gewesen und hatten in Baphomet einen neuen Herrn gefunden.

Diaz hatte einige von ihnen kennengelernt. Er war erstaunt über deren Glaube und Kraft gewesen. Er hatte sich heimlich davon faszinieren lassen, und je mehr Zeit verstrich, sich immer stärker ihm zugewandt, und in der letzten Zeit war es sogar zu einer heimlichen Anbetung gekommen.

Er hoffte auf ihn.

Er wollte sich von ihm retten lassen. Um danach seine ganze Kraft für ihn einzusetzen. Der Diener des Baphomet zu sein bedeutete für ihn etwas Großes.

Als er seine Rüstung angelegt hatte, ging er zur Tür und trat wieder vor das Haus. Sein Blick erfasste das gleiche Bild, aber es hatte sich von der Farbe her schon verändert. Es war grauer geworden, düsterer, und trotzdem war es klar geblieben.

Er wusste, dass sich der Tag neigte und sich die Dämmerung bald über das Land senken würde. Das war dann ihre Zeit. Dann griffen sie gern an, das hatte er früher selbst getan. Er war nur gespannt darauf, mit wie vielen Helfern sie anrücken würden.

Aus einem Fass schöpfte er Wasser. Es schmeckte irgendwie abgestanden, aber das war jetzt auch nicht mehr wichtig, wo seine Todesstunde immer näher rückte.

Diaz blieb draußen vor der Hütte und lauschte. Der Wind brachte nur wenige Geräusche mit, da er kaum wehte. Es war eine seltsame Stille, die sich über diese kleine Welt gelegt hatte. Wenn er genau hinhörte, dann war die Musik des Meeres zu hören.

Den Helm hatte er abgenommen. Hätte er ihn auf seinem Kopf gelassen, hätte er sich zu stark von dieser Welt abgedrängt gefühlt.

Sie kamen.

Sie hatte die wenigen Häuser um den Hafen herum schon verlassen und ritten den Weg entlang, der sie bis zu seiner Hütte führen würde. Dort würde sich dann alles entscheiden.

Es ging weiter. Niemand würde sich dem Befehl widersetzen. Sie würden ihn holen und entweder noch vor der Hütte töten oder ihn mitnehmen und auf dem Schiff umbringen oder im Hafen. Es war alles möglich und genau das wollte Diaz nicht zulassen.

Das verbot ihm sein Stolz.

Und er war stolz. Ein Spanier, der in seiner Heimat eine gewisse Machtfülle besessen hatte. Diesen Stolz würde er sich auch von der anderen Seite nicht nehmen lassen.

Er wartete vor der Hütte auf sie. Sein Schwert hatte er gezogen. Sie sollten wissen, dass er sich nicht kampflos ergeben würde.

Es waren bereits ihre Pferde zu hören. Das Klappern der Hufe auf dem Boden. Nur wenig Staub wurde aufgewirbelt.

Diaz hoffte darauf, dem Anführer in die Augen schauen zu können. Er rechnete damit, dass Sinclair an der Seite der Männer ritt.

Es konnte aber auch sein, dass er unten am Hafen auf seine Leute wartete. Da hätte er dann die Gelegenheit gehabt, seinen Widersacher zu töten.

Diaz hatte andere Pläne, und er dachte wiederum nur an seinen neuen Gott, diesen Baphomet. Der Name drängte sich in seinen Kopf, und er wurde immer intensiver.

Er glaubte daran, dass eine Stimme mit ihm sprach. Es war nur ein Flüstern, aber das bekam er nicht aus dem Kopf. Die Stimme bedrängte ihn.

Du brauchst nicht zu ihnen. Du kannst auch zu mir kommen.

»Aha. Und wie?«, flüsterte er.

Wieder war da der Gedanke.

Das weißt du doch.

»Du meinst, ich soll …«

Genau das.

»Und was geschieht danach?«

Ein Lachen war zu hören. Das ist etwas Besonderes. Ich kann dir nur sagen, dass du es nicht bereuen wirst. Oder willst du in die Hände der anderen fallen?

»Nein, ganz und gar nicht.«

Dann tu, was ich dir gesagt habe.

Diaz gab keine Antwort mehr. Er war hin und her gerissen. Er wusste nicht, was gut war oder nicht. In seinem Kopf spürte er die Stiche, die nicht weichen wollten. Sie waren irgendwie als eine Botschaft zu verstehen, die sich immer stärker in sein Gedächtnis einhämmerte.

Kein Zurück mehr!

Dieser eine Satz schoss ihm durch den Kopf. Er hatte sich jetzt dazu entschlossen. Er wollte ein Beispiel sein, und er war jetzt froh, dass er sein Nahkampfschwert bei sich hatte. Es hatte eine kürzere Klinge und war besser zu handhaben.

Sie kamen.

Sie bildeten jetzt so etwas wie eine kleine Prozession. Diaz war nicht zurück in sein Haus gegangen. Er erwartete sie davor, und sein Gesicht zeigte einen konzentrierten und zugleich angespannten Ausdruck. Er wusste genau, welchen Weg er gehen würde. Davon ließ er sich von niemandem abhalten.

Sie ritten näher.

Sechs Leute hatte der Anführer geschickt. So viele hielt er für nötig, um Diaz zu stellen und dem Mörder die gerechte Strafe zu erteilen.

Sie hielten an, nachdem sie einen Kreis gebildet hatten. Jeder von ihnen war bewaffnet. Die meisten mit Schwertern. Andere wiederum trugen Lanzen, die sie gesenkt hatten, und so wiesen drei Spitzen auf den Templer.

Du musst es tun!

Ja, da hatte ihn wieder die Stimme erreicht. Er gab eine Antwort, indem er nickte.

Einer der Reiter sprach ihn an. Es war ein Mann mit einem mächtigen schwarzen Bart. Er sah finster aus. In der linken Hand hielt er sein Schwert. Sein Pferd tänzelte unruhig auf der Stelle.

»Was wollt ihr?«, fragte Diaz.

»Dich!«

Diaz lachte. »Warum gerade mich? Was habe ich euch getan? Ihr seht aus wie Henker, versteht ihr?«

»Ja, das ist uns klar.« Ein Lachen folgte. »Wir sind gekommen, um dich zu holen.«

»Und dann?«

»Wir bringen dich zum Hafen.«

»Und dort?«

»Wird dein Schicksal dich ereilen.«...

Erscheint lt. Verlag 21.5.2013
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-4126-9 / 3838741269
ISBN-13 978-3-8387-4126-0 / 9783838741260
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Ohne DRM)

Digital Rights Management: ohne DRM
Dieses eBook enthält kein DRM oder Kopier­schutz. Eine Weiter­gabe an Dritte ist jedoch rechtlich nicht zulässig, weil Sie beim Kauf nur die Rechte an der persön­lichen Nutzung erwerben.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
HORROR | Die Vorgeschichte des Katz-und-Maus-Duetts

von H. D. Carlton

eBook Download (2025)
VAJONA (Verlag)
CHF 11,70