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John Sinclair 1816 (eBook)

Der sanfte Henker

(Autor)

eBook Download: EPUB
2013 | 1. Aufl. 2013
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2871-1 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1816 - Jason Dark
Systemvoraussetzungen
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Sie hieß Jamila Londry. Sie war schön. Aber sie gab sich auch als unnahbar. Nur wen sie erwählt hatte, dem versprach sie den Himmel auf Erden. Sie nannte sich selbst die Sanfte. Das hing damit zusammen, dass sie Federn liebte und sie bei ihrem Liebesspiel eine bedeutende Rolle spielten. Allerdings konnten sie auch ins Gegenteil gedreht werden, und dann war die Feder plötzlich das perfekte Mordinstrument...

Es hatte mir gut getan zu sehen, wie die Wiege des Teufels verbrannte. Ich selbst hatte sie ins Feuer geworfen, aber ich dachte auch daran, dass jemand gestorben war, der meiner Ansicht nach noch hätte leben sollen.

Es war ein kleines Kind gewesen, das vom eigenen Höllenfeuer vernichtet worden war. Da hatte sich der Teufel zurückgezogen, und ich hatte darauf gehofft, dass sich noch der erste Diener des Teufels zeigen würde, aber von Matthias hatten wir nichts gesehen. Er hatte nur heimlich gewisse Vorbereitungen getroffen und dann seinen Diener Justus Blake ins Feld geschickt.

Er hatte Verbündete um sich versammelt und vor allen Dingen mit der Wiege noch viel vorgehabt.

Das war jetzt vorbei. Suko und ich waren froh darüber. Auch die Wiege gab es nun nicht mehr, und wir konnten aufatmen und uns neuen Fällen widmen.

So war es immer gewesen, so würde es auch in diesem Fall sein. Das dachte ich, aber ich wurde eines Besseren belehrt.

Dabei hatte der Morgen entspannt begonnen. Wie immer waren Suko und ich ins Büro gefahren und dabei sogar halbwegs pünktlich gewesen. Da war auch noch alles in Ordnung. Wenn wir jetzt aus dem Fenster schauten, da sahen wir die Veränderung am Himmel. Er war grauer geworden, und aus einer glatten Wolkenbank rieselten die ersten Flocken.

»Jetzt erwischt es auch uns«, sagte ich.

»Was meinst du?«, fragte Glenda Perkins, unsere Sekretärin oder Assistentin.

»Die ersten Flocken.«

Glenda lachte. »Ja, das hat so kommen müssen. Ich habe es in den Nachrichten gehört und auch gesehen. Wir sollten uns auf etwas gefasst machen, sag ich dir. Auf dem Land hat es bereits die ersten kleinen Katastrophen gegeben.«

»Wieso?«

»Schneeverwehungen.«

Ich winkte ab. »Die wird es hoffentlich hier nicht geben.«

»Warte es ab.«

Ja, ich würde warten müssen. Auf einen neuen Fall, der vielleicht schon auf uns wartete, denn lange Phasen hatten wir zwischen den einzelnen Fällen eigentlich nicht.

Meinen ersten Kaffee hatte ich schon getrunken. Ich holte mir eine zweite Tasse. Suko ließ ich in unserem gemeinsamen Büro sitzen und ging zu Glenda.

»Langeweile?«, fragte sie.

»Fast.«

»Dann kannst du mir dabei helfen, bestimmte Meldungen zu lesen, die ich ausdrucken muss.«

»Lass mal. Darauf habe ich keinen Bock.«

»Das ist mal wieder typisch.«

Ich trank einige Schlucke und fragte: »Ist denn etwas Relevantes für uns dabei?«

»Nein, das ist nur ein Teil dessen, was in der letzten Nacht passiert ist. Über Vampire, Zombies oder Hexen habe ich nichts gelesen.«

»Da können wir uns schon jetzt gratulieren.«

»Faulpelz.«

»Na und? In meinem Alter kann ich mir das erlauben.«

»Oh, mir kommen gleich die Tränen.«

»Dann schenke ich dir ein Taschentuch.«

»Gut, und was hast du sonst noch an diesem Tag vor?«

»Im Büro bleiben.«

»Das ist alles?«

»Das gefällt dir nicht?«

Glenda schüttelte den Kopf. »Nicht die ganze Zeit. Wir könnten sie unterbrechen.«

Ich ahnte, was kam, und fragte trotzdem nach. »Wie denn?«

»Indem wir Freund Luigi einen Besuch abstatten.«

Luigi war unser Pizzabäcker. Ein guter Koch, der sein kleines Restaurant fest im Griff hatte.

»Einverstanden.«

Glenda grinste von Ohr zu Ohr. »Dann können wir uns schon hier aussuchen, was wir essen wollen.«

»Ja, fang schon mal an.«

»Danke für den Tipp. Aber ich denke, dass ich noch Zeit genug habe. Außerdem muss ich gleich noch mal weg.«

»Wohin denn?«

»In die Reinigung. Ein paar Klamotten abholen.«

»Aha, du bereitest dich auf den Frühling vor.«

»Das kann man so sagen.«

»Und wann kommt er?«

»Keine Ahnung.« Sie lächelte. »Jedenfalls will ich vorbereitet sein.«

»Tu das.«

»Du kannst Suko ja mal fragen, ob er am Mittag mitgehen will. Dann reserviere ich schon mal drei Plätze.«

»Alles klar.«

Ich nahm den Kaffee mit in unser gemeinsames Büro, in dem das Licht an der Decke einen kalten Schein verbreitete. Aber wir waren zumindest in der Lage, jede Staubfluse zu sehen.

»Aha«, sagte Suko nur. Er hatte Zeitungen gelesen und schob sie jetzt in Richtung meines Schreibtisches.

Ich ignorierte sie und wollte Suko auf unsere Mittagspause ansprechen.

Dazu kam es nicht mehr.

Das Telefon meldete sich.

Ich schnappte mir den Hörer, weil Suko mir zugenickt hatte. Eine Männerstimme meldete sich, und ich erfuhr, dass der Kollege einen Draht zum Untersuchungsknast hatte.

»Okay, und weshalb rufen Sie mich an?«

»Weil einer der Insassen keine Ruhe gibt.«

»Was heißt das genau?«

»Er will Sie sprechen.«

»Aha. Wie heißt der Mann?«

»Justus Blake.«

Er also. Das hätte ich mir eigentlich denken können. Ich kannte sonst keinen, der in der U-Haft saß.

»Was will er?«

»Sir, das hat er mir nicht gesagt. Er hat nur immer wieder Ihren Namen gesagt und davon gesprochen, dass dieses Treffen sehr wichtig wäre. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen. Wenn Sie ablehnen, vergessen wir die Sache, ansonsten kommen Sie nach unten in unsere Abteilung.«

Ich war mir noch nicht ganz sicher. Deshalb stellte ich noch eine Frage an den Kollegen.

»Was hatten Sie denn für einen Eindruck? Meint der Mann es ehrlich? Oder war es nur Show?«

»Keine Show, Sir. Ich hatte den Eindruck, dass er es ehrlich gemeint hat.«

»Gut. Dann komme ich.«

»Das freut mich.«

Ich hatte Suko nicht zuhören lassen, deshalb fragte er: »Was hast du für ein Problem?«

Er bekam einen Bericht.

»Oh, das ist ungewöhnlich.«

»Finde ich auch.«

»Eine Falle?«

Ich winkte ab. »Wie sollte er uns denn schon eine Falle stellen können? Da gibt es einige, aber kein Justus Blake. Der ist weg vom Fenster.«

»Ja, aber er will es nicht wahrhaben. Ich bin wirklich gespannt, was er will.«

»Willst du mit?«

»Nein, nein, das ist deine Sache.«

Ich stemmte mich vom Stuhl hoch. »Dann bis gleich.«

Im Vorzimmer hielt mich Glenda Perkins auf. »Wo willst du hin?«

»In den Keller.«

»Kartoffeln holen?«

»Nein, auch keine, die du schälen musst. Da will mich jemand sprechen. Justus Blake.«

»Das ist doch der vom letzten Fall.«

»Genau. Jetzt sitzt er, und ich bin gespannt, was er mir zu sagen hat.«

»Er wird dir bestimmt einen Bären aufbinden wollen.«

»Glaube ich nicht.«

»Was glaubst du denn?«

Manchmal konnte Glenda nerven. »Ich habe keine Ahnung, aber ich glaube auch nicht, dass er mich reinlegen will.«

»Dann wünsche ich viel Spaß, Mister Geisterjäger …«

***

Jamila Londry öffnete die Tür nur einen Spalt und das auch recht langsam. Sie wusste, was sie erwartete, aber er wusste nicht, was ihn erwartete. Er würde sich von ihrer Sanftheit einlullen lassen, und er würde gnadenlos die Konsequenzen zu spüren bekommen.

Er saß auf dem Bett, den Rücken hatte er angelehnt. Die Decke reichte bis zu seinen Oberschenkeln, sodass der Oberkörper frei lag und jedes Detail zu sehen war.

Einige rote Flecken malten sich auf der hellen Haut ab. Der Bauch bestand aus einer Portion Schwabbelteig, der sich noch zu den Seiten hin ausbreitete. Die Arme hatte der Mann rechts und links seines Körpers auf die Matratze gestützt.

Er hatte die junge Frau zwar gekauft, aber er sah sie zum ersten Mal nackt, und genau diese Tatsache verschlug ihm den Atem. So hatte er sich sie nicht vorgestellt, nicht so perfekt. Bei ihr stimmte alles, und der Mann spürte, dass seine Hände feucht wurden. Sie war einmalig, sie war mehr als das, sie war einfach nur perfekt. Sie war ein lebendiges Wunder.

Das kleine Bad hatte sie verlassen. Der Mann im Bett wollte etwas rufen oder sagen, aber ihm blieb die Stimme weg. Nur ein Krächzen drang über seine Lippen.

Die Adern am fetten Hals des Mannes zuckten. Er hatte es endlich geschafft, sich zu finden.

»Himmel, bist du schön …«

Sie gab darauf keine Antwort und lächelte nur. Mit dem nächsten Schritt hatte sie das Ende des Betts erreicht, gab dem Körper einen leichten Schwung nach vorn und kniete sich.

Er saß, sie kniete. Sie war nicht zum Greifen nahe, aber auch nicht so weit entfernt. Er hätte sich nur auf sie zu bewegen müssen, was ihn aber Anstrengung kosten würde.

Deshalb sprach er sie an. »Komm her. Komm ganz dicht zu mir. Ich will dich fühlen, ich will alles von dir haben. Hast du verstanden?«

»Ja.«

»Dann komm.«

»Nein!«

Der Kerl zuckte zusammen. Mit dieser Antwort hatte er nicht gerechnet, und ihm fiel keine Antwort ein. Er fürchtete, dass diese Frau ihm überlegen war.

Aber sie war auch nackt. Und er hatte sie bezahlt. Deshalb gehörte sie ihm.

Das wollte er ihr auch klarmachen. »Hör mal zu, ich will dich. Ich bin geil auf dich. Ich habe viel Geld bezahlt. Ich darf dich mir gönnen. Du bist etwas Einmaliges, hat man mir gesagt. Und das genau wollte ich haben. Etwas Einmaliges, aber keine verdammte Zicke. Habe ich mich klar genug ausgedrückt?«

»Ja.«

»Dann krieche endlich zu mir.«

»Dann werde ich auch.«

Der Mann schnappte nach Luft. »Na endlich. Endlich siehst du es ein. Vergiss nicht,...

Erscheint lt. Verlag 30.4.2013
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-2871-8 / 3838728718
ISBN-13 978-3-8387-2871-1 / 9783838728711
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