Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

John Sinclair 1810 (eBook)

Gier auf Leben

(Autor)

eBook Download: EPUB
2013 | 1. Aufl. 2013
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-2722-6 (ISBN)

Lese- und Medienproben

John Sinclair 1810 - Jason Dark
Systemvoraussetzungen
1,99 inkl. MwSt
(CHF 1,90)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen

Bruce Garner wusste, dass er keine Chance mehr hatte. Die drei brutalen Kerle hatten ihn gestellt und waren dabei, ihm die Seele aus dem Leib zu prügeln. Nie hätte Bruce geglaubt, dass ihm ausgerechnet eine Frau zu Hilfe kommen würde. Sie musste ungeheure Kräfte haben, sonst hätte sie es nicht geschafft, mit den Kerle fertig zu werden und sie in die Flucht zu schlagen. Bruce war ihr dankbar, doch dann verlangte sie ihren Lohn - sein Blut...

Garner schluckte. Er fühlte plötzlich seinen Magen, der zu einem Stein geworden zu sein schien. Er war jemand, dem die Gerechtigkeit über alles ging. Warum sollte er dafür zahlen, dass er lebte? Nein, das sah er nicht ein. Er wollte dieser Bande nichts in den Rachen werfen. Zudem war er nicht mit Reichtümern gesegnet. Und eine wöchentliche Abgabe zumeist, nur um nicht zusammengeschlagen zu werden, das kam für ihn nicht infrage.

Jetzt musste er die Konsequenzen tragen. Auch das war ihm bewusst gewesen, aber er hätte nicht gedacht, dass es ihn so hart und so schnell treffen würde.

Verschwinden konnte er nicht, das stand fest. Er musste bleiben und sich den Hundesöhnen stellen. Sie sahen gar nicht mal so aus wie Schläger, wären in der City als Fußgänger nicht aufgefallen und auch nicht auf dem Campus einer Uni.

Die drei schauten sich an. Kurz nur. Knapp war auch ihr Grinsen, das schnell wieder verschwand. Dann folgte die Frage, und die hörte sich auch nicht eben freundlich an.

»Was sollen wir dir zuerst brechen? Den Daumen oder den Mittelfinger?« Ein Kichern folgte.

Bruce sagte nichts. Allein die Vorstellung trieb ihm den Schweiß aus allen Poren.

»Wir können dich auch zu Brei schlagen«, sagte der Zweite aus dem Trio.

»Ja, weiß ich.«

»Ach? Mehr sagst du nicht?«

»Was wollt ihr denn hören?«

»Dass du gern zahlen möchtest. Ist das klar? Du gibst uns das, was uns zusteht. Plus Zinsen, natürlich.«

»Habe verstanden.«

»Das ist gut.«

Als hätte der Sprecher ein Stichwort gegeben, holten die drei ihre Waffen hervor. Da wurde ein Schlagring übergestreift, eine Keule kam auch zum Vorschein, und ein Metallrohr, das glänzte wie ein Spiegel.

»Na, was sagst du?«

Bruce Garner winkte ab. Plötzlich war ihm alles egal geworden. Er schrie auf und fuhr die drei Hundesöhne wild an.

»Haut ab, ihr Säue. Verpisst euch. Ihr bekommt nichts, gar nichts! Haut einfach nur ab!«

Es waren harte Worte, die er gesagt hatte. Aber es war ihm egal, er hatte ihnen nur noch zeigen wollen, dass er sich nicht einschüchtern ließ.

Die Hundesöhne schauten sich an. Sie waren ziemlich perplex. So etwas hatten sie noch nie erlebt. Was bildete sich der Mistkerl nur ein.

Er gegen drei?

Und dann hörten sie etwas. Erst war es nur ein Geräusch in ihrem Rücken, dann veränderte sich dieser Laut. Das Geräusch verwandelte sich in eine Frauenstimme.

»Wollt ihr das wirklich durchziehen?«

Die Kerle wirbelten herum.

Vor ihnen stand eine junge Frau mit pechschwarzen, wirr wachsenden Haaren. Sie trug als Oberteil eine Korsage, und ihre Beine steckten in einer engen Hose. Das Gesicht war bleich, nur um die Augen herum waren bläuliche Schatten zu sehen.

»He, träume ich?«, fragte der Sprecher des Trios, der mit seinem Maul immer vorweg war.

»Nein, die gibt es wirklich.«

»Und was könnte sie wollen?«

»Das hat sie doch gesagt.«

»Ja, das hat sie. Aber sollen wir das ernst nehmen?«

»Ich würde es euch raten«, erklärte die junge Frau, die fast noch ein Mädchen war.

Auch Bruce Garner hatte sie gesehen. Im ersten Moment hatte er sich erschreckt, das war jetzt vorbei, denn nun wusste er Bescheid. Sie war gekommen, um ihn zu retten. Ausgerechnet sie. Das war verrückt. Das konnte sie niemals schaffen.

Die drei Hundesöhne sagten nichts. Sie mussten ihre Überraschung erst überwinden. Bruce hörte sie heftig atmen, dann übernahm der Anführer wieder das Wort.

»Was treibt dich denn hierher, du Schmachtlocke?«

»Er!«

»Na und?«

»Ich hasse es, wenn man ihm etwas antun will.«

»Aha. Dann bist du sein Beschützer?«

»Kann man so sagen.«

»Und du würdest alles für ihn tun?«, fragte der Kerl lauernd.

»Ja, das würde ich.«

»Oh – wie großzügig. Das kann übel enden.«

»Glaube ich nicht.«

»Willst du es wirklich wissen?«

»Ja.«

Garner mischte sich ein. Er hatte sich bisher zurückgehalten. Zuerst trat er mit dem Fuß auf, dann schrie er die Frau an. »Bist du verrückt, Julie? Bist du durchgedreht? Das kannst du nicht tun. Geh wieder. Ich will es nicht.«

»Und ob ich das tun kann«, flüsterte sie. »Und ob ich das kann. Komm jetzt her.«

»Und dann?«

»Komm einfach her!«

Bruce Garner überlegte. Sollte er? Sollte er nicht? Er wusste es nicht, und er sah, dass ihn die drei Hundesöhne beobachteten. Einer von ihnen sagte: »Wenn du nur einen Schritt gehst, schlagen wir sofort zu. Das Risiko willst du doch wohl nicht eingehen?«

Auch Julie hatte die Worte gehört. »Na gut, bleib, wo du bist«, sagte sie.

»Ist okay. Und du kannst dann …«

Sie unterbrach ihn. »Ich werde dich holen!«

Er glaubte, sich verhört zu haben. »Was hast du da gesagt?«

»Ja, bleib da stehen. Ich hole dich.«

Bevor jemand reagieren konnte, setzte sie sich in Bewegung. Sie ging nicht schnell, aber schon mit zügigen Schritten. Die drei Hundesöhne waren zu überrascht, um etwas sagen zu können, geschweige denn zu handeln.

Sie wussten auch nicht, wer von ihnen zuerst eingreifen sollte, und weil sie zögerten, kam die junge Frau auch so nahe an Bruce Garner heran, dass sie ihn fast anfassen konnte.

Nur fast, denn plötzlich reagierten die anderen. Es war ihr Anführer, der sich in Bewegung setzte. Er brauchte nur einen Schritt zu gehen. Seine Hand mit dem Schlagring setzte er nicht ein, er nahm die andere und riss Julie zurück.

Sie kippte nach hinten, und der Typ glaubte, gewonnen zu haben. Er irrte sich. Sie trat zu, rammte ihren Absatz auf seinen Fuß und erwischte die Zehen.

Der Typ brüllte auf!

Sein Gesicht verzerrte sich. Er riss sein getroffenes Bein in die Höhe und umklammerte den Fuß. Dabei fing er an zu fluchen, was Julie nicht störte.

»Komm mit«, sagte sie zu Bruce Garner, der noch immer nicht richtig wusste, wie ihm geschah.

Er ging einfach los. Er überließ sich der anderen Person. Er setzte einen Fuß vor den anderen, doch sie kamen beide nicht weit, denn zwei Gestalten versperrten ihnen den Weg. Auch sie waren bewaffnet, und sie zögerten nicht.

»Pass nur auf«, flüsterte Julie und griff selbst an. Es war Angriff und Abwehr zugleich. Sie traf den Arm, der die Stange hielt. Dann rammte sie im nächsten Augenblick die andere Faust in das Gesicht des zweiten Angreifers, der nach hinten kippte und beide Hände gegen seine blutende Nase presste.

Den anderen Schläger räumte sie mit einem heftigen Tritt in den Unterleib zur Seite, und sie hätten eigentlich freie Bahn gehabt, davonzulaufen, doch Julie sagte: »Warte noch!«

»Wieso? Ich …«

Julie Robbins ließ nichts mehr zu. Sie drehte sich um. Jetzt sah sie dem Anführer des Trios in die Augen.

Der Kerl hatte sich einigermaßen wieder erholt. Und er dachte nicht daran, aufzugeben. Er keuchte, er spie aus, dann rannte er auf Julie zu. Ein Schrei begleitete seine Attacke. Sein Gesicht war hochrot angelaufen, er achtete auch nicht auf seine Deckung, er wollte nur durchkommen und zuschlagen.

Julie blieb gelassen. Im letzten Augenblick unterlief sie den Angriff, kam dann hoch und hatte doch nicht mit der Schnelligkeit des Kerls gerechnet, denn er schaffte es, von oben nach unten zu schlagen und seine Faust auf ihren Kopf zu rammen.

Nicht Julie schrie auf, sondern Bruce Garner. Es hatte ihm wehgetan, dies mit ansehen zu müssen. Die Faust war brutal auf Julies Kopf gelandet, und sie hätte in die Knie sinken müssen, was aber nicht passierte.

Sie blieb stehen.

Der Schläger fasste es auch nicht. Es fing an zu lachen. Wenig später lachte er nicht mehr, denn da hatte Julie zugeschlagen. Und sie stieß ihre Faust seitlich gegen seinen Kopf.

Ein dumpf klingender Laut war zu hören, dann sackte der Kerl zusammen, lief stolpernd zwei Schritte weiter und landete schließlich am Boden.

Da blieb er liegen.

»Komm jetzt!«, sagte Julie.

Bruce Garner hatte ihre Stimme gehört. Sie kam ihm allerdings vor, als würde sie aus weiter Ferne an seine Ohren wehen. Ihm war komisch zumute. Er konnte nicht fassen, was hier passiert war, aber ihm war auch bewusst, dass er ohne Julies Auftauchen jetzt in einer anderen Lage gewesen wäre.

Und zwar in einer schlechten. In einer Lage, die blutig hätte enden können.

Er sagte nichts mehr. Julie fasste ihn an der Hand und zog ihn einfach mit. Jetzt ließ er auch alles mit sich geschehen. Er schaute nicht, wohin sie gingen. In diesen Momenten war ihm alles egal. Er wollte weg, und er konnte sich komischerweise nicht so richtig über seine Rettung freuen.

»Wir sind da!«

Julies Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Er schaute sich um.

»Wo?«

»In Sicherheit.«

»Das ist gut.« Es war einfach nur so dahin gesagt, denn was wirklich in den letzten Minuten geschehen war, das war irgendwie an ihm vorbeigegangen. Er war nur seiner Retterin gefolgt, die ihn auch nicht losgelassen hatte.

Jetzt erst kam er richtig zu sich. Er musste einige Male tief durchatmen, dann war er in der Lage, sich umzuschauen, doch er sah nicht viel.

Neben ihm parkte sein Wagen. Es war ein kleiner Fiat 500. Pechschwarz lackiert.

Den Kai sah er auch. Der aber lag jetzt weit zurück. Auch von den drei Hundesöhnen sah er nichts mehr, und so atmete er noch mal tief durch.

»Dann steig mal...

Erscheint lt. Verlag 19.3.2013
Reihe/Serie John Sinclair
John Sinclair
Verlagsort Köln
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Romane / Erzählungen
Schlagworte blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies
ISBN-10 3-8387-2722-3 / 3838727223
ISBN-13 978-3-8387-2722-6 / 9783838727226
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
HORROR | Die Vorgeschichte des Katz-und-Maus-Duetts

von H. D. Carlton

eBook Download (2025)
VAJONA (Verlag)
CHF 11,70