Silent Control (eBook)
512 Seiten
Europa Verlag GmbH & Co. KG
978-3-944305-01-1 (ISBN)
Thore Dohse Hansen (geb. 1969), diplomierter Soziologe und Politikwissenschaftler, arbeitete erfolgreich als Journalist und Kommunikationsberater und für internationale NGOs. Die Finanzkrise erlebte er als Berater von drei der größten Banken Europas in den Jahren 2003 bis 2010 teilweise im direkten Kontakt mit ihren Verursachern. Heute ist er freier Autor und setzt sich vornehmlich mit den ungeklärten und geheimen Aspekten von Kultur- und Zeitgeschichte auseinander, um diese belletristisch zu verarbeiten. Thore Dohse Hansen (geb. 1969), diplomierter Soziologe und Politikwissenschaftler, arbeitete erfolgreich als Journalist und Kommunikationsberater und für internationale NGOs. Die Finanzkrise erlebte er als Berater von drei der größten Banken Europas in den Jahren 2003 bis 2010 teilweise im direkten Kontakt mit ihren Verursachern. Heute ist er freier Autor und setzt sich vornehmlich mit den ungeklärten und geheimen Aspekten von Kultur- und Zeitgeschichte auseinander, um diese belletristisch zu verarbeiten.
Thore Dohse Hansen (geb. 1969), diplomierter Soziologe und Politikwissenschaftler, arbeitete erfolgreich als Journalist und Kommunikationsberater und für internationale NGOs. Die Finanzkrise erlebte er als Berater von drei der größten Banken Europas in den Jahren 2003 bis 2010 teilweise im direkten Kontakt mit ihren Verursachern. Heute ist er freier Autor und setzt sich vornehmlich mit den ungeklärten und geheimen Aspekten von Kultur- und Zeitgeschichte auseinander, um diese belletristisch zu verarbeiten. Thore Dohse Hansen (geb. 1969), diplomierter Soziologe und Politikwissenschaftler, arbeitete erfolgreich als Journalist und Kommunikationsberater und für internationale NGOs. Die Finanzkrise erlebte er als Berater von drei der größten Banken Europas in den Jahren 2003 bis 2010 teilweise im direkten Kontakt mit ihren Verursachern. Heute ist er freier Autor und setzt sich vornehmlich mit den ungeklärten und geheimen Aspekten von Kultur- und Zeitgeschichte auseinander, um diese belletristisch zu verarbeiten.
KAPITEL 1
STOCKHOLM
Torben Arnström sah von seinem Schreibtisch auf und starrte auf die tanzenden Schneeflocken vor seinem Fenster. Er nahm einen Schluck Kaffee und lehnte sich zurück.
Sein Blick wanderte durch das kleine Büro. Es lag im Innenhof eines sanierten Mietshauses ganz in der Nähe des Riddarfjärden, dort, wo der Mälaren-See in die Ostsee mündet. Noch vor einigen Jahren waren hier die Mieten für die acht bis zehngeschossigen Stadtwohnungen erträglich. Doch gestern hatte Torben die dritte Erhöhung in Folge bekommen. Als hatte er nicht schon genug Ärger am Hals. An den Wänden des engen Büroraums hingen alte Konzertplakate, deren Ränder sich bereits wellten. Das einzige große Möbelstück war ein überdimensionaler Schreibtisch, auf dem mehrere Rechner standen. Dazwischen türmten sich Berge von Büchern, Unterlagen, Zetteln, Zeitschriften, Kompendien und halb leere Lakritztüten. Man hätte das Sammelsurium für einen Müllhaufen halten können.
Die typische Location eines Nerds eben, dachte Torben selbstironisch. Er mochte den Ausdruck Nerd nicht besonders, musste aber zugeben, dass er auf ihn passte. Sein Leben fand am Computer statt. Seit Wochen hatte er ganze Nächte hinter dem bläulichen Schein der Monitore verbracht, und er pflegte seine eigene Vorstellung von Ordnung. So chaotisch alles aussah, für Torben hatte dieses Chaos System. Alles hatte seinen festen Platz. Und schließlich war dieses Büro definitiv nicht dazu da, irgendjemanden zu beeindrucken.
Gedankenverloren angelte er sich eine Lakritztüte. Lakritz war die einzige Droge, der Torben verfallen war, neben der exzessiven Koffeinzufuhr, mit der er sich in seinen einsamen Nächten wach hielt. Während er sich ein Stück Lakritz aus der Tüte fischte, fiel ein kleines Plastikspielzeug zu Boden, das daraufgelegen hatte. Er hob es auf. Das Aufziehauto war ein Geschenk seiner kleinen Nichte. Ein Relikt aus dem analogen Zeitalter. Irgendwie hing Torben an dem Ding. Es wirkte auf ihn wie die Erinnerung an eine heile Welt, in der Familien gemeinsam frühstückten und Kinder herumtobten. Kein Vergleich mit seiner eremitischen Existenz.
Gähnend stand er auf und dehnte sich. Müdigkeit lastete auf seinen Gliedern, die Nacht über hatte er an seinem neuen Programm gearbeitet. Er stakste in das winzige Bad und schaufelte sich kaltes Wasser ins Gesicht. Dann betrachtete er sich im Spiegel. Dichtes blondes Haar fiel ihm leicht gewellt in die Stirn. Darunter sah er das Gesicht eines Mannes, der zu viel arbeitete und zu wenig schlief. Obwohl Torben erst Mitte zwanzig war, gruben sich schon erste Furchen in seine blasse Haut. Einzig seine lebhaften hellblauen Augen verrieten die Energie eines jungen Mannes.
Eigentlich wäre ein Urlaub fällig gewesen. Doch sein Job bei der Firma Saicom und seine nächtlichen Recherchen ließen ihm keine Zeit dazu. Später, dachte Torben, irgendwann im Sommer. Dann fahre ich vielleicht nach Gomera und schwimme im Meer mit Delfinen. Aber jetzt gibt es Wichtigeres.
Er ging zurück ins Arbeitszimmer, klappte seinen silberfarbenen Laptop auf und checkte die neuesten Blogs. Seit Wochen drehte sich alles nur noch um die Eskalation des virtuellen Kriegs. Ein Jahr zuvor hatte das FBI einige Schlüsselfiguren der berüchtigten Anonymous verhaften können, mithilfe eines Verräters aus deren eigenen Reihen. Damals hatte man angenommen, dass ein entscheidender Schlag gegen die Gruppe gelungen sei. Doch im Netz herrschte weiter Unruhe.
Torben ahnte, dass die Zerschlagung von Anonymus nichts weiter als eine Illusion war, eine gefährliche dazu. Man munkelte über neue Attacken, auch wenn noch nichts offiziell bekannt geworden war. Anonymous waren eine Hydra. Schlug man einen Kopf ab, wuchsen gleich mehrere nach.
Sein Handy klingelte. Stirnrunzelnd sah er auf seine Armbanduhr. Es war erst Viertel nach sieben. Wer um Himmels willen rief um diese Zeit an? Neugierig zog er das Gerät unter einem Stapel Computermagazine hervor.
»Arnström.«
»Hallo Torben, hier ist Nova. Ich soll dir von Wallins ausrichten, dass sich gleich alle zu einer Besprechung im World Trade Center treffen. Auch die Freelancer.«
»Ist was passiert?«
»Ich weiß nichts Genaues, nur, dass ein fetter Auftrag ansteht. Und dass Wallins großen Wert auf deine Anwesenheit legt. Um acht geht’s los.«
»Das ist in einer Dreiviertelstunde!«
»Du hast es präzise erkannt.«
Torben steckte das Handy in die Tasche seiner Jeans. Was hatte der Alte vor? Wallins war der Chef von Saicom. In den letzten fünf Jahren hatte sich die Firma zu einem der Marktführer im Bereich Computersicherheit entwickelt. Kein Wunder. Seit jeder Vorstadthacker in hochsensible Datenbanken vordringen konnte, war der Bedarf rasant gestiegen. Und seit WikiLeaks, Anonymous und andere Hacker immer wieder brisante Regierungsgeheimnisse ins Netz stellten, verteilt über Tausende alternative Server, herrschte nackte Panik in den Chefetagen von Behörden und Konzernen.
Hastig nahm er einen letzten Schluck Kaffee und zog sich seinen alten, abgewetzten Parka über. Seit Wochen versuchte Wallins, ihn davon zu überzeugen, nach dem Studienabschluss ganz bei Saicom einzusteigen. Allerdings bezweifelte Torben zunehmend, dass seine eigenen Pläne dem Geschäftsmodell von Saicom entsprachen. Im Grunde war er ein Außenseiter. Auch wenn er Geld verdienen musste, letztlich gehörte er nicht in das etablierte System. Oder würde er den Spagat schaffen? Tagsüber ein braver Angestellter, nachts ein Nerd, der an einem bahnbrechenden Programm arbeitete?
Als Torben die Schreibtischlampe ausschaltete, fiel sein Blick auf seinen altmodischen roten Aktenordner, der neben dem halb leeren Kaffeebecher lag. Darin befanden sich die Ausdrucke seiner Recherchen der letzten Monate. Es waren die Ergebnisse vieler durchwachter Nächte, eine Ansammlung rätselhafter Puzzlestücke. Nur ein paar Tage noch, und er könnte die Teile sicherlich zusammensetzen.
Draußen blies ihm ein scharfer Wind ins Gesicht. Es war zwar schon fast Ende März, aber der Winter hatte offensichtlich beschlossen, Stockholm noch eine Weile in seinem eisigen Griff zu behalten. Frierend zog Torben die Parkakapuze über seinen Kopf und steuerte die nächste U-Bahn-Station an. Leider hatte die Zeit nicht mehr für sein morgendliches Lieblingsritual gereicht. Seitdem er vor ein paar Jahren sein Kung-Fu-Training bei einem alten chinesischen Meister beendet hatte, hielt er sich mit Schwimmen und Liegestützen bis zur Erschöpfung fit. Egal wie spannend die Arbeit, ein Game oder Programm auch sein mochte, davon wich er selten ab.
Wallins nahm wirklich keine Rücksicht auf seine Mitarbeiter. Ein Meeting um acht Uhr morgens, das grenzte an Straflager. Missmutig kickte Torben eine leere Bierdose in den Rinnstein.
Eine gute halbe Stunde später stand er vor dem World Trade Center Stockholms. Es lag direkt gegenüber dem Hauptbahnhof, ein klotziger mehrstöckiger Bürobau im Stil der späten Neunzigerjahre, gekrönt von einer gewölbten Glaskonstruktion. Eine architektonische Manifestation der Macht.
Torben lachte leise in sich hinein. Welcher Macht? Das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Hackern, Unternehmen und Regierungen glich eher einer Treibjagd in einem System, das um sein Überleben kämpfte. Goliath musste ständig neu gegen David aufrüsten. Die Unternehmen und Regierungen verloren langsam die Nerven, und auch die Stimmung bei Saicom hatte sich in den letzten Wochen zusehends verschlechtert.
Nachdenklich steckte er seine Mitarbeiter-Chipkarte in den Automaten an der Sicherheitskontrolle. Nachdem ein schriller Pfeifton ertönt war, konnte er die Metallsperre passieren. Torben fuhr in den siebten Stock. Er war spät dran. Lautlos öffnete er die Tür zum Konferenzraum. Die Versammlung fand im größten Raum des Stockwerks statt, groß genug für die etwa hundert Mitarbeiter der Saicom AG. Mehrere Reihen mit Stahlrohrstühlen waren zusätzlich aufgestellt worden. Die schmucklosen, weiß gestrichenen Wände und der schwarze Nadelfilzboden verbreiteten eine kühle, unpersönliche Atmosphäre.
Das Meeting hatte schon begonnen. Vorn am Pult stand Mikael Wallins und unterstrich mit ausladenden Gesten jeden einzelnen Satz seines Vortrags. Ein Baum von einem Mann, groß, stämmig, mit einem wallenden Vollbart, der sich allmählich grau färbte.
»Wir müssen diese Challenge nutzen«, sagte Wallins pathetisch. »Es geht nicht nur um das Funktionieren der globalen Strukturen, es geht auch um die Zukunftsfähigkeit von Saicom!«
Die Mitarbeiter lauschten interessiert. Torben drückte sich auf einen freien Platz in der letzten Reihe und ließ seinen Blick schweifen. Ganz vorn saßen Nova und Kilian, seine Studienkollegen von der Uni. Sie arbeiteten ebenfalls für Saicom. Nova konnte man sowieso nicht übersehen mit ihren grellrot gefärbten Haaren, die so gar nicht zu ihrem adretten, grauen Businesskostüm passten. So wie Kilian konzentrierte sie sich auf die Ansprache des Chefs.
Mikael Wallins hatte sich mal wieder in Rage geredet, was Torben immer ein wenig belustigte. Er nannte ihn insgeheim Mika den Wikinger, weil er ihn mit seinem Bart und seiner hünenhaften Statur an einen Abkömmling des alten Seefahrervolks erinnerte. Daran konnten selbst der elegante Maßanzug und das blütenweiße Hemd nichts ändern.
Die Rede schien kein Ende zu nehmen. Unbehaglich rutschte Torben auf seinem Stuhl hin und her. Er verspürte dieses typische Ziehen in seinen Nackenmuskeln, wenn er zu wenig geschlafen hatte. Doch der Duft von frischem Kaffee und Croissants auf einem Tisch an der Wand hob seine Laune ein wenig.
Endlich machte der Wikinger eine Pause. Übergangslos setzte eine heftige Diskussion über die Informationsfreiheit und die...
| Erscheint lt. Verlag | 12.11.2012 |
|---|---|
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Krimi / Thriller |
| Schlagworte | Computervirus • Geheimdienst • Internet • Nerd • Occupy |
| ISBN-10 | 3-944305-01-9 / 3944305019 |
| ISBN-13 | 978-3-944305-01-1 / 9783944305011 |
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