J. R. R. Tolkien hätte seine wahre Freude an diesen raubeinigen und schlagfertigen Nachfahren Gimlis!
Das Abenteuer geht weiter: Die Zwergenarmee König Dureks steht vor den Toren von Kraggen-Cor, aber die Kräfte des Bösen haben die Zugänge fest in ihren Klauen. Es gibt nur einen Weg in die uralte Stadt unter dem Berg. Eine kleine Gruppe von Zwergen, Menschen und Wurrlingen wagt sich auf diesen mysteriösen Pfad, denn das Überleben aller Zwerge steht auf dem Spiel!
Dennis L. McKiernan wurde am 4. April 1932 in Missouri geboren. Im Alter von 18 Jahren trat er in die Air Force ein und kämpfte vier Jahre als Soldat im Korea-Krieg. Nach seiner Militärzeit studierte McKiernan Elektrotechnik. 31 Jahre lang arbeitete er als Ingenieur im Rüstungsbereich, bevor er sich entschloss, das Schreiben zum Beruf zu machen. Sein erstes Buch schrieb er 1977, während er sich von einem Autounfall erholte. Seitdem hat Dennis L. McKiernan über zwanzig Fantasy-Romane verfasst. Er lebt mit seiner Frau in Tuscon, Arizona und ist ein leidenschaftlicher Taucher und Motorradfahrer.
1
Die große Tiefe
Im Morgengrauen wurde Perry von Delk geweckt, der die letzte Wache hatte. Bevor er sich zum Frühstück zu den anderen gesellte, zog der Wurrling sein Schwert Langmesser aus dem Holzscheit neben sich. Die elfische Klinge hatte in der Nacht mit der Spitze in der Rinde gesteckt; ein stummer Wachposten, den alle sehen konnten. Jedes Mitglied des Trupps hatte auf seiner Wache die Klinge im Auge behalten, da das Klingenjuwel blau leuchtete, wenn sich Feinde näherten.
Shannon Silberblatt, der mit seiner Wache nach Perry an der Reihe gewesen war, hatte sich ganz besonders für die Klinge interessiert und sie beinah mit Ehrfurcht betrachtet.
»Diese Waffe ist vor langer Zeit in der Stadt Atala geschmiedet worden«, hatte der Elf danach zu Perry gesagt, »und die Art und Weise ihrer Herstellung ist in Vergessenheit geraten. Meine Vorväter aus dem Hause Aurinor haben sie geschaffen. Diese Klinge kündet von den Alten Zeiten, als sie eine von vielen Waffen war, die man für den Kampf gegen die Streitkräfte des Großen Feindes Gyphon, des Hohen Vûlks, geschmiedet hatte. In gewisser Weise bekämpfen wir ihn noch immer, denn er ist es, der Rucha, Loka und Trolle wie auch andere böse Wesen in Neddra in der Untargarda erschaffen hat.
Zwar sind viele dieser Dolche in den Alten Zeiten gefertigt worden, doch leider gibt es heute in Mithgar nur noch wenige von ihnen – und noch weniger sind tatsächlich in Benutzung. Die meisten liegen in uralten Gräbern oder auf staubigen Denkmälern.« Dann hatte Silberblatt die Waffe in einer eleganten Bewegung geschwungen. »Aber dieser hier ist noch in ganz hervorragendem Zustand und wird im Schwarzen Drimmenheim von großem Nutzen sein. Ich sehe darin ein gutes Vorzeichen für unsere Mission.« Dann hatte der Elf die Waffe wieder mit der Spitze in den Baumstamm getrieben und Perry als Wache abgelöst.
Doch nun dämmerte es, und ihre Feinde würden Deckung vor der aufgehenden Sonne gesucht haben, also schob Perry Langmesser in die Scheide und setzte sich zum Morgenmahl nieder.
»Genießt Euren heißen Tee«, sagte Kian, »denn ab jetzt wird es bis zum Ende unserer Mission kein Feuer mehr geben. Bis dahin ist dies die letzte Kanne, die wir aufgebrüht haben. Aber wir werden nicht lange ohne Tee sein. Heute marschieren wir querfeldein. Bei Sonnenaufgang des sechsten Tages, gerechnet von heute, müssten wir am Morgentor sein. Um Mitternacht des neunten Tages müssten wir Durek mit Zwirn und meinem Bruder Rand sehen, wie sie mit der Armee hinter sich Drimmenheim durch die Dämmertür betreten. Dann, wenige Tage und viele tote Wrg später, werden wir wieder ein Feuer anzünden und heißen Tee trinken.«
»Es wird mir ein großes Vergnügen sein, die Wrg-›Gäste‹ von unserem kleinen Teekränzchen auszuladen«, grunzte der riesige Ursor, und die anderen nickten und lächelten grimmig.
Das Frühstück war bald darauf beendet, und alle überschüssigen Vorräte wurden in einem Versteck eingelagert. Die Sonne war aufgegangen, und es wurde Zeit zum Aufbruch. Delk löschte das Feuer, und alle schulterten ihren Rucksack. Perry warf noch einen letzten Blick auf den Großen Argon in die Richtung, in die das brennende Bestattungsfloß getrieben war. »Leb wohl, Barak«, flüsterte er und wandte sich dann ab, um sich zu seinen Gefährten zu gesellen.
Sie marschierten querfeldein nach Westen. Fürst Kian ging voran. Der junge Mensch trug einen Kettenpanzer und einen schlichten Helm aus Eisen und Leder. Bewaffnet war er mit seinem Silberbogen samt Pfeilen sowie Schwert und Dolch. Hinter Kian marschierte Anval, der Zwergenkrieger, in Kettenhemd und Eisenhelm gekleidet sowie mit einer Streitaxt bewaffnet. Ursor der Baeron kam als Nächster. Er trug einen dunkelbraunen Harnisch aus gehärtetem Leder und seinen großen schwarzen Streitkolben. Perry trug die Silberon-Rüstung unter seinem Hemd und Langmesser sowie einen Dolch am Gürtel, dazu einen schlichten Helm aus Stahl und Leder auf dem Kopf. Hinter ihm folgte der geschmeidige Shannon Silberblatt ohne Rüstung, aber mit Bogen und Pfeilen sowie einem Messer von Langmessers Länge bewaffnet. Borin und Delk bildeten den Abschluss. Die beiden Zwerge waren wie Anval gerüstet und bewaffnet, also mit Axt, Helm und schwarzem Kettenpanzer aus Eisen. Alle trugen grüne, graue oder braune Reisekleidung, die sich kaum von Erde und Gestein, Blättern und Ästen abhob. Sie hatten Rucksäcke mit den erforderlichen Werkzeugen, Proviant und anderer notwendiger Ausrüstung auf dem Rücken. Dazu trug jeder eine Wasserflasche aus Leder an der Hüfte. Schlafsäcke und Mäntel waren zusammengerollt und lagen oben auf den Rucksäcken. So ließen sie den Argon hinter sich und marschierten Kraggen-cor entgegen.
Bald darauf tauchten die Sieben aus dem Uferwald auf und erreichten die Hochebene, eine baumlose, hügelige Landschaft, die langsam zu den entfernten Bergen hin anstieg. Hier und da stand öde und kahl ein Dickicht in der Wintersonne, und das Land war mit Heidekraut und Stechginster bewachsen. Die Hänge stiegen sanft an, und die Gefährten marschierten in gerader Linie nach Westen. Nur hin und wieder machten sie einen Umweg, um einem Felsen, einem Dornengestrüpp oder einer anderen Barriere auszuweichen. Nur zweimal stießen sie auf ein größeres Hindernis: Das erste war eine tiefe, breite Schlucht, die sich quer zu ihrem Weg von Nordwesten nach Südosten zog. Sie kletterten eine steile Seite hinab und auf den bewaldeten Grund, wo ein breiter Bach durch moosbewachsene Felsen plätscherte. Der Trupp nutzte die Gelegenheit, um die Feldflaschen mit dem klaren, sprudelnden Wasser aufzufüllen. Sie überquerten den Bach und kletterten an der anderen Seite wieder empor zur Hochebene. Die zweite Schwierigkeit war ein kleiner Berg, der steil in die Höhe ragte und ihnen den Weg versperrte. Sie marschierten drei Meilen nach Norden, bevor sie einen Einschnitt fanden, durch den sie das Hindernis überwinden konnten.
Obwohl bereits Mitte November war, blieb es am nächsten Tag mild und windstill, und so marschierten sie bei gutem Wetter und kamen gut voran.
An jenem Abend legten sie sich auf der windabgewandten Seite eines Hügels zum Schlafen nieder, sodass sie die Felsen vor der leichten Abendbrise schützten. Perry vermisste das fröhliche Lagerfeuer sehr, obwohl der Mond am Himmel stand und so viel Licht spendete, dass sie weit über die offene Ebene blicken konnten.
In der Nacht wurde Perry von Anval geweckt, der dem Wurrling einen Finger auf die Lippen legte und flüsterte: »Langmesser leuchtet.« Perry schaute schweigend hin und sah, dass ein schwaches blaues Licht tief innerhalb des Runenjuwels matt flackerte.
Mittlerweile war die ganze Gesellschaft wach und duckte sich in die Schatten der Felsen. Alle hielten mit gezogenen Waffen und angespannten Sinnen angestrengt Ausschau. Shannon Silberblatt flüsterte mit Kian, zog sich dann stumm zurück und kletterte geräuschlos zur Kuppe des Hügels empor, wo sein scharfes Ohr und Auge ihnen zum Vorteil gereichen mochte.
Perry kniete auf dem Boden und lauschte angestrengt, um den Feind zu entdecken, doch weder hörte noch sah er irgendetwas. Langmesser steckte in der Scheide, sodass sein Licht nicht über die Hochebene leuchten und sie verraten konnte, aber hin und wieder zog Perry es vorsichtig ein kleines Stück heraus – einen Fingerbreit oder so – und schirmte das Leuchten mit den Händen ab, um nach der blauen Flamme zu schauen. Das Leuchten hielt eine Stunde an, wurde aber immer schwächer, bis Langmesser nur noch im fahlen Mondlicht leuchtete und die Gefahr offenbar vorüber war.
Dann kam Shannon wieder herab. »Ich habe zwar nichts gesehen«, sagte er leise, »aber ich habe ein Unheil im Süden aus der Richtung gespürt, in der Darda Galion liegt. Vielleicht werden meinesgleichen die schändlichen Plünderer am Rande dieses verlassenen Waldes bald zum Kampf stellen.«
Am folgenden Tag wanderten sie rasch über die weiterhin ansteigende Hochebene. Sie konnten jetzt die Berge sehen, und vor ihnen lag die Quadra, vier Gipfel, die höher als alle anderen waren. Einer dieser vier überragte auch noch die anderen drei. »Das ist der gewaltige Rávenor«, antwortete Borin auf eine Frage Perrys, »der größte Berg, den wir kennen. Mein Volk nennt ihn Sturmhammer wegen der unerwartet hereinbrechenden Stürme, die von seinen Hängen kommen. Wer in diese Böen gerät, kann leicht Schaden nehmen.« Borin starrte respektvoll auf die dunkelroten Hänge. »Obwohl in ihm jetzt Grg hausen, bin ich immer noch erpicht darauf, durch die Hallen und Kammern darin zu marschieren. Wenn wir das widerliche Gezücht daraus vertrieben und ihren Gestank aus dem Fels getilgt haben, werden wir daraus eine ebenso mächtige Festung machen wie früher.«
Am nächsten Tag erreichte der Trupp das niedrige Vorgebirge. Fürst Kian führte sie zu einem alten Fußweg ein Stück weiter im Norden, und bald darauf befanden sie sich auf einem schmalen Pfad, der sich durch die Hügelkette aufwärts wand. Auf ihrem Weg zum Kamm konnten sie weit im Süden einen großen dunkelgrünen Fleck sehen. »Seht doch«, sagte Perry, indem er darauf zeigte. In seinen Augen stand eine unausgesprochene Frage.
»Das ist Darda Galion, der Lerchenwald«, informierte Shannon den Wurrling, »die letzte wahre Heimat der Lian hier in Mithgar. Die meisten haben mittlerweile den Dämmerritt genommen, aber ein paar von uns sind noch hier, in alle Winde verstreut. Sie leben mit unseren Verwandten, den Dylvana, in anderen Wäldern, während Darda Galion nicht mehr bewohnt ist.«
»Fürst Kian hat uns erzählt, dass er glaubt, der Lerchenwald sei verlassen«, sagte Perry mit Blick auf das...
| Erscheint lt. Verlag | 31.1.2012 |
|---|---|
| Reihe/Serie | Die Zwergen-Saga | Die Zwergen-Saga |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Fantasy |
| Literatur ► Fantasy / Science Fiction ► Science Fiction | |
| Schlagworte | Abenteuer • Belagerung • Berg • Das Böse • eBooks • Eingang • Epic Fantasy • Fantasy • Gefahr • High Fantasy • Kampf • Menschen • Pfad • Reihe • Saga • Serien • Stadt • Überleben • Volk • Volk der Zwerge • Widerstand • Wurrlinge • Zwerg • Zwergenarmee |
| ISBN-10 | 3-641-08105-X / 364108105X |
| ISBN-13 | 978-3-641-08105-8 / 9783641081058 |
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