John Sinclair 1746 (eBook)
64 Seiten
Bastei Lübbe (Verlag)
978-3-8387-1492-9 (ISBN)
Angst - nackte Angst lag in den Augen des Mannes, der Jane Collins in seinem Büro gegenübersaß. Er hatte ihr ein Foto zugeschoben, auf dem ein blondes Mädchen zu sehen war, das so herrlich lachte. 'Bitte', flüsterte Frank Wells, 'bitte, finden Sie meine Tochter. Tricia ist alles, was ich habe, seit meine Frau nicht mehr da ist. Sie starb vor zwei Jahren.'
(S. 19-20)
Ich weine nicht mehr!, hatte Tricia sich vorgenommen. Ich bin ein großes Mädchen, ich will stark sein. Und ich werde stark sein. Es war ein Versprechen, doch sie wusste selbst, dass sie es kaum einlösen konnte. Und so war es dann auch. Die Dunkelheit war einfach zu schrecklich. Sie nahm einem Kind wie Tricia jegliche Hoffnung. Schließlich schlug sie die Hände vor ihr Gesicht und weinte. Diesmal war es ein tiefes Schluchzen.
Eine Reaktion auf das Verlorensein. Bisher hatte sie noch immer an eine Rettung geglaubt, das war jetzt vorbei. Es gab keine. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass jemand die Tür öffnete, zu ihr kam und ihr sagte, dass sie das Verlies verlassen konnte. Also blieb sie hocken und war froh, dass der Weinkrampf vorüberging. Gebracht hatte es ihr nichts.
Sie musste weiterhin in der Dunkelheit warten. Wie lange noch? Diese Frage stellte sie sich immer wieder und auch immer öfter. Und so wartete sie weiter, dachte an ihren Vater, der sich große Sorgen machen würde. Sie fing an zu beten, wieder an zu zittern, und sie wusste auch, dass ihr Daddy alles in die Wege leiten würde, um sie zu finden. Und wenn ihm das gelang, würde alles gut werden. Ihr Vater war ein starker Mann, der fürchtete sich auch nicht vor der Gestalt, die sie gesehen hatte. Die Fratze hatte sie nicht vergessen. Auch wenn sie nicht sichtbar war, war sie doch immer präsent.
Und Tricia rechnete damit, dass sie wieder auftauchte. Die Zeit verging. Ob es draußen dunkel oder hell war, wusste sie nicht. Die Wasserflasche, die auf dem Boden neben ihr stand, war leer. Sie sehnte sich danach, einen Schluck zu trinken, denn ihre Kehle war ausgetrocknet. Als hätte sie den Wunsch laut ausgesprochen und wäre dieser erhört worden, so geschah etwas, das sie als ein Wunder bezeichnete. In ihrem Verlies wurde es hell. Tricia wollte es nicht glauben. Sie saß auf der Bettkante, und vor Staunen blieb ihr der Mund offen.
Jetzt erlebte sie eine erneute Aufregung, die ihren Herzschlag beschleunigte. Sie hoffte, dass die schreckliche Zeit vorbei war, denn mit dem Licht kehrte auch die Hoffnung zurück. Ja, das Licht blieb. Es erlosch nicht wieder. Aber es waren auch keine normalen Lampen, die unter der Decke hingen und ihre Helligkeit abstrahlten, das Licht stammte von den kleinen Leuchtkörpern, die an den Wänden befestigt waren, auch nicht besonders hell strahlten, sondern nur glühten.
Tricia stand auf. Sie hatte einfach das Gefühl, es tun zu müssen. Vor dem Bett blieb sie stehen und fing an zu zittern. Aus ihrem Mund drangen Laute, die so ähnlich wie ein Lachen klangen, aber danach war ihr noch nicht zumute. So hell war es bisher noch nicht gewesen. Als man ihr die Nahrung gebracht hatte, war nur ein schmaler Schein in das Verlies gesickert. Nun aber war das Licht überall, keine dunklen Wände mehr, die ihr hätten Angst machen können. Sie empfand es wie ein kleines Wunder, und das Wunder vergrößerte sich, als sie auf die Tür schaute. Noch war sie geschlossen.
Sekunden später hörte sie ein Geräusch, das sie kannte, es war ein leises Scharren, das sie immer dann gehört hatte, wenn jemand die Klappe in der Tür geöffnet hatte. Jetzt auch wieder. Sie konnte ihren Blick nicht von der Tür losreißen. Sie hörte sich heftig atmen. Obwohl noch nichts weiter geschehen war, ging sie davon aus, dass etwas passieren würde. Auch wenn sie sich davor fürchtete. Und die Tür öffnete sich. Wäre Tricia ein paar Schritte nach vorn gegangen, dann hätte sie schon durch den Türspalt schauen können. Das traute sie sich noch nicht. Sie wartete ab, bis die Tür ganz aufgeschwungen war. Dass sie schon einmal die schreckliche Fratze gesehen hatte, das hatte sie verdrängt. Im Moment zeigte sie sich nicht. Die Tür war offen.
| Erscheint lt. Verlag | 27.12.2011 |
|---|---|
| Reihe/Serie | John Sinclair | John Sinclair |
| Verlagsort | Köln |
| Sprache | deutsch |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | blutig • Clown • Gruselroman • Horror • Horror Bücher • Horror Bücher ab 18 • horror thriller • Jason Dark • Lovecraft • Paranomal • Sinclair • Slasher • Splatter • Stephen King • Steven King • Zombies |
| ISBN-10 | 3-8387-1492-X / 383871492X |
| ISBN-13 | 978-3-8387-1492-9 / 9783838714929 |
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