Alle machten sich über Melvin lustig. Nur Vicki hatte den Mut, sich für den Außenseiter einzusetzen. Das änderte sich schlagartig, als er auf die Idee kam, eine Leiche auszugraben und mit Hilfe einer Autobatterie zum Leben zu erwecken. Jahre später wird Vicki immer noch von Alpträumen gequält. Als sie in ihre Heimatstadt zurückkehrt, wird Melvin gerade aus einer Anstalt entlassen. Er ist verrückter als je zuvor – und hat bei seinen Experimenten gewaltige Fortschritte gemacht.
Richard Laymon wurde 1947 in Chicago geboren und studierte in Kalifornien englische Literatur. Er arbeitete als Lehrer, Bibliothekar und Zeitschriftenredakteur, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete und zu einem der bestverkauften Spannungsautoren aller Zeiten wurde. 2001 gestorben, gilt Laymon heute in den USA und Großbritannien als Horror-Kultautor, der von Schriftstellerkollegen wie Stephen King und Dean Koontz hoch geschätzt wird.
Kapitel Vierunddreißig (S. 325-326)
»Niemand bewegt sich, oder ich mach Hackfleisch aus euch!« Der laut gebrüllte Befehl ließ Meg Daniels zusammenfahren, und der Laib Brot entglitt ihren Händen. Sie starrte die zwei Männer an, die am Eingang des 7-Eleven standen. Ein großer Mann mit einem Revolver in der einen und einem Schulranzen aus Plastik in der anderen Hand. Daneben ein kleinerer, untersetzter Mann mit einer abgesägten Schrotflinte. Obwohl der Abend in Bakersfield angenehm mild war, trugen beide Männer lange Mäntel.
Und Skimasken. Nebeneinander gingen sie auf den Ladentisch zu. Meg wollte sich rückwärts in den Gang zwischen den Regalen schieben, doch wagte nicht, sich zu rühren. Der große Mann ließ den Schulranzen auf den Ladentisch fallen. »Vollmachen«, blaffte er den Angestellten hinter der Registrierkasse an. Der Untersetzte drehte sich zu Meg um. Er musterte sie durch die Löcher seiner Maske. Sie begann zu zittern, als sie sah, wie seine blutunterlaufenen Augen über ihren Körper abwärts wanderten. Er ließ die Mündung der Schrotflinte über den dünnen Stoff ihres kurzärmligen Stretchtops gleiten und drückte sie gegen ihre linke Brust. »Nett«, murmelte er. »Wirklich nett.« »Bitte … tun Sie mir nicht weh. Bitte.« »Aahh, ich werd dir doch nicht wehtun …«
Das Krachen eines Schusses dröhnte in Megs Ohren. Sie wirbelte herum und sah, wie sich der Mantel am Rücken des großen Mannes ausbeulte. Blut spritzte aus einem Loch unterhalb seiner Schultern. Doch er sackte nicht zusammen. Er richtete den Lauf seines Revolvers auf den Kassierer und drückte ab. Seine Kugel bohrte sich in die Brust des Mannes. Der Angestellte stolperte rückwärts und ließ seine Pistole fallen. Er hielt sich noch immer auf seinen Beinen, als der untersetzte Mann den Lauf seiner Schrotflinte herumschwang und abdrückte. Das Gesicht des Kassierers zerplatzte vom Mund aufwärts in einer roten Explosion.
Dann kippte er nach hinten und verschwand hinter dem Ladentisch. Der große Mann beugte sich vor, griff in die offen stehende Kasse und fischte die Scheine heraus. Er raffte sie zu einem Stapel zusammen, warf sie in den Schulranzen und griff nach mehr. Betäubt starrte Meg auf den Rücken seines Mantels. Das Loch dort hatte die Größe eines halben Dollars. Blut quoll daraus hervor. Doch er stopfte nach wie vor Geld in seinen Ranzen. »Du kommst mit uns, Schätzchen.« Die Worte schienen von weither an ihr Ohr zu dringen. Meint er mich?, dachte Meg. Muss er wohl. Ist sonst niemand im Laden.
»Hey, du!« Sie drehte den Kopf. Der untersetzte Mann starrte ihr in die Augen. »Hast du ein Problem damit?« Sie schüttelte den Kopf. Der große Mann machte den Schulranzen zu und hob ihn vom Ladentisch. Er drehte sich zu Meg um. Mitten in seiner Brust war ein klaffendes Loch. Warum ist er nicht tot? »Wir nehmen die hier mit«, sagte der untersetzte Mann. »Nichts dagegen, Chief. Die ist ja ganz schnucklig.« Der Untersetzte packte die Vorderseite ihres Stretchtops und zerrte Meg mit sich.
Aus dem Supermarkt hinaus. Auf einen wartenden schwarzen Lieferwagen zu. »Möchten Sie noch einen Drink?«, fragte Graham, als er sah, dass sie nur noch Eis und ein rotes Cocktailstäbchen in ihrem Glas hatte. Sie schüttelte den Kopf. Ihr Haar schwang hin und her und schimmerte golden im gedämpften Licht der Cocktaillounge. »Nicht hier«, sagte sie. »Aber wenn Sie mit hochkommen wollen … ?« »Sie wohnen auch im Hotel?« Statt einer Antwort ließ sie ihre Handtasche aufschnappen und nahm einen Zimmerschlüssel heraus. »Nun, ähh …«, sagte Graham. »Das ist Ihre Glücksnacht.« »Würd ich auch sagen, ja.«
| Erscheint lt. Verlag | 22.12.2011 |
|---|---|
| Übersetzer | Helmut Gerstberger |
| Verlagsort | München |
| Sprache | deutsch |
| Original-Titel | Resurrection Dreams |
| Themenwelt | Literatur ► Krimi / Thriller / Horror ► Horror |
| Literatur ► Romane / Erzählungen | |
| Schlagworte | Alpträume • Anstalt • Außenseiter • eBooks • Experimente • Horror • Leichen • Psychopath • Roman • Spannung • Thriller |
| ISBN-10 | 3-641-07860-1 / 3641078601 |
| ISBN-13 | 978-3-641-07860-7 / 9783641078607 |
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