Zum Hauptinhalt springen
Nicht aus der Schweiz? Besuchen Sie lehmanns.de

Stadt des Schweigens (eBook)

Thriller

(Autor)

eBook Download: EPUB
2011 | 1. Auflage
448 Seiten
MIRA Taschenbuch (Verlag)
978-3-86278-058-7 (ISBN)

Lese- und Medienproben

Stadt des Schweigens - Erica Spindler
Systemvoraussetzungen
4,49 inkl. MwSt
(CHF 4,35)
Der eBook-Verkauf erfolgt durch die Lehmanns Media GmbH (Berlin) zum Preis in Euro inkl. MwSt.
  • Download sofort lieferbar
  • Zahlungsarten anzeigen

Die Journalistin Avery ermittelt auf eigene Faust. Denn für sie steht fest, dass der lange zurückliegende Mord an einer jungen Frau in Verbindung steht mit dem erschütternden Tod ihres Vaters. Auch der attraktive Rechtsanwalt Hunter, der durch Avery endlich wieder erfährt, was Liebe ist, glaubt daran. Als erneut die grausam zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden wird, kommen sie der schrecklichen Wahrheit auf die Spur. Und geraten ins Visier des Mörders.



<p>Erica Spindler studierte zunächst Kunst. Als erfolgreiche Malerin stellte sie in namhaften Galerien aus. 1982 begann sie mit dem Schreiben, als sie mit einer Erkältung das Bett hüten musste. 1987 veröffentlichte sie ihren ersten Roman. Zunächst tat sie sich als Autorin romantischer Geschichten hervor, wandte sich aber ab 1996 dem Kriminalroman zu. Ihre Bücher erreichen immer wieder die ersten Plätze der New York Times-Bestsellerliste und erscheinen inzwischen in über 20 Ländern. Spindlers Stil wird durch ihre Faszination für Psychologie und Zwischenmenschliches geprägt, die ihre Romane zu einem spannenden und emotionalen Erlebnis für ihre Leser und Leserinnen macht. Auch als präzise Beobachterin und Kommentatorin gesellschaftlicher Entwicklungen fällt Erica Spindler auf. Die 1957 in Illinois geborene Autorin lebt seit 1980 im Raum New Orleans. An der dortigen Universität schloss sie ihr Kunststudium ab. Heute wohnt sie mit ihrem Ehemann und den beiden gemeinsamen Söhnen im ländlichen Louisiana nahe der Metropole.</p>

"Stadt des Schweigen ist ein packender Roman, der alle Thriller-Fans in seinen Bann zieht und am Ende eiskalt eriwscht"
www.romantictimes.com

1. KAPITEL


Cypress Springs, Louisiana,

Mittwoch, 5. März 2003,

14 Uhr 30.

Avery Chauvin parkte ihren gemieteten Geländewagen vor Rauches „Dry Goods Store“ und stieg aus. Eine feuchte Brise strich ihr über den verschwitzten Nacken und zerzauste das kurze schwarze Haar, während sie die Main Street hinuntersah. Rauches Laden lag immer noch an der begehrten Ecke von Main und First Street. Das Azalea Cafe schrie immer noch nach einem frischen Anstrich, die Kreisbank war noch nicht von einem großen Bankenkonsortium geschluckt worden, und der Stadtplatz, an dem diese Häuser lagen, war so hübsch und schattig wie eh und je, und die Laube in seiner Mitte von erstaunlichem Weiß.

In ihrer Abwesenheit hatte sich Cypress Springs kein bisschen verändert. Wie konnte das sein? Ihr kam es vor, als wären die zwölf Jahre, seit sie zur Louisiana State University in Baton Rouge gegangen und nur an den Wochenenden heimgekehrt war, nichts als ein Traum gewesen. Als wäre ihr Leben in Washington, D.C., noch eine Zukunftsfantasie.

Dann würde allerdings ihre Mutter noch leben, und der schwere Schlaganfall, den sie erlitten hatte, fände erst in elf Jahren statt. Und ihr Vater …

Schmerz über den Verlust überwältigte sie erneut. Sie hörte die Stimme ihres Vaters, leicht verzerrt durch den Anrufbeantworter.

„Avery, Liebes, hier ist Dad. Ich hatte gehofft … ich muss mit dir reden. Ich hatte gehofft …“ Pause. „Da gibt es etwas … ich versuche es später noch mal. Mach’s gut, Kleines.“

Wenn sie doch nur an den Apparat gegangen wäre. Wenn sie sich nur die Zeit genommen hätte, mit ihm zu reden. Ihr Artikel hätte warten können. Der Kongressabgeordnete, der endlich reden wollte, hätte warten können. Ein paar Minuten. Ein paar Minuten nur, die vielleicht alles verändert hätten.

Ihre Gedanken eilten zum Morgen danach. Buddy Stevens, Polizeichef von Cypress Springs, ein Freund der Familie und lebenslang der beste Freund ihres Vaters, hatte sie angerufen.

„Avery, hier ist Buddy. Ich habe … ich habe schlechte Nachrichten, kleines Mädchen. Dein Dad, er ist …“

Tot. Ihr Dad war tot. In der Zeit zwischen dem Anruf bei ihr und dem nächsten Morgen hatte er sich umgebracht. Er war in die Garage gegangen, hatte sich mit Diesel übergossen und angezündet.

Wie konntest du so etwas tun, Dad? Warum hast du es getan? Du hast nicht mal gesagt …

Das kurze Aufheulen einer Polizeisirene unterbrach sie in ihren Gedanken. Avery drehte sich um. Eine Limousine des Bezirkssheriffs von West Feliciana rollte hinter ihren Blazer Geländewagen und hielt an. Ein Officer stieg aus und kam auf sie zu.

Avery erkannte den großen schlaksigen Mann an Gang und Körperhaltung. Matt Stevens, Freund aus Kindertagen, ihre Flamme in der High School, der Junge, den sie zurückgelassen hatte, um ihren Traum vom Journalismus zu verwirklichen. Seit damals hatte sie Matt nur wenige Male gesehen. Zuletzt bei der Beerdigung ihrer Mutter vor fast einem Jahr. Buddy musste ihm erzählt haben, dass sie kommen würde.

Grüßend hob sie eine Hand. Immer noch attraktiv, dachte sie, als er näher kam. Immer noch der begehrteste Fang im weiten Umkreis. Aber vielleicht gebührte ihm dieser Titel nicht mehr, denn Matt könnte inzwischen gebunden sein.

Er blieb mit ernster Miene vor ihr stehen. „Schön, dich zu sehen, Avery.“

Sie sah ihr Spiegelbild in den Gläsern seiner Sonnenbrille. Sie war kleiner, als eine erwachsene Frau sein sollte, und ihr elfenhaftes Aussehen wurde durch den kurzen Haarschnitt und die großen dunklen Augen noch unterstrichen.

„Schön, dich zu sehen, Matt.“

„Das mit deinem Dad tut mir Leid. Ich fühle mich ganz schrecklich, wenn ich dran denke, wie alles gekommen ist. Einfach schrecklich.“

„Danke. Ich … ich bin dir und Buddy sehr verbunden, dass ihr euch um Dads …“ Die Rührung überwältigte sie, doch sie zwang sich, weiter zu reden. Sie wollte nicht zusammenzubrechen. „… um Dads Überreste gekümmert habt.“

„Das war das Mindeste, was wir tun konnten.“ Matt wandte kurz den Blick ab und sah sie dann bedrückt wieder an. „Hast du deine Cousins in Denver erreicht?“

„Ja“, erwiderte sie mit dem Gefühl des Verlorenseins. Ein paar entfernt wohnende Cousins, das war alles, was ihr an Familie geblieben war.

„Ich habe ihn auch geliebt, Avery. Ich wusste, dass er seit dem Tod deiner Mutter … zu kämpfen hatte, aber ich kann immer noch nicht glauben, dass er es getan hat. Ich denke immer, ich hätte erkennen müssen, wie schlecht es ihm ging. Ich hätte stärker darauf achten müssen, wie er sich fühlte.“

Tränen stiegen ihr in die Augen und liefen ihr über die Wangen. Ich bin seine Tochter. Ich bin die Schuldige. Ich hätte es erkennen müssen.

Matt streckte ihr eine Hand hin. „Scheu dich nicht zu weinen, Avery.“

„Nein, ich habe schon …“ Sie räusperte sich, um Fassung ringend. „Ich muss die … Beisetzung organisieren. Führen die Gallaghers noch …“

„Ja. Danny hat das Geschäft von seinem Vater übernommen. Er erwartet deinen Anruf. Dad hat ihm gesagt, dass du irgendwann heute eintriffst.“

Sie deutete zum Polizeiwagen. „Du bist außerhalb deines Zuständigkeitsbereichs.“

Der Sheriff war für alle nicht zum Stadtgebiet gehörenden Teile des Bezirks zuständig. Die polizeilichen Aufgaben innerhalb der Ortsgrenzen von Cypress Springs hingegen waren Sache des Police Departments.

Matt zog einen Mundwinkel hoch. „Schuldig im Sinne der Anklage. Ich bin in der Gegend herumgefahren, weil ich dich erwischen wollte, ehe du zum Haus fährst.“

„Ich war auf dem Weg dahin. Ich habe nur angehalten, weil …“ Sie verstummte, als sie merkte, dass sie eigentlich keinen Grund gehabt hatte anzuhalten. Sie war lediglich einer Laune gefolgt.

Er schien zu verstehen. „Ich begleite dich.“

„Das ist wirklich lieb von dir, Matt, aber nicht nötig.“

„Da bin ich anderer Ansicht.“ Als sie wieder etwas einwenden wollte, schnitt er ihr das Wort ab. „Es sieht schlimm aus, Avery. Ich finde, du solltest nicht allein sein, wenn du es siehst. Ich folge dir“, fügte er mit rauer Stimme hinzu. „Ob du willst oder nicht.“

Avery sah ihm einen Moment in die Augen, nickte stumm, wandte sich ab und stieg in ihren Geländewagen. Sie ließ den Motor an und setzte zurück auf die Main Street. Während sie die Dreiviertelmeile zu dem alten Wohnviertel fuhr, in dem sie aufgewachsen war, atmete sie immer wieder tief durch.

Ihr Vater hatte den Zeitpunkt seiner Tat gut gewählt – mitten in der Nacht, wenn es weniger wahrscheinlich war, dass die Nachbarn das Feuer sahen oder rochen. Laut Brandexperten hatte er Diesel benutzt, offenbar weil Diesel selbst brannte, im Gegensatz zu Benzin, dessen Dämpfe entflammten.

Ein Nachbar hatte auf seiner frühmorgendlichen Joggingtour die noch qualmende Garage entdeckt. Nachdem er vergeblich versucht hatte, ihren Vater zu alarmieren, von dem er annahm, dass er schlafend im Bett lag, hatte er die Feuerwehr gerufen. Der staatliche Brandsachverständige war hinzugezogen worden, der wiederum holte den Gerichtsmediziner, der dann die Polizei von Cypress Springs informierte. Letztlich war ihr Vater durch seinen Gebissabdruck identifiziert worden.

Weder die Autopsie noch die Spurensicherung am Tatort hatten Hinweise auf Fremdverschulden ergeben. Außerdem ließen sich keine Motive für einen Mord entdecken. Dr. Phillip Chauvin war allgemein beliebt gewesen und respektiert worden. Damit erklärte die Polizei seinen Tod offiziell zum Selbstmord.

Keine Mitteilung, kein Abschiedsbrief.

Wie konntest du so etwas tun, Dad? Warum?

Avery erreichte ihr Elternhaus, das in den 1920er Jahren im kanadischen Stil erbaut worden war, und bog in die Zufahrt. Der Rasen musste gemäht werden, die Beete gejätet und die Büsche getrimmt. Obwohl es noch früh war im Jahr, hatten die Azaleen zu blühen begonnen. Bald würden die Beete rings ums Haus in einer Sinfonie von Pinktönen erstrahlen, von eisigem Blassrosa bis zu tiefem Rosarot.

Ihr Vater hatte diesen Garten geliebt und ganze Wochenenden darin gewerkelt und gepflanzt. Jetzt wirkte alles verloren, überwuchert und vernachlässigt.

Avery runzelte die Stirn. Ihr Vater hatte sich offenbar schon lange nicht mehr um den Garten gekümmert. Länger jedenfalls als die zwei Tage, die seit seinem Tod vergangen waren.

Das war ein weiterer Hinweis auf seine Depression. Wie hatte ihr nur entgehen können, wie niedergeschlagen er war? Warum hatte sie während ihrer häufigen Telefonate nichts gemerkt?

Matt hielt hinter ihr an. Erneut atmete sie tief durch und stieg aus.

Er kam mit ernster Miene zu ihr. „Bist du wirklich bereit?“ „Habe ich eine Wahl?“

Sie wussten beide, dass dem nicht so war, und gingen die gewundene Zufahrt hinauf. Die zurückgesetzt liegende Garage duckte sich als eigenständiges Gebäude hinter das Haupthaus. Ein überdachter Gang verband beides miteinander.

Im Näherkommen wurde der Geruch nach Feuer intensiver – nicht nur nach verbranntem Holz, sondern auch nach verkohltem Fleisch und verkohlten Knochen. Als sie um die Hausecke bogen, erkannte Avery einen großen, unregelmäßigen schwarzen Fleck auf der Tür.

„Die Hitze vom Feuer“, erklärte Matt. „Sie hat im Innern noch mehr gewütet. Es grenzt an ein Wunder, dass das Gebäude nicht ganz eingestürzt ist.“

Vor etwa sechs Jahren hatte sie für die Tribune über eine Reihe von Bränden im Gebiet von...

Erscheint lt. Verlag 1.6.2011
Übersetzer Margret Krätzig
Sprache deutsch
Themenwelt Literatur Krimi / Thriller / Horror Horror
Literatur Krimi / Thriller / Horror Krimi / Thriller
Schlagworte Anwalt • dramatisch • Emotional • leidenschaftlich • Rätsel • Serienkiller • spannend
ISBN-10 3-86278-058-9 / 3862780589
ISBN-13 978-3-86278-058-7 / 9783862780587
Informationen gemäß Produktsicherheitsverordnung (GPSR)
Haben Sie eine Frage zum Produkt?
EPUBEPUB (Wasserzeichen)

DRM: Digitales Wasserzeichen
Dieses eBook enthält ein digitales Wasser­zeichen und ist damit für Sie persona­lisiert. Bei einer missbräuch­lichen Weiter­gabe des eBooks an Dritte ist eine Rück­ver­folgung an die Quelle möglich.

Dateiformat: EPUB (Electronic Publication)
EPUB ist ein offener Standard für eBooks und eignet sich besonders zur Darstellung von Belle­tristik und Sach­büchern. Der Fließ­text wird dynamisch an die Display- und Schrift­größe ange­passt. Auch für mobile Lese­geräte ist EPUB daher gut geeignet.

Systemvoraussetzungen:
PC/Mac: Mit einem PC oder Mac können Sie dieses eBook lesen. Sie benötigen dafür die kostenlose Software Adobe Digital Editions.
eReader: Dieses eBook kann mit (fast) allen eBook-Readern gelesen werden. Mit dem amazon-Kindle ist es aber nicht kompatibel.
Smartphone/Tablet: Egal ob Apple oder Android, dieses eBook können Sie lesen. Sie benötigen dafür eine kostenlose App.
Geräteliste und zusätzliche Hinweise

Buying eBooks from abroad
For tax law reasons we can sell eBooks just within Germany and Switzerland. Regrettably we cannot fulfill eBook-orders from other countries.

Mehr entdecken
aus dem Bereich
HORROR | Die Vorgeschichte des Katz-und-Maus-Duetts

von H. D. Carlton

eBook Download (2025)
VAJONA (Verlag)
CHF 11,70